Hip Hop gegen Komasaufen

In den schicken Räumen der Kalkscheune zu Berlin wurde gestern ein Projekt präsentiert, von Partnern, die so auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammen passen.
Die PKV besser bekannt als der Verband der Privaten Krankenversicherer plus die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans plus Mario Pavelka aka Bickmack, seines Zeichens Hip Hop Aktivist und Begründer der Aktion "Hip Hop macht Schule“.
Vorgestellt wurde die Aktion "Hip Hop gegen Komasaufen“ in deren Verlauf ein School Battle ausgetragen wird zwischen der Kölner Max-Planck-Schule und der Kurt-Löwenstein-Schule in Berlin Neukölln.
Im Verlauf dieses Battles werden insgesamt 30 bis 40 Schüler pro Schule von verschiedenen Coaches, wie zum Beispiel dem Berliner Rapper AkteOne für ein halbes Jahr, in den Disziplinen Rap und Tanz trainiert. Am 20.02.2011 wird es dann einen großen Showabend geben, wo die jungen Talente dann ihr können unter Beweis stellen müssen und gegeneinander antreten. Eine fachkundige und laut Bickmack hochkarätig besetzte Jury wird dann die unterschiedlichen Elemente, wie Outfit, Bühnenpräsenz, Textgüte und ähnliches bewerten und einen Gewinner ermitteln, die dann ein Preisgeld von 1.000 Euro einstreichen dürfen.

Anlass dieser etwas ungewöhnlichen Kooperation ist die Tatsache, dass laut Frau Dyckmans, die Jugendlichen von heute zwar insgesamt weniger Alkohol konsumieren würden, dass aber eine kleine Gruppe von jungen Menschen immer heftigere und komatösere Trinkgewohnheiten entwickelten. So stieg die Zahl der, mit einer Alkoholvergiftung eingelieferten Jugendlichen unter 16 Jahren um 170 Prozent seit dem Jahr 2000. Diese Zahlen seien deshalb auch so alarmierend weil der Anteil der jungen Mädchen in dieser Gruppe beständig steige, erklärte die Drogenbeauftragte in ihrer Einleitung.
Aus diesem Grund haben sich dann auch die privaten Krankenversicherer dazu entschlossen sich mit einem Budget von insgesamt 10 Millionen Euro pro Jahr an der Kampagne der Bundesregierung gegen den verantwortungslosen Umgang mit Alkohol zu beteiligen, wobei aber für das Hip Hop Projekt nur ein sehr, sehr marginaler Teil davon abfallen wird.

Nichtsdestotrotz wurde Mario Pavelka nicht müde, sich bei der PKV für die bereitgestellten Mittel zu bedanken und verwies darauf, dass dieses Projekt auch eine Art Pilotfunktion habe, die man ausweiten könne, falls das Modell im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht.
Man wolle den Jugendlichen durch Hip Hop Erfolgserlebnisse ermöglichen, die sie im Alltag stark machen, gegen die Versuchungen von Alkohol und Drogen, ob dies aber gelinge, könne man allerdings vielleicht erst in 20 Jahren abschätzen.

Auf diesen Zeitraum wollte sich Volker Leienbach, Direktor des PKV-Verbandes  dann allerdings doch nicht festlegen lassen und so warf die Frage der Nachhaltigkeit und Wirksamkeit solcher Projekte unter den anwesenden Journalisten wahrscheinlich die größten Fragezeichen auf.

Ebenfalls diskutiert wurde die Frage, warum sich das Projekt wieder einmal nur an Gesamt-Haupt oder Realschulen in sozial schwachen Stadtteilen richten würde, denn schließlich sei das Problem durchaus in verschiedenen Gesellschaftsschichten und auch auf Gymnasien präsent.
Hierauf antwortete Mario "BickmackPavelka, dass man tatsächlich das Problem habe, mit solchen Themen in Gymnasien zu lande und diese eine solche Aktion nicht unterstützen würden. Offensichtlich seien die höheren Bildungseinrichtungen der Meinung, dass sie es nicht nötig hätten, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, obwohl das auch nach aussagen von Frau Dyckmans sowie Herrn Leienbach absolut nicht zutreffend seien.

Gerappt wurde übrigens auch noch. Die Sängerin Bee Jay, die Rapperin Ayan, die Tänzerin Natalie sowie Bickmack selbst performten zwei Stücke, die in den letzten beiden Jahren an einer Kölner Schule erarbeitet wurden.

Heimliches Highlight der Pressekonferenz waren allerdings dann doch die Aktivisten der Seite saferchoice.org, die Flugblätter verteilten auf denen zu lesen war, dass Marihuana gegenüber Alkohol die weit bessere, weil risikoärmere Droge sei. So komme es im Gegensatz zu Alkohol zu keinen Todesfällen, sexuellen Übergriffen oder Gewaltverbrechen durch Marihuanakonsum.
In diesem Sinne. Let’s smoke and be free. Schließlich gehörte Kiffen ja auch mal fast zum Kanon der Hip Hop Kultur. Wir fragen mal nach, was Frau Dyckmans davon hält.

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