„Glam Hop“ von der Straße

Auch in hiesigen Gefilden findet gegenwärtig ein spürbarer Wandel der HipHop-Kultur statt. Genregrenzen werden zugunsten von Einflüssen, die raumgreifend aus anderen Popkulturen wie dem Indie- oder Elektrogenre einströmen, aufgesprengt. Diverse zeitgeistige Einwirkungen aus allen möglichen Lebensbereichen führen zu Umbrüchen und Weiterentwicklung der globalen Populärkultur.
Wie so oft, sind uns die amerikanischen Kollegen in Sachen Fortschritt und Innovation bereits etwa zwei Schritte voraus. Ein guter Grund, einmal über den Großen Teich und somit in die Zukunft des Rap zu schauen: Danny Brown ist, phänotypisch gesehen, die Zahnlücke der neuen Zeit. Ein völlig verrückter Paradiesvogel aus der äußerst traditionsreichen HipHop-Stadt Detroit.
Die aussagekräftige Line "The drugs don't work, they just make me worse" – pathetisch, dennoch mit durchaus hohem Wahrheitsgehalt vor Jahren von The Verves Richard Ashcroft verkündet, hat ein Danny Brown scheinbar nie gehört. Beziehungsweise, sie interessiert den anscheinend ständig in höheren Sphären dahintreibenden Newcomer und XXL Freshman 2012 einen Dreck. Vielleicht ist das auch gut so, denn immerhin kommt die Welt somit in den Genuss, die audiovisuellen Ergüsse eines völlig durchgeknallten und höchst talentierten Rappers zu erfahren.

Dass der gern knallenge Hosen, zudem immerzu gewöhnungsbedürftige Frisuren tragende und mit einer riesigen zahnlücke versehene Danny Brown auch charakterlich ein waschechter Paradiesvogel ist, bewies er jüngst in einem Interview mit dem US Online-Magazin HipHopDX.

Die Kunst des Danny Brown markiere eine neue Strömung im HipHop, so der Rapper in einer ziemlich wohlwollenden Selbsteinschätzung. Er bringe, gemeinsam mit anderen derzeit sehr erfolgreichen MCs wie A$AP Rocky, "den Glam in HipHop". So liefert der von Grime und Detroit-Techno inspirierte Künstler, beispielsweise mit im seinem im letzten Jahr erschienenen Free-Album "XXX" durchaus neuartigen, interessanten Input.

"We bringing the glam to HipHop […] What we doing now, we destroying the hard shit with the glam shit. Not necessarily the hard shit but the fake shit. I ain't even gonna say hard shit, because real hard shit still wins no matter what. HipHop is from the streets at the end of the day."

Die hohe Meinung, die Danny von sich hat, zieht sich auch durch weitere Statements. Sein allergrößter Fan sei nämlich er selbt, verkündete er weiter. Es interessiere den 30-jährigen beispielsweise auch nicht, dass er gerade bei Rap-Fundamentalisten der Alten Schule aneckt und vor kurzem während eines Auftritts auf dem SXSW-Festival von genervten Fans sogar mit Zitronen beworfen wurde.

Wie der Independent-Rapper im Interview offen gestand, liebäugle er aber durchaus mit einem Major-Deal. Jedoch nur, wenn dies mit ordentlich Cash auf seinem Bankkonto verbunden sei. Zumindest dieser explizite Wunsch nach den fetten Dollarscheinen erdet den verrückten Schöngeist dann doch etwas und unterscheidet ihn in diesem Bereich nicht allzu stark von seinen deutschen Kollegen.

Danny BrownRadio Song

 

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here