Haze – Guten Abend, HipHop [Review]

Laute, aggressive, düstere Straßenrap-Alben gibt es wie Sand am Meer. Nicht, dass das schlecht wäre, aber wie schon Theodor Fontane sagte: „Abwechslung ist des Lebens Reiz“. Haze‚ Debütalbum „Guten Abend, HipHop“ bringt Abwechslung in die synthetische Straßenrap-Landschaft. Abwechslung bedeutet in diesem Fall aber nicht Innovation, im Gegenteil. Musikalisch könnte „Guten Abend, HipHop“ direkt dem New York der golden Era entsprungen sein. Was die Maschinen von Dasaesch und Dannemann da ausgespuckt haben, hätte genau so auch den Fingern eines Alchemist entspringen können. Rumpelnde, samplelastige Beatbretter, die durchaus bedrohlich, aber nie aufdringlich oder gar lärmend anmuten.

Mit dieser Mobb Deepesken Instrumental-Ästhetik im Rücken kann Haze ganz gepflegt durchgängig über ein Thema sprechen: Die Straße. Regelmäßig wird die Atmosphäre durch Cutz von Kollegen, etwa Dilomans koryphäenhaftes „Almanya kann mich nicht dulden“, verdichtet, ab und an ersetzen diese sogar die Hook. Tracks mit einem festen Thema, etwa das einminütigte „Ausländer rein“-Interlude oder der „Bullentrack“, der, angelehnt an reale Ereignisse, die Geschichte eines korrupten Polizisten erzählt. Meistens wird aber einfach die Straße repräsentiert, ab und zu mit einem losen roten Faden im Hintergrund, wie bei „Hass“ , zumeist ohne Konzept in der Hand. Das ist aber gar kein Problem, denn auf „Guten Abend, HipHop“ geht es in erster Linie um eines: Rap.

Den liefern sowohl Haze, als auch die wenigen, gut platzierten Featuregäste mit Bravour. Letztere übernehmen dann auch stets die Hook des jeweiligen Songs, denn die ist einfach nicht Haze‚ Stärke , was wohl auch den Grund für gelegentlichen den Verzicht zugunsten von Cutz darstellt. Gerade RAF Camora und MoTrip liefern dafür echte Ohrwürmer ab, über die gerappten Parts, die auch noch von Bonez MC, Svaba Ortak und Eazy Ono muss man an dieser Stelle nicht viele Worte verlieren – die Jungs liefern stets Qualitätsware und lockern das Album so auf. Überhaupt schafft Haze es, trotz seines grimmigen, ignoranten Styles und der monochromen Produktion, das Album interessant zu halten.

Man sitzt zwar nicht angespannt nach jedem Wort geifernd vor den Boxen, aber langweilig wird „Guten Abend, HipHop“ zu keiner Zeit. Dafür ist es einfach zu gut: Zu gut produziert, zu gut gerappt, zu atmosphärisch. Haze spielt seine Stärken aus, kaschiert gekonnt seine wenigen Schwächen und debütiert mal eben mit einem Album, das zu fast jeder Gelegenheit passt, ohne dabei charakter- oder belanglos daherzukommen. Der Karlsruher liefert souverän ein gelungenes, rundes Straßenrap-Album ohne Tiefpunkte.

 

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