Interview mit Abroo über „Königreich der Angst“, Konzeptalben und eigene Ängste

Interview: Skinny
Transkribierung: Daniela Koch

Abroo ist seit vielen Jahren im Game aktiv und hat eine dementsprechend stattliche Diskographie vorzuweisen. Mit „Königreich der Angst“ hat er nun sein erstes Konzeptalbum in Angriff genommen. Das ist verdammt schwere Kost, aber nicht minder faszinierend. Wir haben uns ausführlich mit dem sympathischen und nicht minder gesprächsfreudigen Antihelden unterhalten. Ein ehrliches, ausführliches Gespräch.

„Königreich der Angst“ ist dein erstes Solo-Release seit 2008. Warum hast du dich entschlossen, wieder auf Solopfaden zu wandeln?

Im Grunde genommen war das eine Entscheidung, die relativ spontan kam. Ich hatte 2011 nach „Kein Happy End“ die Idee für ein Konzeptalbum. Das wollte ich aber nur für mich machen. Im Endeffekt hätte ich ein „Antihelden“ -Album daraus machen können. Aber dadurch, dass ich schon so wahnsinnig viel dazu aufgeschrieben habe und Ideen hatte, war im Endeffekt klar, dass es ein Solo-Album wird. Es könnte auch gut sein, dass es das letztes war, aber ich wollte es einfach gemacht haben. Ich habe zu diesem Zeitpunkt auch das Buch von Hunter S. Thompson gelesen, wobei mir auch viele Ideen kamen. Ich dachte mir, dass mir ein Konzeptalbum in meiner eigenen Diskographie fehlt. Das hat sich von 2011 bis jetzt hingezogen. Das ist zwar eine Weile aber: Gute Ding will Weile haben, außerdem hetzt mich ja niemand.

Das letzte Antihelden-Album „Piratensender“ war doch auch eine Art Konzeptalbum.

Nein. Es war im Grunde nicht mal ein Album. Im Endeffekt war es ein bunter Cocktail aus Songs, die wir zwischen 2011 und 2013 gemacht, aber nirgends draufgepackt haben. Wir hatten einfach wahnsinnig viele Songs, die alle zusammenhangslos waren und dann haben wir überlegt, was wir damit machen sollen. Ein Mixtape war nicht angebracht. Dann habe ich mich gefragt, was ich damit machen soll und dann kam ich auf „Piratensender“. Das ist im Endeffekt sowas, wie eine Art Radiosendung.

Moderationen haben das alles zusammengehalten. Das meine ich mit dem Konzept.

Genau, man sollte denken, dass man in einem T4-Bulli ganz heimlich durch die Städte fährt. Genau so haben sie früher in den 70ern/80ern die Piratensender gemacht. Heute gibt’s das gar nicht mehr. So kam das alles und im Grunde genommen war das ein geiler Rahmen, um mit so viel Verschiedenem gut durchzukommen. Das Album hatte inhaltlich keinen roten Faden und vielleicht auch zu wenig Substanz. Ich selbst habe aber auch einen anderen Anspruch an ein Konzeptalbum. Ein Konzeptalbum ist für mich, dass jeder Song zu einem Oberthema gehört, aber aus einer anderen Kategorie kommt. Und so war es bei „Piratensender“ nicht. Deswegen ist „Königreich der Angst“ mein erstes Konzeptalbum.

Das Konzept ist, dass jeder Song eine Angst thematisiert. Aber das sind alles nicht unbedingt deine eigenen Ängste, oder?

Nein, da sind sogar relativ wenige Ängste von mir dabei. Ich habe angefangen, viel zu lesen und zu recherchieren. Ich hätte fast ein Buch schreiben können, aber da ich kein Autor oder Schreiberling bin, habe ich das besser gelassen. Aber plötzlich hatte ich so viel Inhalt, dass ich mir überlegen musste, wie ich das Ganze halbwegs verpacken kann, dass es wenigstens irgendwen interessiert, wenn es schon nicht die breite Masse hören will – was mir eh egal wäre – aber das, was ich alles aufgeschnappt habe und sagen wollte, musste ich irgendwie verpacken. Ich hätte ja schlecht irgendetwas runterappen können, was am Ende wie eine Doktorarbeit klingt. Das wär‘ scheißelangweilig gewesen. Deswegen hab ich es auf verschiedene Arten und Weisen dargestellt. Ich glaube bei „Bienenstaat“ und bei „Fabelhafte Welt der Anomalie“ hört man extrem meinen Sarkasmus raus. Aber es gibt natürlich auch Songs wie „Der Hofnarr“ , der eine der Ängste anspricht, die man ganz schlecht in Worte fassen kann. Alles andere kann man gut auf einen Satz oder ein Wort herunterbrechen, aber auf „Der Hofnarr“ geht das nicht. Auf dem Track geht es im Grunde um die Angst eins jungen Künstlers, irgendwann nicht mehr relevant zu sein oder dass irgendwann nicht mehr über ihn gesprochen wird und keiner mehr da ist – auch wenn er das niemals zugeben würde. Da ist auch ein Stück weit die Angst von früher mit dabei. Da rede ich von 2007/2008, wo man gedacht hat „Okay, wenn ich jetzt nicht mehr da oder da stattfinde, dann bin ich nichts mehr wert“. Wie 2010, wo ich nicht auf dem Splash! auftreten konnte. Da dachte ich, ich sei wirklich irrelevant. Und genau von dieser Angst muss man sich als Künstler befreien. Man muss frei sein, um das zu machen, was man möchte. Ich finde, dass es ein Album, wie ich es jetzt gemacht habe, schon lange nicht mehr gab. Vor allem in Verbindung mit einem Hörbuch. Es ist einfach ein relativ gut durchdachtes Konzeptalbum mit gesellschaftlicher Kritik und es hat sicherlich Themen, die viele nicht sofort aufgreifen würden. Ich glaube, das wäre eben nicht möglich gewesen, wenn ich mich hingesetzt und mir vorgenommen hätte, ein richtig zeitgemäßes Album zu machen – das hätte nicht funktioniert. Zurück zur Frage: Von meiner Seite aus sind zwei Ängste angesprochen. Ansonsten sind viele Ängste produziert, die ich dann aber auch richtig ausschlachte. Wenn man mich jetzt fragen würde, was meine Ängste  auf dem Album sind, dann sind es definitiv die Politik der Amerikaner – da kann man wirklich Angst kriegen – , dann die Angst auf „Der Hofnarr“ , die mich zwar nicht mehr momentan betrifft, aber definitiv früher, und die Angst auf „Fabelhafte Welt der Anomalie“ . Davon kann sich sowieso niemand freisprechen. Weil jeder irgendeinen Makel an sich hat oder eine Angst, die man nicht preisgeben oder kundtun möchte. Niemand ist wirklich offen mit dem, was er an sich selbst bemängeln würde. Das wären die drei Ängste, bzw. Songs, auf denen ich eigene Sachen verpackt habe. Der ganze Rest ist natürlich auch nicht komplett fern von mir. In vieles kann ich mich reinversetzten, aber mittlerweile habe ich einen relativ guten Sensor um bei Dingen, die ich lese oder höre, für mich auszufiltern, ob das Richtung Angstmache geht oder wirklich aktuell und ernst ist.

Du hast gerade „Fabelhafte Welt der Anomalie“ angesprochen. Mich überrascht,  dass das Ängste sind, mit denen du dich identifizieren kannst.

Als ich mich damals hingesetzt habe, um das Album zu machen, dachte ich mir, dass ich mich von der Angst, vor dem eigenen Makel, auch nicht freisprechen kann. Also kann ich auch diesen Song machen. Im Endeffekt habe ich den Song anders verpackt und geschrieben – eben in Bezug auf Frauen – weil die meisten da viel schlimmer sind – aber ich wollte es gleichzeitig auch ein bisschen ins Lächerliche ziehen. Weil Augenbrauen, falsche Nägel bis hin zu Botox und so weiter jetzt auch beim Mittelstand angekommen sind und darüber wollte ich mich ein bisschen lustig machen. Früher habe ich aber auch über so etwas nachgedacht. Vor drei Jahren hatte ich einiges mehr an Körpermasse, wobei ich mir auch oft dachte, ob ich so wirklich ins Schwimmbad gehen will und meine Plauze zeigen. Sowas hatte man natürlich auch. Aber so ausgiebig, wie ich es im Song herunterreise, war es natürlich nicht.

Du sprichst auf dem Album durchgängig ein „Du“ an. Warum Du-Perspektive gewählt?

Ja, bis auf „Der Hofnarr„. Das ist wie bei Hunter s. Thompson in der Ich-Perspektive.

Es ist auf jeden Fall leitend auf dem Album. Auch bei Ängsten, die dich selbst betreffen. Warum diese Entscheidung? In einem anderen Interview hast du gesagt, dass du dich bemüht hast, es ohne erhobenen Zeigefinger zu machen. Aber der schwingt automatisch immer ein bisschen mit, wenn man ein „Du“ anspicht.

Ja, ich habe es hier und da auch mal komplett ausgelassen – das fällt vielleicht nicht so auf. Bei vielen Sachen spreche ich niemanden direkt an, außer die Allgemeinheit. Wenn ich zum Beispiel einen anderen Songs nehme, wo ich sage „Du musst auf dein Äußeres achten“, dann passt das, weil das der pure Sarkasmus ist. Mehr geht ja fast gar nicht. Auf „Bienenstaat“ habe ich es ganz anders gemacht: Da sage ich zwar auch „Du“ , aber eher als Elternteil, obwohl ich gar keines bin. Im Endeffekt ist Bienenstaat eine Aneinanderreihung von Sätzen, die wir alle irgendwann schon mal gehört haben. Von „Mach die Musik leiser, Junge. Was sollen die Nachbarn denken?“ bis hin zu „Steck doch mal das Hemd in die Hose“ .  Auf „Zeit wird knapp“ spreche ich auch eher aus der Sicht von einem konservativen Elternteil, das Dinge sagt wie „Du musst doch was ordentliches lernen“. Wenn man es mit dieser riesen Sarkasmus- und Ironiekeule macht, dürfte jedem klar sein, dass ich das nicht selbst denke, sondern, dass das einfach Töne sind, die man kennt. Es geht einfach um Zukunftsängste und den Druck, den man erfährt. Das „Du“ als Stilmittel zu nehmen, hat einfach Sinn gemacht, weil ich so verschiedene Perspektiven zeigen kann. Dass eine bestimmte Person mit „Du“ angesprochen wird, hat man auf dem Album ganz wenig. So etwas ähnliches gab es erst einmal. Mir ist eine Parallele zu Audio88 und YassinsSandy und Justin“ aufgefallen. Auf dem Track haben sie den Inhalt so ähnlich verpackt wie ich. Und das finde ich ganz geil. Es mag sein, dass sich der ein oder andere angesprochen fühlt und dass er das nicht so korrekt findet, oder dass ich abgehoben wirke, aber ich denke durch die Wortwahl und wie ich es verpacke, sollte man raushören, dass vieles einfach zynisch, sarkastisch oder ironisch ist.

 

Ein anderer Stil den du auch oft gewählt hast, ist etwas Listen-artiges. Dass du z.B. verschiedene Sätze aneinanderreihst, entweder aus einer bestimmten Perspektive oder eben beobachtend wie bei „Blinder Mann“. Warum hast du diese Methode gewählt? Das vereinfacht ja schon einiges.

Bei „Blinder Mann“ wäre es nicht anders gegangen. Ich habe mich hingesetzt und mich gefragt, was mich seit meiner Geburt beschäftigt. 1978 war ich ein Jahr alt, da habe ich mich natürlich mit gar nichts beschäftigt. Aber ich hab trotzdem ab dem Zeitpunkt angefangen zu rechnen, weil vieles nachklingt. Der jetzt Zehnjährige weiß auch, was am 11. September passiert ist. Deswegen habe ich das mit eingebaut. Im Grunde habe ich den geschichtlichen Ablauf geschildert, an den ich mich irgendwie erinnern kann und wie er mir damals über die Nachrichten, die Eltern und verschiedene Erzählungen näher gebracht wurde. Und was mir alles Angst gemacht hat. Ich habe damals tatsächlich vor dem ein oder anderen tierisch Angst bekommen. Ich bin damals so aufgewachsen, dass westlich von uns einfach der Klassenfeind lebt. Und wenn die Wende kommt, dann sind wir alle arbeitslos. Da wurde im Osten schon mit Ängsten gespielt. Ich habe die DDR komplett mitbekommen. Sie ist untergegangen als ich 12 oder 13 war. Von daher habe ich einen andere Bezug dazu. Natürlich erwähne ich auch Sachen, die früher passiert sind, wie die RAF solche Geschichten. Das sind eigentlich alles Ereignisse, die in Westdeutschland passiert sind. Aber das hat ein Stück weit dafür gesorgt, dass ich das Gefühl hatte, dass ich das alles auch so mitbekommen habe. Und außerdem kann ich nicht nur irgendwelche ostdeutschen Geschichten auspacken. Das hätte keinen Arsch interessiert. Zumal es diese Aufteilung von West und Ost heute nicht mehr gibt. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, alles mit reinzunehmen. Es blieb einfach nicht aus, dass ich alles chronologisch sortiert habe. Es stimmt, dass es vieles einfacher macht und ich schnell viel auf dem Blatt hatte. Ich hatte fast fünf Seiten geschrieben nur für den einen Track. Ich habe vieles weggestrichen, was zum Beispiel nicht relevant genug war, einfach unpassend oder zu detailliert. Gerade bei so einem Song, bzw. gerade bei so einem Album, liegt die Kunst darin, Dinge wegzulassen. Über das Thema Ängste hätte man locker ein Doppelalbum schreiben können. Ich habe mich auch gegen viele Themen entschieden, wie z.B. das Thema Religion, was ich erst mit einem anderen Rapper zusammen machen wollte. Er hatte dann aber doch Skrupel, weil ihm das Thema zu heiß war. Er hat eine Weile überlegt. Er hat sogar vorgeschlagen, ein Battle draus zu machen, das hätte aber null auf dieses Album gepasst. Dann haben wir es eben gelassen mit der Zusammenarbeit. Noch mal zu den Listen: Es ist generell nicht dieses „Sonnenbank Flavour“ Listen-Ding, wie es das früher offt gab. Es ist eben wahnsinnig viel Information, die ich in den Track gepackt habe, obwohl die Themen schon ausgesiebt wurden. Hätte ich das Album so gebracht, wie es in Rohform war, dann wäre das fünf Stunden gegangen. Viel zu lange und viel zu schwere Kost. Ich finde, dass es sogar jetzt einen Hauch zu schwer ist. Aber darauf habe ich einfach keine Rücksicht genommen, weil ich es genau so machen wollte. Auch auf die Gefahr hin, dass es nur 1000 Leute kaufen. Vor ein paar Jahren hat sich auch keiner die Frage gestellt, ob das Album jetzt von jemanden gekauft wird oder nicht. Früher hat man das Album einfach gemacht. Das gibt es heute auch noch und das finde ich geil. Ich glaube nicht, dass sich viele mit Schaufel und Spaten hinsetzten und einen Solo-Song planen, um angesagter zu werden. Diesen Gedanke finde ich auch völlig lächerlich. Ich wurde auch schon aus meinem Freundeskreis darauf angesprochen, ob es nich etwas zu mutig wäre, so ein Konzeptalbum zu machen, wenn es im Endeffekt keiner anhört. Ich habe mit Absicht keine Tour oder Release-Party für das Album geplant. Bei der Record-Releaseparty bin ich auch absichtlich nicht aufgetreten, denn die Inhalte auf dem Album sind keine, mit denen man sich in einem Publikum befassen möchte. Das ist auch kein Album, das man live spielt oder sich auf dem Weg zum Club anhört. Das Album hört man sich am besten alleine zu Hause an, auch wenn man es wahrscheinlich wegstellt und erst nach einem halben Jahr wieder rausholt, um es noch mal zu hören. Mehr ist es auch nicht, aber genau das ist es, was ich machen wollte. Ein Stück weit wirkt es auch wie eine Liste. Ich habe mich zwar nicht hingesetzte um Stichpunkte zu machen und eine Liste zu erstellt, aber im Nachhinein hat es wegen den verschiedenen Informationen einfach so geklungen. Auf „Sterne und Streifen“ gibt es in jeder Zeile ein Argument. Das klingt eben wie eine Aneinanderreihung von Argumenten. Im Grunde genommen ist es auch nichts anderes. Der Track ist wie mit dem Vorschlaghammer ins Gesicht rein. Das Trackende ist auch wie eine einzige Aufzählung. Ganz viele Worte, die ich aneinanderreihe. Gaskammer, Disneyland, usw. Die Worte sind für sich alleine stark genug. Das sind Worte, die man nicht erklären muss. Ich fand es geil, diese völlig absurden Wörter nebeneinander zu stellen, weil man dadurch beides bekommt: Den völlig kitschigen Wahnsinn und gleichzeitig einen menschenverachtenden Wahnsinn. Das gibt dir alles. Deswegen die Aneinanderreihung. Der Hörer soll heraushören, dass das ein Bombenteppich an verrückten Gedanken und Worten ist.

Du hast auch sehr viel mit Assoziationen gespielt, besonders mit den Assoziationen des Hörers.

Ja, genau.

Das Album ist straighter BoomBap. Es ist auch nicht der Fall, dass du zu einem Thema einen „Motto-Beat“ hast bauen lassen.

Es gab ein paar. Z.B, „Fabelhafte Welt der Anomalie„, wo sich ein Sample mit „Beatiful People“ von Marilyn Manson komplett anbot. Ich habe schon die ganze Zeit einen Beat für den Track gesucht und dann hat mir 7inch das zukommen lassen. Das hat einfach danach geschrien, verwendet zu werden. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon alle Skizzen da und mir war klar: Der Beat ist es. Sonst hast du schon recht. Ich hätte zu jedem Track einen anderen Soundteppich haben können und irgend ein Shyntie-Brett mit einbauen können oder irgendwas in Cloudrap-Form verwenden. Aber es hätte die Ernsthaftigkeit ein bisschen weggenommen. Viele meinten, ob dem Album die Leichtigkeit fehlt, aber die wäre nicht drin gewesen. Hätte ich die Themen lustig verpackt, wäre das nicht richtig rübergekommen. Es gibt Künstler wie KIZ, die ernste Themen lustig verpacken können und die dann auch leicht klingen ohne, dass die Wertigkeit der Thematik verloren geht. Das ist geil. Aber die haben auch zu jedem Song einen anderen Sound. Ich habe eben ein Konzeptalbum. Ich habe in jedem Song eine Angst. Hätte ich einen Track lustig gemacht, wär der Rest trotzdem ernst geblieben und das hätte nicht gepasst. So habe ich jetzt einen roten Faden – glaube ich jedenfalls – wo man hier und da über das Bild, das ich zeichne, schmunzeln kann. Ich habe auch bewusst auf Vergleiche verzichtet. Auf dem Album ist höchstens einer. Sonst arbeite ich immer viel mit Vergleichen und Punchlines, aber es war mir wichtig, es mal anders zu machen. Dem Thema werden Vergleiche auch nicht gerecht. Die, die sich mit dem Album befassen, sollen auch die Ernsthaftigkeit erfahren. Dadurch wird der Rahmen eben eckig und ein bisschen unangenehm, aber das soll es auch sein. Hätte ich alles überfreundlich gemacht, im Jägermeistergang-Style oder so, wären die Themen sicher eingängiger in das Ohr der Leute gegangen, aber das war nicht der Anspruch. Ich weiß auch nicht, ob man das hätte so machen können. Das müsste ich ausprobieren. Aber um ehrlich zu sein, würde ich so ein Thema nicht noch mal machen.

Du hast auf „Schisshase“ die Features komprimiert und jeder hat seinen eigenen Beat bekommen. Warum das?

Ich hatte das Gespräch mit demjenigen, mit dem ich auch sehr viel über das Album gesprochen habe. Und mir ist selber aufgefallen, dass mir diese ganzen Mammut-Remixe von diesen ganzen Leuten immer ähnlich vorkamen, mit dem immer gleichen Beat. Das wird schnell öde. Ich glaube auch, dass jeder Beat, der jetzt auf dem Track ist, sicher auch vier Minuten funktioniert hätte, aber eben keine sieben. Ich finde es wie es jetzt ist, viel interessanter. Es hat natürlich auch noch einen andere Vorteil: Wir mussten uns nicht einigen. So hat sich jeder einen Beat ausgewählt, den er geil fand, und dann war es gut so. Im Endeffekt war das ein reines Stilmittel. Wir hatten nicht im Kopf, dass jeder einen anderen Beat für eine andere Angst braucht, über die er spricht. Vielmehr wollte ich einen großen Kollabo-Song interessanter machen. Hätte ich zehn Minuten einen durchgängigen Beat, hätte man auch mit Breaks und Cutz spielen können, aber auf Dauer wäre das trotzdem langweilig geworden. So ist es schön kurz und abgeschlossen. Manchmal wünscht man sich sogar, dass der Beat ein bisschen länger gehen würde, geht er aber nicht. Dann muss man eben zurückspulen. Ich glaube auch, dass es das so noch nie gab und wenn, dann weiß ich nichts davon.

Ich glaube, dass das auch gut mit einem Beat funktioniert hätte, weil die Künstler alle sehr unterschiedlich sind.

Ja die waren alle sogar extrem unterschiedlich. Das war auch mein Gedanke dahinter. Ich feier Phase, der sehr gechillt rappt und dann feier ich auch Gory Gore. Und genau dieser Kontrast macht es aus. Wenn einfach eine Bandbreite an Leuten dabei ist, die alle irgendwie ihren Senf dazu geben, wird der Track schlagartig interessanter und abwechslungsreicher. Ich wollte auch von Anfang an die Namen dabei haben, die jetzt auf dem Track sind – keiner ist noch dazu gekommen oder weggefallen. JAW wollte ich anfragen, aber irgendwie habe ich den Kontakt zu ihm verloren und generell ist es auch eher ruhig um ihn geworden. Das Feature wäre sicherlich auch interessant gewesen. Aber naja, „Hätte, hätte, Fahrradkette“.

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