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Promoe

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Promoe ist schon seit Jahren im Rapgame dabei und es sollte eigentlich jeder schon mal etwas von ihm gehört haben. Oder von seiner Band Looptroop. Insgesamt hat er sechs Alben veröffentlicht, drei davon im Alleingang. Nun herrscht in der europäischen Rapwelt häufig das Vorurteil, dass Rapper mit einem solchen methusalemschen Rapalter (seit 20 Jahren am Mic) wie Promoe zur Oldschool gehören und für die heutige Zeit einfach keine Relevanz mehr besitzen. Anders bei unserem englisch rappenden, schwedischen Protagonisten. Er ist wie ein guter Wein, mit den Jahren wird er immer besser. Und so alt und so passend dieser Vergleich ist, so ähnlich ist es bei Promoe. Seine Raptechnik setzt auch heute noch Maßstäbe. Seine Collabos sind mehrsprachig über den ganzen Erdball verteilt. Und seine Musik wird nur von Top-Produzenten auf dem Höhepunkt ihres Schaffens geschustert. Einzig und allein seine problembelastete Themenwahl könnte dem „Conscious-Rapper“ ein Bein stellen, doch das hat es in der Vergangenheit auch nicht getan. Nun ist er mit seinem dritten Solo-Album „White Man’s Burden“ wieder da, um als das schlechte Gewissen Europas, die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Das gefällt euch nicht? Soll es auch nicht! Aber an Promoe kommt ihr trotzdem nicht vorbei. Zum Anlass des neuen Albums haben wir mit ihm gesprochen. Nachdenklich und besonnen antwortete er auf alle unsere Fragen.

rap.de: Zu aller erst einmal: Was fasziniert dich so am jamaikanischen Lifestyle und der jamaikanischen Musik? Du nimmst ja viel auf Jamaika auf und featurest auf deinem Album auch einige Leute von dort.

Promoe: Also eigentlich ist es mehr die Musik. Ich mag auch die Spiritualität, die dort herrscht, aber vorrangig mag ich die Musik. Und warum ich die Musik mag? Das ist schwer zu sagen. Musik ist schwierig zu erklären. Es sind wohl die Energie und die Riddims, teilweise aber auch die Messages.

rap.de: Die jamaikanische Musik ist ja einerseits eine sehr kritische und nachdenkliche Musik und anderserseits auch eine starke Partymusik. Auf deinen älteren Alben und auch auf dem Neuesten gab und gibt es so gut wie keine Party-Songs. Gibt es für dich einfach keinen Grund zu feiern, oder willst du nur keine Party-Songs machen?

Promoe: Vielleicht feiere ich einfach eine etwas andere Art von Party. Ich bin nicht unbedingt der Typ, der in Clubs feiern geht. Ich arbeite dort, aber wenn ich nicht arbeite, relaxe ich lieber zu Hause. Partymusik kann mich zwar inspirieren, was die Energie angeht, aber nicht lyrisch. Und das ist mir wichtiger. Partymusik ist also nicht die Musik, die ich schreiben möchte. Ich möchte ausdrücken, was ich denke und fühle. Aber es ist natürlich auch wichtig, Spass zu haben, und da ist diese Musik halt gut zu geeignet.

 

rap.de: Kommen wir zum Album. Für die, die das Album nicht kennen, was bedeutet der Albumtitel „White Man’s Burden“ genau?

Promoe: Das ist ein alter Ausdruck aus Kolonialzeiten. Es ist zwar ein historischer Begriff, aber seine Bedeutung ist heute immer noch aktuell. Er bedeutet, dass die weiße Rasse für sich in Anspruch nimmt alles zu wissen und dem Rest der Welt erklären zu müssen, wie er zu leben hat. Welche Religion die Beste ist, das Demokratie die beste Gesellschaftsform ist, usw., aber dieses Lehrertum ist reine Zerstörung. Zum Beispiel im Nahen Osten. Diese Form der Einmischung hilft Niemandem. Ich wollte diesem Begriff nun eine neue Bedeutung geben, denn ich glaube nicht an die originale. Für mich ist die wirklich Bürde der weißen Rasse die Illusion und die Lüge selbst, der die weiße Rasse sich hingibt, dem Rest der Welt überlegen zu sein. Das lässt die Menschen auch eine Menge Schuld und Scham fühlen. Die Leute wollen darüber zwar nicht nachdenken, aber sie fühlen diese Schuld und Scham. Es ist Teil unserer Leben, Teil unseres Bewusstseins.

rap.de: Hast du ein Antwort darauf was wir, die weißen Menschen in Europa, heute, in 2006, gegen diese Bürde tun können?

Promoe: Hmmm, also keine einfachen Antworten. Der Anfang wäre, dass die Menschen sich diesem Problem öffnen und sich ihrer Geschichte bewusst werden, und wie sehr diese Geschichte auch immer noch Gegenwart ist. Erst wenn wir realisieren, dass etwas falsch läuft, können wir es ändern. Doch die Menschen in Europa glauben weiterhin, dass sie alles wissen und alles tun können. Das ist sehr schwer zu durchbrechen. Ich finde wir sollten anfangen darüber nachzudenken, ob wir wirklich diese Übermacht sind, oder vielleicht doch nicht. Die Europäer sind keine schlechten Menschen, doch die Tradition ist schlecht. Das ist sehr schwierig zu ändern, doch ich glaube nicht, dass das ein verlorener Kampf ist. Wir müssen eben einfach erkennen, dass wir genauso hilflos sind wie der Rest der Welt. Und dann können wir uns auch gegenseitig die Hände reichen und uns und der Welt helfen.

rap.de: Kriege, Religionen, Machtmißbrauch, Klimawandel? Was ist deiner Meinung nach das größte Problem, das die Menschen im Jahre 2006 haben und lösen müssen?

Promoe: Ähm, ich weiß nicht genau. Die hängen natürlich alle zusammen. Das Umweltproblem ist natürlich sehr kritisch. Wenn wir unseren Lebensraum zerstören und uns selbst die Luft zum Atmen nehmen, dann bedeuten die Kriege nichts mehr. Nun sind aber viele Umweltaspekte an die Wirtschaft gekoppelt, welche wiederum auch zusammenhängt mit einem Teil der Kriege. Es ist aber auch nicht so leicht, dass man sagen kann, dass die ganze Welt schlecht ist. Wo man ansetzen kann, das weiß ich aber auch nicht genau. Ich denke aber, dass es definitiv wichtig ist, dass die Länder der Welt sich ökonomisch annähernd die Waage halten. So lange die einen sehr reich sind und die anderen sehr arm, wird es immer Konflikte geben. Doch auch das wird natürlich schwierig zu ändern sein, denn die Reichen wollen ihren Besitz eben nicht teilen.

rap.de: Was ist deine Rolle in diesem Kreislauf? In der Presse-Erklärung sagst du, dass du als Teil dieser Welt dich und die Welt verändern möchtest. Du sagst auch, dass es manchmal unglaublich schwer ist, doch eigentlich hat niemand eine Wahl. Hältst du es für deine menschliche Pflicht die Welt zu verbessern?

Promoe: (Pause) Ja. Aber es ist wichtig sich bewusst zu machen, was meine Musik leisten kann. Es ist sehr abstrakt mit der Musik etwas erreichen zu wollen. Es geht vorrangig um die Kommunikation mit anderen Menschen, darüber zu sprechen, was ich denke und fühle.

rap.de: Du versuchst also die Menschen um dich herum zu verändern und hoffst darauf, dass diese dann die Leute um sich herum verändern?

Promoe: Eigentlich kann ich nur mich selbst verändern. Und das ist schon ein harter Kampf. Verändern kann ich meine Mitmenschen nicht, aber vielleicht inspirieren.

rap.de: Du bist ja Veganer. Ist das auch ein Protest gegen die Probleme, die dich umgeben?

Promoe: (Pause) Ja, es ist für mich ein Weg zu zeigen, dass ich die Tierindustrie nicht unterstützen möchte. Auch sie zerstört unsere Umwelt und die Qual der Tiere ist einfach unnötig, nur um ein gutes Produkt auf unseren Tellern zu haben. Ich bin nicht generell gegen das Töten von Tieren, das gehört ja zur Natur dazu, aber das könnte auch alles in einer die Natur unterstützenden Art und Weise passieren. Mich stört einfach der industrielle Massenmord. Und ohne diese Industrie hätten wir auf der Welt auch wesentlich weniger Tiere, die gefüttert werden müssten. Und mit diesem Futter könnten wir die hungernden Menschen besser ernähren. Also die Massen-Tier-Industrie hat viele schwerwiegende Auswirkungen.

rap.de: Lass uns über den kulturellen Imperialismus Nordamerikas reden, den du ja schon seit Anfang deiner Karriere thematisierst. Im Song „Anti-Mickey“ benutzt du Mickey Mouse und Walt Disney als Symbol für diesen kulturellen Imperialismus. Was würdest du sagen, ist heute der größte kulturelle Einfluss Amerikas auf die Welt?

Promoe: Ich denke einer der größten kulturellen Einflüsse der USA auf den Rest der Welt ist HipHop. Als ich HipHop für mich entdeckt habe, gab es noch viele kritische Stimmen. Die gibt es zwar noch, aber sie sind nicht mehr so präsent. Die wirklich großen Namen heute sind meistens keine kritischen Rapper mehr, so wie Public Enemy oder KrsOne.

rap.de: Die Kritik ist vielleicht auch einer der Gründe, warum sich dein Album so relevant anhört. In Europa ist ja die gleiche Entwicklung wie in den Staaten zu beobachten.

Promoe: Ich würde sogar sagen auf der ganzen Welt. Es gibt die kritischen Rapper immer noch, auch überall, aber wir nehmen sie nicht wahr. Wenn ich mir heute ein neues KrsOne– oder Public Enemy-Album anhöre, dann bewegt es mich nicht auf die gleiche Weise wie es das früher getan hat. Wir brauchen den neuen Stil vom HipHop heute und müssen ihn mit Conscious-Rap vereinen.

rap.de: Auf deinem Album gibt es ja auch die Line „I don’t want back the oldschool, since the old heroes sounding like bitter old fools“. Meinst du damit Leute wie KrsOne und Public Enemy?

Promoe: (Pause) Puh, ich bin mir gar nicht sicher, ob ich bei der Line an jemand besonderen gedacht habe. Ich rede in dem Song ja von 50Cent, Juelz Santana und generell dem Dipset-Sound. Ich wollte halt ausdrücken, dass ich die neuen Sachen nicht immer gleich Scheiße finde und die alten Sachen zurück haben möchte. Mir gefällt vielleicht nicht immer was an neuen Sachen erscheint, aber deswegen will ich noch lange nicht die Oldschool-Musik und das Independent-Gefühl aus den Anfängen der Neunziger zurück, die ich immer noch sehr mag. HipHop heute muss schon wie HipHop heute klingen.

rap.de: In Deutschland ist das ähnlich. In den Neunzigern gab es viele Rapper, die sich Gedanken über die Welt gemacht haben und auch darüber gerappt haben. Heute dominiert Battle- und Gangsta-Rap. Es gibt diese Conscious-Rapper zwar immer noch, aber die jammern meistens nur noch rum. Sie sind „bitter old fools“ wie du so schön gesagt hast.

Promoe: In Schweden gibt es nicht wenige Leute, die dasselbe über mich denken. In vielen Reviews stand, dass mein Album so wie es jetzt erschienen ist, vorauszusehen war, dass ich schon sehr lange über das Gleiche rappe und dass sie langsam mal etwas Neues wollen. Ich will die neuen Sachen natürlich auch, aber ich muss auch einfach über bestimmte Sachen reden. Mir wird aber vorgeworfen, dass ich gar nicht mehr sehe, was ich da besinge.

rap.de: Also, dass du ein Backpacker bist, daran besteht kein Zweifel, aber du rappst schon auf einem technisch sehr anspruchsvollen und auch modernen Niveau, oder?

Promoe: Daran habe ich gar nicht wirklich gedacht. Mir ist es wichtig gute Musik zu machen. Es freut mich natürlich, dass du das so siehst, denn ich will nicht veraltet klingen. Da ich aber generell nicht so viel HipHop höre, weiß ich nicht wirklich, was raptechnisch momentan so up to date ist. Ich höre zwar manchmal neue Sachen, aber ich analysieren sie raptechnisch dann nicht auseinander.

rap.de: Wie du rappst, das wirkt schon sehr souverän und leichtfüßig.

Promoe: Es ist für mich aber nicht leicht meine Raps zu schreiben. Heute dauert es sogar länger als früher, denn ich gehe die Texte etliche Male durch, bevor ich sie aufnehme. Und dann hoffe ich aber, dass es sich leichtfüßig anhört. Ich übe wirklich sehr lange, bevor ich etwas aufnehme. Manchmal habe ich aber auch das Gefühl, dass ich mich da zu sehr reinsteigere. Wenn ich zum Beispiel in Jamaika aufnehme, dann gehen die Künstler in die Booth, drehen von 0 auf 100 auf und spitten ihren Part mit voller Energie ein und sind durch damit.

rap.de: Gibt es Leute, die dir Ratschläge geben, wie du deinen Rap verbessern kannst? Die dir auch mal sagen, wenn einer deiner Raps wie aus den Neunzigern klingt, dass du dann zum Beispiel mal Doubletime oder Ähnliches versuchst?

Promoe: Wenn es um den Flow geht, da mache ich schon mein eigenes Ding. Ich bespreche mich zwar mit meiner Freundin und meinen Kollegen, aber dann nur wegen der Inhalte und eventueller Textideen. Den Flow lasse ich mir von der Musik vorgeben. Ich habe aber auf dem neuen Album bei den Produzenten, vor allem bei Jimmy Ledrac, nach einigen Spezial-Beats gefragt, die experimenteller klingen sollten. Auch nicht zu experimentell, dass die Leute die Musik vielleicht nicht verstehen würden, aber doch irgendwie anders. Und doch sollten sie Hitcharakter haben, und zwar nicht wie die klassischen HipHop-Hits, sondern eben neu. Und darauf gilt es für mich natürlich auch neu und experimentell zu rappen und zu flowen.


rap.de: Im Vorfeld hast du verlauten lassen, dass das Album eine Art Abrechnung mit dir selbst ist, deinem europäischen Erbe, und den Problemen, die dich umgeben haben. Und da habe ich mich natürlich gefragt, ob du das Album für dich oder für deine Hörer gemacht hast?

Promoe: (lange Pause) Puh, ich denke für mich und die Hörer gleichermaßen. Ich wollte schon immer Musik machen, die aus mir selbst kommt. Wenn ich über Sachen nachdenke, dann muss ich sie niederschreiben und Songs daraus machen, um es selbst zu verstehen. Und wenn ich es veröffentliche, dann will ich natürlich auch Reaktionen von den Leuten auf meine Musik. Mir ist es wichtig über Sachen zu schreiben, die universell sind, die auch nicht einfach zu verstehen sind. Ich habe nie Sachen gemacht, die sich für mich nicht gut angefühlt haben. Es kommt zwar nur aus mir, aber ich bin immer noch Teil dieser Welt, und da ist es natürlich notwendig, dass die Leute meine Sachen verstehen.

rap.de: Sag doch mal, woher eigentlich dein Name Promoe kommt.

Promoe: Also, ich habe mich Anfang der Neunziger für diesen Namen entschieden. Damals wurde das Wort in vielen HipHop-Texten gebraucht, so nach dem Motto: Ich mach Promo für mein Album und so und ich fand das Wort hat geflasht. Außerdem ist mein richtiger Name Morten und pro steht ja oft für professionell. Das kann man dann zusammenfügen zu Professionel Morten: Promoe. (lacht) Halt ein typischer Name, wie man ihn mit 16 oder 17 wählt.

rap.de: Und was sind deine Einflüsse? Wenn du dich jetzt zwischen Prince, David Bowie, oder Frank Sinatra entscheiden müsstest, was würdest du sagen, wer dich am ehesten beeinflusst hat?

Promoe: (lange Pause) Keiner von denen. (lacht)

rap.de: Und wer beeinflusste dich nun wirklich?

Promoe: Bob Dylan, Bob Marley, George Clinton. Aber zu denen, die du gesagt hast, würde ich sagen, das David Bowie mein Favorit wäre. Ich habe zwar nicht viel von ihm gehört, und das was ich gehört habe, hat mich auch nicht besonders inspiriert, aber seine Verkleidungen und seine Bühnenshow waren schon sehr cool. Ich habe natürlich auch Prince schon gehört, aber mit den Künstlern habe ich mich eigentlich nie richtig auseinandergesetzt.

rap.de: Und von deinen Dreien, welchen Künstler würdest du gerne nochmal samplen oder covern oder von welchem Song die Idee benutzen?

Promoe: (Pause) Eigentlich benutze ich schon viele Bob Marley– und Bob Dylan-Sachen. Ich zitiere sie sehr häufig in meinen Lyrics. Ich arbeite momentan sogar an einem Bob Dylan-Cover, das demnächst auch erscheinen wird. Ich habe nur noch nicht aufgenommen. Darum möchte ich auch noch nicht sagen, welches es ist. Bob Marley zu covern ist da schon schwieriger. Er war so ein guter Sänger. Bob Dylan hat natürlich auch gut gesungen, aber da ging es immer mehr um die Lyrics. So ist es für mich leichter Bob Dylan zu covern, ohne wie ein möchtergern-singender Vollidiot dazustehen. Aber Bob Marley ist aber in vielen meiner Songs durch Zitate verewigt.

rap.de: Und mit welchem Künstler würdest du gerne noch mal zusammenarbeiten?

Promoe: Wir haben sehr hartnäckig versucht Gentleman auf das Album zu bekommen. Ich traf ihn aber erst in Schweden als wir schon alles aufgenommen hatten. Ich habe auch seine Telefonnummer, aber es ist immer schwierig einfach so anzurufen. Und Gentleman ist ein sehr beschäftigter Künstler. Aber das wäre eine schöne Erfahrung.

rap.de: Auf deinem neuen Album finden wir den Satz: „You don’t have to speak german to know the meaning of Angst.“  Wie kommst du eigentlich zu so einer Line?

Promoe: Auf verschiedene Arten. Einerseits ist die schwedische Sprache sehr vom Deutschen beeinflusst, die Sprachen sind sich ziemlich ähnlich. Und es gibt im Schwedischen das Wort „ongest“. Wir benutzen aber auch manchmal das Wort „Angst“, weil es ein noch intensiveres Gefühl ausdrückt. Andererseits haben die Menschen in Deutschland spezielle Fragen zu ihrer Identität zu beantworten gehabt, besonders nach dem Krieg. Puh, das ist schwierig zu erklären… Ich wollte wohl damit ausdrücken, das wir alle Gründe für große Angst in uns haben, und das wir diese Angst nicht erklären können, sondern nur fühlen. Zum Beispiel ist es in Schweden absolut üblich zu verleugnen, dass auch die Schweden dazu beigetragen haben, dass Hitler tun konnte, was er getan hat. Wir übernehmen nicht die Verantwortung unserer Geschichte ins Gesicht zu blicken. Also manchmal benutze ich in den Texten Klischees und skizziere sprachliche Bilder, die in der Gesamtheit auf den Hörer wirken müssen. Es fällt mir schwer, diese dann in Interviews zu erklären. Von dieser Erklärung, dieser Definition versuche ich mich in meinen Texten gerade zu befreien. Vielleicht stimmt das Klischee nicht, aber bei uns existiert so ein Gedanke, dass die deutsche Jugend, aufgrund ihrer Geschichte und der Scham und der Schuld Angst vor einem einheitlichen Europa hat. Und selbst wenn das nicht stimmt, ist es zumindest vorstellbar. Es geht also ungefähr darum, dass jeder Gründe für tief verwurzelte Ängste mit sich rumträgt.

rap.de: Du und Looptroop, ihr seid ja auch für sehr schweißtreibende und vor allem lange Konzerte bekannt. Die großen amerikanischen Stars kommen nun für Konzerte nach Europa, wollen um die 50 Euro haben und spielen dann aber nur 45 Minuten. Was denkst du darüber?

Promoe: Naja, wenn wir in Schweden spielen, dann ist das auch eine ganz andere Sache. Wir spielen dort nie länger als 70 bis 75 Minuten. In Deutschland habe ich das Gefühl, dass die Leute ein längere Show erwarten. Ich weiß nicht warum, aber die schwedischen Zuschauer sind schnell gelangweilt und werden der Veranstaltung überdrüssig. Die wollen einfach nach einer Stunde langsam wieder nach Hause. Ich möchte den Menschen geben, wofür sie gekommen sind, und wofür sie bezahlt haben. In Schweden gähnen die Leute dich eben nach einer bestimmten Zeit von der Bühne. Wenn ich dann nach Deutschland komme, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Wir haben jetzt in Schweden auch eine Tour, die sehr teuer ist, weil wir zwei große Künstler sind und viel Equipment und Personal bezahlt werden muss. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder. Wenn ich nach Deutschland komme, werde ich wohl aber allein kommen und dann gibt es für wenig Geld viel Show. Doch man muss auch darauf achten, dass die Show Power hat und wenn man sie zu lang macht, dann ist am Ende schnell mal die Luft raus. Mein neues Album hat ja auch mehr langsame als schnelle Nummern. Ich muss also sehen, wie ich das Live-Set gestalten werde. Das ist jedes Mal wieder eine Herausforderung. Aber ich denke es wird den Leuten gefallen, ich bringe ja auch einige Erfahrungen mit.

rap.de: Danke für das Interview, es war sehr interessant.

Promoe: Ich bedanke mich.

„Gayme over“

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„Gayme over“ steht in den Startlöchern, ein neuer Diss-Track von Ras Kass gegen Westcoast-Rapper The Game. In Los Angeles kam es Mitte September zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Künstlern. Seit diesem Vorkommnis wird ein bislang sehr unterhaltsamer Beef öffentlich ausgetragen. The Game macht den Anfang mit „Pistol Grip Pump“, Ras Kass antwortete unverzüglich mit „Hush Little Baby“. Doch dabei belassen wollte er es nicht, mit „Gayme over“ feuert er nun selbstbewusst gegen The Game, stellt dessen Glaubwürdigkeit in Frage und verspottet seinen Kontrahenten, der mit „The Documentary“ praktisch über Nacht zum Superstar wurde, auf ganzer Länge. „You’re the waste of L.A./ get blast up in LA/ face down a** up in LA/ you the Crocodile Hunter, I am the sting ray…”.                                                                                              Auch das Cover zur Single beinhaltet einen Angriff gegen The Game. Ras Kass nahm sich das Cover von “The Documentary” als Vorbild. Allerdings ist das Ex-G-Unit Mitglied darauf mit einer Perücke und pinken Chuck Taylor-Sneakern abgebildet. Bleiben wir gespannt, ob sich The Game das gefallen lässt…

Neues im Fall Fabolous

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Was geht denn jetzt ab? In der letzten Woche wurde ja mehrmals darüber berichtet, dass Fabolous ins Bein geschossen wurde. Kurz zuvor wurde ebenfalls der NBA-Player Sebastian Telfair (Boston Celtics)  Opfer eines Gewaltverbrechens bzw. eines Überfalls, bei dem ihm seine sehr wertvolle Kette abgenommen wurde. Nun geht das Gerücht um, dass Fabolous mit der Sache in Verbindung steht! Kameraaufzeichnungen zufolge soll bei dem Überfall ein Member von Fabolous Entourage beteiligt gewesen sein. Dieser gesellte sich nach seinem Beutezug zu Fab` in P.Diddys Justin`s. Da sich der Basketballspieler das ganze nicht einfach so gefallen lassen wollte, alarmierte er nicht etwa die Polizei, sondern holte sich Unterstützung aus eigenen Reihen und wartete anschließend vor dem Lokal auf Fab` und seine Jungs. Beim Verlassen des Restaurants, kam es zu dem bekannten Vorfall.
Als die Polizei dann doch ins Spiel kam und den Fall unter die Lupe nahm, konnte sich Telfair angeblich leider nicht mehr an den Täter erinnern. Hmm, warum bloß?

Cut Chemist und Phonte in Melbourne

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Die Red Bull Music Academy bringt derzeit noch bis zum 27.Oktober zum 10. Mal DJ’s und Musikproduzenten, namhafte und unbekannte, aus der ganzen Welt zusammen, um ihnen ein neues Wissen über die Musik und deren Leben im Alltag zu vermitteln. Nach Sao Paolo, Kapstadt, Rom findet sie dieses Jahr in Melbourne, Australien statt. Bei der Red Bull Music Academy treffen jedes Jahr Pioniere und neue Talente der weltweiten Musikszene aufeinander, um ihren stilistischen Horizont zu erweitern und ihre musikalischen Erfahrungen auszutauschen! Von über 2500 Bewerbern aus aller Welt erhalten 60 junge Musiker die Möglichkeit an einem von zwei 14-tägigen Workshops dabei zu sein.

Für alle, die (dieses Mal) nicht dabei sein können, gibt es jedoch die Höhepunkte der RBMA-Lessons als Video-Streams zum Reinschauen, Reinhören und sich inspirieren lassen auf rap.de!

Unter den großen Namen, die dieses Jahr den Nachwuchstalenten Rede und Antwort stehen, ist aus dem erweiteren HipHop Bereich Kode9 aus Glasgow, ein in der Dubstep Szene äußerst angesagter Produzent und DJ, der viel Wissenswertes Preis gibt. Interessantes hat auch Cut Chemist, produzierte u.a. Jurassic 5 und war bis vor kurzem deren Bestandteil, gastierte auf den Bühnen von The Roots, Outkast, Lauryn Hill und kreierte mit DJ Shadow das Funk-Projekt Freeze, zu berichten. Der aus 9th Wonders Crew Little Brother stammende und durch das Foreign Exchange Projekt mit dem holländischen Produzenten Nicolay Bekannte MC Phonte Coleman gibt Insiderinformationen über die Musikszene in New York und Philly zum Besten!

Hier gehts zu den Streams!

AIR Jordan in Berlin

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Im Rahmen seiner Europa-Tour kommt Michael Jordan in die Hauptstadt und sucht den besten Nachwuchsspieler Deutschlands. Jordan und weitere Player aus Deutschland werden ihre Skills präsentieren. Das Bo wird ebenfalls am Start sein und live performen. Zum Schluss wird Mr. AIR persönlich den MVP des JORDAN CLASSICS küren. Einlass ist ab 19:30 Uhr und die Karten könnt ihr unter hier betsellen oder ihr gewinnt welche bei uns

Sabac

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Zwar gehört die Crew Non Phixion seit Juli offiziell der Vergangenheit an, doch werden sich Ill Bill, Eclipse und Sabac Red auf ihren jeweiligen Solopfaden weiterhin gegenseitig unterstützen. Bevor also die nächste Welle Tonträger aus dem Hause Necro über die HipHop-Szene hereinbricht, ist es an der Zeit für eine kurze Erinnerung an Non Phixion und ein anschließendes Gespräch mit Sabac.
Non Phixion – mal abgesehen von ihren Battle-Lyrics, sexuellen Fantasiegeschichten und fragwürdigen Verschwörungstheorien waren Ill Bill, Gore Tex und Sabac stets bemüht ihrem Namen alle Ehre zu machen. Geradeheraus erzählten die Rapper um Necro und DJ Eclipse von den nicht unproblematischen Umständen, unter denen sie in Brooklyn aufwuchsen. Drogen und Gewalt waren bis in die Familien hinein allgegenwärtig. Uncle Howie z.B., der Onkel der Brüder Ill Bill und Necro, war lange heroinabhängig, ist mittlerweile clean und unersetzlicher Mitarbeiter der hauseigenen Firmen Psychological und Uncle Howie(!) Records. Aber neben persönlichen Problemen wurden auch immer wieder gesellschaftliche Fragen „erörtert“: „Jews, Muslims, Christians / What the fuck’s the difference?”, fragte Ill Bill rhetorisch – und „erklärte“: “We all want money, drugs, & bitches.” Und in ‚Suicide Bomb‚ rappten Non Phixion Seite an Seite mit den Beatnuts, Al Tariq, Marley Metal & Moonshine ein eher patriotisches Bekenntnis als eine sachliche Kritik am Terroranschlag vom 11. September und dessen Folgen. Andererseits, wenn Sabac auf seinem Solodebüt ‚Sabacolypse: A Change Gon’ Come‚ rappt: „For all the Nazis who said the US pops in our wig / To me America is still the greatest country to live / I visited places with no runnin’ water for forces / We’re fortunate to have it clean, the most can’t often afford it“, dann mag das weniger ein Ausdruck von Nationalismus sein, als vielmehr eine Ohrfeige für alle Antiamerikaner, hier: „Nazis“, die den Vorzug des materiellen Lebensstandard in den USA nicht zu schätzen wissen. Ausgeklammert bleibt dabei, worauf dieser Lebensstandard basiert. Folglich wurden auch auf ‚Sabacolypse‚ stets weniger Zusammenhänge erläutert und Lösungen angeboten, als vielmehr Autobiographisches aufgearbeitet und auf Missstände hingewiesen. Zuallererst geht es darum, sich in der Welt zurechtzufinden. Dieser Aufgabe hat sich mehr als jeder andere von Non Phixion Sabac Red verpflichtet – privat, in seiner Musik und darüber hinaus. In folgendem Interview erzählt Sabac, wie ihm das gelingt.


rap.de: In Serbien gibt es eine Stadt namens Sabac. Verbindet dich etwas mit Jugoslawien oder was bedeutet dein Name?

Sabac: Das ist eine gute Frage, denn nur wenige wissen darüber Bescheid. Der Name Sabac ist ein Akronym. Damals wollten wir natürlich nicht, dass unsere Eltern davon was mitkriegten, wenn wir zueinander sagten: „Let’s smoke a blunt and chill!“ Smoke A Blunt And Chill – das Akronym ist Sabac. Also sagten wir nun: „Let’s go sabac!” Später wurde das dann mein Graffitiname, aber mein Graffiti war grässlich. Aber der Name blieb an mir hängen und man fing an, mich Sabac zu nennen. Mir war gar nicht klar, dass es eine Stadt gibt, die so heißt. Erst als ich den Namen mal bei Google eingab, erfuhr ich von Serbien und Jugoslawien.

rap.de: In Songs wie ‚Sabacolypse‚, ‚POW’s‚ oder ‚Positive & Negative‚ sprichst du davon psychische Probleme, z.B. Depressionen, zu haben. Ist das fiktiv oder …?

Sabac: That’s non-fiction. Mein Vater war Alkoholiker usw. In so einer Umgebung wuchs ich auf. Ich neige dazu in verschiedene Zustände von Depression zu fallen. Ich habe bestimmte zwanghafte Geistesstörungen. Heute geht es mir um einiges besser! Aber ich war lange in psychiatrischer Behandlung. All das ist wirklich real. Es hat eine therapeutische Wirkung, darüber zu schreiben und mich auszudrücken, denn ich hab den Eindruck, dass ich nicht der Einzige bin. Eines der Hauptprobleme von insbesondere Jugendlichen in New York City ist Depression. Von meinen Reisen durch die ganze Welt, weiß ich, dass es woanders auch nicht anders aussieht. Wenn ich also meinen Kram auf Papier bringe, denken die Leute vielleicht: „Okay, er steckte in einem Loch. Aber er hat’s auch wieder raus geschafft.“        

rap.de: Stimmt. Normalerweise sind solche Themen ja auch ein Tabu.

Sabac: Genau. Aber es gibt kein Tabu für Non Phixion oder Sabac. Wir sprechen über das, was wir erleben und fühlen!

rap.de: Was würdest du sagen, hat dich zu einem politischen Menschen gemacht?

Sabac: Dahinter steckt eine ganze Geschichte, aber es fing an, als ich auf der High School war. Damals wurde ein junger schwarzer Mann in einer überwiegend von Weißen bewohnten Gegend in Brooklyn getötet. Ich war ungefähr 15 Jahre alt und schrieb Raps. Bis dahin handelten meine Rhymes von Mädchen, Geldmachen, Battle-Rhymes halt. Dann bat unser Lehrer uns einen Aufsatz über einen jungen Mann zu schreiben, der aufgrund rassistischer Vorurteile getötet wurde. Ich fragte, ob ich auch einen Rap schreiben dürfe. Ich schrieb den Rap und gewann erste Preise in ganz New York City! Ich erhielt eine Auszeichnung und stand in der Zeitung. Da dachte ich, dass es eine gute Möglichkeit ist meine Stimme zu nutzen.
1992 dann hab ich dumme Scheiße gebaut und musste im Rahmen einer No-Profit-Organisation namens City Kids Gemeinschaftsarbeit leisten. Dort wurde ich gefordert meine Stimme auf verschiedene Weise zu nutzen und mit Kindern Workshops zu machen. Da wurde über Probleme wie die Medien, Polizeigewalt und Rassismus gesprochen. Durch meine Reisen und dadurch, dass ich anfing mit den Menschen zu sprechen, wurde mir klar, dass es Ungerechtigkeiten überall auf der Welt gibt. Mir wurde klar, wenn ich also die Möglichkeit habe, meine Stimme zu nutzen, um die Probleme von jemandem durchscheinen zu lassen, dann ist es genau das, was ich tun werde!


rap.de: Auf deinem Album sind Features von Jamal Joseph von der einstigen Black Panther Party. Wie kamt ihr zusammen?

Sabac: Jamal Joseph ist ein sehr starker Mensch. Ich traf ihn 1992, als ich die Gemeinschaftsarbeit leisten musste. Er war mein Mentor. Er hat mir immer viel von der Black Panther Party erzählt. Da gibt es viel zu berichten, aber eine Menge Sachen, die er mir sagte, sind geheim. Nicht wirklich geheim, aber Sachen, bei denen es um Assata Shakur und so geht. Du musst wissen, Jamal ist Tupacs Patenonkel (Von ihm erscheint in diesen Tagen die Tupac-Biographie ‚Tupac Shakur Legayc‚; Anm. d. Red.)! Er und Tupacs Mutter, Afeni Shakur, sind sehr tight. Also erzählte er mir auch Geschichten von Tupac als Baby, über Afeni Shakur und über das Aufwachsen in der Partei. Er klärte mich über meine Rechte auf, also darüber, was ich sagen und nicht sagen dürfte, und über meine Rechte im Umgang mit der Polizei. Er war neun Jahre im Gefängnis, wo er die meiste Zeit schrieb. Dann kam er raus und erhielt einen akademischen Grad. Jetzt ist er Professor am Toro College und lehrt über Film. Er ist eine großartige Inspiration. Außerdem ist er Spoken-Word-Künstler. Als ich mein Album machte, wollte ich davon etwas aufnehmen. Aber viele haben das verpennt. Leute, die HipHop mögen oder Non Phixion oder Necro hören, sagten: „Ich hab den Spoken-Word-Scheiß nicht gefühlt“, eben weil sie nicht verstehen, wie stark dieser Mann ist oder wie kraftvoll Spoken-Word sein kann.      

rap.de: Du selbst hast mit ‚Freestyle Freedom‚ etwas in der Art gemacht.

Sabac: Freestyle Freedom‚ war im Grunde etwas experimentelles, das im Studio entstand. Wir hatten Live-Instrumente, Necro spielte den Bass, der Techniker fing an Congas zu spielen, wir spielten ein bisschen herum. Mein Homegirl Cenophia, die auch auf dem Album dabei war, war auch da. Wir machten eine Jam-Session! Ich reimte aus dem Kopf heraus, was mir gerade so einfiel. Danach sagte ich dann: „Wisst ihr was? Das ist Freiheit. Das ist freies Ausdrucksvermögen.“ Also entschied ich mich, den Song aufs Album zu nehmen.  

rap.de: Mich erinnerte der Song an die Last Poets oder Gil Scott-Heron.

Sabac: Absolut. Gil Scott-Heron ist einer, der mich mit am stärksten beeinflusst hat!

rap.de: Wie sieht dein politisches Konzept aus? Es scheint ja sozialistisch geprägt zu sein.

Sabac: Ich will mich nicht als Liberaler, Sozialist oder Kommunist bezeichnen. Ich muss mir keine Etikette verpassen. Ich mag Politik nicht einmal! Ich denke, dass da eine Menge Scheiße vor sich geht und ich bin mit vielem nicht einverstanden. Mein Hauptanliegen ist die Entwicklung und der Auftrieb von allen Menschen. Wenn ich in eine High School gehe und mit den Jugendlichen arbeite, dann tue ich das mit den Reichen und den Armen, den Schwarzen und den Weißen, den Fetten und den Dürren. Mir geht’s darum ihre Selbstachtung aufzubauen, damit sie produktive Erwachsene werden können. Ein Teil davon ist, sie zu befähigen bewusste Entscheidungen und Wahlen zu treffen, wenn es um Politik geht. Aber darauf richtet sich nicht mein Hauptaugenmerk. Wenn ich von Revolution spreche, meine ich die Revolution der individuellen Seele. Denn wenn jeder auf sich selbst achten würde und jeder wüsste, wie er auf sich selbst Acht geben kann, dann wäre die Welt ein besserer Ort! Es geht darum, sich selbst zu entwickeln und seine Probleme erkennen zu können. Wenn sie dann den Entschluss fassen Republikaner, Kommunist oder Liberaler zu werden, dann ist das ihre Sache. Nur selten zeige ich konkrete Sichtweisen auf. Das mach ich in meiner Musik, weil ich die Leute wissen lassen will, wo ich stehe.        

rap.de: So weit ich weiß, ist Gore Tex’ und Ill Bill’s Konfession der Judaismus…

Sabac: Nicht ganz. Gore Tex ist mexikanisch und jüdisch. Sein Vater ist Mexikaner und seine Mutter ist jüdisch. Aber Gore Tex praktiziert nicht wirklich Judaismus. Bill und Necro praktizieren Judaismus mehr als jeder andere. Ihre Familie ist sehr traditionell. 

rap.de: Okay. Auf ‚POW’s‚ rappt Ill Bill eine dope Strophe über den Holocaust und gegen die deutschen Nazis. Wie stark ist Antisemitismus deiner Meinung nach im US-HipHop? Und wurde Non Phixion schon einmal damit konfrontiert?

Sabac: Ich glaube nicht, dass der Antisemitismus stark ist. Bill wollte in dieser Strophe die Leute wissen lassen, welchen Hintergrund er hat und was seine Leute durchgemacht haben.
Zwar sieht man hier in den Staaten nicht viel Antisemitismus, aber wir wurden auch schon ein paar Mal damit konfrontiert. Nicht auf eine negative Weise, sondern so auf die Art: „Ah, das sind diese jüdischen Rapper!“, weil sie denken die ganze Gruppe sei jüdisch. Oder „Das sind diese jüdischen Beastie Boys-Cats!“, verstehst du, Blabla. Es ist nie beleidigend gewesen, denn im Ernstfall könnte dafür jemand ziemlich am Arsch sein.  Wenn jemand auf eine rassistische Art auf uns zukommt, würden wir uns dem stellen und versuchen einen Dialog zu führen. Wenn das nicht funktioniert, kann und will ich auch keinen mehr zurückhalten. Aber im Grunde begegnet uns kein Rassismus aufgrund des jüdischen Aspekts eines Teils der Gruppe.

rap.de: In der Öffentlichkeit wird die 5% Nation als eine Gang dargestellt. Dabei ist sie ja auch für ihre Sozialarbeit bekannt. Was ist dein Eindruck von ihr?

Sabac: Was die Gang angeht, ich meine, man kann eine Gruppe Jugendlicher, die Fußball spielen will, als Gang bezeichnen. Das ist halt die öffentliche Wahrnehmung darüber, was sie ist. Ich denke, in jeder Gruppe von Menschen gibt es Gute und Schlechte. Was die 5% Nation betrifft, glaube ich, dass sie sehr von Lügen behaftet ist. Ich respektiere die 5% Nation. Ich bin nicht unbedingt  mit all ihren Vorstellungen und Sichtweisen einverstanden, aber ich respektiere sie für die Tatsache, dass sie existiert und dass sie Menschen hilft. Sie hilft Leuten im Gefängnis und den Leuten auf den Straßen von New York sehr. Ich erinnere mich, dass sie Ende der 80er bis in die Mitte der 90er sehr prominent war. Du konntest damals in New York, insbesondere innerhalb der HipHop-Kultur, nirgendwo hingehen ohne jemanden zu treffen, der nicht die Science oder Mathematics des Tages droppte oder die Glaubensvorstellungen der Five Percenters verkündete und die Leute in Gespräche verwickelte. Heute sehe ich sie nicht mehr so oft.

rap.de: Du rappst über Rassismus, Unterdrückung und alle möglichen sozialen Probleme. Aber darüber hinaus veranstaltest du soziale Projekte. Kannst du mehr darüber erzählen?

Sabac: Da gibt es mehrere Dinge. So bin ich z.B. mit 170 Kindern aus der ganzen Welt durchs Land gereist. Wir hielten in verschiedenen Städten und machten Workshops, die von der Ungleichheit der Milieus, von den Medien, Gehirnwäsche und Polizeiungerechtigkeit handelten. Was ich zurzeit am meisten mache, ist öffentlich zu sprechen und Workshops in verschiedenen Communities zu veranstalten, wo ich Jugendliche über ihre Rechte unterrichte. Ich halte auch Workshops darüber, welche Wirkung die Medien auf die HipHop-Kultur und dadurch Einfluss auf junge Menschen haben.
Etwas, das ich vor fünf Jahren begann, unmittelbar nach dem 11. September, war, dass ich zwölf High Schools von New York City zusammenbringen konnte, indem ich mich mit den Schulleitern zusammensetzte. Seitdem bilde ich College-Studenten aus. Die werden dann dafür bezahlt einmal die Woche für ein Schuljahr in diese Schulen zu gehen und mit den Schülern Workshops zu machen. Das ist etwas, das ich mir ausgedacht habe und das läuft jetzt schon das vierte Jahr! Es läuft wirklich gut, denn immer mehr Schulen kommen auf uns zu.

rap.de: In dem Song ‚Sabacolypse‚ sagst Du: “Honestly I’m `bout music, sex, money and revolution / You call it contradiction, I call it an evolution.” Ich glaube, ich verstehe das. Widersprüchlicher finde ich da, dass du das Schimpfwort „faggot“ verwendest. Wie stehst du dazu?

Sabac: Hast du mich „Faggot“ auf ‚Sabacolypse‚ sagen hören?

rap.de: Nein, aber auf einem Non Phixion-Album.

Sabac: Ich weiß nicht. Ich weiß, dass Leute meiner Crew und ich das Wort früher benutzten. Letztlich kam ich zu dem Schluss, es nicht mehr zu verwenden, weil ich weiß, dass sich davon Leute angegriffen fühlen. Aber wenn wir das sagen, meinen wir das im Sinne von Leuten, die soft sind. Wir kennen das ganze Klischee eines schwachen Menschen. Wir meinen damit nicht unbedingt einen Schwulen oder Homosexuellen, sondern jemanden, der schwach ist bzw. das ist, was wir auf der Straße für schwach halten. Im Wesentlichen ist es so, dass wir von der Straße kommen, und da gibt es gewisse Begriffe, die wir immer noch verwenden, und gewisse Dinge, die wir immer noch tun. Für mich heißt es nur, so zu sprechen, wie ich spreche. Du findest das überraschend, kann sein, aber der Sinn des Worts hat sich geändert und eigentlich benutze ich es auch nicht.

rap.de: Deinem Albumcover nach scheinst du viel zu lesen. Vielleicht kannst du den Lesern ein Buch empfehlen?

Sabac: Da gibt es viele Bücher! Also ich habe viele Romane gelesen, aber lange Zeit auch politische Bücher, wie z.B. ‚Lies My Teacher Told Me‚ von James W. Loewen. Ich stellte auch ein paar Nachforschungen an über meine Heimat Puerto Rico. Zurzeit lese ich von Dave EggersHeart Felt Work of a Staggering Genius‚.

rap.de: Obwohl die große Ära des so genannten Conscious-Rap vorbei ist, gibt es immer noch einige politische Künstler wie Dead Prez, The Coup oder auch dich, um nur einige zu nennen. Man hört aber nie von größeren Zusammenschlüssen, wie es sie früher gab, z.B. mit der Stop-the-Violence- und der HEAL-Bewegung. Wie denkst du darüber?

Sabac: Ich denke, dass die Leute mehr miteinander kommunizieren müssen. Ich bin immer dafür. Ich meine, nimm Immortal Technique. Er gilt als einer der größten Conscious-Rapper unserer Zeit und gemeinsam haben wir den Song ‚Fight until the end‚ für mein Album gemacht. Vor zwei Monaten war ich auch in San Francisco und habe Boots von The Coup getroffen, habe mit ihm und Davey D ein wenig geredet. Also Möglichkeiten bestehen. Ich glaube aber auch, dass HipHop so ein Fall für sich ist und es immer noch auch rassistische Barrieren gibt. Außerdem ergreift keiner die Initiative. Und daran arbeite ich, die Initiative zu ergreifen, um mehr mit anderen zusammenzukommen und zu zeigen, wie stark eine Bewegung sein könnte, wenn wir denn zusammenkämen. Man braucht nur daran zu denken wie stark doch das Stop-the-Violence- oder HEAL-Movement war. Das ist es etwas, woran ich arbeiten möchte. Es gab zwar schon Zusammenschlüsse, aber die kommen halt nicht so groß raus wie manch anderer Kram.

rap.de: Du warst an dem Track ‚Engage my Words‚ von BLUE SKY BLACK DEATH nebst Wise Intelligent und Jus Allah beteiligt. Wie war die Zusammenarbeit und wie kam sie zustande?

Sabac: Ich habe nicht direkt mit den Leuten zusammengearbeitet, obwohl ich sie und ihre Arbeit sehr respektiere. Kingston, von dem Produktionsteam, sprach mich an, zeigte mir den Beat, erzählte mir von seiner Idee, und ich war dabei. Ich glaube, der Song ist wirklich dope geworden. Außerdem war ich immer ein Riesenfan von Poor Righteous Teachers, und mit denen auf einem gemeinsamen Track zu sein, war dope.

rap.de: Was kannst du zu deinem anstehenden Album ‚The Collabo Collection‚ erzählen?

Sabac: ‚The Collabo Collection Vol. 2‚ ist kein offizielles Album. Letztes Jahr habe ich bereits Vol. 1 veröffentlicht, und das ist jetzt Vol. 2. Das ist eine Mix-CD voller Kollaborationen mit verschiedenen Künstlern aus der ganzen Welt und den USA. Mein offizielles Album, inkl. DVD, heißt ‚The Ritual‚ und wird nächstes Jahr erscheinen. Ich bin immer noch dabei Aufnahmen zu machen. Am 11. September ging meine Website www.sabacred.com  online. Dort, auf meiner Myspace-Seite und auf www.unclehowie.com können die Leute alle wichtigen Informationen erhalten.

rap.de: Und wird ‚The Ritual‚ auch so politisch wie ‚Sabacolypse‚?

Sabac: Im Großen und Ganzen wird es das gleiche sein. Einiges wird auch anders werden. Es wird etwas tiefer gehen, aber ja doch, es wird derselbe Ton sein. Die Beats werden aber schon etwas anders sein.

rap.de: Okay, das war’s dann auch mit meinen Fragen. Willst du abschließend vielleicht noch was zu dem Problem in München loswerden?

Sabac: Da gibt es eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Der Promoter, Andreas, ist aus dem Club abgehauen, ohne uns zu bezahlen. Also traten wir nicht auf, und die Fans drehten durch und demolierten den Club. Eclipse und Gore Tex wurden im Backstage-Bereich von der beschissenen deutschen Polizei festgenommen, die erst eine Kaution wollte, bevor sie sie gehen ließen. Wir hatten über nichts Kontrolle, schließlich waren wir in Deutschland, und das Justizsystem dort ist bullshit!!

MOK

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Mok – "Bad Boys 2" – Mixtape ist seit einigen Tagen in den Läden erhältlich. Wir trafen den Neukölln Hustler zu einem Interview im Aggro Berlin Studio um mit ihm über "Musik Oder Knast" zu sprechen.



rap.de
: Wie bist du zum Rappen gekommen?

Mok: Ich habe schon 95/96 mit dem Rappen angefangen. Das war aber noch nicht so ernst und damals noch auf Englisch. Dann habe ich eines Tages meinen Freund Asek von der Kaosloge auf einer Party im Pfefferberg getroffen, und es hat mich echt geflasht, dass er auf Deutsch rappen konnte. Am nächsten Tag haben wir uns dann bei mir getroffen und gekifft und so. Dabei haben wir gechillt und Ami-Beats gehört. An diesem Tag hat er mir gezeigt, wie man auf Deutsch schreibt, und so habe ich angefangen zu schreiben. Durch einen Kumpel namens Ming habe ich dann die Leute von der Bassboxxx kennen gelernt. Da habe ich dann Basstard wieder getroffen, den ich schon vom Train-Bomben kannte. Mit Tony D habe ich meinen ersten Track dort aufgenommen, und Machone hat mich dann gefragt, ob er mein Album produzieren soll. Wir waren alle begeistert, und so haben wir dann zusammen ein Album gemacht! „Fick MOR!, das Album überhaupt!

rap.de: Hattest du Vorbilder?

Mok: Also in der Zeit habe ich noch nicht so viel Deutsch gehört! Ich habe so die neusten Dinger von Savas gehört, wenn ich mit Kumpels im Auto rumgefahren bin. Ist ja klar, wenn die das hören, musste ich das automatisch auch! Was ich wirklich gerne gehört habe, war Moses mit seinem Rödelheim Hartreim Projekt! Das ganze andere Zeug, wie die Fantastischen 4 und so, war zwar alles cool und Mainstream-mäßig zu hören, aber da ich fast nur Ami-Rap gehört habe, wollte ich mehr dieses Straßending, und damit war Moses der absolute King für mich!

rap.de: Was macht denn für dich einen guten Rapper aus?

Mok: Ich achte eigentlich nicht viel auf irgendetwas, aber wenn du mich schon fragst, dann muss ich an dieser Stelle Fler erwähnen! Er hat alles, was ein guter Rapper braucht: Flow, Style und sein Image ist cool! Er ist einfach der Trendsetter, Alter! Er ist zurzeit der King, und keiner kann ihn überholen. Er hat die Messlatte sehr hoch für alle gesteckt!

rap.de: Erzähle uns, was du im Moment treibst!

Mok: Ich arbeite gerade an meinem neuen Mixtape „Bad Boys 2“, welches am 13. Oktober rauskommt! Das ist der Nachfolger vom ersten „Bad Boys“ Mixtape. Nebenbei arbeite ich noch an meinem Album „Big Boss“, und auf der nächsten oder übernächsten Juice-CD können die Leute auch einen exklusiven Track von mir hören. Ich bin auf jeden Fall busy!

rap.de: Welche Features und Produzenten sind auf auf deinem Mixtape „Bad Boys 2“ zu hören?

Mok: Neben einigen Ami Beats sind auch von deutschen Produzenten Beats dabei: Djorkaeff von Jubeko Rekords, dann von den Beathoavens, von Flash Gordon aus Hamburg von B-Tight is ein Beat mit drauf, von mir selbst sind auch Beats dabei. Oh man, Features gibt es viele! Zum einen ist Bobby mit dabei, dann Kalusha, Massiv, Tony, Basstard, Robyrd Styles von Jubeko, die Leute von VS Mafia, Grüne Medizin, dann Lady Amily, Killah Hakan von den 36ern, und worüber ich mich sehr freue: German Dream von Farid Urlaub! Ich bringe sie alle zusammen und es geht heiß her! Es ist ganz einfach das Mixtape!!

rap.de: Welche Themen werden behandelt, und was inspiriert dich?

Mok: Ich werde von meinem Leben und meinem Alltag inspiriert!! Ich gehe morgens um neun raus aus dem Knast, danach direkt ins Studio und ziehe mein Ding durch. Alles, was mir passiert und wiederfährt, verarbeite ich in meinen Texten! Ich will keine Vorbildfunktion für irgendjemanden übernehmen, da ich kein Vorbild sein kann, weil ich auch über viel Scheiße erzähle!

rap.de: Wie kam es dazu, dass du im Knast gelandet bist?

Mok: Als erstes muss ich dazu sagen, dass ich nicht stolz darauf bin! Ich war halt jünger, meine Mucke ist nicht gelaufen, und ich habe Gras vertickt. Dann habe ich mit Kumpels immer größere Dinger gedreht, daraus wurde dann eine deutschlandweite Serie, und wir wurden erwischt! Ich bin momentan im offenen Vollzug in so einem Resozialisierungsprogramm und sehe zu, dass ich jetzt alles unter einen Hut bekomme. Das ist der beste Test für mich, um draußen sauber zu bleiben! Ich danke Allah dafür, dass er mir dabei hilft!

rap.de: Wie sah der Alltag für dich im Knast aus?

Mok: Um neun Uhr ging die Tür für zwei bis drei Stunden auf. Dann geht sie wieder bis um fünfzehn Uhr zu. Dann gibt es Hofgang. Ich habe viel trainiert und viel gekifft. Ich habe stark abgenommen, und, wie jeder wohl bemerkt hat, ist Mok jetzt wieder auf die schnelle 20 Kilo schwerer, aber das wird sich bis zum Albumrelease ändern, denn Image ist alles (lacht)!!
rap.de: Gibt es im Knast Gangs, wie man es aus amerikanischen Filmen kennt?

Mok: Nein man! Es gab natürlich Auseinandersetzungen. Die eigentliche Gang waren alle zusammen. Wir waren die Gang! Die Vollzugsbeamten waren die Gegner, die man immer irgendwie austricksen musste. Wenn irgendjemand Stress gemacht hat, dann waren es die Affen, die keine Ahnung hatten und dachten, sie müssen drinnen den gleichen Film schieben wie draußen! Da drinnen halten alle zusammen, da gibt es keine Rassentrennung. Es gibt kein Deutsch, Türkisch oder dies oder das! Gewalt spielt natürlich eine große Rolle, durch die ganzen illegalen Sachen wie Drogenhandel und so. Es gibt dort ungeschriebene Gesetze. Eigentlich ist es auch ein bisschen wie auf der Straße. Der Unterschied ist bloß, dass du dort nicht weglaufen kannst! Du bist gefangen!

rap.de:  Was hat es mit den Geschichten zwischen dir und Bushido auf sich?

Mok: Viele wollen ja wissen, wieso, weshalb, warum? Erst mal muss ich sagen, dass ich mit Bushido nie befreundet war! Bushido ist für mich einfach nur ein Rapper, der das Image von anderen benutzt! Ist ja so weit auch kein Thema, denn es gibt ja viele, die kopieren! Zum Beispiel gibt es auf der einen Seite Helmut Kohl, und auf der anderen Seite gibt es ja noch diesen Imitator, der sein Geld mit der Stimme von Helmut Kohl verdient. Ich sehe mich als Helmut Kohl und Bushido als diesen Imitator! So sehe ich mich, und so sehe ich ihn! Ich bin der Kanzler und Bushido ein Imitator! Ich bin 100% Anti-Bushido! Er zieht sein Business nicht korrekt durch und ist nicht dankbar dafür, was er hat! Damit meine ich nicht das Finanzielle; da ist er bestimmt abgesichert, aber es geht um das Ganze drumherum! Da gab es mal diesen Beef, weil ich einen Diss gegen Eko gemacht hatte und Bushido sich gleich mit ein paar Leuten einschalten musste. Zu der Zeit sind mir eigentlich alle auf den Sack gegangen! Es ging darum, dass ich seine Mutter beleidigt haben sollte, was nicht stimmt! Seine Mutter ist eine coole Frau! Jedenfalls wollte Bushido sich mit uns in einem Café treffen, aber er mit seinen Starallüren kam erstmal eine halbe Stunde zu spät! Ich musste in den Kast zurück und hatte keine Zeit! Das regt mich heute noch auf! Ich habe Eko "Hallo" gesagt und begrüßt; Bushido war mir egal! Jedenfalls kam heraus, dass Bushido Scheiße gelabert hat, seine Behauptungen falsch waren! Ich habe mich für meine Leute bei Eko entschuldigt, weil die ein paar schlimme Sachen gesagt haben. Eine halbe Stunde später stand dann auf Bushidos Seite, dass sich jetzt jeder bei ihm entschuldigen kommt. Zuerst Tony, dann Mok, und so einen auf: der Rest kommt noch! Er hat behauptet, dass ich mich bei ihm entschuldigt habe. Ich entschuldige mich bei niemandem!! Ich höre nicht mal auf meinen Vater! Ich habe nur Angst vor Gott! Der Rest interessiert mich nicht! Wenn ich will, mache ich zehn Tracks gegen ihn! Er ist meine beste Inspiration! Wenn ich an ihn denke, bäääng, habe ich schon ein ganzes Album! Für mich gibt es kein Bushido! Er war mal ein guter Junge und er tut mir leid! Mit Eko habe ich kein Problem!

rap.de:  Was sagst du zu dieser ganzen Disswelle, die Shok Muzik losgetreten haben?

Mok: Musikalisch fühle ich mich nicht nicht angegriffen! Inhaltlich fühle ich mich angegriffen! Die haben schließlich meine Jungs von Aggro Berlin und der Sekte gedisst! Das geht so nicht! Die haben sich damit viel zerstört! Ich fand die mal cool, habe die mal übelst gefeiert, und es war sogar eine Zusammenarbeit mit mir geplant. Taktisch gesehen war das ein dummer Move! Die dissen Aggro, die dissen Samy, die dissen Savas usw…. Wer bleibt da noch übrig? Zum Beispiel gibt es Savas-Fans, die sich ein Aggro Album kaufen, und das nur, weil wir nicht alle dissen! Wer will jetzt noch mit denen zusammenarbeiten? Wieviele Fans haben die noch? Aggro Berlin sind keine Opfer! Wenn Du nicht besser rappen kannst, keine besseren Beats hast, dann kannst Du auch nicht so tun als ob! Im Enddeffekt sind die mir egal!

rap.de: Wird man von dir noch etwas zu diesem Thema hören?

Mok: Ich habe halt eine kleine Antwort zurück gegeben. Das ist wie so eine Art Parodie nachgespielt. Das ist auch auf „Bad Boys 2“ noch mal drauf. Es geht halt darum, dass ich meinen Standpunkt vertrete. Ich rede von der Realität, und die Sache ist für mich erledigt. Ich habe in Zukunft auch nicht vor, Shok Muzik weiter zu dissen! Aber wenn von denen noch etwas kommt, das mich persönlich angreift, bin ich sofort zur Stelle. Bevor die mich dissen, habe ich das schon gehört, und disse die zurück! Ich bin der Disser! Nennt mich auch den Disser!! Ganz einfach!
rap.de:  Was denkst du zu dieser ganzen Rütlischule-Disskusion in Berlin?

Mok: Ich grüsse zuerst mal Herrn Hainemann, den Direktor von dieser miesen Drecksschule. Das war meine alte Schule bis nix mehr ging. Danach habe ich meine Straßenschule durchlebt. Die ganzen Konsum-Kids haben heute keinen Bock mehr auf Schule. Die schwänzen, nehmen Drogen, hängen auf der Straße rum, usw. Dazu kommt noch, dass in Neukölln über 90% Emigranten, Sozialhilfeempfänger leben! Diese ganze Gewaltscheiße gibt es doch nicht nur auf der Rütlischule, sondern auch auf Gymnasien und anderen Schulen. Man muss die Sache bei der Wurzel sehen, und das sind die Familien! Da muss was passieren, sonst wird es immer schlimmer!
rap.de: Gibt es Deutsche Rap-Acts, die du gut findest?

Mok: Ja man, da gibt es schon ein paar! Ich muß mal überlegen… Außer Aggro Berlin und Sekten Musik finde ich zum Beispiel Joe Rilla ganz gut. Dann gefällt mir noch Robird Styles, der auch auf meinem Mixtape dabei ist. Kalusha ist ebenfalls ein begnadeter Rapper!
rap.de: Wird es eine Tour geben?

Mok: Wir planen eine einwöchige Club-Tour. Wir müssen noch sehen, wie wir das machen, weil ich ja noch mit dem Knast zu tun habe! Ich spare meine ganzen Urlaubstage, um etwas auf die Beine zu stellen. Die letzten 8-9 Wochen bin ich hier und da in Deutschland aufgetreten. Ich bin heiß!
rap.de: Wie stehst du heute zur Bassboxxx und seinen Leuten?

Mok: Bassboxxx ist Killer, Alter!! Es gab halt diese Geschichte mit Mach One… und ich will hier auch noch mal sagen, dass das meine Schuld war! Ich hätte ihn da nicht mit reinziehen sollen! Am Anfang war er immer für mich der Schuldige. Ich wollte meinen Fehler nicht eingestehen, habe einen sauberen Jungen in diese Scheiße mit reingezogen. Ich habe halt ein Ding gedreht, mit jemandem, der kein Gangster ist. Er hatte kein Geld und so… Ich hätte ihm besser mit dem Geld helfen sollen, als ihn da mit reinzuziehen. Ich fronte niemanden von Bassboxxx! Bassboxxx ist meine Vergangenheit. Wir wollten eigentlich auch was für mein Mixtape zusammen machen, aber jeder hatte zu tun, und Mach One wurde abgestochen! Er hat richtig Glück gehabt. Alle Acts von der Bassboxxx sind im Moment gut! Akte One ist mit seinem Terror Label unterwegs, Mach hat diese Adrenalin-Geschichte aufgebaut. Basstard macht sein Ding großartig! Dann sind da noch Amstaff, und ich bin bei Sekten Musik. Wir haben uns alle gut entwickelt. Bassboxxx war unsere Schule!



rap.de:  Was hälst du von den anderen Elementen des Hip Hop?

Mok: Man, Alter! Das ist alles ein Ding! Das war früher meine Welt! Ich habe damals zu Hause nicht gerade die Liebe erfahren, die man vielleicht als Jugendlicher braucht. Ich habe auf der Straße rumgehangen und Maxim kennen gelernt. Der hat mich mit allen Elementen des Hip Hop in Kontakt gebracht. Ich habe damals den Namen Moe gesprüht, aber diesen Namen gab es schon. Maxim hat mir dann den Namen Mok verpasst! Wenn ich will, bombe ich den heute noch. Breaken ist auch eine geile Sache. Als ich noch ein kleiner Bengel war, habe ich auch gebreakt. Meine Homeboys von den HEADSHOXXX aus Berlin, sind auch krasse Breaker! DJing ist leider in meinen Augen ein bisschen in den Hintergrund gewandert, weil heutzutage alles mehr mit Computern gemacht wird. Aber alles in allem gehören alle Elemente dazu!
rap.de: Was machst du, wenn du nicht gerade rappst?

Mok: Rappen, Alter!! Ich denke nur an rappen; beim Essen, beim Ficken… Ich denke nur noch daran! Das ist mein Strohhalm, an dem ich mich festhalte. Als ob man im Sumpf steckt und sich herauszieht, um auch andere rausziehen zu können.
rap.de: Was sagst du den Kids, die auch mit dem Rappen anfangen wollen?

Mok: Hatet nicht! Macht euer Ding und kopiert nicht andere Leute oder Images! Macht nicht alle auf Dipset! Wenn Du ein Typ bist, der nur scheiße baut, dann rappe darüber! Wenn Du ein Typ bist, der cool sein will, dann rappe darüber! Wenn Du aber ein Typ bist, der nix ist, aber erzählst, dass er irgendetwas ist, dann verpiss Dich!
rap.de: Willst du noch jemanden grüßen?

Mok: Ich grüsse auf jeden Fall Aggro Berlin, HEADSHOXXX, Jubeko, 36ers, Killa B aus Wedding, Killa Hakan, Six Eastwood, Lady Scar, alle meine Hater… ohne euch könnte ich nicht leben! Ich habe richtig viel Liebe für euch! Ihr seid meine Luft zum Leben! Ich grüße den Pott! Der Pott ist jetzt gerade richtig cool, weil Snaga & Pillath sich verpisst haben! Ich grüße euch alle!

Who’s Your Deaddy?

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Für alle Rapfans, die auch gerne mal über den Tellerand blicken, haben wir einen Tipp:
Dead Magazine ist der Name des neuen Musik Magazines, welches sich primär mit musikalischen Grenzgängern irgendwo zwischen Elektro und Hiphop befasst und auch den ein oder unbekannten Künstlern featuret. Neugierig? Homepage checken, kannste was lernen.

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