MC Smook – Marc T. gegen den F!ckjungen Larry [Review]

Man könnte diese Review mit einem obligatorischen „Ja, MC Smook ist nicht der beste Rapper der Welt“ eröffnen – das wäre aber nur gerechtfertigt, wenn Smook ebenso austauschbar wäre, wie besagte Einleitung es ist. Ist er aber nicht – im Gegenteil. Nicht nur, dass er seiner ehemals etwas unbeholfenen Art, sich über den Takt zu schleppen, Herr geworden ist – auch seinen intelligenten Humor kann der König von Issumnistan mittlerweile gekonnt und pointiert zur Geltung bringen, wie das neue Album „Marc T. gegen den F!ckjungen Larry“ beweist.

Der zehn Tracks umfassende Langspieler entwickelt sich dynamisch – besonders inhaltlich. Anfangs finden sich vereinzelte Kalauer der Marke „Gebutterter Kolben“ , das natürlich vom Koitus handelt und sich mit seiner catchy Hook in die Gehörgänge reinbuttert. Im gediegenen Opener „Leben Leben (Atmen Gang)“ outet Smook sich als „harter Fan der Atmen Gang„, der jeden Tag atmet, einfach weil atmen richtig ahnbar ist. Selbst wenn „der Arzt sagt: Das war’s, Marc. Da oben hat der Himmel seine Abfahrt“ antwortet Marc nur „Brudi, wart ab!“ Songs wie dieser sind es, die eingangs erwähnte Originalität ausmachen. Im Grunde handelt es sich um einen lebensbejahenden „Genieß jeden Moment“-Song, wie es unzählige gibt – nur, dass hier halt keine hohlen Phrasen gedroschen werden, sondern gewitzt der Prozess des Atmens selbst zelebriert wird.

Der smoothe Beat von Fay Guevara und 8Moss, der irgendwie tatsächlich zum tiefen Durchatmen einlädt, steht der tiefen, markanten Stimme ebenso gut, wie der bedrohliche, treibende Banger „Leiden am Erfolg“ (a/o an DJ Khaled) von Beatjunkie Rato und Yung Flüchtling, auf dem eine Khaledeske Suffering from Success Attitude zur Schau gestellt wird, oder der bassige stakkato-Brecher „Hätt‘ ich dich heut erwartet, hätt ich Kuchen da“, den man zu erwähnten Kalauern zählen kann. Natürlich schießt Smook alles andere als ein Flowfeuerwerk ab, aber der behäbige, unaufdringliche Rap bringt die Texte, die eindeutig im Vordergrund stehen, hervorragend zur Geltung. Smooks sympathische Delivery erledigt den Rest.

Besonders interessant wird es allerdings, wenn Smook befiehlt: „Wähl‘ nicht die AfD„, den Bewohnern die Wellnesskur im „Luxushotel Flüchtlingsheim“ neidet oder gar die „Freimaurerjudenzionistenverschwörung“ aufdeckt. Ähnlich wie auf „Luxushotel Flüchtlingsheim“, der als lupenreiner Trap-Banger daherkommt, auf dem Smook in der Rolle eines besorgten Bürgers Stammtischparolen auf entlarvende Art und Weise ad absurdum führt, werden eben auch nach rechts schielende Verschwörungstheoretiker vorgeführt. Wirr aneinandergesponnene, kontextlose Nicht-Fakten werden in einen vermeintlich logischen Zusammenhang gebracht und stellen so auf bewusst plumpe Art die selbsternannten Wahrheitskämpfer bloß. „USA hat Israel erbaut, um Coca Cola und McDonald’s mehr potentielle Kunden zu geben“ – #mussmanwissen.

Konträr dazu bietet „Wähl‘ nicht die AfD“ neben der gesungenen Hook von Renate Lohse klare Ansagen, mit denen sich schützend vor den Hausproduzenten Yung Flüchtling gestellt wird. Dieses Unterfangen verkommt aber nicht zur Phrasen-Schießbude, sondern findet wie das gesamte Album stets mit einem smarten Augenzwinkern und doppeltem Boden statt, ohne sich hinter einer alles relativierenden Ironie zu verstecken. MC Smook hat weitaus mehr Klasse, als die meisten deutschen Rapper von sich behaupten können – und genau das macht „Marc T. Gegen den F!chjungen Larry“ zu einem verdammt guten Album. So ganz ohne „GUDG macht einfach Laune“-Bonus oder so einen Scheiß.

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