Albino – Überlebenstraining

Starten wir zu einer Zeitreise: Der Lübecker Rapper Albino führt uns in das letzte Jahrtausend, in eine Zeit, in der nachdenklicher Rap und Storytelling anfingen, Buhwörter zu werden und dem Straßenrap Platz zu machen. In diese Zeit hätte das mir vorliegende Album hundertprozentig reingepasst. Doch fehlende thematische Aktualität kann man Albino wiederum auch nicht vorwerfen. Er hat also ein Album veröffentlicht, das wie die Filme von Michael J. Fox geworden ist: Eine Zeitreise von der Vergangenheit zurück in die Zukunft.

Das wird allein schon deutlich an den Beats. Klanglich gehören 12 Finger Dan, D-Base und DJ MikeMadcap, die Beatschrauber des Albums, eindeutig zu Premos Erben und machen ihm auch alle Ehre. Melodiöse Instrumentale, deren Drums es zu keinem Zeitpunkt an Druck und Punch fehlt, geben den Soundteppich für Albino und die geladenen Gäste vor. Und mit dabei ist neben Chaoze One, Holger Burner, Ole, Tokin One, KET und Call Ya vor allem Rudi Dutschke.

Ja genau, der Rudi Dutschke. DER deutsche Weltverbesserer, DER deutsche Revolutionär und Idealist. Dieser kommt gleich im Intro zu Wort und gibt die politische, positiv engagierte Grundrichtung des Albums vor. Dieses ist sozialkritisch auf allen Ebenen. Von der abartigen Tierindustrie bis hin zu globalen Machtmonopolen ist kein Thema vor Albino sicher. Und für dieses Engagement gibt es auf jeden Fall einen Pluspunkt, da auch die musikalischen Umsetzungen in diesen Songs überzeugen. Doch persönliche Texte auf mal mehr und mal weniger geglückten Konzeptsongs lassen sich hier ebenfalls finden und die Liebe zum Rap und zum HipHop im Allgemeinen wird auch immer wieder ausdrücklich betont. Einzig die zwar ziemlich seltenen, aber eben doch vorhandenen Betonungen auf eigentlich unbetonte Silben, einzig und allein des Reimes wegen, wirken etwas krampfhaft und befremdlich und auch die wenigen Doubletime-Zeilen sitzen nicht wirklich sicher.

Dies soll aber nicht über ein ansonsten sehr rundes und gelungenes Album hinwegtäuschen, das sicherlich nichts Neues ist vom Standpunkt des Jahres 1999 aus, aber ein Novum im Jahre 2007. Und nun ist die Frage, warum ein solches Album im Jahre 2007 nicht endlich wieder Geltungsanspruch erheben darf. Es klingt wie oldschoolig neu aufgelegt. Und wenn man mal Lust auf die gute alte Schule hat, warum soll man dann nur alte Platten hören? Diese Scheibe ist dann genau das Richtige.

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