Momentan – Finderlohn

Die vier Mann starke Hip Hop Combo Momentan aus Köln besteht aus den beiden DJs Dirty Diggler und Buttafinga, sowie den Mcs Michael Mic und J.R.. Die vier können mit vielem von dem, was heute im Rap passiert nichts anfangen. Für sie gilt immer noch der durch Curse bekannt gemachte Spruch „Rap ist Soul Musik“. Der Sound der Gruppe bewegt sich zwischen Soulsamples aus den ´70er Jahren und Hip Hop aus der „Golden Era“, das Ganze wird dann zu einem zeitgemäßen Gesamtbild zusammengefügt. Die Gästeliste auf „Finderlohn“ ist kurz aber äußerst hochwertig. Vertreten sind Rakaa Iriescience von den Dilated Peoples, El da Sensei, der vor allem durch seine frühere Crew The Artifacts bei einigen bekannt sein müsste, sowie der Newcomer Summsemann.
In „Trash-Talk“ rechnen Michael Mic und J.R. auf äußerst unterhaltsame Weise mit allen Leuten ab, die sich mit hohlem Geschwätz im Game bekannt machen wollen. Hier wird nicht hart gebattlet und niemand beleidigt, den Jungs geht es um Humor. Auf „Going Back“ vollbringen die beiden eine erneute textliche Meisterleistung und führen den Hörer über einen relaxten Beat durch eine gemeinsame Geschichtsstunde, in der alle Höhen und Tiefen ihres Lebens Erwähnung finden. Der Song „Dreckige Butter“ muss besonders hervorgehoben werden, da hier nicht die beiden Mcs im Vordergrund stehen, sondern die beiden anderen Crew-Mitglieder ihren Platz im Rampenlicht bekommen. Im Intro des Songs heißt es „Alle rappen über´s Rappen, wir rappen über´s Djing…“ , der Song ist dann eine hemmungslose Lobeshymne auf die beiden DJs der Gruppe. Durch „Dreckige Butter“ fällt dann ein Element auf, das auch bei späteren Tracks immer wieder deutlich wird. Die beiden DJs sind hier keineswegs nur Samplelieferanten und Begleiterscheinungen neben den Mcs. Durch herausragendende Sampleauswahl und passgenaue Cuts und Scratches könnten Buttafinga und Dirty Diggler zumindest über einige Tracks auch als Hauptakteure fungieren. „Kampfstern Raptallica“ ist meiner Meinung nach einer der unnötigsten Tracks auf „Finderlohn“. Rap – Rock Crossover hab ich bis heute  schon genug gehört und leider funktionieren sie nur viel zu selten. Auch hier will der Funke irgendwie nicht richtig überspringen, auch wenn im Ansatz vielleicht noch alles stimmt. Auf „Wortwechsel“ passiert tatsächlich genau das. Die generell gut aufgelegten Mcs und zwei DJs in Topform ergänzen sich gegenseitig, um im Wortwechsel die Verses zu bilden. Sehr unterhaltsame Idee und interessant, wo die DJs ihre Samples herholen. Mein persönlicher Favorit ist „Spießer 2007“, diesmal sind wieder die Mcs für die Auswahl verantwortlich. Auf Michael Mics Solotrack enthüllt dieser die in Deutschland immer noch weitverbreitete Haltung gegenüber Hip Hop und deckt auf, inzwischen schon gewohnt humorhaltige Weise, noch andere Klischees des heimatlichen Bürgertums auf. Das leicht melancholische Instrumental lässt ihm dabei auch genug Platz, um in die Vollen zu gehen. Ein weiter Song muss hier für die Idee noch erwähnt werden. „Giselle Bündchen a.k.a. meine graue Maus“ ist nicht etwa ein Liebeslied, wie es auf den ersten Eindruck wirkt. Der Song ist tatsächlich eine Hommage an die graue Lieblingsjogginghose von Rapper J.R.. Einen Track vor dem Outro kommt mit „U and Me“ dann doch ein richtiges Liebeslied. Schöner Song, der mir gut gefällt und das im Großen und Ganzen runde Album zu einem würdigen Abschluss bringt.
Entgegen zu dem einleitenden Curse Zitat geht es auf „Finderlohn“ nicht darum irgendjemand zu lehren. Entertainment ist das Hauptprogramm, was jedoch auf keinen Fall bedeutet dass hier inhaltsloser Partyrap geboten wird.
Als direkten Vergleich bietet sich Blumentopf an, auch wenn ich Momentan zumindest jetzt noch nicht auf eine Ebene mit den Münchnern stellen möchte. „Finderlohn“ ist konstant gut gelungen, sieht man von wenigen Ausfällen wie „Kampfstern Raptallica“ ab. Es fehlen aber die richtig großen Nummern, um das Album herausragend zu machen.

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