Der erste deutsche HipHop-Roman?

Rap und Bücher – auch und gerade in Deutschland erfreute sich diese Kombination in jüngster Zeit wachsender Beliebtheit. Nach Biographien von Sido, Bushido und Fler sowie einem eher witzig gemeinten Benimmcodex von den Atzen Manny Marc und Frauenarzt wird nächste Woche, am 1. Mai, der womöglich erste deutsche HipHop-Roman erscheinen.

"Karizma" heißt das Werk der Autorin Sara Gmuer. Die Handlung klingt, zumindest in der Amazon-Beschreibung, nach einer reichlich dreisten Aneinanderreihung von Klischees: Die Deutsch-Italienerin Victoria hat mit Mitte zwanzig aufgehört zu modeln, weil sie nicht mehr wie sechzehn aussieht und hängt gelangweilt in Berlin ab. Dort trifft sie den Rapper Said, in den sie sich natürlich verliebt.

Die Rapkarriere des arabischstämmigen Herzensbrecher kommt wohl gut voran – doch dann folgt der überraschende vorzeitige Abgang Saids: Er verschwindet nach einem Auftritt in Barcelona (dort hört man sehr viel deutschen Rap, falls das jemand noch nicht wusste) in den Wellen des Mittelmeers. Hach. Jetzt ist die arme Victoria ganz traurig und allein. Was bleibt ihr da anderes übrig, als selbst zum Mic zu greifen und anzufangen, zu rappen? Nebenbei spricht sie anscheinend weiter mit Said, als wäre er noch da.

Das klingt einigermaßen furchtbar. Aber vielleicht liest es sich im Buch selbst dann ja doch plötzlich so spannend, wie die Anpreisung bei Amazon es glauben machen möchte, wenn sie von einer "geradlinigen Sprache" und "rasantem Tempo" spricht.

Rein zufällig ist übrigens auch die Autorin des Werks Deutsch-Italienerin und Wahlberlinerin. Ob sie auch eine Vorliebe für Rapper hegt, ist nicht bekannt, aber es wäre wohl keine allzu große Überraschung – immerhin verkündet die Kurzbiographie, dass sie sich nach dem Genuss des Filmes "La Haine" in den Schauspieler Vincent Cassel verliebt habe – oh je. Psychologisch jedenfalls hochinteressant, dass sie den begehrenswerten Rapper so einfach im Meer verschwinden lässt. Aber wenn einen nicht alles täuscht, taucht der bestimmt am Ende wieder unversehrt und gutgelaunt aus den Fluten auf.

Aber wie gesagt – vielleicht ist es ja ein ganz tolles Buch. Eine ausführliche Besprechung folgt – auf rap.de.

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