Alpa Gun – Ehrensache II [Review]

Alpa Gun, nach eigener Aussage „der einzige Türke, der seine Ehre hält„, macht aus allem eine „Ehrensache“ – nun schon zum zweiten Mal. Ehre, Familie und die Brüder sind das Wichtigste, Eko Fresh kriegt Tokat und Alpa  selbst ist ein stolzer Türke von der Straße. Das ist „Ehrensache II“ kurz zusammengefasst, aber aus Respekt vor einem Ehrenmann führe ich das ganze an dieser Stelle doch etwas weiter aus.

Bei Alpa Guns neuem Werk ist der Name Programm: Das Wort „Ehre“ fällt gefühlte 50 Mal pro Song in diversen Kontexten. Alpas eigene Ehre, die natürlich über jeden Zweifel erhaben ist, die Ermangelung ebendieser bei diversen Kollegen und die oberste Priorität, die die Ehre im Leben eines Alper Abi einnimmt. Ein Thema, das ihm selbst offenbar nicht langweilig wird. Schade, dass es sich bereits nach den ersten beiden Anspielstationen erschöpft – wobei angemerkt sei, dass das „Intro“ keine anderthalb Minuten in Anspruch nimmt.

Der darauf folgende Titelsong erweitert das Repertoire dann um Seitenhiebe gegen Eko Fresh, Bass Sultan Hengzt, Sido und NazarAlpa war loyal zu allen, aber jeder einzelne der Genannten ist ein Piç, der ihm in den (betont geraden) Rücken fällt. Wie fies. Frei nach dem Motto „Allein gegen alle“ trägt der Berliner das ganze zwar hörbar zornig, aber ohne jegliche Flowvariation vor – es handelt sich um den selben monotonen Flow, der schon im „Intro“ zum Einsatz kam. Interessante Aussagen oder gar richtige Punchlines sucht man mit der Lupe – aber vergebens. Die genannten Rapper sind schlicht und ergreifend ehrenlos, werden mit Kraftausdrücken eingedeckt und es wird mit (wahlweise auch bleihaltiger) Prügel gedroht. Gut eine Handvoll derartiger Tracks finden sich auf „Ehrensache II„, wobei der Representer „Mein Style“ technisch mehr zu bieten hat und beweist, dass Alpa doch nicht so eingerostet ist, wie es in der ersten Hälfte des Albums erscheinen mag.

Aber der Meister aller Glatzen hat noch mehr originelle Songkonzepte im Repertoire: Zwei Liebesbekundungen an Berlin, von denen die erste, „Berlin, Berlin“ sich hauptsächlich auf das plakative Namedropping bekannter Orte, Sehenswürdigkeiten und Eigenschaften beschränkt, während „Heimat“ mit Crackaveli und Big Baba vom lokalen Straßenleben handelt, wobei vor allem letztgenannter eine gute Figur macht. Auch hier wird sich zwar größtenteils auf Plattitüden gestützt, aber dafür inbrünstig und angemessen hart gerappt.

Ich seh‘ die Siegessäule und das Brandenburger Tor / Ich find‘ es schön, bei dir zu sein, egal an welchem Ort // Dein Berliner Dom und deine Gedächtniskirche / Ich bin mehr Berliner als Deutscher oder Türke“ („Berlin, Berlin„)

Dann noch zwei Songs für die Familie – einer für die Frau, einer für die Söhne – die aber wirklich ehrlich und unkalkuliert klingen. Besonders „Helal Olsun„, eine Art Brief mit Appellen an seine beiden Söhne, transportiert authentische Emotionen und stellt einen der Höhepunkte des Albums dar. Im Kontrast zu dieser Glaubwürdigkeit stehen der hinein gezwängte Bruder-Kopf-hoch-Song „Alles wird gut“ und die seichte Deprinummer „Ich kann nicht mehr„. Die Flachheit der Titel steht der der Songs um nichts nach. Es wird weiterhin unverhohlen auf ausgetretenen Phrasen-Pfaden gewandelt.

All das findet auf erschreckend lieblos produzierten Beats statt, die mit unverschämt synthetisch klingenden Violinen, orientalischen Samples und kraftlos dahin plätschernden Drums nach den ersten Gehversuchen eines Hobbyproduzenten klingen und auf Albumlänge kaum ineinander greifen. Garniert wird das ganze mit fast einem Dutzend Featuregästen, die teilweise nur Hooks übernehmen. Die Gastrapper liefern aber durchgehend solide Kost ab und bringen zumindest einige kleine Lichtblicke auf „Ehrensache 2„. Der abschließende „Possytrack“ [sic] hingegen kann nicht begeistern – zu ähnlich sind die Styles der Protagonisten.

Alpa Gun kann viel mehr, als er auf „Ehrensache II“ zeigt. Es wird sich simpler Flows, Plattitüden, plumper Beleidigungen und Themen von der Blaupausen-Kleiderstange bedient. Jeder Song kommt einem bekannt vor, nichts überrascht. Bis auf die Songs für die Familie wirkt der Langspieler lieblos zusammen geschustert und ist aufgrund der „Wir brauchen noch einen Song für die Brüder, einen für unsere Stadt und einen Kopf-hoch-Song„-Herangehensweise und der Tatsache, dass Alpa sich selbst geradezu absurd ernst nimmt, absolut vorhersehbar und dröge.

VÖ Datum: 9. Oktober 2015
Verkaufsrang: 12
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3 KOMMENTARE

  1. Alpa ist auch nur so ein nerviger Alibimoslem. Talent hat er auch keins, bestenfalls Durchschnittsrapper. Und sorry, aber durchschnittlich rappende Kanacks gibts aktuell wie Sand am Meer und auch ein Haufen talentiertere…
    Und wenn ich dieses Scheiss Ehregelaber als höre…

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