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Cro neuer Chimperator-Act

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Seit einigen Wochen wurde spekuliert, wer das neue Signing bei Chimperator sein könnte. Namen wie Rockstah, Ahzumjot und Cro machten die Runde.

Für endgültige Klarheit sorgte dann überraschenderweise kein Online-Mag oder Blog, sondern ein Printmedium. In der neuen Ausgabe der Juice, die Abonnenten bereits am Mittwoch zugestellt wurde, findet sich ein Artikel über Cro, in dem dessen Deal mit Chimperator endgültig bestätigt wird. Soll noch einer sagen, das Internet sei der Tod der gedruckten Magazine…

Ende Juli hatte das Stuttgarter Label bewiesen, dass es Größeres vorhat. Für die Orsons wurde ein Deal mit Universal eingetütet (rap.de berichtete). Nun sieht Labelchef Basti Schweizer offenbar die Zeit gekommen, mit hoffnungsvollem Nachwuchs die Basis für weitere Heldentaten zu legen.
In einem exklusiven Statement gegenüber rap.de bestätigte Schweizer diesen Eindruck. "Jugendarbeit hört sich ein bisschen nach Jugendhaus an, aber im Grunde trifft's das schon. Wir müssen ja auch neue Künstler ranholen, schließlich legen die Orsons ihren Fokus gerade auf ihr Bandprojekt, so dass wir ihre Solosachen nur im kleineren Rahmen machen."

Der Labelchef sieht, ähnlich wie im deutschen Fußball, eine neue goldene Generation junger Talente heranwachsen. "Seit langem gibt es wieder Newcomer, die einen neuen Style bringen. Künstler wie Rockstah, Ahzumjot oder eben auch Cro finde ich alle sehr spannend. Und einen davon haben wir uns eben geschnappt." Auch in Zukunft werde Chimperator auf Rapper von diesem Schlag setzen. "Wir werden jetzt keinen Streetrapper unter Vertrag nehmen. Wobei wir schon darauf achten, dass unsere Künstler sich genügend voneinander unterscheiden und wir nicht lauter gleiche Acts haben."

Über Cro selbst ist bisher noch recht wenig bekannt. Es gibt ein Free-Download Album von ihm, das auf seiner Facebookseite darauf wartet, heruntergeladen zu werden. Neben den Raps sorgt er anscheinend auch selbst für seine Beats. Dabei lässt er sich von Indie und Pop beeinflussen und nennt das Ergebnis dann "Raop", also eine Mischung aus Rap und Pop. Neben der Musik befasst er sich auch mit Grafik und Design. So hat er für eine Stuttgarter Tageszeitung Comics gezeichnet und betreibt seine eigene Modefirma Vio Vio. Er stammt irgendwo aus dem Schwabenland, Fotos gibt es "im Grunde" (so Chimperator) keine.

Immerhin teilt Chimperator mit, dass der junge Mann im Moment an seinem Debütalbum werkele, das vermutlich Anfang nächsten Jahres erscheinen wird. Das erste Video "Easy" soll in Kürze erscheinen. Ein Making-Of davon gibt es schon mal hier zu bewundern:
 

Neue Anarchist Academy-EP

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Alles Retro oder was? So langsam wird das mit den Comebacks dieses Jahr unheimlich. Tag für Tag erreichen uns Nachrichten über neue Rückkehrer, frei nach dem Motto "Heim ins Game".
Torch und die Stieber Twins hauen Wiederveröffentlichungen ihrer Klassiker "Blauer Samt" bzw. "Fenster zum Hof" auf den Markt, Die Coolen Säue alias DCS haben ein nigelnagelneues Album am Start und jetzt auch noch das: Anarchist Academy, einst die Crew des vielerorts gefürchteten Hannes Loh, Begründer zahlreicher streitbarer Thesen (u.a. bezichtigte er Savas und M.O.R. ernsthaft des "Naziraps", wofür ihn Savas in seinem legendären Battlesong "Das Urteil" in einem Nebensatz als Lügner bezeichnete), sind wieder da.

Anarchist Academy wurden 1992 im Sauerland gegründet und erweiterte das Spektrum des damaligen deutschen Rapgeschehens um einen linksextremen Aspekt. In ihren Texten bezogen sie klar Stellung gegen Nazis und wetterten gegen Kapitalismus und das "System". Hannes Loh stieg allerdings schon nach sechs Jahren wieder aus und beschränkte sich fortan auf seine Tätigkeit als Journalist. Seine Kollegen Deadly T, Babak und Bomba halten unter dem neuen Namen Doppel-A noch bis 2001 zusammen durch, dann wurde die offizielle Auflösung bekannt gegeben.

Danach gab es nur noch vereinzelte Features, u.a. für Chaoze One ("Die 5. Terroristenkollaboration") und die Microphone Mafia ("Her mit dem schönen Leben"). Im April 2009 gründete man dann gemeinsam mit Callya, Chaoze One & Lotta C, Meditias und der Microphone Mafia die Supergruppe La Resistance, mit der man ein gleichnamiges Album veröffentlichte und auf Tour ging.

Heute gab AA-Member Deadly bekannt, dass zum 20jährigen Jubiläum nächstes Jahr ein neues Album erscheinen soll. "Und nun, 2011, haben wir endlich unsere Ärsche hochgekriegt und schenken euch neue Anarchist Mucke", verkündet Deadly. Als Vorgeschmack soll es ab heute Abend, 18 Uhr MESZ, die kostenlose EP "Jetset Paranoia" zum Herunterladen auf der Webseite der Band geben. Einen ersten Teaser können wir euch auch schon präsentieren:
 

Rap gegen die Revolte

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Über die tragende Rolle, die Rap in den arabischen Volksaufständen spielt, haben wir seit Ausbruch der Revolten regelmäßig berichtet. Den Startschuss hatte der tunesische Rapper El General mit seinem Song "Rayis li Blad" abgefeuert, der sich gegen den mittlerweile gestürzten tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali richtete und zu einer Art Hymne der Aufstände auch in Nachbarländern wurde. Auch in anderen Ländern wie Marokko und Ägypten mischten Rapper bei den Protesten kräftig mit (rap.de berichtete).

Leider haben aus dieser Vorgeschichte offenbar einige wenig sympathische Gestalten die richtigen Lehren gezogen. In Syrien zum Beispiel hat man auf staatlicher Seite offenbar erkannt, wie mächtig HipHop sein kann. So setzt das syrische Regime laut einem Artikel der Tageszeitung taz inzwischen Rapmusik gezielt ein, um die syrische Jugend von der Beteiligung an Protesten abzuhalten.

Bislang hatte das Regime von Präsident al-Assad wenig von der westlichen "Teufelsmusik" (Rock und Rap) gehalten, doch nun vollzieht man offenbar eine Kehrtwende. So tauchte kürzlich der Song "Ded Al Balad" (deutsch.: Gegen das Land) des syrischen Rappers Murder Eyez auf, in dem der Rapper vor fremden Mächten warnt, die einen täuschten und dann zerstörten. Das entspricht haargenau der Argumentationslinie des syrischen Regimes, das die seit Monaten andauernden Massenproteste gegen Präsident Assads Herrschaft als von "ausländischen Mächten" (gemeint sind Israel und die USA) inszeniert und gelenkt darstellen will. Außerdem verwendet er das sattsam bekannte Totschlagargument gegen jegliche Kritik: Du bist doch auch nicht besser. "Du beschwerst dich über Korruption, hör erstmal selbst auf, zu betrügen" rappt Murder Eyez.

Ob sich das Regime so retten kann, bleibt fraglich. Nach Angaben der UN forderte die gewaltsame Niederschlagung der Proteste bis heute bereits mehr als 2.000 Todesopfer. Immer mehr Angehörige der Armee laufen zu den Protestierenden über, Syrien ist zudem außenpolitisch weitgehend isoliert, nur der Iran und die libanesische Hizbollah-Miliz halten al-Assad noch die Treue und helfen ihm laut zahlreicher Augenzeugenberichte auch tatkräftig dabei, die Aufständischen mit Gewalt zu bändigen.

Hoffnung für Mumia Abu-Jamal

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Kürzlich wurde in den USA trotz erheblicher Zweifel an der Schuld des Angeklagten das Todesurteil gegen Troy Davis vollstreckt (rap.de berichtete). In einem anderen tragischen Fall voller Zweifel und Ungewissheiten aber gibt es Hoffnung. Die Todesstrafe, zu der der Journalist und ehemalige Black Panther-Aktivist Mumia Abu-Jamal vor fast 30 Jahren verurteilt wurde, wird möglicherweise nicht vollstreckt.

Gestern entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dass das Todesurteil gegen Abu-Jamal nicht verfassungskonform ist. Dies hatte bereits im vergangenen April ein Bundesberufungsgericht festgestellt. Staatsanwalt Seth Williams, der gegen diesen Entscheid nun Berufung eingelegt hatte, scheiterte mit seinem Antrag vor der höchsten Instanz der USA, die in etwa mit dem deutschen Bundesverfassungsgericht zu vergleichen ist.

Rapper wie KRS-One, 2Pac, Snoop Dogg oder Immortal Technique hatten immer wieder öfentlich ihre Solidarität mit dem ihrer Meinung nach Unschuldigen Abu-Jamal bekundet. Mumia Abu-Jamal soll am 9. Dezember 1981 den Polizisten Daniel Faulkner erschossen haben, wofür er 1982 vor einem Geschworenengericht zum Tode verurteilt worden war. Das besagte Berufungsgericht hob den Schuldspruch im April zwar nicht auf, beanstandeten aber, dass die Geschworenen unzureichend über die Berücksichtigung mildernder Umstände informiert gewesen seien, die eine Verurteilung zu lebenslanger Haft möglich gemacht hätten. Damit hatte das Berufungsgericht gleichlautende Urteile von 2001 und 2008 bestätigt.

Gegen diese allerdings hatte die Staatsanwaltschaft jeweils erfolgreich Berufung eingelegt, was dieses Mal aber nicht gelang. Damit ist das Urteil, das die Todesstrafe für Abu-Jamal als mit der Verfassung nicht vereinbar bewertet, rechtskräftig. Das weitere Vorgehen der Staatsanwälte ist bislang unklar.

Für uneingeschränkten Jubel ist es allerdings noch zu früh: Sympathisanten von Abu-Jamal verwiesen gestern darauf, dass dem Todeskandidaten im günstigsten Fall nun eine Verlegung in ein Hochsicherheitsgefängnis sowie eine lebenslange Haftstrafe winken. Trotzdem werten Gegner der Todesstrafe das Urteil als Etappensieg.

 

DCS-Comeback nächsten Januar

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Auch auf die Gefahr hin, sich in diesen Tagen, die vor Comebacks und Re-Releases anscheinend nur so wimmeln, zu wiederholen: Mit diesem Comeback hat nun wirklich niemand gerechnet. Nicht kaum jemand, keiner.

DCS, ehemals Die Coolen Säue, haben gestern ihr, ja, nenn es ruhig ein Comeback nach 13 Jahren ohne Albumveröffentlichung angekündigt. Ihr neues Album "Silber" ist schon komplett fertig aufgenommen und abgemischt und harrt seiner Veröffentlichung am 13. Januar 2012. Erscheinen wird es über Beatz aus der Bude Records, dem Label des DCS-DJs Lifeforce. Erste Gerüchte über eine Rückkehr ans Mic hatten die Runde gemacht, nachdem bekannt wurde, dass auf der der nächsten Juice beiliegenden CD ein DCS-Track namens "Was du siehst" vertreten sein wird.

DCS hatten sich unter dem Namen Die Coolen Säue Anfang der 90er Jahre inKöln gegründet. Eine gemeinsame Single mit u.a. den Fantastischen Vier und der Fresh Familee als Die Deutsche Reimachse brachte ihnen heftige Kritik von Seiten der Verfechter einer reinen Lehre ein. 1997 erschien ihr Major-Album "Ungesund und teuer", aufgrund des ausbleibenden Erfolgs ging es danach aber direkt wieder zurück in den Untergrund. 1999, ein Jahr nach der Namensänderung bzw. -verkürzung zu DCS erschien das bisher letzte Album "…von Vorne".

Und nun, fast 13 Jahre später, also "Silber". Untätig waren die Herren indes in der Zwischenzeit nicht. Ro Kallis verdient seine Brötchen als Werbetexter, DJ Lifeforce arbeitet bei einem Hersteller von DJ Equipment und Perbee sowie Schivv sind als Rechtsanwälte tätig.

Angesichts letzterer Tatsache ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass DCS ihr erstes Interview zum Comeback der Juristenfachzeitschrift Legal Tribune gegeben haben. Darin sinnieren Perbee (der einige Zeit juristische Fragen für Aggro Berlin klärte) und Schivv über ein Leben zwischen HipHop und Jura. Zudem erklärt man zum kommenden Album: "Wir hatten anfangs die Sorge, musikalisch möglicherweise eingerostet zu sein, aber nach ein paar Stunden im Studio war die alte Harmonie schnell wieder da, und die Tracks sind kein Stück peinlich, sondern nach unserem heutigen Musikverständnis richtig gut und erwachsen geworden." (Quelle: Legal Tribune Online)

Den vollständigen Artikel findet ihr hier.

Irv Gotti will Def Jam führen

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Der ehemalige CEO von Murder Inc., Irv Gotti, dessen Namen man hierzulande vor allem durch den Beef zwischen Murder Inc.-Rapper Ja Rule und 50 Cent kennt, bewirbt sich seit kurzem recht offensiv um das Amt des Präsidenten bei der legendären Plattenfirma Def Jam (über deren Historie demnächst ein vielversprechendes Buch erscheint, rap.de berichtete).

Nun hat Gotti einen prominenten Fürsprecher: Jay Electronica, der kürzlich endlich mal wieder einen neuen Track veröffentlicht hat, twitterte gestern: "#IrvGottiForDefJamPresident".

Letzte Woche hatte Gotti seine Ambitionen öffentlich gemacht. Den Kollegen von RapFix.com erklärte er, er strebe den Posten aufgrund seiner tiefgehenden Liebe zur HipHop-Kultur an, für die Def Jam die Personifizierung schlechthin sei. "I wanted to speak on this because I love the hip-hop culture with a deep, deep passion. Def Jam is the light of that culture; Def Jam personifies the hip-hop culture. There is no other hip-hop label like Def Jam."

Etwaigen Kritikern, die sich noch an Irv Gottis nie endgültig geklärten Verstrickungen ins kriminelle Milieu erinnern könnten, versuchte er gleich vorbeugend den Wind aus den Segeln zu nehmen. Man halte ihn für Suge Knight und fürchte, die Behörden würden Def Jam auseinandernehmen, wenn man ihn einstelle, aber er sei nun mal der beste Mann für den Job und sei sogar bereit, dafür zu sterben. "If you don't want to hire me – the best man for the job, the man who will die for it – cool, I understand. You think I'm Suge Knight, you think the feds may come in here again if you hire me, cool."

Den Posten, auf den Gotti so scharf ist, hatte zwischen 2005 und 2007 niemand geringeres als Jay-Z inne. 2009 wiederum war für kurze Zeit dessen einstiger Rivale Nas im Gespräch gebracht worden.

King Orgasmus One – Sex aus Berlin

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"Moment mal", sagt der freundliche junge Mann am Presseschalter der Erotikmesse Venus. "Ich muss eure Webseite erstmal auf ihre Relevanz hin überprüfen." Nach wenigen Augenblicken ist auch diese Hürde genommen, rap.de erfüllt die Relevanz-Kriterien für eine Venus-Berichterstattung. Sehr schön. Der Weg ist also frei. Dem interessierten Beobachter bietet sich das erwartete Bild: Sehr viele Männer jeglichen Alters mit teilweise bedrohlich großen Fotoapparaten in den Händen drängen sich um die wenigen Stände, wo so richtig was los ist, sprich, wo sich halbnackte Damen ungerührt den gierigen Blicken eines dicht um sie gescharten Publikums aussetzen. Gelegentlich werden die Darbietungen von betont lockeren Moderatoren unterbrochen, die ein paar erwartbare Sprüche reißen und dabei DVDs verschenken. An diversen weiteren Ständen, die nicht ganz so gut besucht sind, kann man Reizwäsche und Sexspielzeug kaufen. An Orgis Stand hingegen, direkt gegenüber von dem der Nobelpuffs Artemis, finden keine  Strip-Shows statt. Trotzdem ist die Hütte immer voll. Es herrscht ein hoher Atzenfaktor. Fans wollen neben seinen DVDs auch Autogramme und Fotos mit ihm, auch Darstellerinnen kommen gelegentlich vorbei und machen ihm ihre Aufwartung. Das mag eine angenehme Arbeitsatmosphäre ergeben, für ein Interview ist es hier aber definitiv zu laut. Deswegen ziehen wir uns auf den Parkplatz direkt hinter der Messehalle zurück – nackte Haut indes gibt es auch dort noch genug zu sehen, was uns aber nicht von einem interessanten Gespräch über die Parallelen zwischen der Porno- und der Rapszene ablenken soll.

rap.de: Das wievielte Mal bist du hier auf der Venus?

Orgi: Ich weiß es gar nicht so ganz genau, ich glaube, das siebte Mal oder so. Die letzten beiden  Jahre war ich nicht da. Da war ich gerade auf Tour gewesen, deswegen war ich auch nicht vor Ort hier. Jetzt ist es sozusagen wieder das erstemal seit zwei Jahren, wo ich  hier meinen Stand habe und “Orgi Pörnchen“ verkaufe.

rap.de: Hattest du die letzen beiden Jahre überhaupt keinen Stand oder hast du einfach deine Mitarbeiter hergeschickt?

Orgi: Nee, ich mach das alles lieber selber und deswegen gab's die letzten beiden Jahre überhaupt keinen Stand von mir. Das ist eben einfach so kultig, wenn ich selbst auch vor Ort bin.

rap.de: Die Leute wollen ja auch dich.

Orgi: Genau, und deswegen bewege ich auch mein Arsch selber dahin. (lacht) Und jetzt bin ich wieder hier und stelle "Orgi Pörnchen“ Teil 6 vor.

rap.de: Was ist von dem so zu erwarten? Gibt es irgendwelche Features?

Orgi: Naja, mit Features von den Darstellerinen oder Darstellern her, ist es halt was anderes als in der Rapszene. Aber die Bräute wechselt man doch immer gerne aus , da habe ich keine festen, die in jeden Film drinne sind wie bei den Männern, zum Beispiel Markus Waxenegger.

rap.de: Die männlichen Darsteller sind ziemlich egal, oder?

Orgi: (lacht) Die Männer wollen ja die Fotzen sehen, ne und da halt immer was neues. Es ist halt wieder so ein richtiger Berliner Porno. Der heißt auch “Fickbratzen aus Berlin“. Viele Teile habe ich in der Tschechei gedreht oder in Budapest, aber den habe ich jetzt mal wieder richtig oldschoolmäßig in Berlin gedreht, der ist ziemlich rough.

Baba Saad – Halunke

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Zuerst mal ein Test: Wer sich von folgenden Versen kein Lächeln auf die Lippen zaubern lässt, der wird Saad die behauptete Babaschaft gewiss nicht anerkennen: 

Wir ficken deine Kunst – Picasso ist ein Hund!
Du hast ein Abitur? Ich hab ein’ Schwanz und er schmeckt
„Ich schlag dein Schädel auf den Automat und kriege Freispiele

Und? Nun, der Verfasser dieser Zeilen fühlt sich durch die Gossenhauer des Exgutenjungen durchaus gut unterhalten, muss sich aber unweigerlich die Frage stellen: Lache ich hier mit oder über Saad? Ob nun „Ghetto Baba“, „H.A.L.U.N.K.E.“, „Wer bist du?“ oder einer der anderen, offenbar bewusst asozial gehaltenen Street-Battletracks, die das Gros des Albums darstellen: Als Hörer schwankt man ständig zwischen der Vorstellung eines nach (oder schon während) der Aufnahme verschmitzt grinsenden Saads, der sich der grotesken Überzeichnungen in seinen Texten vollkommen bewusst ist, und der eines uninspirierten Durchschnittsstreetrappers mit noch nicht ganz überwundenen 0815-Ersguterjunge-Reimschemata.

Wenn der „Junge, der den Wagen bei dem Drive-by lenkt“ sich aber selbst als „primitiv wie ein Steinzeitmensch“ beschreibt (aus: „Für die Gangstas“), kann man Saad eine gewisse Selbstironie kaum absprechen, die den meist doch sehr rohen und bisweilen brutalen Texten gerade ihren Charme verleiht. An den Humor anderer derzeit angesagter Straßenrapper kommt Saad jedoch nicht ganz heran: Dafür verliert er sich zu oft in bereits bekannten Phrasen und Hard-Knock-Life-Floskeln („Als wir Kinder waren, hatten wir kein Spielzeug“, “Das Leben hat mich einfach in die Unterschicht gesteckt“), anstatt das zu tun, was man zeitgemässem Straßenrap einfach inzwischen erwartet: Weniger vom steifen Ersguterjunge-Erbe, mehr Augenzwinkern wäre wünschenswert gewesen – Schritte in die richtige Richtung hat Saad ja bereits unternommen.

Ausflüge ins Nachdenkliche wie „Youssef“, ein Song über seinen verstorbenen Großvater, oder der Storyteller „Ein Paar Sekunden“ sorgen für dabei für die notwendige Abwechslung vom mal mehr, mal weniger unterhaltsamen Herumgeprolle. Besonders letzterer überrascht positiv: Über drei Strophen ohne  Kitsch oder Übertreibungen erzählt Saad die letztlich tragische Geschichte von dem schicksalhaften Zufall, dass eine Frau unwissentlich mit dem Mörder ihres Bruders zusammenkommt. Natürlich wird im Refrain auf die zu erwartenden Werte gepocht und klargestellt, dass man in solchen Situationen „seinen Mann stehen soll“ – das ist natürlich sehr viel leichter gerappt als getan, stört in diesem Fall aber nicht weiter, gerade weil die Geschichte bis auf die Hook weniger wertend als vielmehr dokumentarisch erzählt wird.

Wenn Saad hingegen auf „Weißt du wie es ist“ in Liebeskummer und Unverständnis zu versinken droht, weil seine Ex ihm nie verziehen hat, dass er „leider ein paar andere gefickt“ hat, kommt man schlussendlich wieder auf die Ausgangsfrage zurück: Was genau meint dieser Mann hier eigentlich noch ernst? Und wo beginnt der bewusst überzeichnende Straßenhumor? So ganz deutlich wird das nicht. Aber vielleicht soll es das ja auch gar nicht. 

Musikalisch gelingt Saad neben wenigen Missgriffen, wie etwa der etwas nervigen Stotterhook der Single („Baba Saad“) durchaus der ein oder andere Ohrwurm: Der Refrain zu „Für die Gangstas“ trägt die Power der flotten Geigensamples weiter und auf „Ghetto Baba“ oder „Amphetamin“ ahnt man, dass Saad in Sachen Gespür für livetaugliche Hooks einiges bei seinem stadionfüllenden Ex-Mentor gelernt hat. Der übrigens ist, angenehmerweise, nicht das Ziel diverser Disses, sondern wird, wenn überhaupt, nur mal am Rande vergangener Lebenskapitel des Bremer Libanesen erwähnt.
 
Halten wir also fest: „Halunke“ ist ein handwerklich gutes, streckenweise sehr unterhaltsames, aber leider auch nicht sonderlich überraschendes Straßenrap-Album. Punkt.

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