Masta Ace & Edo G.

rap.de: Keine falsche Bescheidenheit, bitte. War es schwierig, deine Fanbase in Boston zu finden?

Edo G.: Nicht wirklich. In den 80ern war es einfacher, wir hatten den Support vom lokalen Radio und ich hatte davor schon viele Shows bis ich 1991 meinen Deal bekam. Wir hatten Tapes aufgenommen und sie dem Godfather Of Boston Radio, einem Typ namens Magnus, in die Hand gedrückt und er hat sie tatsächlich im College-Radio gespielt. Das war eine Riesensache. Alle hörten es! Ein paar Cats, die später das Source Magazin starteten, hatten `86/`87 auch eine Radiosendung namens "Street Beats“ und das war ein weiteres großes Outlet, das unsere Musik spielte. Boston unterstützte seine local Artists.

rap.de: Hört sich nach einer Zeit an, in der Hip Hop einfach Spaß gemacht hat. Kam irgendwann der Punkt, an dem das weniger der Fall war, an dem Hip Hop nur noch eine geschäftliche Angelegenheit wurde?

Edo G.: Es hat immer Spaß gemacht! Aber eine schlimme Zeit für mich fing da an, als Mercury Records mich 1994 droppte und ich nicht wusste wohin mit mir. Das war scheiße. Du gewöhnst dich daran, dass das Label alles für dich macht, alles zahlt und dann stehst du plötzlich alleine da. Gott sei Dank fing aber die Indie-Label Szene an zu blühen und Künstler nahmen alles selber in die Hände. Ich sprang schnell auf diesen Zug auf und hab viele Features gemacht, ging auf Tour mit wem ich wollte, tauchte auf Compilations auf und tat eigentlich alles, was ich vorher aufgrund der Labelbindung nicht tun konnte. Das war ein Teil in meiner Karriere, der schwierig war, aber ich bin wieder hochgekommen.

Masta Ace: Eine Zeitlang hatte ich mehrere Deals. Ich war bei Mercury und Warner Brothers gesignt. Ich bewegte mich eher in die Richtung eines Produzenten und diese ganzen Sachen mit der Finanzierung hängen von einander ab. Ich hatte bei Big B Records einen Vertrag und das Album, mit circa 16-17 Liedern, war schon fast fertig aufgenommen. Es kam dann auch raus, aber nach der zweiten Single, haben sich die Leute von Warner Brothers gemeldet und haben ihre Preise angezogen. So bedingt sich das alles gegenseitig. Und dann macht das auch keinen Spaß mehr, weil Du das Gefühl bekommst, von allen Seiten langsam und ganz strategisch ausgequetscht zu werden. An dem Punkt musste ich einfach eine kleine Pause einlegen, um zu entscheiden, was ich eigentlich machen will. Aber als ich im Jahr 2000 von meiner kleinen Europatour zurückkam, hatte ich meine Batterien wieder aufgeladen, die Fans haben mir geholfen, meine Energie zurück zu gewinnen und das alles wieder zu machen.

rap.de: Wie würdest Du den Status beschreiben, den Du jetzt gerade hast?

Masta Ace: Ich bin gerade in einer großartigen Position. Ich fühle mich sehr wohl dabei, meine Musik zu machen. Angenommen das jetzige wäre mein letztes Album, wäre ich dennoch glücklich, weil ich die Musik gut finde und es mich erfreut, dass den Leuten gefällt, was ich bisher gemacht habe. Das “Sitting On Chrome“ Album kam damals in New York nicht gut an. Sie haben mich für einen Verräter von der Westküste gehalten, damals war gerade die Hochphase des Westcoast – Eastcoast Konflikts. Und man musste sich entscheiden, entweder war man auf der einen oder auf der anderen Seite, aber nicht irgendwo dazwischen. Mich haben sie nicht gefühlt. Ich wollte mich nicht entscheiden müssen, ich habe die Mitte gewählt und das wurde nicht akzeptiert. Wenn meine Karriere damals schon ihr Ende gefunden hätte, wäre ich damit sehr unglücklich gewesen. Ich bin sehr froh, die Möglichkeit gehabt zu haben, meine Träume zu verfolgen und mich zu verwirklichen.

rap.de: Was macht Edo G. in Deinen Augen zu einem einzigartigen MC?

Masta Ace: Abgesehen davon, dass er derjenige ist, der Boston auf die Raplandkarte gesetzt hat? Ich weiß nicht, das überschreitet meine Vorstellungskraft. Ich meine, ich komme aus New York und da gibt es unzählige MCs, deren Namen man auch kennt. Aber wenn Du Boston erwähnst, ist Edo G. der einzige Name, der immer genannt wird, wenn es um kommerziellen Erfolg geht. Es gibt sonst niemanden, der auf der gleichen Stufe ist, ausgenommen beim R`n`B oder so. Edo G. ist der Größte, wenn es um Hip Hop aus Boston geht. Er rappt nicht einfach nur. Er hat diese speziellen Aussagen, die hängen bleiben, die Dich zum nachdenken anregen, so dass Du überlegen musst, was er meint. “Money saved is better than money earned.“ zum Beispiel. Ich bin genau so. Ich will, dass die Leute nachdenken und nicht nur hinnehmen. Das ist es, was ihn in meinen Augen zu einem besonderen Künstler macht.

Edo G.: Naja, und ich war schon immer einer der größten Juice Crew Fans. Ich liebe die gesamte Truppe. Big Daddy Kane war mein größtes Vorbild und ich ehre noch immer den Boden, auf dem er geht. Und Masta Ace bei der Arbeit zu sehen, zu sehen wie er sich die Zeit nimmt und mit ihm zusammenzuarbeiten ist klasse. Wir machen nicht einfach nur Aufnahmen. Jede Kleinigkeit ist durchdacht. Ich habe das auch schon ganz anders erlebt. Da wurden die unterschiedlichsten Sachen einfach in einen Topf geworfen. Bei uns läuft das anders. Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen, um zu sehen ob es passt und auch, um unsere Show präzise und bis zur Perfektion zu planen. Ich habe von ihm so viele Tipps bekommen und er hat mir gezeigt, wie ich als Künstler noch wachsen kann. Es ist wie ein Onkel für mich.

rap.de: Wir bedanken uns für das Interview.