Review: Fler – Flizzy

Nachdem Fler mit „Vibe“ sein Magnum Opus vorgelegt hat, gilt es nun, mit „Flizzy“ die eigene Messlatte zu überspringen oder mindestens erneut zu erreichen. Klar, das Überraschungsmoment von „Vibe“ kann er nicht reproduzieren. Ein Album in mindestens derselben Qualität abzuliefern ist ihm mit „Flizzy“ aber gelungen.

Das Herzstück eines modernen Fler-Albums sind natürlich die Produktionen. Auch auf „Flizzy“ könnte jeder Kardiologe, der dieses Organ untersucht, nur anerkennend nicken und dem Patienten ein langes Leben prophezeien. Die hochwertigen Produktionen klingen glasklar und bieten den perfekten Unterboden für das edle Gesamtbild des Albums. Das Gros der kraftvollen Instrumentale bewegt sich grob im klassischen 90 BpM-Bereich, ist aber mit fies ratternden Hi-Hats, monströsen Bässen und den kristallklaren Synthies stets zeitgemäß. Durch „Flizzy“ zieht sich eine hörbare Vision, die handwerklich einwandfrei umgesetzt wurde und Standards setzt.

Inhaltlich folgt „Flizzy“ ebenfalls einer klaren Linie: Das ist ohne Frage ein Album für den Club. Ein Album, das mit Sound und Attitude besticht. Während sich auf „Vibe“ noch introvertiertere Songs wie „Junge aus der City“ fanden, wird auf „Flizzy“ geprotzt und geflext. Einige Texte kommen zwar eher generisch daher, die meisten Songs sind aber verdammt unterhaltsam und deutlich pointierter als der Vorgänger.

Schon wenn es im titelgebenden Opener heißt: „Niko von der Backspin, ich hab ihm verzieh’n / 2018 rappt Kollegah wie Rakim“ ist klar, welche Marschrichtung das Album einschlägt. Ein wahnwitziger Spruch jagt den nächsten, eine Ansage übertrifft die vorige.

Auf den Opener folgt „Timing“, das davon handelt, dass Fler seine Luxusgüter nicht wegen ihres ursprünglichen Sinns besitzt. Die Roli trägt er nicht, um pünktlich zu sein, den Lambo fährt er nicht, weil er schnell ist, den Gucci-Schal nicht wegen des Wetters und die Louis-Sonnenbrille auch ganz bestimmt nicht, weil ihn die Sonne blendet. Das ist verdammt unterhaltsam und bringt die auf „Flizzy“ vorherrschende Attitüde gut auf den Punkt: Fler ist reich, verschwenderisch und überheblich. Ein Lebemann halt, dessen nonchalantes Charisma keinerlei Schnörkel benötigt.

Mit „Flizzy“ bringt der Flizzmaster seinen 2018er Status Quo auf den Punkt – sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Sinan G und Shen aka G-Hot haben dem Album mit ihren holprigen Gastbeiträgen zwar eher einen Bärendienst erwiesen, dafür liefert Prinz Pi einen außerordentlich starkes Gastspiel ab, Farid gibt sich recht unterhaltsam, Nimo fügt sich nahtlos ein, Azad hievt den Frankfurter Pathos auf ein zeitgemäßes Level, das Prestige-Feature Rick Ross kommt gut und die Kombo mit Jalil funktioniert wie gewohnt hervorragend. Die Highlights sind dennoch die Solosongs, etwa das herrlich verspielte „Doughboy“.

„Flizzy“ weiß genau was es sein will. Zielstrebig verfolgt Fler seine Version und setzt diese treffsicher um. „Flizzy“ fühlt sich an wie ein hochwertiges Magazin, bei dem jede Seite glänzt und jeder Artikel bis ins kleinste Detail ausgearbeitet wurde. Kaltschnäuzig und ignorant und lakonisch bellt Fler seine megalomanischen Zeilen ins Mic und weiß dabei genau, wie er einen Beat zu berappen hat. Von der Treffsicherheit, mit der Fler seine Songs aufbaut, bis hin zum durchdachten Tracklisting – auf „Flizzy“ sitzt jeder Handgriff, auch wenn eine schlankere Version mit vielleicht noch etwas besser auf den Punkt gekommen wäre.

Flizzy (Ltd. Fanbox)
  • Fler, Flizzy (Ltd. Fanbox)
  • Maskulin (Groove Attack)
  • Audio CD

2 KOMMENTARE

  1. „doughboy“ von anfang bis ende einfach beste…der geile skit am anfang und wenn dann der beat losgeht, ist eh feierabend.

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here