Start Blog Seite 1284

AzudemSK – Bis das Leben applaudiert [Review]

0

AzudemSK hat ein neues Album: „Bis das Leben applaudiert. Es ist das mittlerweile vierte Album des Münsteraners. Das Erste – „Titel, Thesen, Temperamente“ – kam 2006. Die Texte waren damals noch deutlich aggressiver und wütender, das Album wurde noch von AzudemSK höchstselbst an Schulhöfen im Pott verteilt. Jetzt, zehn Jahre später, geht er mit den Funkverteidigern auf Tour und ist seit seiner „Classic“ -EP von 2014 eine feste Größe im Untergrundrap. Natürlich wird „Bis das Leben applaudiert“ dementsprechend auch nicht mehr an Schulhöfen verteilt, sondern via HHV vertrieben. Es ist alles professioneller geworden. Auch die Texte der neuen Platte sind deutlich ruhiger – obgleich sie nichts von ihrer Ernsthaftigkeit verloren haben. Nur die jugendliche Wut ist eben nicht mehr da. Tatsächlich ist der Name des Albums in gewisser Weise auch dessen Programm: AzudemSK ist mittlerweile weit genug gekommen, als dass er zumindest den nötigen Lebensunterhalt mit seiner Musik verdienen kann. Das Leben applaudiert ihm also tatsächlich.

Musikalisch hat der Münsteraner MC keinesfalls abgebaut – im Gegenteil: Auf entspannten Instrumentals, produziert von alten Wegbegleitern wie Duuq, Adlib Swayze, Firstar, Dramadigs, Krey und Orange Field, flowt er mindestens genauso locker wie anno 2006. Dank der überaus breiten instrumentalischen Angebotspalette wird der Sound des Albums zu keinem Zeitpunkt langweilig, wenngleich sich alle Beats in ihrer ruhigen und entspannten Art ähneln. Auf das große, aus der Reihe tanzende Soundexperiment wird verzichtet, was sich in diesem Fall jedoch alles andere als negativ auswirkt. Stattdessen durchzieht das Album der so häufig beschworene rote Faden, der sowohl das aktiv-aufmerksame wie passiv-berieselnde Hören sehr angenehm macht.

Die beiden Tracks „Mad Flavor Pt.II“ sowie „Deine Liebe“ reflektieren exemplarisch die Entwicklung, die AzudemSK seit „Titel, Thesen, Temperamente“ durchgemacht hat. Waren die Äquivalente zu den Tracks damals noch extrem wütend eingerappt, klingen die Songs jetzt deutlich ausgeglichener. Trotzdem hat AzudemSK noch immer einen starken Flow und eine genaue Vorstellung davon, was er will – und das setzt er dann auch konsequent um. Mit „Ich bin bereit, dem ersten Albumtrack, wird das gleich klar: Kopfnickerbeats, entspannter Flow, reflektierte Lyrics. Der zweite Track „Lauf, der auch einen starken Featurepart von Slowy beinhaltet, knüpft nahtlos daran an. Die sorgfältig ausgewählten Featuregäste, allen voran Mase, dude26 und Pierre Sonality, überzeugen ebenfalls durch gewohnt starke Parts, die das Gesamtkonzept des Albums wunderbar ergänzen.

Bis das Leben applaudiert“ ist ein starkes Rapalbum. Wer sich mit der Diskografie von AzudemSK etwas auskennt, wird eine persönliche Weiterentwicklung ausmachen können, die sich jedoch – im Gegensatz zu vielen seiner Genrekollegen – vielmehr in seinen nunmehr ausgeglicheneren Texten reflektiert, als in eher verwirrenden denn innovativen musikalischen Experimenten. AzudemSK erfindet sein Soundbild nicht komplett neu – und klingt trotzdem voll nach 2016.

Animus feat. Manuellsen – Gesellschaft der Schatten (prod. PressPlay) [Video]

1

Animus veröffentlicht die nächste visuelle Auskopplung vom „Beastmode II“. Mit „Gesellschaft der Schatten“ kommt das zweite Visual zusammen im Feature mit Manuellsen an den Start.

In „Gesellschaft der Schatten“ wird das gute Zusammenspiel der beiden Artists wieder einmal deutlich. Ebenfalls auf Animus‘ neuem Langspieler ist bereits das Feature der beiden „In meiner Welt“ vertreten.

Beastmode II“ erschien Anfang Mai. Die Review kannst du dir hier durchlesen. Als Visuals sind bisher „Beast“, „Kamikaze“, „Bareknuckle“, „Ehre oder Ruhm“, „Dreht sich“ und wie bereits erwähnt „In meiner Welt“ erschienen.

Kanye West feat. Jamie Foxx – Gold Digger [#Classic]

1

Kanye Omari West, besser bekannt als Kanye West, feiert heute seinen 39ten Geburtstag, daher heute bei rap.de #Classic : Kanye West feat. Jamie Foxx – Gold Digger – „Now I ain’t sayin‘ she a gold digger (when I’m in need)
But she ain’t messin‘ with no broke niggas.“ . Na, Happy Birthday, da hat sich der Kanye mit seiner Ehefrau Kim Kardashian West sicher keinen Gold Digger zugelegt.  Die Single brach 2005 nach ihrer Veröffentlichung mit über 80.000 Downloads innerhalb einer Woche alle damaligen Rekorde – für damalige Verhältnisse, versteht sich.

West ist nicht nur Rapper, Sänger, sondern auch Musikproduzent und Modedesigner – was der nicht alles kann. Nicht umsonst wird er als einer der einflussreichsten zeitgenössischen Musiker betrachtet.  Sein Modelabel „Yeezus“ ist für die ‚Fashionistas‘ ein absolutes Must-Have und er zählt heute für viele als Stil-Ikone.

Kanye Wests Erfolg als Musiker äußert sich rein empirisch schon in der Summe an Auszeichnungen, die er bisher erhielt. Mit insgesamt vierzehn Awards gewann er in den 2000ern so viele Grammys, wie kein anderer Künstler. Neben der Musik ist West bekannt für seine häufig kontroversen Aussagen und Auftritte, die auf eine große öffentliche Resonanz stoßen – gehen wir an seinem Geburtstag aber lieber nicht in die Tiefe mit dieser Thematik.

West hat als Produzent an diversen Meilensteinen mitgearbeitet, etwa „The Blueprint“ von Jay-Z und auch selbst als Künstler viele Klassiker geschaffen. Von Kanye wird man sicher auch nahe den Vierzigern noch einiges hören – Happy Birthday, Mr. West.

 


Halbjahres Top Ten: Louis

0

Deutschrap im Sommer 2016: Neben epischen Interviews, Hausbesuchen und Tweefs gab es in der zurückliegenden Jahreshälfte auch eine ganze Menge gute Musik zu hören.  Neben Releases von festen Größen wie Samy Deluxe oder Eko Fresh, schickten zum Beispiel SSIO und Megaloh mit „0,9“ und „Regenmacher“ zwei Alben ins Rennen, die die beiden zu eben solchen machen dürften. Newcomer wie die Trapqueen Haiyti aka Robbery oder 385i-Signing Nimo hauchten dem Game ebenfalls frischen Wind ein.

Die zuvor genannten Künstler und Alben bilden natürlich nur einen winzigen Prozentsatz der im Jahre 2016 erschienen Menge an Rapmusik ab. Unsere Redakteure machten sich ihr ganz eigenes Bild und halten dieses in Form von Listen fest. Den Anfang macht Louis Richter mit seiner Halbjahres Top Ten der Releases. Eine bunt gemischte Liste, in der Alpen-Swag auf Dresdener-Straßentrap trifft, Steglitzer Attitüde neben Moabiter Conscious-Rap passiert und in die es zwei Releases auf den letzten Drücker geschafft haben.

Top 10-Releases, erste Jahreshälfte 2016 (Louis)

1. Crack Ignaz & Wandl Geld leben
2. EnoqWie ich do EP
3. Haiyti aka RobberyCity Tarif
4. TrettmannKitschKrieg EPs
5. ZunaRichtung Paradies EP
6. AzetFastlife EP
7. Albert Parisien – Highway Chronicles
8. Raf CamoraGHØST
9. Ahzumjot – 16QT02 Tag Drei
10. MegalohRegenmacher

 

 

 

 

 

Producer’s Mind: Ninety

0

Der junge Produzent Ninety schwirrt noch im Untergrund herum. Trotzdem sollte man den Münchner so langsam auf dem Schirm haben. Für Planemo produzierte er schon den Track „Levels“. In unserem Producer’s Mind erzählt Ninety unter anderem was ihn inspiriert und welcher Stil ihm besonders gut gefällt. Dazu fachsimpelt er über die Entstehung seiner Produktionen.

Your Story:

Das ist einer meiner Favoriten. Dass es das „Your Story“-Sample von Jay-Z ist, erkennt man sofort. Es stammt aus dem Song „Sunshine“, dessen Promo Vinyl ich bei dem Diggin Days Event, von hhv 2014 im Cassiopeia in Berlin, gefunden habe. Ich war da auf Sample-Suche, weil ich im Betty Ford Boys-Fieber war und unbedingt auch so Sample-basierten HipHop produzieren wollte. Dieses Vocal Sample hat mit den Rhodes super harmoniert. Dadurch klingt der Beat zum einen Oldschool, zum anderen aber durch die Wahl der Drums und des Basses auch wieder etwas moderner, ein guter Mix. Mir gefällt an dem Beat sehr gut, dass er als Solotrack, also ohne Rap, gut funktioniert. Sonst bieten meine anderen Produktionen immer genug Raum für Vocals. Diesen Beat habe ich allerdings fast zwei Jahre für mich behalten, bis ich ihn im Rahmen des „Your Story“ Beattapes gedroppt habe.

Ihr Hasenfüße raucht nicht einmal Crack (mit Crack Milla):

Den Beat hatte ich schon vorher auf meiner Soundcloud released. Da hatte ich versucht einen Beat zu bauen, der so nach dunklem, dreckigen Trap klingt, wie die Sachen $uicideboy$. Allerdings wurde er für mich erst fertig, als Crack Milla bei uns vorbeikam. Ich kannte ihn zu dem Zeitpunkt nur über das Internet – nämlich durch den Swag Mob – und er ist ebenfalls ein $uicideboy$-Fan. Als er dann bei uns vorbei kam, hat er sehr guten Input gegeben und wir haben den Track zu dem gemacht, was er jetzt ist: ein legitimer Hit, der leider zu wenig geahnt wurde. Bleibt also weiterhin ein Geheimtipp. Crack Milla und ich haben schnell rausgefunden, dass wir denselben Sound feiern und deswegen wird es auch in Zukunft mehr von uns geben. Shoutout an den Swag Mob, ohne den es diese Connection womöglich nicht geben würde.

0052:

Mir war danach etwas neuartiges, futuristisch-spaciges zu produzieren und da meine Produktionen immer in so viele verschiedene Richtungen gehen, hatte ich mir ein paar Monate zuvor ein Producer Tag zugelegt, den man auch am Anfang hört, um alle meine Sachen beisammen zu halten. Ich arbeite hauptsächlich mit Reason und was mir dabei besonders gut gefällt, ist die Rack-Ansicht beziehungsweise die Rückseite, wo alles analog dargestellt wird. Dort kann ich dann meine Instrumente und Effekte so routen, wie ich möchte, alles als Preset abspeichern und easy wieder darauf zurückgreifen. So habe ich mir zum Beispiel meine Mixkonsole und Drumkonsole gebaut, die ich fast immer verwende und auch immer wieder nachbessere. Diesen Workflow habe ich bei diesem Beat beibehalten. Ein Pad Sample war aber das ausschlaggebende. Ich habe wirklich lange daran gesessen, bis ich es so zurechtgestutzt habe, dass es weit und offen klingt, wie der Weltraum eben. Und eigentlich war ich dann schon zufrieden, bin aber durch Zufall über einen Synthesizer gestoßen, der den Track noch mehr geöffnet hat. Durch die Rhodes wurde der Beat perfekt. Ich wünschte, ich hätte so ein Rhode Piano nicht nur als Patch, sondern auch als richtiges Instrument. Was ich dafür tun würde, erzähle ich aber lieber nicht.

Megaloh – Fragen?! (prod. Ghanaian Stallion) [Video]

Was haben wir was sie nicht haben?“. Unter anderem diese Frage stellt sich Megaloh auf der zweiten Videoauskopplung der „Mudguardian Developments“ EP von Ghanaian Stallion und Torky Tork. Das samplelastige, leicht rockige Instrumental von „Fragen?!“ wurde von Ghanaian Stallion produziert, sein enger Freund und musikalischer Weggefährte Megaloh berappt den Beat gewohnt hochwertig. Der Moabiter-MC vereint lyrische Tiefe, Coolness und Schlagfertigkeit zu zwei Trademark-Megaloh-Versen.

Die „Mudguardian Developments“ EP ist bereits erhältlich. Mit „Alles“ wurde zuvor ein weiteres Video ausgekoppelt. Für die fünf Tracks konnten sich die beiden Beatmaker neben Megaloh auch noch Yassin, Doz9, Sonne Ra und Döll in die Booth holen.

Deutscher Rap, wach ma‘ auf!

4

Liebes Rap-Game, ich hoffe es geht dir gut. Denn ehrlich gesagt, bin ich gerade etwas unsicher, was deinen Zustand angeht. Schläfst du nur oder hat sich Gzuz doch dazu entschieden, dich nicht zum Arzt zu fahren und dir die Kugel gegeben?

Sollte dem nicht so sein, beantworte mir eine Frage: Was ist los mit dir?! Wo bist du? Hinter der EM kannst du dich nicht verstecken, also mach mal nicht einen auf Sommerloch. Klar verschiebt sich das Interesse der Massen jetzt für einige Wochen ein wenig auf Fußball – also versteh mich nicht falsch, ich bin auf gar keinen Fall auf der Seite dieser „ööh wie kann man sich nur angucken, wie 22 Männer hinter einem Ball her rennen“ – Spasten (Ich schon; Amn. d. Red.). Nein, ich fühle das eher wie Zugezogen Maskulin in „Ayahuasca“: „Meine Muskeln sind verkrampft, wie ich bei einem Deutschland-Spiel.“ Ich liebe Fußball und bin heiß auf die EM! Entweder fühlst du es oder du fühlst nix und kannst es nicht nachvollziehen. Ist halt so, aber darum geht’s auch nicht; denn das heißt ja nicht, dass ich dadurch phasenweise mein Interesse an Rapmusik verliere. Ich mein, das sind ein oder zweimal 90 Minuten Fußball am Tag. Da sind noch ein paar Stunden über.

Auch die Ausrede Ramadan funktioniert nicht. Natürlich sind viele Künstler Moslems und fasten jetzt einen Monat aktiv – nachvollziehbar, dass das am Körper und der Tagesleistung zehrt, wenn man bei diesen Temperaturen den ganzen Tag auf Flüssigkeiten verzichtet und der Energiehaushalt durch fehlende Nahrung durcheinander gebracht wird. Aber alter, dann leg halt abends nach der Iftar los. Da sind ebenfalls noch ein paar Stunden über. Und die Almans können sich da sowieso nicht hinter verstecken.

Du musst auch nicht jeden Tag durchgehend am See rumhängen und dir Grillfleisch und Joints gönnen. Klar gibt’s motivierenderes Arbeitswetter, aber was los? Andere müssen auch arbeiten. Wenn du Sommerferien haben willst, werd‘ Lehrer. Wir jedenfalls, sitzen hier stundenlang in der Redaktion rum, klopfen gegen dein Terrarium und hoffen, dass du langweiliges Reptil dich endlich mal bewegst.

Du brauchst also gar nicht so tun, als würde dich keiner mehr beachten und kauernd in der Ecke schmollen, wartend bis der Sommer vorbei ist und man sich wieder für dich interessiert. Ein Rap-Sommerloch wäre übertrieben nervig. Es ist wie damals die Sommerpausen bei TV Total. Klar guckst du das nicht ständig, aber du konntest dich drauf verlassen, dass, wenn nix besseres lief, der Raab seine Witze gerissen hat. Hey, wieder eine interessante Parallele: wenn du dir Sommerpausen wie Stefan Raab gönnst, dann geht’s ja vielleicht auch irgendwann ganz zu Ende mit dir, wobei ich bezweifeln würde, dass du es mit Anstand freiwillig tun würdest. Wahrscheinlich würdest du erst aufhören, wenn du ein Schatten deiner selbst, von innen bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt und „tötet mich“ röchelnd dahinvegetieren würdest. Damit es aber gar nicht so weit kommt, bitte wach ma‘ auf, deutscher Rap! Ich hab keinen Bock, dich jetzt ständig mit dem Stock piksend motivieren zu müssen.

Prinz Pi – Die Füllung vom Kissen [Video]

Materialismus- und Gesellschaftskritik mal wieder in  lyrischer Form, anders kennen wir das nicht vom Keine Liebe Records-Gründer. Prinz Pi veröffentlicht das Video zum Track „Die Füllung vom Kissen“ aus seinem im Februar diesen Jahres erschienenen Soloalbum „Im Westen nix Neues“.

Zwar ist die „Füllung vom Kissen“ nur ein Lyric-Video, aber bereits die fünfte Visualisierung von „IWNN“ .

Eine ausführliche Review zum Album findest du hier.

Featured