Skinnys Wochenrückblick KW3: Jungspunde, Grime-Kracher und Schlepphoden

Drei sind aller guten Dinge, sagt man. In der dritten Woche des Jahres 2018 gab es jedenfalls auch ein paar gute Dinge. Also sparen wir uns das Vorgeplänkel und steigen mit einem sehr guten Ding ein.

Die „1.1“ EP ist mit ihren schlanken vier Songs zwar vorbei, bevor sie richtig angefangen hat, aber manchmal liegt die Würze eben in der Kürze. Ja, dumme Phrase, ich wünschte eigentlich auch, dass sie länger ginge – aber eben, weil sie so verdammt gut ist. Die KitschKrieg-Beatbastler haben genau verstanden, wie Schreihals Joey klingen muss. Aus diesen maßgeschneiderten Meisterwerken holt Joey auch noch raus, was geht. Laut, wuchtig und charismatisch hinterlässt Joey Bargeld mit „1.1“ direkt mal eine verdammt einprägsame Visitenkarte, die die „Zuecho“ EP in Sachen Ausgereiftheit locker in den Schatten stellt. Aber wozu eigentlich rumlabern? Das Ding geht keine Viertelstunde, die Zeit findet jeder. Mein klares Highlight: Der Opener „Kamikaze“.

Was ich auch ein gutes Ding fand – und wo Joey Bargeld auch Erwähnung findet – ist, dass mein Artikel „Neun Newcomer, die 2018 abreißen werden“ auf derart großen Zuspruch gestoßen ist. Also nicht wegen Selbstbeweihräucherung von wegen „hehe juhu mein Artikel kommt an“. Sonst gehen Empfehlungen meistens komplett unter, aber hier war reges Interesse da. Es wurde diskutiert, andere heiße Tipps wurden ausgetauscht und es gab kaum dumme Kommentare. Das freut mich nicht nur, weil talentierte Künstler ausnahmsweise mal nicht erst gewürdigt werden, wenn sich schon jeder auf sie einigen kann, sondern auch, weil es zeigt, dass unsere Leserschaft durchaus Bock hat, den eigenen Horizont zu erweitern, statt sich nur zehnten Mal dasselbe jährliche Mikrowellen-Album mit anderem Cover reinzufahren.

Wobei diese Woche eh den neueren Gesichtern gehörte. Fruchtmax und Nura haben mit „Wenn ich will“ einen brutalen Banger rausgehauen, der blutige Nasen im Moshpit verspricht. Nicht-neues-Gesicht Frauenarzt ist dafür übrigens nach gefühlten Ewigkeiten (von einigen Co-Produktionen abgesehen) in den Producer-Sessel zurückgekehrt und sorgt mit diesem Brett unweigerlich für die Frage, warum er ihn je verlassen hat. SXTNs andere Hälfte Juju hat sich ebenfalls einem Solosong gewidmet. „Winter in Berlin“ kommt allerdings deutlich textlastiger daher.

Neben dem überraschenden Solo-Ausflug gab es auch eine überraschende Kombo: Nimo ist auf Niskas Platin-Hit „Réseaux“ gehüpft. Dafür gab es zwar keinen neuen Part von Boobas Schützling, die Zusammenarbeit ist trotzdem bemerkenswert, auch wenn Nimos Part absolute Durchschnittskost war.

Neben der Deutsch-Französischen Kollabo hat auch Miami Yacine über die Landesgrenzen hinaus geflirtet. Zugegebenermaßen kannte ich den Italiener Sfera Ebbasta vorher gar nicht. Die Gästeliste seines Albums „Rockstar“ umfasst neben Yacine aber tatsächlich auch Weltstars wie Quavo, Tinie Tempah und Rich The Kid. Umfangreiche Recherche (kurz googlen) ergab, dass der Kerl dutzende Gold- und Platinerfolge zu verzeichnen hat. Bildungslücke busted.

Naja, die Woche ging jedenfalls mit diversen frischen Künstlern weiter: Euniques „040“ war gewohnt starke Kost, Chima Ede und OG Keemo erwiesen sich als hervorragend aufeinander abgestimmtes Duo, Manuellsens Protegés Bato und KEZ ebenfalls. Auch Eno hat sich nach der Schließung von Kopfticker Records wieder Blicken lassen und polarisiert wie eh und je. Mir persönlich gefällt „Wäwä“ ziemlich gut, was nicht zuletzt an der unbequemen, minimalistischen Instrumentierung von Nisbeatz liegt. Auch die Visualisierung kommt gut.

Zu guter Letzt dürfen drei Dinge nicht unerwähnt bleiben: Sylabil Spill zeigt mit „Griff“ erneut, wie Grime auf Deutsch klingen muss. Angeblich soll Grime ja schon seit Jahren das nächste große Ding im Deutschrap werden. Ist aber drauf geschissen, Spill, auf den ich seit vielen Jahren große Stücke halte, macht auf jeden Fall ein monumentales Ding draus – eigentlich war schon nach „Zu viel“ alles vorbei. Jetzt mal ohne Scheiß: Meiner Meinung nach hat das Ding sogar Skepta das Genick gebrochen. Eine große Vorbeugung auch vor Paulinger für diesen absoluten Killer-Beat.

Auch B-Tight hat ziemlich cool geliefert: Auf einem Instrumental, das klingt, wie Bobby vor zehn Jahren, trommelt er die Rentner-Legenden Die Säcke zusammen. Dann werden verdammt unterhaltsame Punchlines über Schlepphoden, Falten, Rheuma und andere Sorgen, die eigentlich eher Ü-60er plagen, gerappt. Da kommt Nostalgie auf!

Last But not Least findet natürlich auch Fler mal wieder statt. Der ist schon alleine deshalb wöchentlich im Gespräch, weil der Entstehungsprozess von „Flizzy“ komplett transparent vonstatten geht. Das größte Sorgenkind scheint aber nun tatsächlich in trockenen Tüchern zu sein: Das US-Feature steht. Nachdem einer der Migos, Future, Lil Pump und was weiß ich, wer noch alles, immer wieder im Gespräch – und teilweise auch schon bestätigt – waren, scheint es nun fix zu sein: Rick Ross wird sich auf „Flizzy“ die Ehre geben. Das Trap-Schwergewicht (hehe) könnte sich mit seinem behäbigen Flow ziemlich gut ins zu erwartende Gesamtbild einfügen – sollte diese finale Entscheidung denn nun endlich mal wirklich final sein.

Falls nicht, wird Fler mit der Feature-Odyssee auch im nächsten Wochenrückblick stattfinden. Der kommt jedenfalls so oder so. Adieu!

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