OFWGKTA – The OF Tape Vol. 2

Odd Future. Die Rap- und Skater-Crew aus einem guten Dutzend junger ungestümer Kalifornier, die sich, gepaart mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen, noch mehr Wahnwitz und jeder Menge Talent, in ihre Dickschädel gesetzt haben, die HipHop-Weltherrschaft an sich zu reißen – nicht ohne dabei sämtliche Konventionen, Benimmregeln und Moralvorstellungen der zivilisierten Welt in Schutt und Asche zu legen.

So spielt der mittlerweile 21-jährigen Chef-Choleriker der Bande, Producer-Rapper Tyler, the Creator in einem Videoclip äußerst vertraulich mit einer Kakerlake, verspeist diese urplötzlich, um sich daraufhin spontan zu übergeben und anschließend zu erhängen. Earl Sweatshirt, ein anderes blutjunges Rap-Supertalent der Gruppe, verschwand anno 2010 urplötzlich und verursacht mal eben einen beträchtlichen medialen Hype um seinen unklaren Verbleib, nur um dann knapp zwei Jahre später wieder auf der Bildfläche zu erscheinen und dieser zu erklären, dass ihn der Trubel um seine Person völlig kalt lasse. Und dann ist da noch ein gewisser Frank Ocean, seines Zeichens Sänger, Rapper und Ghostwriter für bekannte US-Künstler, der mit seinem derzeitigen Schaffen gehörig dazu beiträgt das zähe, weitestgehend totgesagte Genre des R’n’B mit einer gehörigen Priese frischem Wind wiederzubeleben.

Dieser illustre Mob wahrhaft charakterstarker Perönlichkeiten, von einigen Teilen der weltweiten Blogosphäre schon als der neue Wu-Tang Clan gehandelt, hat sich nun erneut zusammen getan, um ein gemeinsames Compilation-Album zu releasen, welches den schlichten Titel The OF Tape Vol. 2“ trägt.

Odd Futures neues Werk, für dessen musikalische Produktionen sich beinah ausschließlich die Herren Tyler, the Creator und Left Brain verantwortlich zeigen, erfüllt weitestgehend die allgemeine Erwartungshaltung: das Tape zeichnet an vielen Stellen ein anstrengendes, stressig bis aggressives Klangbild, gepaart mit ausladenden, wütenden Schimpftiraden und absurden Wortspielereien („I’m the loud, shot, body-styled, foul mouth fucker/ That your teenage kid, likes to bow down“ – Tyler in „Sam (Is Dead)„).

Lässt man das von L-Boy gesprochene Intro, auf welchem er als eine Art Märchenerzähler auf das Kommende vorwarnt, („Let me tell y’all niggas a little motherfuckin‘ story real quick  Once upon a time, there was this group of dusty ass motherfuckers/ Create a little group for themselves, they call themselves Odd Future„) einmal außen vor, bietet das restliche, insgesamt 16 Full-Tracks umfassende Werk allen Odd Future-MCs ausreichend Spielraum, um ihre eigenen Stile und  jeweiliges Können zum Besten zu geben.

Tyler schwadroniert beispielsweise in „Rella“ feat. Hodgy Beats und Domo Genesis über seine abgedrehten Gewalt- und Sexualfantasien. Der Verdacht, der in anbetracht der „Goblin„-Attitüde des MCs ohnehin im Raum stand, nämlich, dass er an einem ausgeprägten Tourette-Syndrom zu leiden scheint (und sich selbiges sogar scherzhaft in „P“ eingesteht: „What’s wrong with me // might be my fucking tourettes“), wird hier noch mal eindrücklich untermauert. („Knock-knock, who’s there?/ It’s me, your girlfriend had a really nice meeting with my dick/ I killed that pussy and grabbed that knife„)
Frank Ocean überzeugt mit seiner weichen, gefühlvollen Singstimme auf “White”, überrascht aber auch mit einer Rap-Einlage auf „Oldie„, die sich wirklich hören lassen kann. Eine weitere positive Überraschung bietet SydGay AssTha Kids Gesangseinlage auf dem vom Sound her ebenfalls eher entspannten „Ya Know„.

Neben den gelungenen Verwirklichungen höchst talentierter Künstler, erhalten auch weniger begabte Wolf Gang-Mitglieder eine Chance sich zu verwirklichen. Das führt dazu, dass sich  auch schlechtere Lieder auf dem Album finden, die den Gesamteindruck der Platte etwas trüben – zum Beispiel „Real Bitch„, das durch die fehlenden Rapskills eines Taco Bell nach unten zieht.

Das Highlight vom „OF Tape Vol. 2“ stellt in jedem Fall das über zehn Minuten lange „Oldie“ dar, ein Song, der insgesamt acht OF-Miglieder featured und mit seinem einzigen Auftritt auf dem Album vor allem die triumphale Rückkehr eines noch immer raptechnisch exzellenten Earl Sweatshirt markiert.

Odd Futures Werk hält sich dank herausragender Tracks, wie „Oldie„, „Rella“ oder „P“ einige starke Momente bereit, lässt aber noch genügend Luft nach oben. Ihre eigene Messlatte haben sich die schrulligen Teenager selbst hoch angelegt. Mal sehen, ob Tyler und seine illustre Crew demnächst auch wirklich drüber springen können.

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