Review: Jamule – Ninio

Wer sich momentan mit vielversprechenden Newcomern auseinandersetzt, kommt an Jamule nicht vorbei. Zumal die Karriere des Duisburgers in den letzten Monaten so richtig in Fahrt kam. Alles begann damit, dass er im Herbst des letzten Jahres von Life is Pain unter Vertag genommen wurde. Im Anschluss konnte sein Labelchef P.A. einen hochdotierten Doppelvertrag mit Universal aushandeln, woraufhin der Newcomer seine Debütsingle „NBA“ veröffentlichte. Inzwischen hat der Track die Zwei-Millionen-Marke auf YouTube geknackt und auch etablierten Rap-Größen ist die beeindruckende Entwicklung des Newcomers nicht verborgen geblieben. Kool Savas hält ihn beispielsweise für einen der besten Neulinge zurzeit und holte ihn deshalb auf seinen Track Batman“. Nun hat der 22-Jährige seine erste EP „Ninio“ herausgebracht.

Bekannter, dennoch gut gemachter Sound

Oft ist es bei Newcomer-Künstlern zu beobachten, dass sie experimentieren, verschiedene Stile ausprobieren und ihren eigenen Sound noch nicht final gefunden haben. Bei Jamule stellt sich das anders dar. Der Duisburger präsentiert sich im Vergleich dazu bereits deutlicher gefestigter. So setzt er durchgängig auf poppige Trap-Beats und melodische Hooks. Sonderlich einzigartig ist das nicht. Vielmehr hat man diesen Sound in den letzten Jahren fast schon totgehört. Dennoch stößt man sich nur kurz daran, dass die Musik des jungen Künstlers wenig originell und einzigartig daherkommt. Denn der Schützling von P.A. beherrscht den melodischen Zeitgeist ausgesprochen gut.

Schließlich gelingt es ihm, einen melodiösen Sound zu kreieren, ohne dass es in einem nervigen Singsang ausufert und das Rappen auf der Strecke bleibt. Ganz im Gegenteil, der Newcomer beweist auf der gesamten Länge der EP, dass er ein richtig guter Rapper ist und dynamisch seinen Flow variieren kann. Zudem sind die meisten Tracks qualitativ hochwertig produziert, was nicht zuletzt ein Verdienst von Miksu & Macloud ist. Das Essener Produzenten-Duo hat nämlich weite Teile der EP soundtechnisch auf die Beine gestellt.

Außerdem sorgt der melodische Charakter der Tracks dafür, dass sie sich hartnäckig im Ohr festsetzen. Überhaupt lassen sich auf der EP einige Songs mit echtem Hitpotenzial finden. Zu nennen sind hier insbesondere die vorveröffentlichten Singles („10,9“, „Rooftop“ und eben „NBA“). Da verwundert es wenig, dass alle drei Tracks inzwischen jeweils mehr als drei Millionen Mal auf Spotify angehört wurden.

Coolness, Frauen, Party und Reichtum

Auffällig ist zudem, dass sich der 22-Jährige bis auf einen Song mit seinem Labelchef P.A. („Sex Sells“) und einem Track mit seinem Kumpel Reezy („Pineapple“) gegen Features entschieden hat. Die Auswahl der Feature-Gäste leuchtet ein und darüber hinaus erweist sich der Verzicht auf weitere Gäste als eine kluge Entscheidung. So bleibt nämlich der Protagonist der EP dauerhaft im Mittelpunkt.

Es scheint allerdings so, als hätte der Newcomer gar nicht so viel zu erzählen. Einiges wiederholt sich und überhaupt es fehlt an inhaltlicher Tiefe. Letztlich dreht sich auf der EP alles um Coolness, Frauen, Party und Reichtum. Diskussionen darüber, ob der junge Mann damit authentisch ist, kann man sich jedoch sparen: Nach dem Major-Deal mit Universal durfte sich der Newcomer über 150.000 Euro Vorschuss freuen. Doch auch wenn der Newcomer den Realness-Check passiert, leidet die EP unter der Eintönigkeit der Texte. Etwas mehr inhaltlicher Tiefgang würde dem Werk gut zu Gesicht stehen.

Ordentliches, aber nicht überragendes Debüt

Insbesondere aufgrund der fehlenden inhaltlichen Substanz und des austauschbaren Sounds kann „Ninio“ nicht komplett überzeugen. Gemessen an den hohen Erwartungen und dem Hype des jungen Rappers, ist dieses Fazit fast ein wenig ernüchternd. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich um die erste EP des Duisburgers handelt. Dafür ist das Werk überraschend ausgereift und der ein oder andere Track bemerkenswert gut. Und eines ist auch klar: Jamule hat gerade erst angefangen.

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