Raf Camora

Es scheint noch nicht allzu lange her zu sein, dass Raf Camora an der Seite von Nazar, das Album Artcore abgeliefert hat und richtig… knapp ein halbes Jahr ist das erst her. Doch Raf hat schon wieder nachgelegt und am 24. September erscheint sein Streettape "Therapie nach dem Album“.
Faulheit kann man dem Berliner Produzenten und MC mit österreichischen Wurzeln also nun wirklich nicht vorwerfen und so war es denn auch logisch, dass wir ihn in seinem Studio besuchten und ihm beim Arbeiten über die Schulter geschaut haben.
Herausgekommen ist ein kleiner exklusiver Song für rap.de, dessen Entstehungsgeschichte wir ein wenig begleitet haben.
Wer dringend noch seinen Wunschzettel um ein paar technische Geräte erweitern will, wird in diesem Feature mit Sicherheit auch fündig werden. Ihr wisst ja. Weihnachten kommt schneller als man denkt.   


rap.de: So, wir sitzen jetzt hier bei dir im Studio. Wie lange bist du denn schon hier?

RAF Camora: Das war davor das Beatlefield-Studio, da hatte ich das mit den Jungs zusammen. Seit August habe ich es übernommen und arbeite hier auch zusammen mit Hamudi von den Royals und noch ein paar anderen Jungs.

rap.de: Hast du dich mit den Beatlefield-Jungs davor immer gekloppt, wer wann rein darf?

RAF Camora: Ja, ein bisschen schon. Stickle hatte die Vorherrschaft, weil er auch die meisten Geräte drin hatte. Ich hatte aber wahnsinnig viele Sachen zu tun und habe mich deshalb ungefähr einmal in der Woche mit Stickle gestritten. Das war Standard. Jetzt kann ich hier so lange bleiben, wie ich will und ich schlafe auch manchmal auf der Couch, auf der du gerade sitzt.

rap.de: Gehört alles, was hier an Geräten drin steht, dir?

RAF Camora: Ja, bis auf die SSL Matrix, die gehört niemandem.

rap.de: Du hast sie auf der Straße gefunden!

RAF Camora: (lacht) Ja, genau. Ich habe sie von den Punks gestohlen! Nee, Stickle hat sich die mal vor acht Monaten wo ausgeborgt und seitdem steht die hier rum. Die ist auch gar nicht eingeschaltet. Die steht eigentlich nur rum, weil es gut aussieht. Die kommt auch irgendwann wieder weg und ansonsten gehört alles mir.

rap.de: Was hast du hier sonst so für Geräte und was machst du damit?

RAF Camora: Ich habe einen Avalon 737 SP, das ist ein Channel-Strip. Damit bearbeite ich Stimmen und der passt sehr gut zu meinem Mikrofon Neumann TLM 49. Damit verstärke ich im Endeffekt das Mikrofon und komprimiere es. Bei Rappern, die zum Beispiel eine zu softe oder zu tiefe Stimme haben, benutze ich auch den Equalizer. Das heißt, ich drehe ein bisschen mehr Sprachverständnis und so was rein. Ich lasse damit die Stimme durchlaufen, gebe das dann in den Rechner und bearbeite sie da nochmal. Als Programm benutze ich das neueste Logic und arbeite viel mit den Waves-Plugins.
 


rap.de: Was ist der Vorteil von Logic gegenüber anderen Programmen? Warum benutzt du ausgerechnet das?

RAF Camora: Bei Cubase und Logic gibt es immer die Debatte, was besser ist. Ich arbeite auf einem Mac, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass der weniger abstürzt und du keine Viren hast. Ich bin auch kein Computer-Fritz. Mit den PCs hatte ich immer tausendmilliarden Probleme und den Mac stelle ich einfach rein und da funktioniert alles. Außerdem sollte man immer mit dem arbeiten, woran man sich schon gewöhnt hat und ich habe mich halt auf Logic eingestellt. Ich habe damals damit angefangen zu arbeiten und das funktioniert alles super. Manche sagen natürlich, dass Protools das killt und in Amerika arbeiten alle mit Protools, aber ich finde, vorallem für Midi-Bearbeitung ist Logic der Shit.

rap.de: Wenn man jetzt selbst hobbymäßig anfangen möchte zu produzieren, was wäre denn ein günstiges Programm für Einsteiger?

RAF Camora: Ich kenne sehr, sehr gute Produzenten, die auf Fruity Loops arbeiten. Das ist ein Programm, das man sich im Internet holen kann. Ich weiß noch nichtmal, ob das was kostet. Wenn, dann sehr wenig und da sind schon Soundpacks drauf. Es gibt auch Programme wie Reason, mit denen genug Produzenten, die damit schon in den Charts waren, produzieren. Das heißt, dass Beats bauen eigentlich keine Sache von Geld ist. Man braucht nur einen starken Computer, ein gutes Programm, ein Midi-Keyboard und Kreativität. Du kannst das beste Equipment haben, aber wenn du ein Hans bist, wirst du niemals irgendwas auf die Beine stellen.

rap.de: Was hast du sonst noch so hier?

RAF Camora: Also, ich habe meine wunderbaren Subwoofer von Adam, den Sub 10, und APS Boxen. Das ist eine polnische Firma, die nicht sonderlich bekannt ist, aber einen unfassbar guten Sound hat. Das ist wirklich sehr, sehr hoch aufgelöst mit 8er Woofern. Ich hatte damals die großen Adams zum Vergleich da und die APS haben einfach alles gekillt. Die Abhöre ist sehr wichtig und man sagt ja auch immer, dass das Studio so gut ist wie das schwächste Glied. Ich versuche also auch wirklich abzuwarten und dann mit wirklich guten Boxen zu produzieren, als mir gleich schlechtere Boxen zu kaufen. Da mische ich lieber auf guten Kopfhörern als auf schlechten Boxen. Dann gibt es noch die kleinen Genelec mit 4er Woofern und ich habe noch alle möglichen Abhör-Sachen. Zum Beispiel Logitech Computerboxen und manchmal lade ich mir die Songs auch aufs Handy und höre die da noch ab. Heutzutage wird ja viel auf dem Handy oder auf Computerboxen gehört. Eigentlich könnte ich da auch die wunderbare SSL zu verwenden, aber wenn ich damit anfange zu mischen und irgendwann kommt die weg, wäre ich verloren. Das hat einen wunderbaren Sound und kostet auch sehr viel.

rap.de: Was kostet so was?

RAF Camora: Ich will jetzt nicht lügen, aber bestimmt so 16.000 bis 20.000 Euro. Dann habe ich noch ein Interface, das ist das Ensemble von Apogee. Das ist ein super Gerät, aber auch nicht billig. Für die Anfänger gibt es die Apogee One, die ca. dieselbe Klangqualität hat, aber nur 220 Euro kostet. Das ist die Soundkarte, der Wandler, der sehr viel dazu beiträgt, wie das im Endeffekt dann klingt. Wenn ich zum Beispiel Gitarren aufnehme, gehe ich mit den Gitarren über den Avalon auf das Ensemble und darüber geht das dann in den Computer.
 

rap.de: Was ist das da hinten mit den gelben Knöpfen?

RAF Camora: Das ist auch ein Channel Strip, ein Focusright Isa 220. Der gehört auch noch Stickle und kostet auch sehr viel Geld, aber der hängt hier ehrlich gesagt nur rum. Den verwende ich nicht. Von den ganzen Sachen im Studio benutze ich im Endeffekt nur das Ensemble, den Avalon und meine Abhören. Ich verwende auch gerne so Percussion-Sachen, zum Beispiel den kleinen Shaker hier. Oft stelle ich mich auch einfach vor’s Mic und singe was ein, anstatt ein Synthie zu nehmen. Das verzerre ich dann wahnsinnig krass und verwende Bit Crusher und das klingt dann einfach wie ein Synthie, den noch niemand verwendet hat. Das ist nämlich das Problem: Ich höre bei hunderten Rap-Tracks dieselben Synthies raus und weiß genau, wer welches Pre-Set benutzt hat. Um das zu umgehen, mache ich mir meine Sounds oft selber.

rap.de: Wie viel arbeitest du mit Samples?

RAF Camora: Absolut gar nicht. Ich will jetzt nicht jemanden schlecht reden, der mit Samples arbeitet, es gibt viele gute Produzenten, die das machen. Aber erstens habe ich keinen Bock, mir immer den Kopf zu zerbrechen, ob ich das jetzt clearen muss oder nicht, und zweitens: Wenn ich einen Gitarren-Beat haben will, spiele ich die Gitarre selber ein und wenn ich ein echtes Klavier haben will, gehe ich irgendwo hin, wo ein Flügel steht, und nehme mir den auf. Es gibt da mittlerweile auch so gute Plug-Ins. Ich habe zum Beispiel das Moto-Orchestra, das hat super Streicher und wenn ich "richtige" haben will, dann hole ich mir die hierher. Das ist alles kein Problem. Einen Sample-Beat zu machen, ist total einfach. Den baut man teilweise in zehn Minuten. Aber da mache ich mir lieber die Mühe und erschaffe was Eigenes.

rap.de: Wie viele Instrumente spielst du selbst?

RAF Camora: Ich spiele Bass, Klavier, früher auch mal Geige, aber das kann ich jetzt nicht mehr, Schlagzeug. Ich kann mit jedem Instrument so ein bisschen was machen, aber richtig spiele ich Bass, Gitarre und Klavier.

rap.de: Hast Du Dir das selbst beigebracht?

RAF Camora: Nein, ich habe da eine richtige Ausbildung. Klavier habe ich 12 Jahre lang klassisch gemacht, Gitarre habe ich fünf Jahre klassisch und noch so drei, vier Jahre modern – ich war seit ich vier Jahre alt bin auf Musikschulen.

rap.de: Hört man aus Beats raus, ob jemand selbst Instrumente spielen kann und ein richtig geschultes musikalisches Verständnis hat?

RAF Camora: Nee, absolut nicht. Hamudi zum Beispiel macht supermusikalische Beats, hatte aber nie Klavierunterricht und kann auch nicht benennen, was er da spielt. Ich glaube es kommt sehr viel darauf an, wie du das fühlst. Es gibt viele Leute, die klassischen Klavierunterricht hatten, aber ins Spielen kein Gefühl reingeben, weil sie immer nach Noten gelernt haben. Bei Klassik ist alles sehr sauber, du musst dich immer an einen bestimmten Rahmen halten und dadurch klingt es manchmal sogar billig.
 

rap.de: Wenn du das jetzt alles mal zusammen fasst: Wieviel ist das Equipment in deinem Studio wert? Was hast du da investiert und wie lange hast Du darauf gespart?

RAF Camora: Mit der Abdämmung, mit der Booth, Tisch und dem ganzen Kram kommt man schon so auf 30-40.000. Ich habe da drei Jahre drauf gespart. Wenn zwischendrin nicht zweimal bei mir in der Wohnung eingebrochen worden wäre, wäre ich ein bisschen schneller an’s Ziel gekommen.

rap.de: Dien neues Album. Ist das jetzt ein richtiges Album oder ein Streetalbum? Die Grenzen sind da ja immer sehr fließend und teilweise weiß man auch gar nicht, wo genau da jetzt der Unterschied liegen soll.

RAF Camora: Also, ich habe ja bisher ein normales Album und ein Streetalbum rausgebracht und bei mir unterscheidet sich das so: Auf dem Streetalbum sind mehr Tracks, dafür aber auch Remixe von älteren Songs. Auf "Therapie Nach Dem Album" habe ich jetzt zum Beispiel einen Remix von "Yo", auf dem ich die ganze Hip Hop Welt vereint habe. Tua, Tarek von K.I.Z., Silla, D-Bo, Chakuza, Nazar, Mo-Trip, JokA… Die hat man in der Form noch nie zusammen auf einem Track gehört und es hat mir Spaß gemacht, das zu machen.
Es ist auch ein Track drauf, den ich produziert habe, auf dem ich aber gar nicht rappe. Der ist mit zwei Künstlern, die in Jamaika gerade sehr abgehen und die habe ich auch einfach mit drauf gepackt. Normalerweise sind Streetalben schlechter gemischt und man gibt sich nicht so viel Mühe. Manche haben sogar komplett ungemischte Songs drauf. So ist das bei mir nicht, ich habe schon alles gemischt, aber ich habe das dieses Mal selbst gemastert.
Ich habe im Prinzip alles selbst gemacht, Hauptproduzent ist aber Hamudi. Der hat auf dem Album die meisten Beats drauf.

rap.de: Rappst du lieber auf deine eigenen Beats, weil Du Dir die dann quasi auf den Leib schneidern kannst?

RAF Camora: Nein, gar nicht. Eigentlich rappe ich viel lieber über andere Beats. Wenn ich den Beat fertig gemacht habe, geht er mir schon so auf den Sack, dass ich nicht noch zwei Stunden drüber schreiben will, wenn ich den sowieso schon stundenlang im Loop gehört habe.
Im Allgemeinen catcht mich das mehr, wenn ich einen Beat geschickt kriege, den geil finde, darauf schreibe und dann mit ins Studio nehme und da noch eine Gitarre einspiele, da noch ein Synthie reinhaue und so weiter.

Ich mache mir dann meinen eigenen Song draus und Arrangement ist für mich fast 50 Prozent der Miete. Wenn du einen unfassbar guten Rapper hast und einen unfassbar guten Beat, es ist aber nur ein Loop mit der üblichen Hook-Geige und der rappt da seine 16er drauf und es passiert nichts, schwöre ich dir: Ich nehme einen mittelmäßigen Rapper, einen mittelmäßigen Beat und hole mit Arrangements so viel raus, dass man sagen würde, der Track vom mittelmäßigen Rapper ist besser, als der vom unfassbar guten.

rap.de: Kannst du Musik überhaupt noch genießen?

RAF Camora: Nein, kann ich nicht. Ich erinnere mich auch: Schon als ich zehn oder elf war, war mein größter Spaß im Leben, auf einem Koffer, einem Topf und anderen Sachen das Red Hot Chilli Peppers Album mitzuklopfen.
Dadurch dass ich mit Musik aufgewachsen bin, höre ich bei einem Song jedes einzelne Instrument. Es ist so, als würde sich das aufspalten. Das stört mich auch manchmal in dem Moment, weil ich das nicht so hören kann wie andere Leute. Die lassen den Track auf sich wirken und hören das gesamte Ding und ich höre immer jeden einzelnen Scheiß.

rap.de: Also hörst du privat eigentlich gar keine Musik mehr, weil es dich anstrengt und frustriert?

RAF Camora: Ich höre privat gerade wieder sehr viel Marilyn Manson und der ist unfassbar. Man wird einfach immer mehr zum Nerd. Diese ganzen Grunge-Sachen Mitte der Neunziger faszinieren mich total, weil sie viele schiefe Töne drin haben. Das ist auch das, was mich beim Hip Hop aufregt und wo ich mich ein bisschen limitiert fühle: Wenn ich einen Beat genau so machen würde, wie ich will, würde das niemand feiern.

rap.de: Gibt es einen Beat von dir, den du im Nachhinein auch richtig beschissen und zu glatt findest?

RAF Camora: Ja, unfassbar viele Beats. Leider auch welche, die ich echt oft verkauft habe. Bei denen hätte ich nie gedacht, dass da wirklich jemand drauf flasht. Bei denen habe ich mir oft gedacht "Ok, der könnte den doch auch selber machen. Oder irgendein kleiner Bruder von einem Freund von ihm." Einer, der da ein ganz spezielles Ohr hat, ist Nazar. Dem schicke ich meine Experimente und er ist dann auch der, der sich immer mal traut, solche Beats zu nehmen. Auf "Artkore" haben wir das zum Beispiel gemacht. "Killabizz" hat sich in der ursprünglichen Form einfach nur angehört wie eine Biene. Den habe ich dann ein bisschen schöner und kommerziger gemacht, weil wir dann wussten, dass das die erste Single wird und damit der für andere Leute ein bisschen hörbarer wird. Aber der Grundbeat war einfach nur ein kaputter Akkustik-Bass, der hier rumlag.

rap.de: Gut. Ich würde sagen, Du erklärst uns jetzt einfach mal, wie so ein Beat bei Dir entsteht. Wie fängst Du da an? Hast du eine Melodie im Kopf und darauf baust du alles auf?

RAF Camora:
Anfangs klimpere ich einfach so ein bisschen rum und dieses Mal bin ich auf das hier gekommen:

Eine wunderbar kitschige Melodie. Und dadurch, dass die so kitschig ist, muss ich was einbauen, was das ganze wieder entkitscht. Deshalb verwende ich das ganz bekannte Plugin Effectrix, mit dem man Effekte einfügen kann. Das habe ich auch mal Djorkaeff und Beatzarre gegeben, ursprünglich hatte ich das von Stickle.

rap.de: Wie kommt man an so Plugins?

RAF Camora: Das ist so ein bisschen wie Mode. Als würde jemand rote Schuhe haben und man findet das dann geil und probiert das auch aus. Effectrix ist eine richtige Revolution. Früher hast du eine Stunde gebraucht, um einen Effekt zu machen und damit kannst du das jetzt einfach drauf ziehen, umdrehen, einen Plattenspieler-Scratch-Effekt draufmachen, etwas cutten und stretchen…
So, da habe ich halt die Gitarre und meistens ist es so, wenn ich einen Beat anfange, er schon eine bestimmte Richtung nimmt, mir das dann aber gar nicht mehr gefällt und ich ihn komplett wieder umbaue. Ich habe am Anfang zum Beispiel Percussions drin gelassen, das hat dem ganzen aber zuviel Latino-Feeling gegeben.
Bei Hip Hop-Beats gebe ich auch gerne so eine tiefe Standard-Synthie-Line rein, damit das den Leuten besser ins Ohr geht. Das ist etwas, was jeder kennt, und es gibt Hunderttausende Songs damit. Aber wenn man den Rest vom Song cool macht, funktioniert diese Harmonie immer. Ansonsten kommen da noch ein paar freaky Töne rein. 

rap.de: Der jetzt gerade klang nach einem Sound aus so einem alten Videospiel.

RAF Camora: Ja, ein bisschen, aber der würde erst so richtig danach klingen, wenn ich den mit einem Bit-Crusher bearbeite. Jetzt klingt das richtig dreckig. Sobald dann der Loop da ist, fängt man an, den Song zu schreiben. Wenn ich die Hook aufnehme, lass ich meistens das Grundsample weg und singe nur über die Drums. Manchmal mache ich in der Hook nämlich einen Harmoniewechsel und wenn ich nur über die Drums singe, habe ich mehr Möglichkeiten, stimmlich überall hinzugehen. Ich singe ja auch den Chor und so.

rap.de: Hast du eigentlich eine Gesangsausbildung gemacht?

RAF Camora: Nein, aber meine Mutter war Opernsängerin und mein Opa war in Italien Hochzeitssänger. Wir haben also seit wir klein waren, immer gesungen und mit 15, 16 habe ich angefangen Reggae zu machen. Ich treffe auf jeden Fall alle Töne.

rap.de: Ok. Was passiert dann?

RAF Camora: Dann habe ich das aufgenommen und den 16er und die Hook drin. An die Hook setze ich mich dann nochmal und spiele Instrumente rein, damit das dazu passt, und setze mich dann ans Mischen.
Beim Mischen fange ich zuerst mit den Drums an, dass die richtig punchen, nehme den Bass noch dazu und stimme das dann aufeinander ab. Anschließend bearbeite ich die Stimme und mache dafür einen eigenen Channel-Strip. Jeder Produzent hat da seine eigene Art und Weise, das zu machen. Ich habe mir das so ein bisschen von Stickle und Beatzarre abgeguckt, habe aber auch selber Plugins gefunden, die mir sehr gut gefallen. Die Stimme an sich bleibt ja zu hundert Prozent die gleiche, aber ich komprimiere sie, entferne die Störfrequenzen, gebe ein bisschen was in den Höhen dazu, um die Sprachverständlichkeit zu erhöhen, knalle einen Limiter drauf, nehme teilweise die S-Laute weg…

rap.de: Es klingt immer super, wenn da irgendwas falsch gemacht wurde. Manchmal klingen die Songs ja so, als würden die Rapper unfassbar lispeln.

RAF Camora: Das ist mir auch schon passiert. Wenn man mit dem De-esser einen Fehler macht, wird aus einem S schnell ein F. Das hört man in manchen Songs, wo der Ingenieur noch nicht so viel Erfahrung mit dem De-esser hat. Nun ja. Dann gebe ich auf jeden Fall noch Hall, Delay und so einen Chorus-Effekt auf die Stimme und mische das dann den Song erstmal nur mit Bass, Drums und Stimme.
Wenn ich das habe, gebe ich nach und nach die anderen Instrumente dazu und was für mich ein großes Ding ist, ist das Pannen. Es ist irrsinnig wichtig, die Sachen links und rechts zu verteilen, weil man das Ganze dann auch laut drehen kann, ohne dass es die Stimme übertönt. Dann gehe ich noch mal mit dem EQ drüber, ziehe die Frequenzen im Stimmbereich und Bassbereich raus. Was komprimiert werden muss, muss dann komprimiert werden. Was breiter gemacht werden muss, breiter gemacht werden…

rap.de: Wie lange sitzt man an so was?

RAF Camora: Schon einen Tag, aber es kommt immer drauf an, was es ist. Wenn ich jetzt von jemand anderem einen Sample-Beat mit Drums bekomme, der den auch wirklich so behalten will, dann brauche ich manchmal nur eine Stunde. Meistens spiele ich aber noch andere Sachen drunter und bei die Songs für "Artkore" saß ich teilweise einen ganzen Tag dran. Man muss aber darauf achten, dass man seinen Ohren auch mal eine Pause gönnt, sonst kann man sich da nicht mehr richtig reinhören.

rap.de: Wie weit ist dieser Beat jetzt?

RAF Camora: Der ist bei 10 Prozent. Bisher habe ich nur den Grundrhythmus und die Melodie. Ich weiß noch nicht, ob ich diese Drums drin lasse, dann fehlen noch so ein paar kleine…Extras… also, ich nenne das immer Charme. Kleine Highlights, kleine Effekte, die den Beat besonders machen. Das fehlt auf jeden Fall noch. Und die Hooklines fehlen noch, die habe ich noch nicht gemacht. Bisher klingt er ja so:

rap.de: Gut, dann lassen wir dich jetzt mal weiterarbeiten und freuen uns auf den fertigen Track, den Ihr, liebe Leser aber auch gleich hier hören könnt:

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