Im Blog der Radiomoderatorin Miss Info des New Yorker Senders Hot 97 war am vergangenen Samstag (5. Mai) erschreckender Weise zu lesen, dass an der Spitze des Dipset schon seit geraumer Zeit ein heftiger Streit vor sich hin brodelt. Jim Jones, der „Vize“ der Crew, hatte in der Sendung von Miss Info angerufen und dort erklärt, dass er seit über einem Jahr kein Wort mehr mit seinem Chef Cam´ron gewechselt hatte und ihm, so gut es geht, aus dem Weg geht. Aus reiner Loyalität zur Crew hatte Jim den Streit so lange geheim gehalten. "I kept quiet out of loyalty. I felt like if we can’t be friends, then at least we can do business together.” Jim Jones sagte weiter, er habe es satt wegen Cam andauernd in Schwierigkeiten zu geraten. Auch, wenn er noch keine Gründe dafür, nannte warum er gerade jetzt das Eis bricht und mit der Wahrheit ans Licht rückt, dürften schon heute Abend (7.Mai) einige interessante Details von Ihm zu erwarten sein, wenn er bei Funkmaster Flex im Radio erscheint, um seine Äußerungen zu erklären. Außerdem will er dort auch seine Sicht auf die Ereignisse zwischen Cam´ron und Tru Life vor dem New Yorker Club Stereo (wir berichteten)
Interne Machtkämpfe
V-Mann und Morlockk Dilemma
Früher hat ein Rapper gerappt und man glaubte ihm jedes Wort. Ironie war in Deutschlands Rapszene zeitweilig ein Fremdwort. Dann kam Kool Savas und alles wurde ein wenig anders. Etwas später kam Sido mit seinem Block und seinem Album und alles veränderte sich noch mehr. Doch gerade für Rapfans gehören Veränderungen ja dazu. Just als sich die deutschen Rap Hörer und die schreibende Zunft nun an Sidos Zweideutigkeit gewöhnt haben, die der seit dem letzten Album auch nicht mehr ganz so radikal vertritt und man vor allem -Dank einer immer größer werdenden Schaar von Gangsterrappen, wieder vermehrt Rap zu hören bekommt, bei dem es nichts falsch zu verstehen gibt, kommen Morlockk Dilemma und V-Mann, bringen ein Album auf den Markt und wieder ist der ein oder andere ziemlich verwirrt. Kranke Geschichten, Drogenexzesse, Gewalt gegen Alles, was sich Rap-Konkurrenz oder Mitmensch nennt. Sind der charismatische Berliner und der Punchlinekönig aus Leipzig am Ende Imagerapper, Satiriker oder doch nur zwei gescheiterte Existenzen? Sieht Sex, Drugs and Rock’n Roll 2007 so aus? Und wenn Rap nicht nett ist, wie sieht es dann mit den zwei Rappern aus, die das postulieren?
„Wir haben in Interviews schon jede Menge komische Fragen bekommen,“ erklärt Dilemma im lockeren Gespräch in den Heilbronner Wortsportstudios nach ihrem Gig bei der KuckHearTour. Ein heiserer V-Mann nickt dazu heftig. "Er wolle seine Stimme schonen" flüsterte mir der Berliner MC noch vor dem Interview zu, Dilemma solle mal bisschen mehr erzählen. Doch dazu wird es nicht wirklich kommen. Ob zweideutig oder nicht, Rap ist und bleibt nur eines der Sprachrohre der beiden MCs (und Produzenten). V-Mann und Dilemma haben auch außerhalb der Booth etwas zu sagen (So klischeehaft das klingen mag).Da gibt es keine Zurückhaltung. Wer zwei pöbelnde Harz 4-Rapper erwartet hat, sieht sich getäuscht. Die beiden MCs geben sich umgänglich, smart und höchstens was Sprüche angeht mit einem Hang zu Dramatik.
Im Gespräch ist und bleibt vor allem ein Thema für den MC vom Berg zentral: Die Veränderung seines Viertels durch Kommerz, Hippies und Schwaben. Ironisch erzählt er vom großen Biomarkt, der von jungen Müttern mit Kinderwagen bevölkerten ist und durch den man sich samstags mühevoll den Weg bahnen muss. Wer sein mittlerweile fast schon legendäres Album „Fragmente“ jemals gehört hat, wird wissen, wovon die Rede ist.
Wer nun aber vermutet, dass Dilemma und V-Mann auf ihrem Album Anti-System-Rap betrieben, liegt weit neben der Spur. „Das Album heißt nicht umsonst Hang zur Dramatik, darüber sollten sich die Leute schon Gedanken machen“ antwortet Dilemma auf die Frage, nach dem Sinn des Albumtitels und dem Inhalt. So läuft Beispielsweise in der Beziehung der beiden MCS, egal ob zu Groupies oder zur Freundin, so einiges anders, als man das sonst aus Raptracks gewöhnt ist. Groupies als Fluch und die Freundin als albtraumhaftes Frauenbild jeder Alice Schwarzer dieser Welt. Wer Ironie und Sarkasmus nicht versteht, sollte das Album unbeachtet lassen. Doch es wäre schlicht falsch, zu glauben, dass mit all den kranken Geschichten und Battlephrasen nur das Ziel verfolgt werde, lediglich zu entertainen. "Natürlich ist ein Lied wie "Für die Kids" ironisch" erklärt Dilemma. Warum das kaum jemand versteht? "Ironie ist eben ein dürres Pflänzchen in Germania."
Aber nicht nur ein gewisser Hang zur Dramatik in ihren Texten verbinden die beiden Ostler. Auch der Rapstil, irgendwo zwischen Ill Bill und Ghostface verwirrt den ein oder anderen an Rap interessierten Zeitgenossen. Wer ist wer und was hat er gesagt? In der Tat erfordern die Stakkato-Flows der beiden MCs ein konzentriertes Zuhören. Doch dafür wird man belohnt.
Zwischen gnadenlos unterhaltsamen Punchlines, überaus hinterhältigen Geschichten und Ironie und Sarkasmus im Überfluss, steckt mehr dahinter als hinter so mancher offensichtlichen System- oder Rapkritischen Aussage der Konkurrenz. Zwar nimmt Dilemma für sich in Anspruch, alle Texte des Albums geschrieben zu haben, was V-Mann mit dem Hinweis auf schlaffe Drums des Kollegen, die er neu programmieren musste, aber durchaus zu kontern versteht. Doch wer auch immer was geschrieben und wer auch immer die Beats gepimpt haben mag: Das Album klingt wie aus einem Guss und ist kompromisslos eigenständig.
Diese Eigenständigkeit wurde bei V-Mann schon auf dem legendären „Fragmente" Album (über 10000 Downloads) deutlich und auch bei Dilemmas umjubelten „Index Finest“ (u.a. Juice Demo des Monats) wurde ein Teil dieser Handschrift deutlich. Über ihre Zusammenarbeit sagt V-Mann trocken „das Gute war, dass ich so weniger schreiben musste, da reichte ein 16“ und Dilemma schweigt und grinst. Eigentlich wäre ein Konter zu erwarten gewesen, aber diesmal nicht. Sollen sich doch Historiker und Theologen mit ihrer Kolaboration beschäftigen.
Das Warten hat ein Ende
Talib Kweli wird sein mit Hochspannung erwartetes Album "Eardrum“ am 24. Juli veröffentlichen. Die Platte wird das erste Album über Kweli´s eigenes Label Blacksmith Music sein und eine große Vielfalt unterschiedlicher Künstler featuren. Die Produktion kommt unter anderem von Kanye West, Madlib, Will.I.Am, and DJ Hi-Tek, während Gastbeiträge am Mikrofon von U.G.K., Raheem Devaughn, Norah Jones, Jean Grae, und Justin Timberlake zu erwarten sind.
Es sieht also alles danach aus, als ob "Eardrum“, den bedeutenden Ruf, den Kweli innerhalb der Musikbranche genießt auf eine weitere Spitze treiben wird.
Angst vor Gewaltausbrüchen
Die englische Polizei hatte es per Gerichtsbeschluss erreicht, dass ein Club für die komplette Dauer von 24 Stunden geschlossen bleiben muss. Ihr Ziel ist ein Konzert des amerikanischen Rappers Lloyd Banks zu stoppen, aus Angst es könnte von Gang-Mitgliedern überrannt werden. Nach Angaben des Derby Telegraph hatten bereits über 600 Fans Tickets gekauft, um den G-Unit Rapper Morgen (5. Mai) im Club T-Five in Derby performen zu sehen.
Die Polizei aus Derby bezog sich für ihre Entscheidung auf Angaben, nach denen es bei Konzerten von G-Unit Mitgliedern schon öfter zu Ausschreitungen gekommen war.
Doug E. Fresh vor Gericht
Rap- und Beatbox-Legende Doug E. Fresh steht diese Woche wegen einer Klage wegen Körperverletzung vor Gericht. Der Grund hierfür ist ein angeblicher Angriff gegen einen Angestellten der Fluglinie Northwest Airlines auf dem Metropolitan Airport in Detroit.
Gegen die Hinterlegung von 5,000 Dollar war Fresh zwar bisher auf freiem Fuß geblieben. In den nächsten Tagen muss er sich jedoch in Romulus, Michigan den Anklagen stellen.
Mal wieder Ärger mit den Cops
Donnerstagnacht (3. Mai) gegen 00.45 Uhr wurde Busta Rhymes wegen dem Verdacht auf Fahren eines Autos unter Alkoholeinfluss festgenommen. Die Polizei hatte sein Auto aus dem Verkehr gezogen, weil die Scheiben des Fahrzeugs zu stark verdunkelt waren. Der New Yorker Polizei Sergeant Mike Wysokowski sagte, dass der Rapper festgenommen und auf ein Revier gebracht wurde, nachdem die Polizisten Alkohol in seinem Atem gerochen hatten.
Gegen eine Kaution von 7,500 US Dollar ist Busta jedoch am folgenden Nachmittag wieder aus der Haft entlassen worden. Der Grund für die schnelle Entlassung war sicherlich, dass Busta bei einem Promilletest auf dem Polizeirevier lediglich einen Wert von 0,067 aufzuweisen hatte, das reicht zwar für ein Vergehen, aber noch nicht für eine Straftat. Hierfür liegt die Obergrenze in New York bei 0,08.
Busta wird Dienstag nächste Woche erneut vor Gericht stehen, um sich dort in zwei Fällen wegen Körperverletzung zu verantworten.
Nas streicht Tourdate
Der New-Yorker Rapper Nas hat sein jüngstes Tourdate am Mittwoch auf seiner „Hip-Hop Is Dead“-Tour in San Diego, California gestrichen, nachdem er und seine Frau Kelis dort von „rassistischen“ Angestellten des Clubs wie „Terroristen“ behandelt worden sei.
"Wir kamen zum Verantaltungsort und sie ließen uns nicht rein. Ich war draußen mit meiner Frau und sie behandelten uns wie Terroristen. Es war rassistisch und wir tolerieren das nicht. Ich will nur, dass alle wissen, dass ich keine Form von Rassismus toleriere.“
Doch der "Nigga Against Society" und seine Leute reagierten so, dass es nicht zur Gewalt kam.
"Wir gehen mit Rassisten in genau der Art und Weise um, wie man mit ihnen umgehen muss. Wir behandelten sie mit Achtung, als sie eigentlich Verachtung verdienten.“
Der Club House of Blues kommentierte den Vorfall nicht. Nas bestätigte auch, dass dies ein Ausnahmefall gewesen sei. Der Club sei gut, er liebe ihn.
Die enttäuschten Fans müssen jetzt auf Nas’ nächsten Besuch warten.
Twista gegen Präsident Bush
In seiner Kolumne für die Tagesbeilage Red Eye der Chicagoer Zeitung Chicago Tribune ist Rapper Twista das Veto angegangen, das US Präsident George Bush am vergangenen Mittwoch (2. Mai) zum Truppenabzug im Irak abgelegt hat. In dem Gesetzesentwurf sollten außerdem zusätzliche 124 Milliarden US Dollar für die Einsätze im Irak und in Afghanistan gebilligt werden. Im Kongress wurde darauf eine, allerdings nicht bindende, Zielmarke gesetzt, nach der bis spätestens März 2008 alle Soldaten aus dem Irak abgezogen sein sollen.
Twista ist das jedoch zu lang. In seiner Kolumne nannte er den Präsidenten einen „Schwindler“ und forderte seine amerikanischen Mitbürger dazu auf, sich an die Regierung zu wenden.
"I want to tell people to write, call, or come up with some way to give suggestions to help say something to effect our troops coming home. We need to say something effective to bring our troops back home. We have troops dying every day and I think it’s time that they come back home to the people they care about."




