Die Orsons

Letztes Jahr erst erschien das Debutalbum der Orsons und schon kommt es einem so vor, als wären sie schon immer da gewesen und würden für immer bleiben. Aus diesem Grund heißt das Mitte Oktober erscheinende Album Nr.2 der Orsons denn auch "Die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons".
Deutschraps Versuch, neben Gangsterrap auch noch ein oder zwei andere Sparten zu etablieren geht also in eine neue Runde und scheint ganz gut anzukommen bei den Genossinen und Genossen da draußen an den I-Pods und Stereoanlagen.
Zumindest wirkten die drei (vier) Orsons wahnsinnig aufgeräumt und um ein Vielfaches seriöser als zu den Zeiten ihrer Selbstfindung. rap.de sprach mit Maeckes, Plan B und dem Liebesmovement KAAS, da TUA leider verhindert war, weil er auf der Abschiedstournee von Deluxe Records dabei sein durfte. Spaß hat es trotzdem gemacht.  
rap.de: Euer Album klingt wie ein Popalbum. Ihr habt auf jeden Fall auch den Mut zu großen Melodien. Würdet ihr gerne besser singen können?

Maeckes: Ja, auf jeden Fall. Ich finde es eine Schande, dass man so whack singt, aber das dann bei großen Melodien macht.

rap.de: Es wirkt wie „Auch du kannst mitsingen!“. Es lädt ein. Bei manchen Stimmen hat man ja zuviel Ehrfurcht und denkt, dass man das nicht kann.

KAAS: Also ich träume wirklich davon, so eine Stimme wie zum Beispiel Stevie Wonder zu haben, aber ich finde auch, dass ganz, ganz schlecht Singen, auch ganz, ganz viel Seele hat. (Gelächter) Ganz ernsthaft! Kennst du zum Beispiel diesen Moneybrother? Den Sarah Kuttner immer bei ihrer Show auf VIVA gepusht hat. Auch wenn er nicht die beste Stimme hatte – der war in einer Karaokebar in Hamburg und hat da so seelenvoll gesungen, dass das richtig super war.

rap.de: Aber man kann die Motivation bei euch jetzt auch als Witz verstehen. Weil ihr eben wirklich nicht gut singen könnt.

Maeckes: Ja, natürlich kann man das jetzt auch missverstehen. Aber unser Credo war, dass wir alles machen, was wir wollen. Ob das jetzt Singen ist, wenn man nicht so gut singen kann oder was anderes. Wenn das trotzdem alles stimmig ist und funktioniert, dann macht man das eben.

rap.de: Wenn ich mir diverse Interviews vom letzten Album anschaue, dann kommt mir die Veröffentlichung von damals wirklich vor wie das Album einer Clownstruppe, die möglichst absurde Antworten gibt und möglichst nichts ernst nimmt. (Stille)

Plan B: Da…. Magst du schon Recht haben.

rap.de: (lacht) Ist Euch das in der Zwischenzeit auf die Nerven gegangen?

Maeckes: Schon während wir das gemacht haben, ist uns das mitunter auf die Nerven gegangen. Es wird aber auch jetzt wieder so absurde Interviews geben, wo wir vier einfach alle dasitzen und Unsinn machen. Tua ist ja heute nicht mit dabei, deshalb sind wir ein bisschen ernster.

 

rap.de: Wobei TUA ja wiederum die ernsthaftesten Texte macht. Und trotzdem ist er das Element, das euch dazu veranlasst, durchzudrehen?

Maeckes: Alle vier müssen auf einem Haufen sitzen, das ist glaube ich das Element. Wenn man mit uns im Tourbus unterwegs ist endet alles im Absurden. Ich glaube zu dritt kriegen wir das auch ganz gut hin, aber sobald die Orsons komplett sind, wird die Welt umgedreht.

rap.de: Ihr hattet ja nach dem ersten Album nicht unbedingt eine Fortsetzung geplant. Warum gibt es die jetzt doch?

Plan B: Also, dass es nicht geplant war, wussten wir auch nicht sicher. Wir haben gesagt, wir setzen uns ja auch gerne noch mal zu viert ins Studio, weil es einfach unfassbar lustig war. Bei dem ersten Album haben wir uns einfach gesagt: "Mal gucken, was nach vier Tagen passiert“ und da hatten wir dann einfach schon das komplette Album fertig. Wir haben nichts weggeworfen. Aus jeder Idee, die wir hatten, ist im Endeffekt ein Track geworden.
Jetzt wollten wir das mal ein bisschen anders machen und saßen wirklich einen Monat lang in der Wohnung von Vasee und haben uns auch mal getraut, Sachen nicht zu nehmen.

Maeckes: Das war dann ein komplett neuer Alltag. Um Zwei aufstehen, den letzten Dreck, der noch von irgendwo übrig geblieben ist zusammen suchen, um zu frühstücken, sich irgendwelche neuen Videos angucken und anderes komisches Zeug machen und dann eben irgendwann Musik machen.

KAAS: Wir wollten auch LSD nehmen, haben uns aber nicht getraut.

Plan B: Wir haben dafür aber mal zusammen gekifft. (Gelächter) Wir sind sehr seltene Kiffer, das war so quasi der LSD Ersatz.

rap.de: Gab es einen Track, der komplett auf Marihuana entstanden ist?

KAAS: Ich glaube, nur ein Beat. So ein komisches Westcoast-Teil. Wir saßen im Flur und haben uns so komische Making-Of Videos von Metallica und Kate Bush angeschaut. Wir haben die ganze Zeit gekichert und hatten rote Augen. Wie so 13-Jährige, die das erste Mal gekifft haben. Ich hatte den schlimmsten Lachanfall meines Lebens, als ich dann rüber ins Studio bin und Tua gesehen habe, wie er so da saß und ganz ernst diesen Westcoast-Beat gemacht hat. (lacht laut)

rap.de: Was hättet ihr denn erwartet von so einem LSD-Experiment?

Maeckes: Dass die Orsons alle gestorben wären. Das hätte ich mir erhofft!

KAAS: Also, ich würde das echt wahnsinnig gerne ausprobieren. Wenn mich eine Droge echt fasziniert, dann LSD. Aber ich habe da auch Angst vor, weil man immer so Horror-Geschichten hört.
Das würde auch ganz gut in diesem Beatles-Zusammenhang passen. Die Leute sagen ja immer: "Ihr seid die neues Beatles.“
Hast du unser Cover gesehen, das ist ja auch so eine Beatles-Hommage!

rap.de: Es gibt ja auch einen Song auf dem Album, der sich konkret an die Beatles richtet. Warum ausgerechnet die?

Maeckes: (trocken) Weil die auch zu viert waren.

 

KAAS: Ich mag die Beatles eigentlich nicht, aber dann habe ich ein paar Songs von denen gehört, die ich schon ganz gut fand. Und den "Yellow-Submarine"-Film habe ich auch geguckt und der hat mir halt auch gut gefallen. Sowas wie "All you need is love“ und wie das in dem Film eingebunden ist. Wenn es den Film noch nicht gegeben hätte, dann hätte ich ihn gerne gemacht!

rap.de: Wie haben sich denn die Themen auf diesem Album entwickelt? Beim ersten Album habt ihr ja noch mehr dieses Orsons-Ding durchgezogen und euch erstmal selber definiert. Das ist jetzt anders?

Maeckes: Ja, ich finde das aber auch gut. Wir haben ein ganzes Album darüber gesprochen, warum sollten wir jetzt noch ein ganzes Album darüber reden!?

KAAS: Da gab es bei uns am Anfang auch lange Diskussionen drüber. Plan B und ich waren immer die größten Verfechter davon, das Album einfach so zu machen, wie das erste, nur besser ausproduziert und mit mehr Zeit! Ich wollte, dass wir alles zulassen, auf alles scheißen und uns dann später nochmal dran setzen und alles glatt bügeln!

Plan B: Du hast ja auch gerade gesagt, wir wären auf dem ersten Album Clowns gewesen. Und ich hatte halt auch weiterhin Lust dazu, ein Clown zu bleiben. Für mich bestand das Orsons-Prinzip darin, Bibi Blocksberg-Kassettentiel zu nehmen und da überall "Orsons“ rein zu setzen! "Die Orsons im Geisterschloss", "die Orsons als Babysitter" und "die Orsons und das Dinoei".

(irgendjemand stöhnt auf)

KAAS: Aber die anderen wollten das ein bisschen ernster.

Maeckes: Ich will das ja nicht unbedingt ernster, ich will nur nichts mit Babysittern und Dinoeiern.

rap.de: Warum wolltest du das nicht?

Maeckes: Das erste Album war wirklich super, ein Super-Zeichen, einfach Bamm! Aber ich kann es mir nicht anhören. Das war ganz schnell richtig "Uaargh“. Das konnte ich mir einfach nicht mehr geben.

rap.de: Das war also Moment-Musik?

Maeckes: Ja, das war ganz genauso. Wir waren halt vier Tage im Studio und haben das alles total abgefeiert. Naja, und als diese vier Tage vorbei waren, da fing es dann schon an, auseinander zu gehen. Und wieso nicht darüber Songs machen und das mitnehmen? Und letztendlich haben ich und TUA den längeren Atem gehabt.

rap.de: Warum habt Ihr Euch durchsetzen können?

Maeckes: TUA ist körperlich stärker als die beiden zusammen und ich bin ekelhafter und kann mich festbeißen!

KAAS: Wir hatten relativ früh Songs zusammen, die in eine etwas ernstere Richtung gingen. Ich wollte aber auch andere Lieder machen und dachte, dass das in der Mischung funktionieren könnte. Aber die anderen waren halt total dagegen. Was ich auch wichtig fand, war, das Ego aufzulösen. Also nicht mehr "Ich bin KAAS und mache dies und das“, sondern alles innerhalb der Orsons. Zum Beispiel, dass einer einen Song schreibt und alle übernehmen dann einen Part davon.

Maeckes: Wir hatten ja auch keine Regeln. Wir haben nicht gesagt: „Ab jetzt machen wir ein ernstes Album!“ Wir haben einfach nur gesagt: "Ab jetzt machen wir die Beats, schreiben Texte, machen Songs!“ Und bei uns sind TUA und Ich nun mal die Produktivsten, wir haben uns halt gleich hingesetzt und Songs geschrieben. Und das ist natürlich auch ein Survival of the Fittest, bei dem wir gleich schon in eine bestimmte Richtung los gesprintet sind.

 

rap.de: Es gibt also auch Lieder, die komplett von einer Person geschrieben wurden, aber alle vier rappen dazu?

Plan B: Ja richtig!

rap.de: Ungewöhnlich! Wie fühlt sich das an, einen komplett fremden Text zu rappen?

Maeckes: Also ich finde das cool. Das habe ich ja schon immer so gemacht. Ich habe bis jetzt noch nie einen eigenen Song geschrieben! (lacht laut)

KAAS: Ich finde es cool. Wenn jemand einen schönen Song geschrieben hat, dann macht man das. So was gab es bisher auch nicht in einer Rapcrew, soweit ich weiß.

Plan B: Ich fand es am Anfang schwer. Aber im Song funktioniert es dann ganz gut.

Maeckes: Außerdem ist es schwer bei den Orsons. Wenn wir sagen, wir schreiben alle was, dann hat der eine einen Text übers Parkettbodenverlegen, der andere einen über Raumschiffe, die irgendwas angreifen, der dritte hat einen Battlepart und der vierte macht was über die blauen Augen eines Mannes. Na gut, in dem Beispiel wäre es ein super Song geworden (lacht)…aber ganz oft bröckelt es halt komplett auseinander und man kann dann halt nix mehr mit machen.
Das klingt dann wie hingeschissen, zusammen gewürfelt und irgendwas drüber gestülpt, damit es irgendwie funktioniert. Deswegen war das Prinzip dann teilweise so, dass einer eine Songidee hatte und den Text dazu geschrieben hat. Ich finde die Tracks, die da drauf sind echt super, auch für die Orsons. TUA hat "Belanglos“ komplett geschrieben und das "Kim Kwang Suk“-Ding kam aus meiner Feder uns wurde dann aufgeteilt.

rap.de: Wie bist du auf diese Idee gekommen, ein Lied über einen Koreanischen Sänger zu machen?

Maeckes: Ich habe das aus versehen geyoutubet und bin auf diesen Typen gestoßen. Das war alles auf Koreanisch, außer die Textkommentare, die waren auf Englisch und waren so total Legendenmäßig. Aha, dachte ich, ein Koreaner, der traurige Musik macht und sich umgebracht hat. Also habe ich mir mehr Videos angeguckt. So soll er sich der Legende nach, direkt nach seinem tausendsten Konzert umgebracht haben. Dann fand ich es eine schöne Geschichte, darüber kein trauriges, sondern ein fröhliches Lied zu machen.

rap.de: Was findet thematisch so in den anderen Songs statt? Wie würdet Ihr das eingrenzen?

KAAS: Ich mach was ich will! Orsons Anarchie halt, so heißt ja auch ein Lied. Die Pflicht ruft, aber ich höre nicht darauf. Zudem würde ich sagen, dass alles sehr positiv ist und doch sehr unernst ist, auch wenn es ein anderes Gefühl gibt.

rap.de: Bei diesem Song “Nie wieder Schule“ haben doch aber auch Eure Fans mitgeschrieben?

KAAS: Ja, die Orsons wollen die Leute inspirieren, selbst was zu schaffen und Musik zu hören. Das war halt die Spitze. Nach dem Motto: "Schreibt etwas für unseren Song, werdet kreativ, schreibt uns eure schönsten Momente“. Und das, was uns die Leute da geschrieben haben, das haben wir im Song verwendet. Kurze knackige Sätze. 

rap.de: Seid ihr zufrieden mit dem Publikum, mit den Leuten, die ihr trefft auf den Konzerten?

KAAS: Das sind alles ganz friedfertige Leute.

Plan B: Alle ganz toll alle ganz nett und wenn die erst mal 18 sind, dann….(Gelächter bricht aus)

rap.de (zu KAAS): Wie wirkt es, wenn du auf dem splash! die Leute dazu aufrufst, sie sollen sich angucken und umarmen und sie machen es dann auch. Widerwillig zwar, aber sie tuns. Wie ist das für Dich, wenn du merkst, dass es funktioniert?

KAAS: Das ist wunderschön. Da waren ja auch ganz viele, die wussten, worauf sie sich einlassen. Schwierig ist es ja, wenn das ein gemischtes Publikum ist. Wenn danach Vega, sagen wir mal, auftritt, dann ist es komplizierter, wenn man so was macht, glaube ich. Aber wenn es wirklich KAAS-Publikum ist, dann ist es das Schönste. Dann fühlt man die Liebe, ganz ehrlich. Ich fühl mich dann gehypt und glücklich und zuversichtlich, dass ich mit meiner Musik etwas Positives auslösen kann.

rap.de: Erschöpft sich das jetzt in der allgemeinen Formulierung der Liebe oder willst du was ganz Konkretes erreichen?

KAAS: Konkret will ich erreichen, dass die Leute positiver auf ihr Leben blicken, egal in was für einer Situation sie sind. Dass sie glücklicher, weicher, gefühlvoller werden.
Ich will eigentlich auch, dass man mehr weint, wenn traurige Sachen passieren, und das nicht einfach nur so abtut. Wir haben einen Track für das Album gemacht, der nicht genommen wurde. Er hieß "Das Land Der Tränen“ und ich habe die Hook gemacht und einen Part geschrieben. Er ging (Gelächter): "Wie fühlt es sich an, jemanden zu trösten, wenn er weint? Man kommt sich ungeschickt vor, es tut einem leid.“ und dann kommt irgendwie "Du musst mehr weinen, nur so kann die Wunde wieder heilen“. Mich hat es zum Weinen gebracht, diesen Part einzurappen. Ich habe quasi weinend gerappt und Maeckes hat die ganze Zeit nur gelacht.

Maeckes (lacht): Vor Fremdscham! Ich fand die Idee wunderbar und habe auch einen Part gemacht, den ich versucht habe lachend aufzunehmen, aber mein und sein Part waren wirklich schlimmste Fremdscham. Ich konnte das wirklich nicht hören.

 

rap.de: Wie schmal ist da der Grat, nicht ins Peinliche abzustürzen?

Maeckes: Dass das Orsons Album da relativ knapp an der Grenze liegt, war ja von vornherein klar. Wir tänzeln so quasi auf der Grenze entlang.

KAAS: Aber mir war das schon ernst mit dem Weinen. Ich glaube, ich bin erst durch diese Amok-Geschichte darauf gekommen, wie apathisch man eigentlich gegenüber solchen Sachen ist und wollte deshalb auch den Song machen.
Ich habe das Gefühl, dass es die Leute nicht juckt, wenn so was passiert. Durch diesen Amoklauf, der mich dann auch irgendwie betroffen hat, war ich zum ersten Mal drin in so einer Tragödie. Als ich Wochen und Monate später in den Nachrichten andere Tragödien gesehen habe, konnte ich mich viel mehr in diese Leute reinversetzen und mir war viel bewusster, was da gerade Unfassbares passiert ist und wie viele Menschen deswegen leiden. Vorher hat man das halt als pure Nachricht abgetan. Eigentlich passieren so viele unfassbar schlimme Sachen, dass man die ganze Zeit weinen müsste.

rap.de: Man könnte aber auch sagen, dadurch, dass wir durch Sachen wie Youtube von Koreanischen Sängern wissen, die sich nach ihrem tausendsten Konzert umbringen, kriegen wir viel mehr mit. Das hätten wir früher nicht gewusst. Da wären die Tragödien wirklich in unserem Umfeld passiert und dann hätten wir da auch ein viel stärkeres Mitgefühl gehabt.
Dadurch, dass wir in einer Informationsgesellschaft leben, sind wir mit Nachrichten ja so zugeflutet, dass wir das alles gar nicht nachvollziehen können. Du kannst also gar nicht die ganze Zeit weinen, sonst wird das auch irgendwann nur noch zur sinnentleerten Pose.

KAAS: Ich will ja mit meiner Musik auch nicht erreichen, dass die Leute die ganze Zeit weinen. Ich will sie sensibler und dankbarer machen für die schönen Sachen, die passieren. Jetzt merke ich gerade, was das für ein Riesenwiderspruch ist. Nicht nur auf das Negative gucken und auch die schönen Dinge zu schätzen wissen, aber gleichzeitig die ganze Zeit zu weinen! (lautes Gelächter)

Maeckes: An dieser Stelle wurde KAAS abgeholt und in die Irrenanstalt eingewiesen.

rap.de: Eigentlich ist mittlerweile jeder von Euch auch für sich alleine erfolgreich. Ist so ein Orsons-Projekt dann entspannend?

Maeckes: Wenn wir vier zusammen sind, machen wir vor allem immer erst mal irrsinnig viel Quatsch und keine Musik. Dann kommt das Musikmachen, was auf jeden Fall auch noch entspannter ist als sonst. Sonst ist das voll der Horror. Man muss Formen erfüllen und Abgabetermine einhalten und damit können die Orsons nichts anfangen.

rap.de: (Zu Maeckes und Plan B) Wie geht’s eigentlich bei euch beiden weiter?

Plan B: Im Moment arbeiten ich und Maeckes wieder an einem Theaterstück in Ludwigsburg, aber wir kommen leider zu nichts, deswegen wird das wahrscheinlich eher bruchstückhaft. Ende Oktober ist die Premiere und wir haben… äh noch nicht so wirklich viel.
aber das ist nur ein Zweig. Jeder von uns macht jetzt erstmal ein Soloalbum. Maeckes hat seines schon so gut wie fertig. Ich schreibe gerade eins. Das sind so die Projekte für das nächste Jahr.

Maeckes: Wir fahren halt Rap-technisch unsere eigene Schiene. Ich fand auch, dass bei "Maeckes und Plan B“-Sachen, die verschiedenen Parts sehr durcheinander gewürfelt klangen. Auf der Bühne sind wir wie ein Mensch, eine Einheit, aber unsere Musik hat leider keinen roten Faden gehabt. Es gab nie den "Maeckes und Plan B.“-Sound. Deswegen toben wir uns jetzt musikalisch auf Solopfaden aus. Aber das Bühnen-Programm wird es weiterhin geben, nur in einer anderen Form.

 

rap.de: Wie ist Deine musikalische Vision?

Maeckes: Ich werde meine EP-Geschichte machen, als Free Download, aber erst wenn meine MySpace-Freunde bei Null sind.

rap.de: Hä?

Maeckes: Ich hatte 7.000 MySpace-Freunde und lösche die jetzt nach und nach. Und das Release-Date ist, wenn ich keine Freunde mehr bei MySpace habe. Deshalb heißt es auch "Null“.

rap.de: Und Du löscht die selber?
 


 
Maeckes: Die ersten habe ich selber gelöscht. Da gingen auch Aufrufe durch Foren, und dann ging es Schlag auf Schlag. Aber irgendwann musste ich nachhelfen, weil die Leute sich nicht mehr getraut haben und mit mir befreundet bleiben wollten. Und jetzt sind es gerade 60, oder so? Und bald habe ich keine Freunde mehr und dann schmeiß ich das Ding raus.

rap.de: Und warum löschst Du jetzt die letzten 60 nicht einfach selbst?

Maeckes: Ja, bei 272 Freunden habe ich auch gesagt: "Ich lösche solange niemanden mehr, bis sich jemand selber löscht, sonst macht es keinen Spaß mehr!“ Und dann hat sich jemand Märtyrer-mäßig geopfert, und dann ging’s weiter.

rap.de: (Zu Plan B) Und Deins?

Plan B: Hmmm, ich weiß noch nicht. Eher was politisches…

(Aus dem Hintergrund): So wie Rio Reiser…Mit Deinem echten Namen!

rap.de: Dennis Lisk feat. Bartek

Plan B: Hmmjnnaaa. Ende des Jahres weiß ich es.

rap.de: Was mir aber aufgefallen ist, bei dem KAAS-Song "Oma auf der Schaukel“, ist das ein neues Prinzip von Euch, möglichst genau Situationen zu beschreiben? Wenn ich ein Bild dafür suchen müsste, würde ich eine Kristallkugel mit einer Miniatur-Welt wählen!

KAAS: Also, ich lese sowas am liebsten und ich höre sowas in Raptexten sehr gerne, so detaillierte, schöne Beschreibungen. Ich fühle mich als Storyteller auch am wohlsten. Wie bei Jay-Z: “Left hand on the bible, right hand in the air, before i say word, make sure my throat is clear.” Das ist, was ich am liebsten mache.

Maeckes: Vielleicht liegt es auch an dem Kristallkugel-Prinzip, jetzt können wir es ja so nennen, das wir auf "Orson Anarchie“ angewendete haben. Da haben wir detailgenau beschrieben, wie sich Aliens in den Planeten Erde verlieben und dann auch mit ihm bumsen wollen. Und das über 12 oder 8 Zeilen.
 

rap.de: Ihr habt ein Telefon eingerichtet, auf dem man Euch Tag und Nacht anrufen kann. Gab es bei diesem O-Phone auch so richtig interessante Sachen? Zum Beispiel kleine Mädchen, die anrufen und sagen, dass es ihnen gerade ganz, ganz schlecht geht und Ihr konntet ihr das Leben retten.

KAAS: Ich denke mir eher, dass es da so geile Fan-Momente für die Leute gibt, die gerade anrufen. Wenn das so richtige Orsons-Fans sind und genau dann anrufen, wenn wir den Soulja Boy Song zum ersten Mal proben. Maeckes spielt an der Gitarre, wir gucken, wie wir das alles arrangieren wollen, und dann ruft der an und wir spielen ihm das vor. Er war der Erste, der das gehört hat und er war total überwältigt.

rap.de: Wie seid Ihr auf die Idee mit dem Soulja Boy Song gekommen?

Maeckes: Wir waren wegen dieser Theatergeschichte unterwegs und KAAS war auch dabei. Der hat den Originalsong mitgebracht und wir haben den wirklich tot gehatet. Nach drei oder vier Tagen ist er dann aber zu unserer Tourhymne geworden und weil wir vor den Auftritten so viel Zeit totzuschlagen hatten, haben wir das dann einfach mit der Gitarre im Backstage als Ballade für uns wiedergegeben. Das wurde dann zu einem richtigen Ritual, was sich so über ein Dreivierteljahr hingezogen hat. Irgendwann haben wir uns gedacht, dass das eigentlich echt ne gute Geschichte ist und babam, History in the making.
Wir fanden das erst so dissmäßig lustig, bis wir irgendwann fanden, dass das so klingt, als würde so ein kleines, zugekokstes und gebrainwashtes Soldatenkind morgens aufstehen und versuchen, sich zu motivieren für einen weiteren Tag als Kindersoldat. Das fanden wir dann richtig krass. Wir hatten überlegt, ob wir die Lyrics umschreiben, aber es ist eigentlich besser, wenn man dem Ursprünglichen was Neues überstülpt und das dann auch so funktioniert. Jeder Satz funktioniert dann in dem neuen Kontext.
"What the fuck is the Orsons? Soulja Boy, why did you post that?“ (lacht) Wir hatten 35.000 Klicks nach zwei Tagen und bestimmt hundert Textkommentare. "The Orsons? I love it! I think they’re going to be great stars…

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