Shindy – FVCKB!TCHE$GETMONE¥ (Review)

Shindys „FVCKB!TCHE$GETMONE¥“ war eines der mit am meisten Spannung erwarteten Alben dieses Jahres – jetzt ist es da, und kurz gesagt, noch besser als sein nach wie vor formidables Debüt. Statt, passend zum gegenwärtig immer mehr um sich greifenden Fitnesstrend, abzuspecken hat Shindy noch mal zugelegt: Egal, ob Beats oder Raps – der schwäbische Grieche agiert auf seinem zweiten Album aus einer Position der gewachsenen Stärke heraus. Eigentlich muss man für ihn eine neue Kategorie im Deutschrap eröffnen: Feinschmeckerrap. Vom Feinschmecker für Feinschmecker. Lecker.

Während andere Rapper auf ihrem zweiten Album an Frische einbüßen, weil sie plötzlich anfangen zu überlegen, wie sie was machen wollen, bleibt Shindy von seinem Anfangserfolg offenbar unbeeindruckt und setzt seine Linie konsequent und ohne sich beirren zu lassen fort. Die Themen bleiben die gleichen, teures Schuhwerk spielt ebenso eine Rolle wie feines Tuch, Frauen mit dicken Hinterbacken und jede Menge exklusive Nahrungs- und Genussmittel natürlich auch – the good life, mit einem Schuss Mafia-Kokettierung, aber gerade soviel, dass es nicht platt kommt.

Deutsche Mietwagen/ amerikanische Kreditkarten/ italienische Textilwaren“ („Thriller„)

Das alles aber im Vergleich zum Debütalbum „NWA“ in noch größer, noch überdimensionaler und vor allem: Noch stilsicherer. Die unbeschwerte Leichtigkeit, mit der hier immer wieder Referenzen eingestreut werden, die nicht jedem sofort offensichtlich sind, sucht im Deutschrap tatsächlich ihresgleichen. Nicht nur, was diesen Punkt angeht, spielt Shindy in der Tat eher in einer Liga mit gewissen Rappern von jenseits des großen Teichs.

Überhaupt ist Shindy keiner, der schnelllebigen Trends hinterherhechelt oder auch nur wirkt, als würde er sich anstrengen, um stets am Puls der Entwicklung zu bleiben. Statt gerade angesagten Marken wählt er gern die zeitlose, klassische Variante. Hier wird Maradonna erwähnt und nicht Messi oder Ronaldo, hier vergleicht sich der Protagonist nicht mit dem zwar auch faszinierenden, aber letztlich eben doch bäuerlichen Silvio Berlusconi, sondern mit dem römischen Kaiser Julius Cäsar. Und trotzdem wirkt „FVCKB!TCHE$GETMONE¥“ kein bisschen retro oder gar altbacken, sondern voll auf der Höhe der Zeit.

Selbst diesem einen Thema, das im deutschen Rap eigentlich nur auf dem Niveau von schlechtgefilmten Amateurpornos stattfindet, widmet sich Shindy stilvoll und übezeugend. Die Rede ist natürlich von Sex. Schon im rap.de-Special „Bitches & Money“ gab Shindy sich in diesem Punkt als Gourmet, nicht als Gourmand (franz. Vielfraß) zu erkennen. Besonders in „Venedig„, aber auch in diversen Zeilen auf Songs wie „Pancakes“ oder natürlich „Steve Blowjobs“ bekräftigt er das jetzt. Gab es überhaupt schon mal deutschsprachige Rapzeilen übers Ficken, die auch Frauen mit mehr Selbstbewusstsein als das handelsübliche Groupie gefallen könnten? Mir fallen aktuell keine ein.

Sie sagt, echte Frauen machen’s nicht in Nike Air
Und trägt ihren Schmuck, wenn wir ficken – Schweißperlen“ („Venedig„)

Abgerundet wird dieser Ohrenschmaus durch die Beats, die sich natürlich hörbar bei aktuellem Amikram rund um anspruchsvollere Trap-Entwürfe inspirieren haben lassen, aber erstens: Auf welche Beats trifft das nicht zu? Zweitens: Wer setzt das dann auch so stilsicher um? Letztere Frage darf getrost mit „Nicht allzuviele“ beantwortet werden. Und drittens: Wer produziert die auch noch größtenteils selbst? Genau, ShindyDjorkaeff und Beatzarre treten hier lediglich als Co-Produzenten in Erscheinung.

Auch Shindys nach wie vor aufreizend lässiger, ja überheblich-gelangweilter Slow-Motion-Flow hat seine Vorbilder natürlich jenseits des Atlantiks.

Was das an seiner Qualität ändert? Nullkommagarnix. „FVCKB!TCHE$GETMONE¥“ ist die Luxusvariante von Deutschrap – in so gut wie jeder Hinsicht. Und nach dem Hören fühlt man sich ungefähr so relaxet und ausgeglichen wie nach einem Tag in der Kristalltherme inklusive Hamam- und Saunabereich. Allerhöchstens ein Eko-Feature hätte das Album vielleicht noch um ein paar Milliprozent aufwerten können.

FVCKB!TCHE$GETMONE¥ (Deluxe Version)
VÖ Datum: 2014-10-10
Verkaufsrang: 1
Jetzt bestellen ab EUR 39,99

 

4 KOMMENTARE

  1. Und schon wieder eine top Kritik…nach dem Shindy ein für die deutsche Raplandschaft wichtiges Album (NWA) gebracht hat, gab es bereits vor Release nur positive Äußerungen von Fans und Reportern…was ich ziemlich ungerechtfertigt fand, aber jetzt haben wir ja das Album seit 2 Tagen im CD-Player.
    Ich hatte wie jeder viel erwartet, da Shindy 2013 mit seiner eigenen Art neuen Wind nach Deutschland brachte (damals war schon viel Amistyle in der Musik, wie das ganze prettymotherfucker oder mrniceguy gelaber was eigentlich von asap Rocky und dem asap Mob stammt, und einem kleinen Hauch Kanye Wests)
    Ein Jahr ist vergangen, die ganzen Rapper und Redakteure sind mit Bushido cool und fbgm steht in den Startlöchern.
    Ich habe kein zweites NWA erwartet aber was ich nun hörte waren Tracks wie:
    -No Joke, welcher vom Beat und Flow genau wie „my nigga“ von YG Prod. By DJ Mustard, genau sowie die neue Version von JFK
    -Safe/Bitchichbinfame in denen der Style von Drake imitiert werden soll
    -Thriller, in dem lediglich das Sample am Anfang gut ist. Das Lied klingt vom Aufbau und Style stark nach einer Mischung aus Sanctified von Rick Ross, Big Sean u. Kanye (diese Rapper sagen den meisten Kids nur nichts, deshalb kann man sie auch einfach kopieren) und dem Versace Flow der migos. Textlich klingt es nach moneyboy (sein Song Lederjacke könnte man locker als dritten Part hinterlegen ;)).
    -Sterne, welcher nach french Montana vom beat klingt
    -Standing Ovations…hört euch einfach graduation oder mbdt von kanye west an;)
    Ich muss sagen, Shindy setzt den Amistyle gut ins deutsche um und Songs wie Venedig (hört euch mal the weeknd an ;)) oder steve blowjob, jfk sind wirklich gut und ich höre sie auch im Moment gerne… Aber ich als hiphopfan bin enttäuscht, dass sowenig nach ein er eigenen Idee klingt und nach so einem starken Debütalbum, nun ein Album erscheint welches nach Amirap 2013 klingt.
    Sorry liebe deutsche Raphörern und Redaktionen, aber so gute Bewertungen müssen da meiner Meinung nicht sein…hört ihr keine Musik mehr aus den Staaten und merkt nicht wie viel einfach übernommen wurde?!
    Aber wie Shindy das schon sagt „lieber überbezahlt als unterschätzt“
    Shindy meint ja er hätte NWA eine 3 gegeben…Dann ist FBGM für mich nach seiner Skala eine 4+ (verkaufen wird es sich allerdings wie eine 1-2).
    Egal, Shindy hat den 2013 Amistyle der Migos USW jetzt in Deutschland durch seine Reichweite salonfähig gemacht und andere können sich jetzt getrost sein, dass die Fans immer sagen werden „er bitet Shindy“ anstatt Drake.
    Viel Spaß mit der goldenen 😉

  2. Ich persönlich finde das Album zwar durchaus gelungen, aber bei weitem nicht so gut wie ich es mir erhofft bzw. erwartet hatte.
    Die Beats sind bis auf wenige Ausnahmen (z.B. JFK) überragend, besonders auffallend sind Sterne, Venedig und Julius Caesar. Warum er den Beat von JFK im vergleich zum Video geändert hat kann ich mir nicht erklären, denn der aus dem Video ist mMn 10000x besser.
    Der Inhalt ist zwar wie erwartet überheblich und abgehoben, aber halt nicht so geil wie noch auf NWA. Als Beispiel der Song Venedig ist beim ersten mal hören noch super gut, aber mit der Zeit hat man es verstanden: er fickt seine Bitch in Venedig.
    Allgemein würde ich FBGM 3/5 Punkte und für die Beats 4/5 Punkten geben.

  3. Wie tief steckt der H*********** in Bushidos Arsch der diese Scheisse schreibt. Konrad ist einfach nur ein kleiner Pisser der nun dank Bushido und den abou chakers an kay ones stelle cowboy spielen darf. irgendwann kommt das echo für die welle

    Zeig dich wie du bist oder sei wie du dich zeigst. -Rumi

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