SXTN – Leben am Limit [Review]

Endlich. Ein Stoßseufzer der Erleichterung. Endlich, lieber Deutschrap, ein Album von zwei weiblichen Rappern – und keine Sau juckt’s, weil das einfach nicht der Punkt ist. „Leben am Limit“ von SXTN ist ein sauber produziertes, extrem unterhaltsames Album mit Haltung und Eiern. Nur hängengebliebene Idioten interessieren sich dafür, welches Geschlecht die beiden Hauptdarsteller am Mic haben. Punkt.

Damit haben wir dieses leidige Thema gleich zu Beginn beiseite geräumt. Kommen wir nun zum wirklich wesentlichen: „Leben am Limit“ ist ein beeindruckend unbekümmertes, frisches Debütalbum. Im Vergleich zu „Asozialisierungsprogramm“ haben sich Juju und Nura hörbar gesteigert – beide spielen ihre jeweiligen Qualitäten mittlerweile gut aus.

Und die ergänzen sich, wie es bei einem gut funktionierenden Duo sein sollte. Während Nura mit rauchiger Stimme eher für die eingängigen, direkten Punchlines zuständig ist, punktet Juju ganz klar mit guter Technik.

Was „Leben am Limit“ zu einem richtig starken Album macht: Es hat eine klare Haltung, die dem Hörer aber nicht mit nervigem Zeigefinger und Besserwisser- Schlauschlau-Attitüde um die Ohren gehauen wird. Sondern lässig, locker, selbstverständlich.

Wenn Juju auf „Ausziehen“ rappt:

„Drücken „Mute“, um sich Interviews reinzuzieh’n
Liken Instagram-Bilder mit ihrem steifen Glied
Sie fragen: „Ey, bist du single?“ Ich so: „Nein, eher Album“
Ich habe keinen Halt, doch ich habe eine Haltung“

dann bringt das die Sache herrlich unverkrampft auf den Punkt. Genauso Nura auf „Frischfleisch“:

„Ich geh‘ ab mit meinen Mädels und auf einmal kommt ein Lauch
Er sagt, er will mich bumsen, ich wäre sein Typ Frau
Ich sag‘, laber mich nicht voll oder ich hau‘ dir aufs Maul!
Er dreht sich um und geht zur nächsten Braut“

Jeder kennt diese Situation, jeder versteht das Bild, jeder checkt, was die Kritik ist – ganz ohne hochtrabende Fremdwörter oder anderen Angeberscheiß.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: „Leben am Limit“ ist kein verkapptes Polit-Rap-Album oder sowas. Nura und Juju rappen viel über die schönen Dinge des Lebens, über Partys, übers Kiffen, über ihren Erfolg – aber sie verzichten dabei nie auf ihre, genau, Haltung. Und das verhindert, dass das Album ins Austauschbare, Belanglose abdriftet.

Und auch wenn mancher sich daran stören mag, dass SXTN so viel über ihren Lifestyle zwischen Bong, Club und Schlafzimmer rappen: Es tut so verdammt gut, zwischen all der Doppelmoral mal wieder ein authentisches Bekenntnis zum Exzess, zur Eskalation, zur Grenzüberschreitung zu hören.

„Leben am Limit“ ist garantiert frei von jeglicher CDU-kompatibler Message à la „Du sollst ein vernünftiges, ruhiges Leben leben, wie es sich deine Eltern wünschen“ – für so etwas braucht es nämlich keine Rapper.

Abgerundet wird das Album schließlich durch die Festlegung auf einen Produzenten. Krutsch liefert SXTN genau die simplen, forschen Beats, die mit sattem Bass und ohne Gefrickel nach vorne gehen. Wer trotz all diesen Pluspunkten nach dem Haar in der Suppe suchen will: Viel Spaß. Ich hab keins gefunden. Dafür jede Menge Salz.

Leben am Limit (Ltd. Fan-Edition)
  • Sxtn, Leben am Limit (Ltd. Fan-Edition)
  • JINX Music (Chapter ONE/ Universal Music)
  • Audio CD

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