Mosh36 – Rapbeduine [Review]

Theatralisch begrüßt mich die Stimme von Manfred Lehmann, seines Zeichens Synchronsprecher von Bruce Willis, auf Mosh36s neuem Album „Rapbeduine“, mit dem der Berliner sich wieder seinen Wurzeln zuwenden will. Die liegen in hartem, schnörkellosem Straßenrap mit irrwitzigen Flowpassagen und technischer Finesse.

Mit seinem Achtungserfolg „Moshpit“ und dem auf dem Fuß folgenden Debüt „Moshroom“ konnte Mosh mich seinerzeit voll und ganz überzeugen. Der enorme Hunger und die ungeschliffene Rawness, mit der er zu Werke ging, trafen voll ins Schwarze. Umso größer die Enttäuschung, die das pathetische „Unikat“ letztes Jahr darstellte, das alles, was Mosh36 ausmachte, vermissen ließ. Mit dünner Stimme wurden abgedroschene Plattitüden en masse zum Besten gegeben. Die nachfolgende EP „Lucky No. 7“ hingegen war wieder ein Schritt in die richtige Richtung – und auch auf „Rapbeduine“ werden glücklicherweise wieder Päckchen am Block gedealt. Schon mal eine gute Ausgangslage. Aber: kann er seine Stärken auch noch so geschickt ausspielen wie damals?

Stimme? Check! Mosh kommt zwar nicht ganz an das wuchtige Stimmvolumen vergangener Tage heran, dominiert aber dennoch problemlos jeden der mächtigen Beats. Die wiederum sind ziemlich auf Hochglanz poliert. Glasklare Synthies und clean geflippte Vocalsamples prägen das aufgeräumte Soundbild, für das KD Beatz, Jumpa, Freshmaker und Kay Mason verantwortlich zeichnen. Das heißt aber nicht, dass es „Rapbeduine“ an Härte fehlt – bedrohlich rollen düsteren die Beats durch die Gehörgänge und bieten Mosh einen angemessenen Teppich für den authentischen Stresserblick, der endlich wieder an der Tagesordnung ist. Das monochrome Gesamtbild wird gelegentlich von Songs wie“95er Flow“ oder „Ulfimativ“ gebrochen, das mit seinem swingy Sound eine willkommene Abwechslung darstellt. Auch die Featuregäste sind wohldosiert und liefern konstant. Insbesondere Nazar auf „ACAB“ stellt ein echtes Highlight dar.

Inhaltlich geht es entsprechend genretypisch zur Sache. Tickergeschichten, Representer, Gewaltandrohungen. Wirklich tiefschürfendes oder weltbewegendes hat Mosh nicht zu erzählen, besondere Lines stechen nicht heraus. Die Texte sind auf „Rapbeduine“ lediglich Mittel zum Zweck – und der ist Flow. Der Atemlos-Style wurde bereits vor geraumer Zeit abgelegt, mittlerweile besticht Mosh eher durch präzises Timing und druckvoll gesetzte Pausen, was hervorragend funktioniert. Routiniert flowt er über die kräftigen Drums, als wäre es das leichteste der Welt. Auf „Scharfe Muni“ und im Outro nimmt er sich sogar einiger verspielter Trap-Flows an, als hätte er nie etwas gemacht. Dazu feuert er locker aus dem Handgelenk versierte Reime, die zwar nicht besonders inhaltsschwer, aber dafür stets on point sind.

Mit „Rapbeduine“ findet Mosh36 tatsächlich endlich zu alter Stärke zurück. Es ist zwar kein neues „Moshroom“ – dafür fehlt es ihm am unbändigen Hunger von damals – aber ein grundsolides Straßenrap-Album, das einfach heftig klingt und eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen weiß. Ich hätte zwar vollständig auf die wenigen Gesangshooks verzichten können, und die Texte dürften meines Erachtens etwas pointierter aufgebaut sein, aber das schmerzt kaum. Die glaubhafte Attitüde, die noch immer beeindruckenden Flowabfahrten und die hervorragende Produktion sind zwar nichts grundlegend neues, aber eben definitiv auch nicht verkehrt.

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