Review: Gebrüder King – Champions

Gebrüder King? Nie gehört. Nun, es handelt sich um Nedal Nib und Meidi. Vorneweg:Ich gebe mir Freestyles, Written Battles und alles dazwischen seit über zehn Jahren und feier Nedal Nib und Meidi als MCs im Kreis oder KOTD-mäßig auf der Bühne. Einerseits haben sie bei mir durch ihre Battles einen Stein im Brett, andererseits ist die Fallhöhe dadurch umso höher. Denn ich weiß über die Fehltritte Bescheid, wenn es um Battlerapper-macht-richtiges-Album aus jüngster Vergangenheit.

Mischung aus Battle und Straße

Auf der Bühne präsentieren sich Nedal und Meidi seit jeher als eine Mischung aus Straßen- und Battlerap, was sie zum DLTLLY– und RAM-Champ werden ließ. Entsprechend rough, bedingungslos und ignorant rappen beide über weite Strecken des Albums hinweg. Der Vibe ist mehr Straße als Battle und hat diesen gewissen souveränen, dunkeln sowie latent aggressiven und unzufriedenen Teint. Beide nehmen vieles, was sie in den Battles so stark macht, mit auf die Platte. Ihr Style ist auch hier sehr geradlinig – bei Nedal mehr als bei Meidi – die Bilder sind mal klar, mal verschachtelt, das Niveau ihrer Reime ist durchgängig hoch.

Fast schon akribisch klingen Nedals Raps – gepaart mit Flowswitches, Adlibs, Betonung und Pausen – während man Meidis wahnsinnige Herangehensweise entweder feiern oder als „hölzern“ abtun kann. Was definitiv so nicht zu erwarten war, sind die teilweise mit Autotune verzierten, angesungenen Passagen, die sich durch das gesamte Album ziehen. Gerade Nedals Hooks (besonders von „Sie wissen“ und „Straßenmediziner“) werden somit zu Outstanding Tracks und heben das Gesamtbild allein dadurch aus dem eines 0815-Straßenrap-Albums anno 2006/2007 heraus.

Zu schwach auf der Brust?

Denn abgesehen davon greift „Champions“ vieles auf, was es so vor circa zehn Jahren – während des großen Straßenrap-Hypes – zu Genüge gab, auf. Diese schöne Gesangsstimme in der Hook (hier: Sellie), die heruntergepitchten Vocals („Valium“) oder dieses eine (vermeintliche) E-Gitarren-Sample („Freunde“) kann ich als Anfang 30-jähriger zwar feiern. Für den aktuell vorherrschenden Musikgeschmack ist es aber wohl etwas zu schwach auf der Brust. Wobei ein klassischer und authentischer Straßenrap-Film wohl nie so richtig aus der Mode kommen wird.

Dennoch kann ich verstehen, wenn „Champions“ für viele zu wenig Highlights und Abwechslung bietet, wenn man nicht schon vorher etwas mit dieser Art von Sound anfangen kann. Gerade im Straßenrap kann man mit einem Allroundpaket wie „Champions“ nicht aus der Masse herausstechen. Alles Dinge, die die Zeit bringen wird.

Kann noch richtig schöne Sache werden

Was am Ende bleibt ist nicht das typische Debütalbum, dafür gibt es bereits zu viel durchdachte Details – besonders wenn man sie durch ihre Battles schon kennt. Für die ganz große Aufmerksamkeit reicht es aufgrund des noch nicht erreichten Levels an Einzigartigkeit aber auch noch nicht. Fakt ist, beide funktionieren – gerade in puncto Attitüde – zweifellos auf Beats. Arbeitet man dies noch stärker heraus und feilt an allem noch ein wenig mehr um auch abseits von Playlist-Games zu bestehen, kann Gebrüder King noch eine richtig schöne Sache für Straßenrap-Fans werden.

Champions
  • Herausgeber: Recordjet (Edel)

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