Hamas gängelt Rapper

Die strengreligiöse palästinensische Organisation Hamas wird von deutschen Rappern gelegentlich lobend erwähnt – meistens nur des kalkulierbaren Schockeffekts wegen, aber durchaus nicht immer. Wie es allerdings für Rapper ist, unter der Herrschaft dieser zumeist bärtigen Herren zu leben, veranschaulicht folgende Begebenheit.

Auch in den Palästinenser-Gebieten gibt es eine Version der international beliebten Castingshow "Pop Idol", hierzulande unter "DSDS" bekannt. Sie wird vom arabisch-israelischen Fernsehsender Mix produziert. Die Bewohner des Gaza-Streifens, der seit 2007 von der Hamas kontrolliert wird, dürfen an dieser Sendung ab sofort nicht mehr teilnehmen, Grund: Das Format stehe im Gegensatz zu Gebräuchen und Traditionen. Das teilten die Produzenten der Sendung mit.

Von der Maßnahme betroffen sind auch zwei palästinensische Rapper. Gemeinsam mit 129 anderen Kandidaten aus dem Gaza-Streifen hatten sie sich für die dritte Staffel der Show beworben.

Hintergrund des Verbots scheinen Konflikte der Hamas mit dem TV-Sender zu sein. Direkt nahm die radikalislamische Organisation, gegen deren Repressalien im Alltag es schon mehrfach Proteste palästinensischer Jugendlicher gegeben hatte, zwar keine Stellung zu dem Vorfall. Ein ranghoher Vertreter des Informationsministeriums wird allerdings mit den Worten zitiert, dem Sender seien "alle Freiheiten, jeder Schutz, alle Informationen, alle Anerkennung und jede benötigte Maßnahme" für ihre Arbeit gewährt worden. "Wir sehen aber jeden Tag, dass sie dem Gazastreifen, der Regierung und unserem Alltag schaden."

Folgt man dieser Aussage, standen für die Hamas bei ihrem Verbot also nicht so sehr die angeblichen moralischen Bedenken im Vordergrund, sondern eher die als zu kritisch empfundene Ausrichtung des Senders.

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