Kollegah antwortet erneut auf Staigers Kritik

ANTWORT AUF STAIGER’s BRIEF

Muss gleich zu Promoterminen, hier aber noch schnell eine kurze Stellungnahme (ohne unnötigen Fremdwörtergebrauch und verkomplizierendes Ausgeschweife) zu Staiger’s Schreiben an mich. In Anführungszeichen sind Staiger’s Aussagen, darunter meine Stellungnahme.

1. „Ich habe die Nazikeule nicht ausgepackt und ich halte auch nicht jeden, der Israel kritisiert für einen Antisemiten.“

-habe ich auch nicht Dir persönlich unterstellt bzw. vorgeworfen, sondern der Allgemeinheit der Massenmedien.

„Wer allerdings ohne Not und ohne persönlich davon betroffen zu sein, viermal den Israel-Palästina Konflikt in einem Song erwähnt, dem unterstelle ich ein gewisses Kalkül. Und das Kalkül heißt, ich will mich bei all denen einschleimen, die im Internet unter ein solches Video gerne „Fick die Juden“ schreiben und das sind zur Zeit gar nicht mal so wenige. Den syrischen Bürgerkrieg, Somalia, die andauernde Diskriminierung der Kurden in der Türkei, die Situation im Iran, die Vertreibungspolitik gegen Roma in Ungarn oder auch US-imperialistische Machtbestrebungen im Irak und in Afghanistan … alles Themen, die ebenfalls zur Auswahl stehen, die allerdings viel weniger Likes auf dem facebook-Schlachtfeld bringen. Mit einer berechtigten Kritik der israelischen Politik hat das meiner Meinung nach wenig zu tun – mit Populismus dafür jede Menge.“

-eine völlig aus der Luft gegriffene böswillige Unterstellung und Herabwertung der Kunst der Protagonisten deinerseits. Vielleicht haben die Jungs dem Israel-Palästina-Thema in besagtem Song aus dem Grund besondere Gewichtung gegeben, weil a) diese Problematik seit nunmehr rund 70 Jahren andauert und seitdem TÄGLICH Menschen zu Unrecht sterben und leiden und b) die Massenmedien diese Problematik kaum, und wenn, dann meist sehr parteiergreifend behandeln. Fard und Snaga haben vielleicht beschlossen, das Mittel RAP zu nutzen, um hier insbesondere Stellung zu Dingen zu nehmen, die von den manipulativen Massenmedien ignoriert bzw. heruntergespielt/ falsch dargestellt werden. Dies ist meine Unterstellung, die ich den Jungs mache – besonders auch in Anbetracht der Tatsache, dass weder Fard und erst recht nicht ein Snaga (der eine gefühlte Ewigkeit raptechnisch inaktiv war) in der Vergangenheit irgendwie großartig durch populistisches, kalkuliertes Vorgehen, um mehr Verkäufe zu erzielen oder mehr Fans zu gewinnen, aufgefallen sind.
2. „Du sagst Fard und Snaga seien keine Politiker und man müsse das respektieren, dass sie sich überhaupt Gedanken über diese Themen machen. – Ja respektiere ich, deshalb führe ich auch diese Diskussion. Trotz allem muss ich nicht respektieren, was sie sich da so denken. Mache ich bei Jugendlichen mit NPD Parolen auch nicht. Bin ich auch nicht dankbar, dass sie sich überhaupt mit Politik beschäftigen. Finde ich scheiße und sage ich auch.“
-wiederum völlig unsachlich. Du vergleichst den Rap zweier Menschen, die offenkundige, real existierende Missstände ansprechen, ohne dabei in irgendeiner Weise rassistisch zu sein, allen Ernstes mit NPD-Parolen. (!) Kein weiterer Kommentar.
3. „Du sagst Fard und Snaga seien die Stimme des „kleinen Mannes“ – das behauptet die NPD seit Monaten mit ihren zahlreichen Bürgerbewegungen gegen Flüchtlingsheime auch.“
-und schon wieder. langsam wird es lächerlich.
„Ich sehe nur, wie hier der „kleine Mann“ verarscht wird, indem man die Leute untereinander und gegeneinander aufhetzt und der Blick auf Dinge gelenkt wird, die gar nicht da sind. Nämlich, dass irgendwelche finsteren Mächte die Strippen ziehen würden, um uns unten zu halten.“
– ein Widerspruch in sich. Selbst wenn man annimmt, dass die Absicht der Jungs sei, ein künstliches Feindbild von „dunklen unsichtbaren Mächten, die uns (das Volk) unten halten wollen“ zu erschaffen, dann würde genau dies eher zu einem Gemeinschaftsgefühl unter uns „Unterdrückten“ führen (Bedrohung von außen -> Zusammenschluss und Verbündung der Bedrohten). Von einem „Aufhetzen der Leute untereinander und gegeneinander“ kann daher in solch einem Falle überhaupt nicht die Rede sein, diese Unterstellung ist wiederum völlig sinnfrei und aus der Luft gegriffen.

„In Wahrheit nimmt dir aber dein Boss die Hälfte vom Lohn weg und wenn er dich nicht mehr braucht, setzt er dich auf die Straße und du wirst arbeitslos und damit vollkommen wertlos für diese Gesellschaft. Da braucht man keine Bilderberger dafür, dass es so läuft. Das läuft so.““

– Das stimmt, ist hier aber überhaupt nicht das Thema. Niemand hat behauptet, dass ALLEIN die „Bilderberger“ für normale Alltagsprobleme aus der Arbeitswelt, die der Kaputalismus zwangsläufig mit sich bringt, verantwortlich sind. Hier generierst Du Zusammenhänge, die gar nicht aufgestellt wurden, nur um durch die Verwendung des Begriffs „Bilderberger“ den Jungs wiederum den „Verschwörungs-Spinner“-Stempel aufzudrücken.

4. „Großartig fand ich in diesem Zusammenhang dein Statement, dass wir und zusammen schließen sollten. – Ja sollten wir. Auf jeden Fall. Um jeden Preis.“

– warum dann so im Hatermodus?

5. „Das Konzept die Menschen in unterschiedliche Nationalitäten einzuteilen, ist allerdings ein hervorragendes Mittel, um die Leute zu trennen, weswegen ich dabei bleibe und Nationalismus scheiße finde und auch den nächsten Punkt nicht verstehe.“

– Exakt dieselbe Aussage habe ich im Gespräch mit Toxik getroffen. Hast Du anscheinend überhört.

6. „Du sagst, ein bisschen mehr Patriotismus würde den Deutschen gut tun, damit sie auf dem Schulhof in ihrer Sozialen-Brennpunkt-Hood nicht mehr geopfert werden. Ich weiß nicht, wann Du das letzte mal in so einem Viertel warst, aber als ich neulich in der High-Deck Siedlung am Ende der Sonnenallee gearbeitet habe, kam es mir eher so vor, als ob da ALLE ziemlich am Arsch sind und die patriotischen Deutschen in ihren Thor-Stainar Klamotten nicht weniger Opfer sind – führt eigentlich nur dazu, dass die einen nichts mit den anderen zu tun haben wollen – Nicht gut.“

– wiederum scheinst Du meine Aussagen nicht gehört oder nicht verstanden zu haben. Ich habe gesagt, dass ein gesunder Patriotismus positiv für das Gemeinschaftsgefühl eines Kulturkreises sein kann. GESUNDER Patriotismus, Staiger. Ein Selbstbewusstsein für verschiedene Eigenheiten, Sitten, Charakteristika der eigenen Kultur. Zusammenhalt, Loyalität. Hat jede Kultur und ist etwas völlig normales und nichts verwerfliches. Hat nichts mit Nazi-Gedankengut oder Thor-Steinar-Klamotten zu tun. Du verdrehst und verkomplizierst die Dinge.
„Vielleicht meinst Du aber auch, dass man sich nicht dafür zu schämen braucht, Deutscher zu sein. Da würde ich Dir Recht geben. Man braucht sich genauso wenig für seine Herkunft zu schämen, wie es sinnlos ist, darauf stolz zu sein. Dafür kann man nichts. Das ist einfach so. Punkt.“
– Den Satz mit dem Stolz habe ich wiederum exakt genau so im Gespräch mit Toxik gesagt. Ich frage mich langsam, ob Du meine Aussagen in dem Gespräch überhaupt wirklich mitbekommen hast oder nur halb zugehört hast. Um es mal abzukürzen: Die Deutschen haben im Vergleich zu anderen Kulturen und Nationen ein geradezu mickriges Zusammengehörigkeitsgefühl und Selbstbewusstsein. Wenn du das nicht siehst lieber Staiger, dann lebst du in einer blumigen bunten Parallelwelt.
7. „Noch ein Wort zur Zinskritik, die du verteidigst hast. Du sagst, dass man sein Geld immer wieder investieren muss, denn wenn man es auf der Bank liegen lassen würde, dann würde es ja immer weniger Wert werden … Bank? Zins? … ich lasse das jetzt einfach mal so stehen.“
– Dein letzter Satz soll mir anscheinend Unwissenheit unterstellen. Aber es ist ganz einfach und ich habe auch DIES schon im Gespräch mit Toxik völlig klar dargestellt: Durch die Inflation verliert Geld, das auf dem Konto liegt, mit jedem Tag an Wert. DAS IST EINFACH SO. PUNKT.
„Vielleicht meinst Du aber auch etwas ganz anderes. Vielleicht meinst Du damit, dass die Banken und der gesamte Finanzsektor in der heutigen Zeit viel zu viel Macht haben.“

– nicht nur vielleicht meine ich das, sondern habe es sogar recht klar im Gespräch angedeutet. (Stichwort Privatisierung der Banken)

„Da würde ich Dir wiederum Recht geben, hat aber eine ganz einfache Ursache. Da Gewinne, wie ich vorher erklärt habe, daraus entstehen, dass dein Boss dir immer einen Teil der Kohle klaut, wenn du arbeitest, bekommt er natürlich auch immer weniger, je mehr Leute er auf die Straße setzt. Zunächst sind Entlassungen ganz gut für den Boss, weil der Rest der Belegschaft die gleiche Menge an Gütern herstellt wie vorher auch und durch Entlassungen die Produktionskosten sinken. Irgendwann muss er aber auch die Preise senken, weil seine Konkurrenten ihm im Nacken sitzen und weil irgendwann sogar die Chinesen kommen und alles kaputt machen, weil sie noch billiger produzieren können (weil sie ihre Leute noch besser ausbeuten können). Da hilft dann nur noch, auf Teufel komm raus, mit immer weniger Leuten mehr und immer mehr von dem Zeug zu verkaufen, das man so herstellt, solange bis die Märkte gesättigt sind. Irgendwann ist ein Markt dann ausgelutscht und man muss sich neuen Märkten zuwenden und im Zweifelsfall sogar einen neuen Markt erfinden. Deshalb muss unsere Wirtschaft auch immer wachsen, weil anders funktioniert es nicht und weil das Geld auf der Bank ja immer weniger Wert wird, wenn man es einfach so liegen lässt, Geld aber gerne mehr Geld werden möchte, sucht es sich Dinge, in die man investieren kann. Das ist mittlerweile ein bisschen schwierig geworden, weil gar nicht mehr so viel Wachstumsmärkte übrig sind. Also hat das Geld spätestens seit den 1990er Jahren angefangen, in die Zukunft und somit in die diversen Finanzprodukte zu investieren – mit den Folgen, die wir jetzt sehen. Die Geschäfte mit der Zukunft sind schief gegangen, die Kredite sind geplatzt. Weil das aber alles mittlerweile so groß ist und so viel Platz in unseren Volkswirtschaften einnimmt, kann man die Scheiße aber auch nicht untergehen lassen. Deshalb gibt es Bankenrettungen und Hilfspakete, die letzten Endes dann wieder vom „Kleinen Mann“ bezahlt werden. Too big to fail.“

– Ein langer, verschachtelter, schön und klug klingender Absatz, den ich inhaltlich unkommentiert lasse, da er per se am Thema vorbeigeht. Du schilderst wiederum Probleme, die der Kapitalismus automatisch mit sich bringt. MEINE Aussage dagegen war und ist völlig einfach und klar und betrifft das Problem der INFLATION bei der WURZEL: Es kommt von Tag zu Tag mehr Geld in Umlauf, als ein reeller Gegenwert dafür existiert. Mehr und mehr Geld wird gedruckt, das im Prinzip nichts wert ist. Dadurch verliert Dein und mein Geld auf dem Konto an Wert. Desweiteren (um nochmal auf deine Aussage bzgl. der „finsteren Mächte“ und wie absurd die Annahme der Existenz solcher doch sei, zu kommen): Die Weltbanken sind keine staatlichen Institutionen, sondern Private. Das heisst im Klartext vereinfacht gesagt: da sitzt eine verhältnismäßig kleine, elitäre Gruppe von Menschen, die quasi jede beliebige Zahl in den Rechner eintippen kann, die unendlich viel Geld verleihen kann und somit ganze Staaten in ihre Schuld stellen kann. Die automatische Folge davon ist, dass diese Minderheit zugleich die höchste Macht in der Welt hat. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern einfachste Mathematik und Logik und anhand unzähliger Beispiele auch historisch belegbar. (Beispiel: Geschichte der Rothschild-Dynastie)

An dieser Stelle muss ich Schluss machen, denn gleich macht das Fitness Studio zu und es bringt nichts, Promotermine unaufgepumpt wahrzunehmen, da kann mans gleich sein lassen
Diese Diskussion nehme ich natürlich trotz des Auseinanderklaffens der Meinungen völlig unpersönlich und kenne Staiger gut genug, um zu wissen, dass er das auch tut. Daher bitte keine Beleidigungen in den Kommentaren. In diesem Sinne, wohlwollende Grüße an Dich altes Haus und bleib im Training, sieht schonmal top aus!