Skepta – Konnichiwa [Review]

Spätestens seit „Shutdown“ ist der London-Native Skepta auch in Deutschland so richtig angekommen – Abriss auf dem Splash! Festival inklusive. Mittlerweile spielte der Grime-Artist eine Solotour in den USA und nahm mal eben einen gewissen Drake unter Vertrag. Genau genommen veröffentlichte der Brite sogar bereits vier Soloalben, für die globale Wahrnehmung stellt „Konnichiwa“ dennoch so etwas wie ein Debütalbum dar – riesige Erwartung dank erfolgreichen Singles inklusive.

Dass Skepta ebenjenen gewachsen ist, macht bereits der gleichnamige Opener „Konnichiwa“ klar. Kein großes Rumgelaber, einfach Bars. Über das Instrumental, das als prototypisches Beispiel für Grime durchgeht, gibt es einen Hybrid aus Realkeeper-Statements, dem Leben aus dem Koffer und Gedenken an verstorbene Crew-Mitglieder: „But I can’t complain/ Soon as I get bored I jump on a plain/ Nothin‘ ain’t changed/ Boy better know a man went to the BRITs on a train“. Im weiteren Verlauf des Albums wird unter anderem das legendäre Wiley-Zitat „Lyrics for lyrics, calm“ gedroppt, um kurz darauf Lehrbuch Battlerap-Zeilen über ein Bass-Monster samt gechoppten Kinderstimmen-Samples zu rappen.

Dieses Album ist nichts für die entspannte Runde Zuhause, denn die zwölf Tracks gehen geradewegs nach vorne. Dass es dabei jedoch nicht nur um die üblichen Turn Up- oder Battlerapthemen gehen muss, wird auf Songs wie „Numbers“ oder „Man“unter Beweis gestellt. Ersterer kommt mit einem Pharell Williams-Feature und Instrumental daher. Über die Trademark-Produktion der personifizierten Hitmaschine wird Konsumenten- und Plattenfirmenkritik per Ignoranz-Flow und pointierten Punchlines hittauglich gemacht: „Never thought you would see me with the crown/ Never thought you’d be seeing me around/ Knew we were on the same flight/ You never thought you would see me in the lounge“.

Auf „Man“ wird hingegen das altbekannte Thema der Day Ones gegen Fake Friends aufgerollt. Was nach anbiedernder Phrasendräscherei klingen könnte, entpuppt sich in diesem Falle jedoch schlicht weg als Brett von einem Song. Das von Skepta selbst produzierte Instrumental klingt dermaßen aggressiv und drückend, dass der Inhalt beim ersten Hörgang unfreiwilligerweise auf der Strecke bleibt. Dennoch stößt man auch bei diesem Track auf hervorragend geschriebene und persönliche Lines: „Came a long way from when whites never used to mix with blacks/ Now all my white niggas and my black mates, we got the game on smash“ – Toleranz-Befürwortung trifft auf biografischen Battlerap.

Der einzige kleine Wermutstropfen ist „Text me back“, der letzte Song des Albums. Hier verrennt sich der Künstler leider zu sehr in kitschige Phrasen und klebrig-pathetische Liebesbekundungen: „I’ve been around the world and back/ I ain’t met anybody I wanna be with more than you/ That’s why when the sun goes down at night/ Man are calling you“.

Skeptas Lyrics sind deshalb so stark, weil sie größtenteils auf das Nötigste reduziert sind. Keine ausschweifenden Metaphern, keine verkrampften technischen Wunderwerke – viel mehr besinnst sich Skeppy auf seine Stärken, die in einer klaren Sprache und im punktgenauen Songwriting liegen. Mischt man dies mit der produktionstechnischen Qualität und der bereits im Vorfeld gewertschätzten Dopeness der Singles „Shut Down“, „That’s not me“ oder „Ladies Hit Squad“, ergibt dies in der Summe einen Langspieler, der auf ganzer Linie überzeugt und ohne musikalischen Ausfall daherkommt. „Konnichiwa“ ist die finale Legitimation für den weltweiten Erfolg Skeptas und seines Labels Boy Better Know.

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