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Interview mit Architekt

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Architekt ist Chef in Sachen Rap auf einen Beat zu packen„, das stellt er mit seinem kürzlich erschienenen Album „Hits 2015“ erneut unter Beweis. Chef in Sachen Interviews-rechtzeitig-organisieren ist der Bielefelder zwar nicht unbedingt – aber das hinderte uns nicht daran, spontan einen Interview-Termin für den Nächsten Morgen auszumachen. Ich traf einen gut gelaunten Architekt in Begleitung seines Partners in Crime Dray Durch auf eine Tasse Kaffee und unterhielt mich mit ihm über sein neues Album, den Boxsport und seine Tochter.

Der Albumtitel „Hits 2015“ impliziert, dass es sich um ein Best-Of-Album handelt, was aber nicht der Fall ist. War das beabsichtigt?

Es ging darum, zu vermeiden, dass es wie eine Zusammenstellung alter Sachen wirkt. Dass man das falsch verstehen könnte war mir bewusst, aber 2015 soll zeigen, dass es neue Sachen beinhaltet.

Was daran ist genau 2015? Soll der Sound nach 2015 klingen?

Nein, der Sound hat sich einfach aus meinem Geschmack beim Beatpicking ergeben. Ich habe einfach nach Gefallen die Beats gepickt und das hat nun mal dazu geführt, dass es klingt wie es klingt. Ich bin da auch gar nicht konzeptionell vorgegangen, sondern habe wirklich einfach gepickt worauf ich Lust hatte.

Also hast du dir die Beats nicht maßschneidern lassen, sondern aus Pools gepickt?

Ich habe einige Aufrufe gemacht, dass mir Produzenten Beat-Ordner zuschicken sollen. Auch von neuen Leuten sind Sachen dabei. Ganz verschiedene Sachen, ich habe einfach die Ordner durch gehört und daraus gepickt. Natürlich sind auch meine alten Produzenten dabei, aber im Endeffekt sind es viele verschiedene Produzenten.

War das so geplant, von vielen verschiedenen Produzenten Beats zu picken?

Vom Arbeitsprozess her ist es natürlich einfacher, zu sagen, dass man einfach mit einem Produzenten das ganze Album macht. Aber es kommt selten vor, dass ein Produzent wirklich 12 Bretter am Start hat, auf die ich Bock habe. Deswegen habe ich mich von dieser Herangehensweise frei gemacht. Im Nachgang hat man halt das Problem, dass man viele verschiedene Sounds hat und das ausbügeln muss. Das Ding mit Lakmann hat ein 18 Jähriger produziert, da muss man natürlich viel kommunizieren und Wünsche und Verbesserungsvorschläge äußern. Bei anderen geht das ganz von selbst.

Du hast ja schon immer ziemlich detailierte, beladene Beats gepickt. Ich hatte das Gefühl, bei „Hits 2015“ bist du diesbezüglich wirklich an die Grenze gegangen.

Das stimmt bedingt, aber gegen Ende des Albums sind ja zum Beispiel richtig Boombapige 90er Jahre New York Beats am Start. Ich habe das ein bisschen aufgeteilt, dass sich hinten die alt klingenden Sample-Beats finden und am Anfang das Synthetische Zeug. Dass bei den Synthie-Beats noch eine Schippe drauf gelegt wurde, lag daran, dass ich bei den Produktionen und dem Vocal-Editing von Mosaik mehr ins Detail gegangen bin. Ich würde auch sagen, dass ich als Produzent beteiligt war. Ich habe mit den Produzenten kommuniziert, Arrangements besprochen und vorgegeben und alles mögliche Organisiert. Im Endeffekt sind das alles meine Babys auf Grundlade der Beats, die mir zugeschickt wurden.

Kann es sein, dass deine Stimme höher beziehungsweise kehliger geworden ist?

Kann gut sein. Das Intro und „Hurricane“ und so sind auch sehr stark mit Kopfstimme aufgenommen. Aber wahrscheinlich klingt der Sound auch anders, weil dieses mal Sir Jay, der DJ von Kool Savas, das Album gemastert hat. Der hat auch Einfluss auf die Aufnahmen genommen und gesagt was ich verbessern soll, damit das wie ein Studioalbum klingt. So klingen auch die Sachen, die ich in meiner Küche aufgenommen habe wie aus dem Studio (lacht)

Hattest du im Vornerein einen Leitfaden für das Album? Beispielsweise für erwähnen Verlauf der Instrumentale Richtung Boombap.

Ich habe ein gefühltes halbes Jahr die Tracks hin und her geschoben, um die Anordnung zu perfektionieren. Ich habe mir viel Zeit gelassen und einfach intuitiv gearbeitet. Man hat ja quasi verschiedene Anhaltspunkte. Den Sound, das Thema und diese ganzen Grundsätzlichen Sachen. Man kann zwar nicht einfach hier fünf Battletracks und da fünf sinngeschwängerte machen, aber man darf auch nicht zu bunt durchmischen. Ich bin mit der endgültigen Anordnung zufrieden. Mir ist nichts aufgefallen, wo man einen Track doch hätte anders setzen sollen. Wenn doch, beratet mich gerne. Aber ist eh nicht mehr zu ändern (lacht)

Wie du sagst, gibt es Battle- und sinngeschwängerte Tracks. Zuletzt erschienen die eher besonnene „Total Error“ EP und davor die battlelastige „Architektour“ EP. Wolltest du diese beiden Elemente für das Album zusammenbringen?

Schon, ja. Aber ich wollte vor allem erreichen, dass jeder einzelne Song einen roten Faden hat und für sich steht. Nicht so Mixtapemäßige Songs, sondern wirklich Tracks zu einem Thema. Was das angeht ist Sido ein Vorbild. Das ist meines Erachtens einer der wenigen Rapper in Deutschland, der einfach strukturierte, aber wirklich auf den Punkt gebrachte Songs zu einem Thema machen kann. Natürlich habe ich mich da nicht am Rapstyle orientiert, aber ich habe mir gesagt, dass ich richtige Songs machen will und nicht irgendwelche ungreifbaren Tracks.

Und wie bist du das angegangen?

Ich habe einfach so lange daran gearbeitet, bis es soweit war. Einfach bis es rund genug war und ich jeden Song so gut fand, dass ich ihn aufs Album gepackt habe.

Im Video „Insel“ sieht man deine Tochter. Wie kam es dazu? Musstest du lange überlegen, bis du beschlossen hast, sie der Öffentlichkeit zu zeigen?

Sie hat immer schon ein Interesse daran gehabt. Auch wenn ich mir andere Videos anschaue. Sie hat irgendwann von selbst gesagt, dass sie das auch gerne mal machen würde. Dann kam der Plan das Video zu drehen und die Idee, uns einfach dafür einen Tag im Park mit der Kamera zu begleiten. So haben wir es dann auch gemacht. Das war alles sehr stressfrei, wir haben dann einfach im Park gespielt und einen schönen Tag verbracht und das wurde gefilmt. Deswegen ist das alles ziemlich ungezwungen und sie ist gut gelaunt. Aber ich habe natürlich hin und her überlegt, ob man das machen kann. Im Endeffekt ist sie natürlich noch nicht so alt, dass sie mündig ist das zu entscheiden. Aber wir kamen zu dem Schluss, dass es doch einfach total geil für sie ist, so etwas später aus ihrer Kindheit zu haben. Ich wäre froh gewesen, wenn mein Vater früher so geile Musik gemacht und mit mir ein Video gedreht hätte. Außerdem wird man sie in einigen Jahren gar nicht wieder erkennen. Kinder verändern sich so schnell und stark. In zwei Jahren wird man sie wahrscheinlich schon nicht mehr erkennen.

Wie hat sie reagiert, als sie das Endergebnis sehen konnte?

Fand sie super. Fand sie richtig gut. Sie kriegt jedes mal gute Laune, wenn sie das sieht.

Ein anderer sehr persönlicher Track der mir aufgefallen ist, ist „Johnson“. Handelt es sich dabei um eine reale Person, die du adressierst?

Das ist DJ Johnson, der hat damals bei „Klatsche“ alles zusammen gebaut und mit Cutz versehen. Das ist mein alter DJ, der ist an Multiple Sklerose (Chronische neurologische Erkrankung; Anm. d. Verf.) erkrankt und kann seine Hände nicht mehr benutzen. Diese Krankheit kommt immer in Schüben und daher kann er all diese Dinge, die ihn auf eine Art ausmachen, wie scratchen, nicht mehr ausführen. Das ist einer meiner besten Freunde, daher habe ich diesen Track für ihn auf einem Beat von ihm auf meinem Album verewigt. Ich habe ja echt noch nicht viele Tracks für einzelne Personen geschrieben. „Miss Ungewiss„, wobei das ja eben die Miss ungewiss ist, von der man nicht weiß, wer gemeint ist. „Insel“ für meine Tochter“ und halt „Johnson„.

Du hast deine Herangehensweise an Battle-Tracks ein wenig geändert, oder? Das klingt alles viel ausgefeilter als früher.

Ja definitiv, das hast du gut erkannt. Ich habe mehr Wert auf das musikalische gelegt, dass es einfach runder und ausgefeilter ist. Das sind kompliziertere Songs, bei denen man auch nach dem zehnten mal Hören noch neue Sachen entdecken kann. Es muss ja auch weiter gehen.

Weiter gehst du schon, aber dem Zeitgeist hast du dich nicht angebiedert. Gerade deine wie-vergleiche sind geradlinig geblieben.

Ja, Technik ist natürlich eine wichtige Sache und ich beherrsche dahingehend verschiedenste Disziplinen. Aber am Ende des Tages kommt es mir auf stylische Lines an. (rappt) „Ich bin hot wie ein Herd, flott wie ein Pferd„, das ist natürlich mega behindert, aber halt halt irgendwie Style und ist lustig. Das ist Geschmackssache, aber ich ziele auf stylische Lines ab.

Das CD-Cover zeigt ein Paar Boxhandschuhe und auf dem Album findet sich die Line „Nach einer rechten Geraden bleibt nur Brei von dir“. In der Deluxe Box sind sogar kleine Boxhandschuhe für den Rückspiegel. Du hast ja damals geboxt, ist das immer noch aktuell?

Ich boxe auch noch hobbymäßig ein bis zwei mal die Woche. Die Boxhandschuhe in der Box sind ein kleiner Traum von mir. Die habe ich in Pakistan bei meinem Homie herstellen lassen und sie sind genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Die haben wir gemacht, weil ich seit Ewigkeiten Boxe und auf dem Cover ja Boxhandschuhe sind. Auf dem Cover hängen die Handschuhe an einem Nagel, weil ich immer schon Rapmusik dem Boxen vorgezogen habe. Boxen war für mich immer nur ein Sport.

Auf dem Album hälst du dich mit dem Thema Boxen ja auch zurück.

Ich habe jetz keinen 12-Runden-Boxtrack mit Seilspringen und allem gemacht. Ich wollte mich nicht als krassen Tap-Out-Box-Freefight-Typen oder so verkaufen. Das ist ja nur ein Hobby von mir, ich mache ganz klassisches deutsches Boxen. Wer in den Boxverein geht, kennt das Feeling. Das wollte ich ein bisschen transportieren, aber mich jetzt nicht als Boxer inszenieren oder mir ein Boxer-Image aufhalsen. Auch wenn ich Boxer bin. Aber halt authentisch. Ich mache halt Rapmusik und gehe zum Boxen. Das bin ich einfach. Aber ich wollte mich nicht in so eine Farid Bang-Ecke stellen.

Bodenständige Selbstinszenierung ist dir ohnehin wichtig, oder?

Ja, auf jeden Fall. Gerne auch abgefreakt, ich habe ja auch MC Zuhälter und solche Sachen gemacht. Das war halt einfach auf die Kacke gehauen und gemacht, worauf ich Bock hatte. Aber unterm Strich ist Architekt-Rapmusik authentisch.

Wie meinst du, wirst du von außen wahrgenommen?

Ich glaube auf jeden Fall als Punchlinerapper. Die ganzen alten Hasen bestätigen mir ja, dass sie das was ich mache richtig gut finden.  Technisch wohl auch auf höchstem Niveau. (grinsend) Der beste Rapper der Welt. (alle lachen) Ich glaube, für manche Leute bin ich zu speziell. Ich mache, gerade wegen der angesprochenen verrückten Vergleiche, einen sehr speziellen Eindruck. Für die Straßenrap-Hörer bin ich wohl zu speziell. Und für die totalen Ökos, die alles politisch korrekt haben wollen, ist das wohl zu hart. Also irgendwoe dazwischen – ich glaub so werde ich wahrgenommen. Aber heutzutage ist in beide Richtungen alles schon einmal komplett Geschehen, also glaube ich, die Leute sind abgehärtet und können das aufnehmen. Die Leute haben alles schonmal um die Ohren gekriegt, da ist eine Akzeptanz entstanden.

Das stimmt wohl. Eine rosige Zukunft also. Was ist für die Zukunft geplant?

Ich fahr heute erstmal mit Dray (Dray Durch; Amn. d. Verf.) auf Architektur 2015. Wir sind guter Dinge, haben gerade das Auto abgeholt, sind n bisschen durch die Stadt gecruised und heute Abend geht’s los (Heute Abend spielt Architekt in Berlin; Amn. d. Verf.). Kommt auf jeden Fall vorbei.

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