Frankreich: Rapper vors Gericht!

Kaum sind die Unruhen in Frankreich vorbei, werden auch schon die ersten Sündenböcke gesucht. Da man nicht lange suchen wollte, blieb man direkt in den HLMs und zieht nun diverse Rap-Gruppen zur Verantwortung. Zweihundert französische Parlamentarier forderten den französischen Justizminister Pascal Clement dazu auf, Rap-Künstler und Gruppen strafrechtlich zu verfolgen, die laut den Parlamentariern, zu Gewalt in ihren Texten aufriefen. Diese Aufrufe sollen direkt zu den Unruhen in den Vororten beigetragen haben. Die Jugendlichen seien durch die Musik regelrecht dazu verleitet worden seien, "zur Tat zu schreiten". Der lothringische Abgeordnete Grosdidier: "Sexismus, Rassimus und Antisemitismus sind in gesungenen Texten nicht akzeptabler, als in gesprochenen oder geschriebenen Texten." In den Augen Grosdidiers riefen Monsieur R, Smala, Fabe, Salif, Lunatic, 113 und Ministere Amer zu "Hass und Rassimus" auf. 152 konservative Abgeordnete und 51 konservative Senatoren unterschrieben die Forderung, die Künstler strafrechtlich zu verfolgen.

Schon 1995 standen Ministere Amer wegen ihrem Track "Sacrifice de poulet" vor Gericht. Zwar musste die Gruppe damals 250.000 Francs Strafe zahlen, doch gelang es den Anklägern nicht, die CD aus den Geschäften zu verbannen. Ironischer Weise ist der Song auf dem "La Haine"-Soundtrack zu finden, ein Film, der über das Leben drei Jugendlicher aus den Vororten Frankreichs berichtet, kurz nachdem Unruhen ausbrachen.

Schon seit den achtziger und neunziger Jahren thematisieren französische Rap-Acts das Leben und seine miserablen Bedingungen in den Vororten. Warum also ausgerechnet jetzt erst die vermeintlich Schuldigen der Unruhen zur Veranwortung gezogen werden, ist mehr als fraglich. Sollte der französische Justizminister Clement  tatsächlich die Staatsanwalt anweisen, die Ermittlungen aufzunehmen, kann sich Frankreich auf erneute unruhige Nächte einstellen.  Diese Hexenjagd ist weder eine ehrliche Aufarbeitung bisher versäumter Integrationspolitk, noch versucht sie, die tatsächlichen Hintergründe der Unruhen zu erforschen. Es geht nur darum, einen Sündenbock zu finden, auf den sich die Öffentlichkeit einigen kann. Doch auch die französischen Politiker und Experten sollten sich langsam bewusst werden, dass die Unruhen nicht mit einfachen Problem "Rap" abgespeist werden können.

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