Kid Cudi

Kid Cudi ist DER Aufsteiger und Youngstar des Jahres 2009. Mit seinem Hit "Day N Nite" stürmte er die Charts wie kaum ein anderer Rapper und reiht sich damit in eine Riege von Musikern ein, die eine vollkommen neue Generation von HipHop repräsentieren. Bei dem ganzen Mix aus Elektro und Rock, stellten wir ihm die Frage, wo die Grenze von Rap und HipHop und wo die Zukunft des Rap überhaupt liegt. Auch mit Gerüchten über einen erneuten Rücktritt räumten wir auf. Wir trafen einen jungen, euphorischen Künstler, der mit aller Kraft versucht, sich gegen den böswilligen Druck der Presse zu wehren und auf dem Boden den Tatsachen zu bleiben. Wir haben aber trotzdem versucht, ihn mit aller Kraft auf den Boden zu drücken.



rap.de: Jeder hier in Deutschland kennt Dich wegen Deiner Hitsingle "Day N Nite." Was war davor? Wie hat deine Karriere begonnen?

Kid Cudi: Ich habe mit Dr. Genius zusammen gearbeitet und irgendwie versucht einen neuen Sound zu kreieren. Ich hab ziemlich im Underground gewirkt. Ich hab schon Sachen aufgenommen aber dann kam "Day N Nite" raus und ja…. so hat es angefangen.

rap.de: Als es rauskam, hast Du da jemals mit so einem Erfolg gerechnet?

Kid Cudi: Ich habe schon irgendwie etwas gefühlt. Ich wusste zwar nicht, wie schnell das alles gehen würde und wie das alles passieren würde, aber ich wusste, dass es eine Riesenplatte ist und das es auf die eins gehen würde, in irgendeinem Land. Ich wusste zwar nicht welches Land, ich wusste nur, dass es groß werden würde. Wie soll ich sagen, ich hatte es einfach im Gefühl und es hat ja auch hingehauen.

rap.de: Du kommst ja aus Cleveland und bist dann nach New York gezogen. War das ein wichtiger Schritt für Dich?

Kid Cudi: Ja, definitiv. Ich meine, als ich nach New York gegangen bin, bin ich zu einem Mann herangewachsen. Ich habe das Leben  auf einem ganz anderen Level wahrgenommen. Ich  habe Erfahrungen gemacht, die ich zu Hause bei meiner Mutter nie gemacht hätte. Auf sich allein gestellt zu sein, seinen eigenen Weg zu gehen, das wurde mein “Gangster“ definitiv getestet. (lacht)

rap.de: Kommt es Dir manchmal irreal vor, wie schnell deine Kariere so verlaufen ist? Immerhin machst Du ja erst seit ungefähr zwei Jahren Musik, die in der Öffentlichkeit irgendwie bekannt ist?

Kid Cudi: Es kommt mir nicht allzu unglaublich vor, weil ich genau weiß, was ich durchmachen musste, um an diesem Punkt anzukommen, das wissen viele Leute nicht. Aber es ist alles gut. Ich weiß, wonach ich greifen muss und was ich machen muss. Es ist schon komisch, wenn ich manchmal daran zurückdenke, was ich alles durchmachen musste, aber es kommen halt auch bessere Zeiten. Ich denke mir dann: “Okay wir sind jetzt hier angekommen und ziehen es durch. Die Leute können sich identifizieren mit meiner Geschichte" und das ist mir wichtiger als alles andere.

rap.de: Wenn Du sagst, dass Du kämpfen musstest und etwas durchstehen musstest, hat das dann auch etwas damit zu tun, dass Du Dich vor einen halben Jahr noch vom Biz verabschieden wolltest?

Kid Cudi: Es ging um dieses Berühmtsein und diesen Fame-Lifestyle. Ich habe 25 Jahre damit verbracht, eine ganz normale Person zu sein und das hat sich total geändert. Wie du ja schon gesagt hast, ich komme aus Cleveland/Ohio, aus einer kleinen, bescheidenen Stadt im Mittleren Westen. Es ist alles so anders für mich, aber ich habe gelernt, mich damit zu arrangieren. Ich habe so viele kreative, musikalische Ideen am Start, es geht mir also gut und ich werde noch eine Weile Musik machen.

rap.de: Du bist ja dann quasi von deinem Rücktritt zurückgetreten, in diesem Zusammenhang sprachst von dem sogenannten Spider-Man-Effekt. Was meintest Du damit?

Kid Cudi: (lacht) Das war metaphorisch gesprochen, um die Zeit damals zu beschreiben. Obwohl  ich als Kid Cudi einen guten Job machte, zerbröckelte mein persönliches Leben. Bei Spider-Man war es auch so. Als er ein Held wurde, hat er sein Mädchen verloren und sein Privatleben. Ich habe das jetzt total geändert. Ich bin jetzt umgeben von meinen Leuten und versuche, mein Zuhause so nah wie möglich bei mir zu halten.

rap.de: Du bist zur Uni gegangen und hast dein Studium für die Musik abgebrochen. Hast Du das jemals bereut?

Kid Cudi: Ich bin ein Jahr aufs College gegangen, wollte aber eigentlich schon nach einem halben Jahr so schnell wie möglich wieder raus. Aber trotzdem habe ich dann ein Jahr fertig gemacht, auch um meine Mutter glücklich zu machen. Naja, jetzt war ich wenigsten ein Jahr auf dem College. (grinst) Aber das war es dann auch. Ich war weg und wollte nur noch Musik machen.

rap.de: Als Du damals aufhören wolltest mit dem Musikmachen, hast Du gesagt, dass das auch daran liegt, dass Du unter Druck stündest, weil die Presse Mist über Dich erzählt. Glaubst Du, Du kannst mit dem wachsenden Druck, der jetzt mit dem Release Deines neuen Albums entsteht, besser umgehen?

Kid Cudi: Ich denke schon, dass ich jetzt auf einem Level bin, wo meine Haut etwas dicker geworden ist. Ich habe verstanden, dass dich eben nicht Jeder lieben kann. Auch die Großen, Jay-Z, Michael Jackson, Madonna oder Prince, die kriegen irgendwann einmal alle was reingedrückt und erfahren eine Art Hass, und das viel schlimmer als andere Leute. Diese Leute müssen Scheiße erleben, mit der ich nie und nimmer zu tun haben werde.  Bei diesen Leuten gibt es Magazine, die sich ganze Geschichten über sie ausdenken und ihnen einen Charakter andichten, den sie gar nicht haben und dann wachen sie auf und sehen das. Da habe ich es echt leichter, und das versuche ich auch so zu sehen. Ich schaue vorwärts und ich weiß, ich mache das Richtige mit meiner Musik und die Leute wissen es zu schätzen.

rap.de: Würdest Du Deine eigene Musik als echten HipHop bezeichnen?

Kid Cudi: Ja klar, weil im HipHop geht es darum, dich selbst auszudrücken und eine Geschichte zu erzählen und ich denke genau das mache ich!

rap.de: Viele Leute denken bei Hip Hop ja an die Golden-Era-Zeit und wollen dann auch HipHop wie er in dieser Zeit gemacht wurde. Magst Du denn die älteren Sachen mehr, als das aktuelle Zeug
?

Kid Cudi: Im Leben geht es um Evolution! Du hörst Musik ja nicht mehr auf Tapes oder spielst noch Nintendo. Weißt du, was ich meine? Man kann auch nicht für immer auf Reifen fahren. Irgendwann wird das halt anders laufen. [Anm. d. Übersetzers: AHA!]
Dann wird es aber bestimmt wieder Leute einen geben, die sagen (verstellt seine Stimme): “Hey ich will aber Reifen, das Ding brauch´ Reifen, so wie früher!“ Nein! Die Dinge müssen sich entwickeln und ändern. Und das ist, was Musik macht.

rap.de: Wenn Nas aber sagt, dass HipHop tot ist….

Kid Cudi: …das war vor fünf Jahren! Und ich habe Nas getroffen, er unterstützt mich sehr, in dem was ich tue. (lacht)

rap.de: Denkst Du, es ist wichtig, Hip Hop zu reanimieren, indem man es mit anderen Musikrichtungen mixt, so wie Elektro?

Kid Cudi: Ja das sieht man doch jetzt. Die Leute sind allgemein müde davon, immer in dieselbe Schublade gesteckt zu werden. Es gibt Leute, die reinen HipHop machen. Q-Tip zum Beispiel, der ist Hip Hopper im wahrsten Sinne des Wortes, der macht HipHop in seiner wahren Essenz und da ist ja auch nichts Schlimmes dabei. [Anm. d. Übersetzers: Und was ist mit Chemical Brothers feat. Q-Tip???] Sowohl Consequence als auch Q-Tip unterstützen mich. Dann hat man Leute, die halt neue Sachen machen wollen und da ist auch nichts Schlimmes dabei. Wenn man die Dinge in ihrer Gesamtheit betrachtet, dann kann eben nicht alles gleich klingen. Es muss also ein paar große Denker da draußen geben und Leute, die etwas ändern wollen.

rap.de: Kannst Du HipHop retten, indem Du ihn mit anderen Styles mischt?

Kid Cudi: Ich denke HipHop ist schon gerettet. Es kommt so viel gutes Zeug gerade raus. Es wurden gute Alben veröffentlicht. Ich meine da gibt es mich, The Cool Kids, Wale, Drake, Bobby Ray und Asher Roth. Wir alle versuchen, eine neue Bewegung aufzubauen mit dem Sprachrohr, das wir haben und für die Generation, für die wir sprechen.

rap.de: Ist es hart für Oldscool Rapper, die neuen Einflüsse im HipHop zu akzeptieren?

Kid Cudi: Nein, das denke ich nicht. Ihre Kinder sind ja Fans und ich wurde ja teilweise herzlich von den besten Vertretern der Oldschool aufgenommen. Snoop Doggs ältester Sohn ist ein Fan von mir, das hat er mir gesagt und dass er in dessen Auto "Day N Nite" gehört hat und seitdem auch selber ein Fan ist.
Tiana Wallace,
Biggys Tochter, auf ihrer Sweet16 Party habe ich erst vor kurzem performt. Sie ist ein Fan von mir, ich meine, ich bin ihr Lieblingskünstler. Sie hat gesagt, dass wenn ihr Vater noch am Leben wäre, dann wäre auch der ein Fan von mir. Es ist schon eine Ehre, so einen Scheiß zu hören. Das haut mich zwar erst um, aber lässt mich eben auch das machen, was ich mache.

rap.de: Wenn wir über Oldscool Artists sprechen. Wer waren die Künstler, die Dich beeinflusst haben?

Kid Cudi: Run DMC, Snoop Dogg. Wenn du den so siehst früher, in Interviews mit Dre, da war er so schüchtern und jetzt fühlt er sich so wohl in seiner Rolle. Das ist ein Vorbild, weil er auch schon so lange dabei ist. Außerdem noch LL, A Tribe Called Quest, The Pharcyde, UGK. 

rap.de: Bist Du ein HipHop Head? Verfolgst Du die Karrieren und Veröffentlichungen anderer Rapper?

Kid Cudi: Ich würde mich Musik Head nennen. Nicht nur HipHop. Ich kaufe Musik nicht nur, sondern ich verdaue sie richtig und denke darüber nach. Ich glaube, dass hat mir dabei geholfen gute Musik zu machen. Da ich weiß, was ich will, als Konsument, weiß ich auch, was die Leute von mir hören wollen. Es muss schon was an dir dran sein, sonst kauft man deine Musik nicht.
Du kannst einen tollen Song haben, aber wenn ich mich nicht mit dir verbinde, oder ich nicht spüre, dass du eine gute Person im Geist bist, dann kauf ich auch nicht dein Album. Es war am Anfang schwer für mich, die Leute wissen zu lassen, welche Art von Herz ich habe. Deswegen packe ich auch so viel persönlichen Scheiß in meine Tracks.

rap.de: Gibt es irgendeine Line von einem Künstler, die Dich richtig berührt hat?

Kid Cudi: Ja, Kanye hat einen Menge Lines, die jeden irgendwie beim Hören berühren. Kanyes Lines, mehr als bei jedem andern Künstler, berühren mich am meisten.

rap.de: Ist Kanye ein Vorbild für Dich?

Kid Cudi: Oh Mann, er ist das Vorbild einer gesamten Generation. Ob die Leute es nun glauben oder nicht, Vorbild Nummer Eins dieser Generation ist Kanye, das muss er sein.

rap.de: Wo ist der Unterscheid zwischen Deinem neuen Album und den Sachen, die Du davor gemacht hast?

Kid Cudi: Es ist irgendwie so, wenn die Mixtapes eine TV-Sendung sind, dann ist das Album der komplette Film. Wir hatten viel mehr Ressourcen zur Verfügung und haben der Kreativität freien Lauf gelassen. Wir haben das Ganze einfach auf ein anderes Level gebracht. Ich habe Leute am Start, die ich sehr verehre. Als würde man eine große Fantasie umsetzten. Ich hoffe einfach die Leute können sich damit verbinden.

rap.de: Dann wünschen wir alles gute dabei und bedanken uns für dieses Gespräch!

 
 

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