Review: Felix Krull – Kitsch

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Kitschgang-Leader und Big Stemmer Felix Krull beschenkt uns mit seiner positiven Energie und seiner Wenn-du-nicht-reich-bist-tue-wenigstens-so-Philosophie, zusammengefasst in dem Wort „Kitsch“. Die Imagefigur des Münchners ist gut erkennbar überdreht: Hitlerbärtchen aus Blut vom Koksen, die passende Uniform in Rosa inklusive Herzbinde und ein Anwesen wie das Schloss Versailles. Mit Video und Artworks ist der überdrehte Film unterhaltend, doch funktioniert er auch auf rein musikalischer Ebene?

Manchmal fragt man sich beim Durchhören von „Kitsch“, wo genau Felix Krull hin will. Soll es nun tatsächlich cool wirken? Oder absichtlich lächerlich? Denn immer wieder streuen sich auch Lines ein, die den Hochstapler und nicht den Millionär zeigen, oder hinter die Fassade der Imagefigur blicken: „Ich bin kein Blender, ich bin ein Spiegel der Gesellschaft, haste was, biste was, ich tu‘ als ob ich Geld hab'“.

Dadurch, dass das Image nicht immer voll durchgezogen wird, haben Songs wie „Blablabla“ einen faden Beigeschmack, obwohl man weiß, dass er nicht ernst gemeint ist und lustig sein soll – was er aber leider nicht ist. Auch nicht jeder Witz und jede Punchline treffen den Punkt, andere lassen einen schmunzeln („mit dicken Titties fake wie die Uhr von Kay One“) oder spielen das Image perfekt aus:

„Medusaköpfe am Ende meines elendlangen Himmelbetts/
Blutjunge Nymphen, die an meinem elendlangen Pimmel lecken/
Führet meinen Schimmel her, ich will ausreiten/
Hinaus in die Weiten, frei wie eine Blaumeise/

Die Momente, in denen das Image so wunderbar überzogen und on point ist, wie z.B. in „Cäsarenwahn“, sind die stärksten. Felix Krull ist dann wie ein Kind mit Allmachtsphantasien: Geld, Autos, teures Spielzeug, schicke Villen, Drogen (vor allem eine Menge Koks), das Leben als einziger Rausch und gefügige Frauen. Das zweite große Highlight ist „Hochzeit“, in der Zsa Zsa Gabor die Sugar Mum des Big Stemmers wird und ihm so seinen ausgiebigen Lifestyle ermöglicht.

All das trägt Felix Krull auf denen zum Großteil von Robert Philip produzierten Instrumentals vor, von denen viele akustische Elemente mit modernen Drums kombinieren. Die Palette reicht dabei von groovigen Basslines („Realtalk“) bis hin zu Ballermann-Beats („Lottomillionär“). Da ist für jeden was dabei, was aber auch bedeutet, jeder wird Instrumentals finden, die nicht den Geschmack treffen.

„Kitsch“ hat also Höhen und Tiefen. Mal witzig und wunderbar überspitzt, mal daneben und so übertrieben, dass es an einem vorbeigeht. Es macht durchaus Spaß den Machtphantasien zuzuhören, Langlebigkeit ist jedoch keine Eigenschaft vieler Songs. Leider schafft es das Album nicht, konsequent den Vibe eines „Cäsarenwahn“-Videos wiederzugeben – was auch daran liegt, dass das Image nicht immer klar formuliert ist. Das grundlegende Problem an Felix Krull ist und bleibt, dass die Imagefigur interessanter als die eigentliche Musik ist. Die ist zwar nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend.

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