Review: KC Rebell – Hasso

Hinter KC Rebell liegen ereignisreiche zwölf Monate. Erst trennte sich der Rapper mit einigen Nebengeräuschen von seinem bisherigen Label Banger Musik und daraufhin kam es auch privat zu bewegenden Veränderungen. Zunächst wurde sein Sohn Hassan geboren und kurze Zeit später verstarb sein Vater, der ebenfalls auf den Namen Hassan oder kurz Hasso hörte. Nun ist KC mit seinem neuen Album „Hasso“ auf der musikalischen Bühne zurück – selten war ein Albumtitel naheliegender.

Meister der Verwandlung

Jetzt also auch KC Rebell. Nachdem in den letzten Jahren bereits eine Vielzahl anderer Rapper auf Trap-Beats, reduzierte Parts, Autotune und das Feiern des Status Quo gesetzt haben, tut es KC seinen Rap-Kollegen nun auf seinem neuen Album gleich. Was bei anderen Künstlern ein durchaus überraschender Soundanpassung wäre, scheint beim Essener jedoch das Normalste der Welt zu sein.

Schließlich handelt es sich nicht um die erste ästhetische und soundtechnische Grundsanierung des Rappers. Zu Beginn seiner Karriere konnte KC als Straßenrapper und mit lebensrealen Inhalten auf sich aufmerksam machen. In der ersten Zeit beim Label von Farid Bang fand er dann Gefallen am klassischen Banger-Sound. Seine letzten beiden Solo-Projekte „Fata Morgana“ und „Abstand“ zeichneten sich hingegen durch ihre inhaltliche Vielseitigkeit, ihre persönliche Note und teils auch ihre Radiotauglichkeit aus. Kurz: KC ist wandelbar wie kaum ein anderer Rapper in Deutschland.

Doch was kann man von den sich immer wiederholenden Imagewechseln halten? Meint man es gut mit dem Rapper, kann man die stetigen Weiterentwicklungen lobend hervorheben. Er präsentiert sich anpassungsfähig und abwechslungsreich. Auf der anderen Seite könnte man KC durchaus vorwerfen, von Trend zu Trend zu springen. Fest steht  jedenfalls, dass die künstlerische Identität unter den ständigen Soundanpassungen leidet. Während viele andere Künstler für einen bestimmten Sound stehen, kann man bei KC nur schwer das charakteristische Soundbild ausmachen. Dies setzt sich mit dem neuen Album leider fort.

Letztlich zählt die Musik 

Allerdings muss man sagen, dass KC die Übernahme des zeitgemäßen Sounds ausgesprochen gut gelingt. Es ist nicht so, dass der Longplayer über die gesamte Länge begeistern kann, denn dafür sind einige Tracks wie zum Beispiel „30,6k“ oder „Neureich“ einfach zu belanglos und austauschbar. Der große Trumpf des Albums ist jedoch, dass es genug andere Songs gibt, die dafür umso mehr besonders sind oder bemerkenswerte Vibes ausstrahlen.

Beispielsweise die zum Turn-Up einladenden Songs „Kolibri“ und „DNA“. Bei beiden geht es schon mit der passenden Feature-Auswahl los. Wer zeitgemäße Songs machen möchte und sich dafür Capital Bra, Summer Cem und Ufo361 an Bord holt, kann nicht allzu viel falsch machen. Wie zu erwarten liefern die drei prominenten Feature-Gäste starke Parts, stellen KC dabei jedoch nicht in den Schatten. Auch der Essener brilliert mit einer extremen Lässigkeit. „Quarterback“ zeichnet sich ebenfalls durch Coolness aus. Die drei Songs haben zudem gemeinsam, dass sie alle über eine wahnsinnig einprägsame Hook verfügen. Ohrwürmer garantiert.

Aber nicht alle Tracks auf dem Longplayer leben von einer Poser-Grundstimmung. Nachdenkliche Songs finden ebenfalls ihren Platz. Zum Beispiel „Für mich da“ und „In der Nacht“. Mit Veysel, Kontra K und RAF Camora hat sich KC auch für diese beiden Werke renommierte und stimmig ausgewählte Gäste an den Start geholt. Im Titeltrack „Hasso“ werden zudem die privaten Erlebnisse der letzten Monate musikalisch verarbeitet. Dabei ist eine solche Emotionalität auszumachen, dass man sicherlich nicht falsch liegt, wenn man vom bisher persönlichsten Track in der Laufbahn des Ruhrpottlers spricht.

Zum Meisterwerk fehlt „Hasso“ nicht allzu viel

Insgesamt ist „Hasso“ ein gutes Album. Großen Anteil daran haben nicht zuletzt einige richtig starke Tracks sowie eine Vielzahl an renommiertesten und klug ausgewählten Feature-Gästen. Außerdem lebt das Album vom gut umgesetzten, zeitgemäßen Sound und der glaubwürdig vermittelten Lässigkeit. Gleichzeitig werden jedoch auch nachdenkliche Momente eingestreut, was eine thematische Engstirnigkeit verhindert. Schade ist, dass ein paar Songs recht beliebig und fast lieblos erscheinen. Würden diese Tracks nicht für ein wenig Ernüchterung sorgen, wäre das Album ganz oben einzuordnen. So ist es gut, aber insgesamt nicht herausragend.

 

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