Review: Danger Dan – Reflexionen aus dem beschönigten Leben

Ich musste meinem Chefredakteur versprechen, dieses Mal nicht dermaßen ins Schwärmen zu geraten, wie in meiner Review zu „Aschenbecher“ – also gut, ich reiß mich zusammen. Sollte auch klappen, da ich bereits in eben genannter Review erwähnte, dass das neue Album von Danger Dan, „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“ tatsächlich kein „Aschenbecher 2“ ist, obwohl es einen vergleichbaren Spirit hat. In erster Linie ist es aber ein verdammt gutes Album, das mit Authentizität, Rap und Gesangsskills, aber leider auch mit einem unglücklichen Features und einer wirklich dummen Line daherkommt.

Dan schlängelt sich im Laufe der zwölf Tracks immer wieder zwischen kritischen und sehr witzigen Tönen durchs Album. Thematisch könnten Songs wie „Sand in die Augen“ und „Grundvoraussetzung“ nicht weiter voneinander entfernt sein. Aber obwohl ein Song ein starkes und wichtiges Statement über das sexistische Frauenbild der Gesellschaft und der andere ein witziger Track über die Coolness und maßlose Faulheit des Rappers ist, greifen sie trotzdem stimmig ineinander. Es ist eben kein Album mit einem klaren Thema, sondern eines mit recht großer Bandbreite.

Wirklich guter Sänger

Mir ist bewusst, dass ich der gefühlt hundertste bin der das sagt, aber verdammt nochmal, Danger Dan ist ein wirklich guter Sänger. Schon bei der Antilopen Gang war er der Hook-Spezialist und stellt sein Können hier, in seinem Solowerk, auch noch einmal unter Beweis. Im sehr bewegenden Track „Eine aufs Maul“ beispielsweise, kombiniert er seine generelle Musikalität mit sehr gut platziertem Autotune. Auch ein Punkt der im ganzen Album positiv auffällt. Dan hat wirklich ein Händchen dafür Autotune im genau richtigen Maße zu benutzen, es wird immer nur als melodische Verstärkung und nie als dominierendes Stilmittel verwendet, so wie es sein sollte.

Tiefschlag von Koljah

Doch jetzt müssen wir leider über den Schwachpunkt des Albums reden, „Drei gegen einen“. Zwei Fragen: Seit wann rappt Panik Panzer so überragend? Und: Seit wann kickt Koljah so dermaßen polemische und unreflektierte Lines? Aber der Reihe nach. „Drei gegen Einen“ ist das erste Feature auf dem Album und ist, mit allen drei Mitgliedern, ein reiner Antilopen Gang-Song.

Dan fängt konstant an und rappt aggressiv gegen die aktuelle Rapgesellschaft, welche sich über, nicht besonders witzige, „epische Interviews“ und körpertrainierende Pumper definiert. Und dann kommt Koljah. Und hierbei stellt sich mir eigentlich nur eine Frage: Warum? Nicht, dass er seinen Part schlecht rappen würde, im Gegenteil. Auch inhaltlich spricht er fast die gleichen Themen wie Danger Dan an. Doch dann, wie die Faust aus dem Nichts, kommt eben diese Line, die mir diesen Song kaputtmacht und sogar dem Album einen faden Beigeschmack gibt: „ Das Frauenbild von Rappern ist so fortschrittlich wie Kopftücher“

Warum?

Wieso jetzt sowas? Warum bringt er eine Zeile, welche sowohl verallgemeinernd, polemisch als auch islamophob ist? Warum lässt Dan zu, dass so etwas auf seinem Album Platz findet? Wieso dropt Koljah, auf diesem fast makellosem Machwerk, einen solchen Satz und schlägt damit eine völlig neue, unreflektierte Richtung ein. Bereits seit einiger Zeit wettert der Rapper gegen das Tragen von Kopftüchern und rappt auch in seinen eigenen Songs Zitate wie: „Die meisten Judenhasser sind Islamversteher“. Nein, sind sie nicht. Die meisten Judenhasser hassen auch Muslime.

Rettung naht

Doch gerade wenn man genervt weiterschalten will, kommt der Part von Panik Panzer. Der Bruder von Danger Dan war bei mir lange Zeit als der schwächste der Drei abgespeichert, eine Meinung die ich definitiv revidieren muss. Er steckt mit Abstand die meiste Energie in den Song und die Flowpassage:„Doch auf jeden Beef, folgt der Ringelpietz mit anfassen“ ist Weltklasse. Ein schöner Nachgeschmack nach diesem kontroversen Song.

Der Rest des Albums behält dann aber die hohe Qualität bei. Sei es, dass bereits erwähnte, starke Statement im Song „Sand in die Augen“ oder die sehr dichten und mitreißenden Tracks „Wir lachen uns tot“ und „Private Altersvorsorge 2“.

Kindheitstraum

Einen kleinen Kindheitstraum macht sich Dan dann auch noch gleich wahr. Ihm ist es gelungen, the One and Only, Sebastian Krumbiegel zu überzeugen, einen sehr ironischen und witzigen kleinen Disstrack gegen die Prinzen, zu performen. Das erste Feature von Danger Dan mit einem echten Gangster, denn was ist krasser als mit seinem kleinen Fahrrad 180 zu fahren?

Wem kann man also „Reflexionen aus dem beschönigten Leben empfehlen“? All denen die abseits vom gute Laune Studirap und dem millionsten Waffengelaber, einen Sound hören wollen, der seinen ganz eigenen Weg geht. Ein Album, das düstere und persönliche Geschichten erzählt, gute und starke Standpunkte gegen Sexismus und Diskriminierung setzt und gleichzeitig die sehr ernste Atmosphäre immer wieder mit dem typischem und bissigem Humor Danger Dans, auflockert.

32 KOMMENTARE

  1. Der Kolja Part mag etwas daneben sein, aber sind Kopfttücher jetzt neuerdings ein Zeichen vor Fortschritt? Sie sind ein veraltetes Symbol einer patriarchalen Religion und Gesellschaft, dass sich die westliche Gesellschaft in diesen Punkten nicht unbedingt besser dasteht ist ein anderer Schuh. Auch die zweite Line mag etwas daneben sein, allerdings bildet sich in Deutschland in den letzten Jahren eine antisemitische Querfront aus „linken“ Friedensbewegten, klassischen rechten Antisemiten und muslimischen Gruppen. Oder willst du bestreiten, dass das was am Al Quds Tag in Berlin passiert ist kein astreiner Antisemitismus ist?

  2. lel kontroverser Song… kontrovers ist vor allem, dass du „Sand im Auge“ feierst und dann patriachale Unterdrückung in Schutz nimmst.

  3. Stimmt,
    Kopftücher für problematisch halten ist das schlimmste was es gibt.
    Was läuft mit euch verkehrt, warum habt ihr alle, und damit meine ich alle deutschen Rapmedien, so einen Islamfimmel, was macht den Islam für euch schützenswerter als andere Religionen und Kulturen.
    Und was soll eigentlich so Schlimm an Islamophobie sein, was ist schlimm daran als liberaler aufgeklärter Mensch, eine veraltete intolerante Weltanschauung anzulehnen? Beim Christentum ist das doch auch kein Problem, warum aber beim Islam.

    • Wie oft hörst du Koljah sonst? Publikumsbeschimpfung? Traurige Clowns? Das zweite Mal, dass ein Rapper auf eine scheiß line reduziert wird. Hör andere Texte und dann urteile über Kolle!

  4. okay rap.de ihr habt es endgültig geschafft, ich beginne euch zu hassen (wenn ich das sage ist es nicht gelogen) arbeiten bei euch jetzt wirklich NUR noch Mickey Mäuse?

  5. Warum stoßen ausgerechnet zwei lines, die nachweislich wahr sind, sauer auf? Ist der Autor dieses Artikel dumm, oder will er sich seine Journalistenkarriere nicht versauen?

  6. Was soll das Kopftuch denn sonst sein außer ein reaktionäres, patriarchales Symbol, das die weibliche Sexualität zu etwas Bedrohlichem erklärt? Es ist daher auch völlig egal, ob es ein paar Frauen freiwillig tun, denn entweder ist ihre Motivation dabei religiöse, im Falle des Islams also derzeit fast zwangsläufig politische Überzeugung. Oder sie wollen nicht weiter auffallen. Die ganz überwiegende Mehrheit wird aber aufgrund patriarchaler Konstellationen dazu gezwungen, meist schon vom Kindesalter an. Simon Fink hat hier offenbar nicht mal ansatzweise eine Ahnung von der Sache. Daher sei ihm und anderen folgendes nahegelegt: Wer vom Kopftuch als patriarchalem Ausdruck des Islam nicht reden will, der sollte auch von Sexismus schweigen.

    • Ich gebe sogar 200% und Daumen hoch. Diese Diskrepanz zwischen „Kopftuch darf nicht kritisiert werden“ und Teilen des heutigen Feminismus ist pure Heuchelei und schlimmstes, regressives Appeasement gegen die Feinde der Aufklärung.

  7. Akzeptiert einfach das eben nicht nur Afdler, Pegidas und andere rechte Gruppen, den Islam nicht so cool finden wie die Muslime selber und naja, Ihr.
    Der Westen hat sich nun mal, zumindest weitgehend, von religiösen Dogmen gelöst.
    Und da sollte man auch keine Kompromisse eingehen, auch nicht vor dem Islam. Kopftücher sind nun mal nicht vortschritlich, ob es dem Autor nun passt oder nicht.

  8. Ich dachte, nach Olis „Beitrag“ zu „Ich geh dir liebend gern die Extrameile auf den Sack“ könnte es nicht viel dümmer werden, aber ihr schafft es tatsächlich, noch die niedrigsten Erwartungen zu unterbieten.

  9. Es geht darum, dass ein Koljah, als weißer Hetero-Mann mit allen Privilegien dieser Welt ausgestattet, hier gönnerhaft und in klassisch kolonialer Manier von oben herab arme, unterdrückte, als nicht-weiß markierte Frauen befreien will. Diese Haltung ist sehr problematisch. Sie macht Frauen, die den Hijab tragen, automatisch zu Opfern. Emanzipation sieht sicher anders aus.
    Zudem: Ja, es ist sexistisch, wenn nur Frauen ein bestimmtes Kleidungsstück tragen. Das gilt aber auch für die typische Kleiderordnung des „Westens“: Anzug – Männer. Rock – Frauen. Das Märchen, das hinter Koljahs Line steckt, ist: Dumme, unaufgeklärte Muslime, schlaue, aufgeklärte Westler. Mit Verlaub: Eine bequeme, aber leider völlig verzerrte Sichtweise.
    Wer seinen eigenen Sexismus nicht erkennt, sollte zu dem anderer lieber schweigen.

  10. @ Oliver Marquardt, da hast du aber schön in die Mottenkiste postmoderner Sprachideologie gegriffen, es fehlt fast kein Klischee. Allein, wahr ist es nicht. Wir haben zwar Claude Levi Strauss den Glauben zu verdanken, dass Kulturen sich nicht mischen könnten, sondern nur durch Machtbeziehungen gegenseitig ausgebeutet werden könnten, wenn man in die Geschichte guckt sieht es aber leider anders aus. Insofern kann man als Mensch, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts, welcher Sexualität etc. pp. nach universellen Kritieren etwas beurteilen. Wenn nun, wie beim Kopftuch, hinzu kommt, dass es in einigen Ländern gesetzlich sanktioniert wird, es nicht zu tragen, wenn hinzu kommt, dass – meist deckungsgleich – Frauen für bestimmte Vergehen immens höhere Strafen zu erwarten haben, als Männer und wenn nun die Länder für die das zutrifft zum allergrößten Teil muslimisch sind, gibt es guten Grund im Sinne der Verbesserung der Menschheit das zu kritisieren. Es geht nicht darum „den Westen“ oder „westliche Werte“ zu verteidigen, sondern darum, was das beste Angebot für die höchstmögliche Freiheit ALLER ist. Ein großer Teil dieser Werte kommt in der Aufklärung vor, ist aber damit nicht westlich, da diese bekanntlich im Dialog mit Quelen aus aller Welt arbeitete. Die meisten Staaten haben übrigens, trotz flächendeckender Nicht-Einhaltung, diesen Werten als Teil der UN zugestimmt. Dein dumm-dreistes Gefasel vom „klassisch kolonialer Manier“ ist ledilgich ein Beissreflex, dem jedes Argument fehlt. Frauen mit Hijab werden übrigens keineswegs zu reinen Opfern gemacht, es wird lediglich gesagt, dass sie nicht fortschrittlich sind. Würde so eine Knalltüte wie du eigentlich seine Fresse auch soweit aufreissen für die Frauen im Iran die VON Frauen drangsaliert werden, weil sie kein Kopftuch tragen? Nein, wirst du nicht, mit Verweis auf deine Privilegien und dein Weißsein würdest du feststellen, dass du dich nicht einmischen darfst. Noch nie war Nichts-tun, Konformismus und sich dabei gut und auf der richtigen Seite wähnen so einfach.

    • Erstens: Auffällig, dass Fanatiker es nie schaffen, ihre Ideologie ohne unsachliche Beschimpfungen und Unterstellungen vorzutragen.

      Zweitens: Der Glaube, dass die „westlichen Werte“ universell wären, ist verbreitet. Daraus wird dann gerne abgeleitet, Menschen in „fortschrittlich“ (westlichen Ansprüchen genügend) und „rückständig“ einzuteilen. Diese Einteilung folgt konsequent der kolonialistischen Ideologie, die den weißen europäischen Mann als Idealbild, Krone der Schöpfung setzt – und alle anderen (Frauen, Nicht-Weiße, Schwule etc.) als mehr oder weniger gelungene Abweichungen davon.
      Dein überlanger Beitrag lenkt leider nicht davon ab, dass die Haltung, die hinter der von dir so vehement und mit rhetorischen Anfängertricks verteidigten Line, chauvinistisch und herablassend ist. Koljah, der an anderer Stelle bereits mit antimuslimischem Rassismus aufgefallen ist, setzt einen Fortschrittsbegriff voraus, der ignoriert, dass der Humanismus, aus dessen Sicht er spricht, bestimmte Menschen seit jeher ausgeschlossen hat, kurz gesagt alle, die nicht als weiß, christlich, hetero und männlich eingestuft wurden. Somit bleibt dein Idol gefangen in seinem eurozentrischen Denken, dessen Werte er für nicht konstruiert, sondern universell und allgemeingültig hält. Im besten Falle unterkomplex, im schlimmsten rassistisch und herablassend.

  11. Du gehst auf keines der Argumente ein, sondern wirfst wieder nur mit Wortphrasen um dich herum. Offenbar kannst du auch nicht lesen, da es mir nicht um irgendwelche Werte geht, sondern darum im Vergleich festzustellen, was das Höchstmaß individueller Freiheit bringen würde. Wenn du das als „westlich“ verunglimpfen willst, dann tue das, macht es aber nicht wahrer.
    Von Kolonialismus scheinst du keine Ahnung zu haben, da du lediglich in der Lage bist, irgendwelche Allgemeinplätze auszugraben und diese wiederum als böse westlich zu „markieren“. Dass es sich dabei um ein Beziehungsgeflechte von u.a. Machtbeziehungen handelt, die unter anderem deswegen funktionieren konnten, weil lokale Machtstrukturen unangetastet blieben und eben keine zivilisatorisch-missionarische Mission im Vordergrund stand, kann jemand, der sich dem linken Ethnopluralismus verschrieben hat, selbstverständlich nicht begreifen. Denn das würde implizieren, dass man nicht eine einfache Opfer-Täter-Dichotomie hat, sondern, dass dies weitaus komplexer ist. Ein theoretisch fundiertes und einheitliches koloniales Weltbild müsstest du auch erstmal nachweisen, deine Behauptungen sind jedenfalls nicht richtig.
    Der Humanismus hat schon lange abgedient, gerade weil er das Versprechen, was er einzulösen angetreten ist, nicht einlösen konnte. Daraus aber zu schlussfolgern, dass der Humanismus per se „weiß, christlich, hetero und männlich“ sei, reduziert die Argumente, die er mal ins Feld führte, auf den „Sprechort“ der Theoretiker, nimmt somit die Sache nicht ernst und kann diesen daher gar nicht anfechten, weil es gar nicht mehr um die Kritik der Sache geht. Stattdessen bleibt ein manichäisches Weltbild übrig, dass alles Böse auf weiß, hetero und männlich reduziert.
    Konstruierte Werte können übrigens auch universell und allgemeingültig sein – und ob mein angebliches Idol das auch so sieht, weiß ich nicht. Unterkomplex bist jedenfalls du, mit deiner billigen Denunziation und dem schwarz-weißen Täter/ Opfer Denken.

    • Du verwechselst deine Polemik und ein paar unbelegte Behauptungen anscheinend mit Argumenten. Nichts neues.

      Dass du die sehr eindeutige Täter-Opfer-Verhältnisse des europäischen Kolonialismus und Rassismus relativieren möchtest und von einer „Zivilisierung“ „primitiver Völker“ träumst, zeigt überdeutlich, dass du nicht in der Lage oder willens bist, über den eurozentrischen Tellerrand hinauszudenken. Gleichzeitig demonstrierst du ungewollt, dass das Denken vieler Europäer*innen nach wie vor von den Grundannahmen des kolonialen Weltbildes geprägt ist.

      Du hast offenbar auch nicht verstanden, dass die Kategorien „weiß“, „hetero“ etc. konstruiert sind. Um Gut und Böse geht es mir ja genau nicht – im Gegensatz zu dir und deinen ideologischen Kumpels, die gerne in „fortschrittlich“ vs. „rückständig“ einteilen.

      Ethnopluralismus, aha. Klar, wer keine Argumente hat, muss Unterstellungen nutzen. Um es klarzustellen: Ist größtmöglicher Blödsinn. Da Ethnien konstruiert sind, kann es nur darum gehen, die Ideologien, die diese Kontrukte aufrechterhalten, zu hinterfragen, zu relativieren und letztlich zu beseitigen. Allerdings ganz sicher nicht mit plumpen, stumpfen Parolen wie „Kopftuch ist nicht fortschrittlich!“ – DAS ist leider genau der von der vermeintlich kritisierte Ethnopluralismus. Ironisch, oder?

      Und nein, wie unsinnig zu behaupten, etwas konstruiertes könnte allgemeingültig sein. Du hängst in finsteren ideologischen Zeiten von Naturalismus und Essentialismus fest – kein Wunder, dass du meine Kritik nicht einmal einordnen kannst. Ist vermutlich gar keine böse Absicht, sondern nur Dummheit.

  12. Alle mal runterkommen bitte.
    Ich glaube kaum, dass der Autor hier eine Anne-Will-Kopftuchdebatte lostreten wollte, auch wenn sich in den Kommentaren schon einige Horst Seehoferz offenbaren durften. Dass gerade diese Line von Koljah beim Autor das Fass zum überlaufen gebracht hat, ist diskutabel, aber die Debatte hier lenkt doch absolut davon ab, dass Koljah schon genug islamophoben Scheiß rausgehauen hat, neben seiner meiner Meinung nach ohnehin völlig bescheuerten politischen Einstellung (Mao-Zitate, weil cooler Massenmörder; komische RAF-Hassliebe). Wer das leugnet, bzw. Sachen hier schreibt, dass der Islam keine Religion sondern politische Propaganda und alle Muslime potenzielle antisemitische Bombenträger seien, sollte bei der nächsten Wahl dann doch sein Kreuz bei der AfD machen. Es ist genauso wenig zu leugnen, dass in der antideutschen Szene (zu der ich Koljah jetzt mal gewagt einordnen würde) teilweise ein dickes Problem mit Islamophobie vorhanden ist, genauso wie in der antiimperialistischen Szene teilweise ein dickes Problem mit Antisemitismus.
    Also habt euch alle lieb, muss leider dem Autor und Oliver Marquardt Recht geben, außer bei dem Teil mit Panik Panzer, leider schon immer bester Mann gewesen 😀

    • Ohne da zu sehr in „whaboutism“ verfallen zu wollen, ist in diesem Kontext aber schon seltsam, daß teilweise noch die dümmste sonstige Gewaltimplikationen mancher KünsterInnen „durchgewunken“ wurden/werden, aber bspw. irgendwelche RAF punchlines von linken, sich häufig offenkundig eher sarkastisch ausdrückenden anderen dann komplett wörtlich genommen werden.

    • Kopftücher sind weder feministisch noch fortschrittlich, ebenso wenig wie ein nicht reformierter Islam (welchen es ja leider gar nicht gibt). Den aktuell herrschenden Islam zu verteidigen ist weder links, noch besonders tolerant, noch menschenfreundlich, aber das ist einer Szene wie dieser ja auch kein Wunder, ansonsten wären Plattenkritiken wie diese von “Simon“ wohl kaum möglich.

      Super Album, von vorne bis hinten. Weiter so Antilopen!

      • Dieser Kommentar ist weder feministisch noch fortschrittlich, ebenso wenig wie eine schlecht verdaute Religionskritik (welche es ja leider bei dir gar nicht gibt). Den aktuell herrschenden, antimuslimischen Zeitgeist zu verteidigen ist weder links, noch besonders tolerant, noch menschenfreundlich, aber das ist in einer Szene wie dieser ja auch kein Wunder, ansonsten wären Kommentare wie dieser von „Martin“ wohl kaum möglich.

  13. Ruhrbarone: Dann mache ich dich mal an einem Zitat fest. Du meintest mal „die meisten Judenhasser sind Islamversteher“. Meintest du das ernst? Wenn ja, wie meintest du es?

    Koljah: Es ist natürlich ne pointierte Punchline. Aber was ich damit meinte war, dass Antisemitismus oft damit einhergeht, dass man den Islam und damit auch islamischen/islamistischen Antisemitismus unter so eine Art Naturschutz stellt und sagt: „Das ist gehört zur Kultur und zur Geschichte“ und meint man müsse das deswegen anders bewerten und wenn Leute aus dem Nahen Osten kommen und da aufgewachsen sind, sei der Antisemitismus auch was ganz anderes. So ein kulturrelativistisches Verständnis meine ich. Das Wort Islamversteher ist ein bisschen hässlich, da weiß ich nicht ob ich das nochmal so benutzen würde aber dieser Zusammenhang war gemeint.

    Und alle kommen mal runter 🙂

  14. Ich finde bei sowas den Kontext sehr wichtig. Ich glaube kaum, dass Koljah dadurch auffällt unreflektiert Nationalismus und den Westen abzufeiern. Es ist doch vielmehr so, dass in bestimmten Kreisen antiwestliche Strömungen romantisiert werden. Genauso wie der Kolonialismus als einzige Quelle des Übels betrachtet wird. Verleugnet wird dabei, dass Sklaverei schon vor dem Kolonialismus existierte, dass bspw auch die Inka eine üble Herrschaft aufgebaut hatten. (Das ist keine Verteidigung des Kolonialismus, sondern lediglich eine Kritik anderer Gesellschaftsformen, die heutzutage gerne verklärt werden)

    Der Verweis auf Koljahs „Identität“ ist doch letztlich nur ein Totschlagargument, was sich nicht mal die Mühe macht Koljah zu widerlegen. Was ist denn an einem Kopftuch fortschrittlich? Anders als ein Rock ist ein Kopftuch ein religiöses Symbol, der Vergleich hinkt komplett. Die heutige Linke hat offenbar vergessen, dass Emanzipation immer Religionskritik bedeutete, die ersten Aufklärer also vor allem Religionskritiker waren, deren Kritik sich zunächst vor allem gegen das Christentum richtete. Warum soll man jetzt vor anderen Religionen einknicken?

    Interessant ist in diesem Kontext auch, was passiert, wenn das wirklich mal eine betroffene, unpriviligierte Ex-Muslima Kritik äußert wie Neda Kelek oder Hirsi Ali. Dann werden bei den Ikonen der Linken wie Linda Sarsour schon gewaltfantasien geäußert oder das Wort Keleks wird bis zur Unkenntlichkeit verdreht. Wo ist denn da die Solidarität.

    Alles in allem wird abgewertet, was nicht ins Weltbild passt. Dabei wäre es wichtig, das Weltbild zu reflektieren, anstelle Menschen in Kategorien einzuordnen, die nichtssagend sind.

  15. Der Koljah Part trifft genau ins schwarzeund ist ultra on point! Den Antilopen ging es noch nie um euer komisches, unreflektiertes Gutmenschentum, sondern um eine Analyse, welche sich traut überall Backpfeifen zu verteilen. Und wenn der Autor hier einen auf cringy Hengameh macht, ist das sein gutes Recht, aber leider ist er dann aus meiner Sicht auch Teil der regressiven Linken, welche zum einen aktuell Teil des Problems sind, den ekelhaften Rechtsrutsch begünstigen, schlimmsten Kulturrelativismus betreiben und unfähig sind eine sinnvolle Gesellschaftsanalyse zu betreiben. Humanistischen Universalismus sucht man bei solchen Menschen vergebens. War früher die Linke noch Speerspitze der Religionskritik, verteidigen mittlerweile irgendwelche Lappen jeden regressiven Blödsinn und fühlen sich dann auch noch auf der moralischen und fortschrittlichen Seite. Dazu gehörst auch du, Simon.

  16. Schade! Eigentlich mochte ich den Olli einmal…
    Mittlerweile macht er sich mit seiner übertriebenen PC nur noch lächerlich.
    Ich kann nur wiederholen: schade!

  17. Danke Ando!
    Die Reaktion hier und bei vice auf die Line mit dem Kopftuch ist denke ich einer der Ursachen für die Entstehung von linksgrünversifft. Diese verkappte Schnappatmung das hat schon was paranoides. Warum nicht lieber um wirkliche Schäden/Leiden kümmern?
    Und ich bin selbst Mitglied der Linken 😉

    Klar soll Religionsfreiheit und Toleranz herrschen.

    Ändert aber nichts daran dass ich alle Religionen für manipulativen Quatsch halte (Buddhismus nehme ich da etwas raus) der mit Schuld und Unterdrückung arbeitet.

    Klar tut z.B. die Kirche auch soziales aber imho steht das vor allem mit dem geschichtlichem Hintergrund in einem beschissenen Verhältnis.

    Ersatzlos streichen wird man sowas nicht können, ich denke falls die Mennschheit sich nicht umbringt oder die Erde von einem diktatorischen Staat beherrscht wird oder so dann werden die Religionen zu Gunsten von ungezwungenen spirituellen Praktiken immer mehr schwinden.

    Und das ganz ohne Gewalt oder so.

    Insofern empfinde ich ein Kopftuch nicht als Fortschrittlich.
    Fortschrittlich finde/fände ich aber wenn toleranter mit den Trägerinnen umgegangen würde.

  18. Entschuldigt mein religiöses Halbwissen bzgl. des Islams aber ist die religiöse argumentation für ein kopftuch nicht die, dass frauen ihr haupt bedecken sollen um sich vor lüsternen männern zu schützen (oder so)?

    Dann halte ich das kopftuch für nicht fortschrittlich. Ich denke man stimmt mir zu wenn ich behaupte, dass sicherlich niemand vergewaltigt wird wenn man sein kopftuch abnimmt?

    Ich denke man kann unabhängig von der eigenen identität gewisse aspekte einer religion oder gewisse verhaltensweisen für nicht fortschrittlich halten ohne die ganze Person gleich als dumm, rückständig oder unzivilisiert zu halten.

    Was hat Koljah also falsch gemacht?

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