Trooper Da Don

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Im Stern gibt es die Kategorie "Was macht eigentlich…?", wo ehemals ziemlich medienpräsente Sternchen, Politiker und andere Menschen, die man irgendwoher kennt, aus dem Tal des Vergessens ausgegraben und nach ihrem karrieretechnischen Status Quo befragt werden. Das finden wir eine ausgezeichnete Idee und möchten das in Zukunft ein bisschen übernehmen. Anfangen wollen wir hierbei mit Trooper Da Don, den Meisten von Euch wohl durch die Zusammenarbeit mit DJ Tomekk und Lil Kim (das kontroverse Biggie-Cover "Kimnotyze") oder der DSDS-Teilnehmerin Vanessa S. ("Ride Or Die) bekannt. Trooper wohnt aktuell in Kreuzberg und genau da haben wir ihn auch besucht. Herausgekommen ist hierbei ein durchaus interessantes Gespräch über die Tücken des Games, böse Majorlabel-Chefs und die Frage, wer eigentlich daran schuld ist, wenn man in der Öffentlichkeit falsch wahrgenommen wird. Die Hörer oder doch man selbst?

rap.de: Dieser Interviewtermin hat sich daraus ergeben, dass ich mich despektierlich über deine Arbeit in einer News geäußert habe, bei der ich dich in die Kategorie “Euro-Rapper“ eng verwandt mit Eurotrash, gesteckt habe. Macht es dich wütend zu hören, dass du so kategorisiert wirst?

Trooper Da Don: Ja, weil im HipHop geht es ja in erster Linie auch um Respekt und ich bin der Meinung, dass ich einen gewissen Grad an Respekt einfach verlangen kann, weil die meisten Leute gar nicht wissen, wie lange ich schon dabei bin und mit was für Leuten ich alles schon zusammengearbeitet habe und was ich alles schon erreicht habe. Deshalb habe ich mich dann auch bei dir gemeldet und jetzt sitzen wir hier und reden wie erwachsene Menschen miteinander und das finde ich sehr, sehr gut.

rap.de: Jetzt hast Du es ja eben schon angesprochen, dass viele NICHT WISSEN, was du alles schon gemacht hat. Warum wissen den so viele nicht Bescheid? Das Problem ist ja, dass Dich die Öffentlichkeit als Eurorapper abtut, ich inklusive, weil man nichts anderes von dir gesehen hat.

Trooper Da Don: Was hast du denn von mir gesehen?

rap.de: Ich kenne dich nur in diesen Kollabos mit DJ Tomekk.

Trooper Da Don: Okay und das ist dann für dich Europatrash? 

rap.de: Ja, das war schon sehr poppig. Der war schon ziemlich kalkuliert angelegt.

Trooper Da Don: Okay, das lassen wir mal jetzt so stehen. Ich will mal ein paar Jahre zurückgehen und das ganze chronologisch aufarbeiten. Ich komme aus Karlsruhe, da hatte ich auch meinen ersten Kontakt zu Hip Hop. Da hab ich Hip Hop zum ersten Mal im Fernsehen erlebt, in Form der Rocksteady Crew, die bei “Wetten Dass“ auftrat. Das war die Initialzündung. Als ich das gesehen habe, wusste ich, das will ich machen.

Ich bin ´73er Jahrgang und 1984, mit “Bravo Breakdance Sensation ’84“, hat mich diese Welle, um es jetzt mit Worten von Torch oder Cora E. zu sagen, diese Welle hat mich dann auch erfasst.

Ich hab jetzt absichtlich diese zwei Namen genannt, weil diese beiden ein Jahr später eine ganz wichtige Rolle gespielt haben. Ich hab damals mit meinem Monoradio an der Sparkasse für einen Groschen gebreakt, also ein richtig klassischer Einstieg. Dann hab ich die ersten Jungs gefunden, die irgendwie ähnlich gesinnt waren. Wir haben eine kleine Crew gegründet und Graffiti gemacht. Wir waren die “Cosmo Peace Crew“, die war auch schon ein bisschen größer, weil da waren dann schon Writer und Breaker dabei. Wir haben uns dann zusammen gesetzt und unsere Kompaktanlagen geschrottet, indem wir den Phonoaudioschalter als Kippschalter missbraucht haben. Lange Rede kurzer Sinn, wir haben mit den billigsten Mitteln Hip Hop für uns entdeckt. Richtig oldschool hat man sich alles zusammen gesucht, jeden Schnipsel Hip Hop aus der Bravo ausgeschnitten und in sein Hip Hop Heft geklebt.

Die erste Hip Hop Jam 1986, die hieß Hip Hop Olympiade, in München, da hab ich dann auch zum ersten mal Advanced Chemistry auf der Bühne gesehen. Torch wie er sauer war, weil sie ihm den Saft abgedreht haben und wie er das Mikrofon zertreten hat und ich stand da, mit offenen Mund und konnte das alles gar nicht glauben.

 

rap.de. Dass es Hip Hop so in Deutschland gibt, konntest du nicht glauben?

Trooper Da Don: Genau. So viele Menschen mit ihren Phatlaces und Guccianzügen. Man sieht die ganzen Leute, die so drauf sind wie du und noch viel spezieller, die hatten noch viel Bessere Kleidung, bessere Schuhe, bessere Laces. Man hat gesehen, man ist nicht der einzige und es gibt noch viel, viel mehr.

Da bin ich natürlich auch, ganz naiv wie ich war mit 13, auf die Bühne gegangen und habe die ersten Texte, die ich kannte nachgerappt und wurde dann erstmal original ausgebuht. Da habe ich gemerkt, es reicht wohl nicht, nur eine gute Technik zu haben, sondern du musst auch eigene Texte machen. Ich hab es halt auf die harte Tour gelernt, also bin ich nach Hause, habe mich hingesetzt und habe meine ersten Texte geschrieben. Es war aber nicht so, dass ich damals die Ambitionen gehabt habe – ich werde jetzt Rapstar. Es war einfach nur Leidenschaft und Hobby, es war ja damals auch gar nicht abzusehen, dass man damit überhaupt irgendeine Mark verdienen kann.

1989/1990 bin ich schon auf diversen Hip Hop Jams gewesen und irgendwann kam Cora E. ins Spiel. Ihr hat meine Bühnenenergie gefallen, und sie hat mich gefragt, ob ich ihr Backup Mc werden möchte. Das war meine erste Möglichkeit, auf regulärer Basis aufzutreten und auch was Eigenes zu präsentieren. Also war Cora E. irgendwie diejenige, die mir auch eine Plattform gegeben hat, da sich mich auf viele Auftritte mitgenommen hat. Blöd im Nachhinein war halt nur, dass es nie zu einer Platte gekommen ist, wo wir beide was zusammen gemacht haben. Ich bin auch mit den Stiebers unterwegs gewesen und habe für die Backup Mc gemacht.

Ich hab mich halt nie ins Studio begeben, weil mir das Liveding immer wichtiger war. Mir hat es gereicht, live zu überzeugen und die Leute, die mich damals gesehen haben, können das alle bezeugen, dass ich hier keinen Scheiß erzähle, weil live habe ich immer gerockt.

Letzten Endes kam dann auch im Jahr 1999 ein Anruf von 3p und die wollten mich als Backup MC für die 2000er Tour von Sabrina Setlur.

Ich habe dann insgeheim auch gehofft, dass es durch die 3p Connection zu einer Zusammenarbeit kommt, das hat dann aber auch nicht geklappt.

rap.de: Warum nicht?

Trooper Da Don: Aus diversen Gründen, die ich auch jetzt nicht ansprechen möchte, weil ich sehr viel Respekt vor Moses habe, als Künstler und als Geschäftsmann, und weil ich da auch niemandem ans Bein pinkeln möchte. Thats not my business to talk about. Es gab dann auch einige Geschichten, die mir gesagt haben, dass es besser ist, einen anderen Weg zu gehen.

In Schwetzingen trat dann der Radiosender Sunshine Live auf mich zu, die wollten eine Hip Hop Sendung machen. Sie meinten "Hey, Du hast zwei Stunden für eine Hip Hop Sendung" und die hab ich dann zwei Jahre lang gemacht. Die hieß Hip Hop Tunes. Ich war immer noch als Hitman for Higher unterwegs, der MC für DJs oder der Hypeman für andere MCs, was auch dafür gesorgt hat, dass ich relativ gutes Geld verdient habe, ohne eigene Songs zu machen. Natürlich gab es diverse Featuringprojekte und da kommen wir jetzt auch an die Eurorap-Geschichte, warum da diese Assoziation entstand. Es gab ein Projekt das hieß “Rappers Against Racism“, bei dem hab ich mitgemacht, das war ein internationales Projekt.  Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gar nichts, also weder irgendwelche Deals mit irgendwelchen Plattenfirmen, oder sonst was. Das war also quasi mein Einstieg in die professionelle Welt der Musik. Das war englisch gerappt und wirklich eine  euro-mäßige Produktion. Aber ich habe trotzdem den Anspruch gehabt, auf diesen Produktionen “richtig“ zu rappen und nicht so zu rappen wie irgendwelche schlechten Rapper, die irgendwie hier übrig geblieben sind, weil sie mal in der Army waren oder so. Ich wollte tatsächlich den Spirit des “Guten-Raps“ in diese Tracks transportieren, naiv wie ich war. Aber ich will trotzdem sagen, dass ich heute dazu stehe, weil ich dadurch auch einiges gelernt und einiges Geld verdient habe.

Aber zurück zu 2000/2001, ich hatte noch diese Radiosendung. Ich wurde in Stuttgart in einer Diskothek als MC gebucht, als ein gewisser DJ Tomekk da auch gebucht war. Ich komme in diesen Club, Tomekk ist schon am Auflegen, ich will ans Mikrophon und einer von den Jungs meinte dann "MC wollen wir nicht!“ Ich bin auch gar nicht der Diskutier-Typ und gehe direkt zum Booker. Der meinte “Hey, tut mir leid, MC wollen die irgendwie nicht“, woraufhin er mir die Gage ausgezahlt hat und ich so “Alles klar“, hab meinen Mund gehalten und die Gage eingesteckt.

 

Zwei Monate später war DJ Tomekk auf Promotour, also musste er natürlich auch zu mir in den Sender. Es war alles live, es kam nichts vom Band, inklusive live Freestyles, inklusive Verhaspelungen, also es ging alles on air. Das war auch das, was die Hörer gezogen hat. Ich habe immer meine Hörer gehabt, treue Hörer und dafür möchte ich an dieser Stelle noch mal danken. Auf jeden Fall kam Tomekk in diese Sendung und hat sofort gemerkt, dass ich der Typ war, dem er vor zwei Monaten so blöd gekommen ist. Ich spreche ihn aber gar nicht darauf an, mache mein Ding und boxe meine Freestyles, aber natürlich denke ich mir “Du Idiot, Dir zeig ich natürlich, was ich für ein Typ bin“. Ich bin gut in meinem Element und er merkt das und hat sich dann später noch on air in der Sendung entschuldigt. Nach der Sendung hat er mir noch seine Nummer rüber geschoben und meinte “Meld dich doch mal, damit wir über alles reden können.“ Ich habe ihn dann angerufen, wir haben geredet und dann sind die Sachen entstanden, von denen man weiß und auf die ich auch stolz bin. Ganz ehrlich und ich frage jeden von Euch: Wenn einer von Euch die Gelegenheit hätte, mit Lil Kim einen Track zu machen, wer von Euch würde nein sagen? Großes Fragezeichen – ehrliche Antwort. Ich habe nicht nein gesagt. Ich habe es gemacht, ich stehe zu dem Track und finde den immer noch geil. Punkt! Nennt mich verrückt, aber ich finde den Track geil. 

rap.de: Ich habe den Track mal im Autoradio gehört und meine Frau war dabei und als Du angefangen hast zu rappen, hat sie gefrag “Was für eine Sprache ist das?“. 

Trooper Da Don: Genau, das war mir nämlich ganz wichtig, dass man nicht sofort hört, dass das Deutsch ist. Es gibt Leute, die erst nach dem 50. Mal, nachdem ich sie darauf hingewiesen habe, herausgefunden haben, dass das deutsch ist. Ich wollte einen Rap machen, der zwar auf Deutsch Sinn macht und nicht unbedingt an den Haaren herbeigezogen ist, der aber vom Feeling, vom Habitus, international ist. Das ist eine Platte, die hat sich in Polen verkauft, die hat sich in Schweden verkauft. In diesen Ländern haben sie es auf Rotation gehabt, unverändert, in der Version mit den deutschen Lyrics. Es ist gelaufen und ich kriege Gemakohle aus all diesen Ländern. Also hallo??!! Ich weiß nicht, ob Silbermond in Schweden läuft.

Es geht mir jetzt auch nicht um Rechtfertigungen, es geht nur darum, dass ich, als ich diesen Track gemacht habe, mir eine Hasswelle entgegengeschlagen ist, die ich echt nicht verstanden habe. Es geht hier ja schließlich nur um Musik, um Entertainment und um Spaß, aber das, was dann passiert ist, war jenseits von Gut und Böse. 

rap.de: Was ist da passiert?

Trooper Da Don:
Ich hatte damals ein Signing bei einem Unterlabel der Sony BMG und die haben mir eine Homepage gebaut. Da gab es ein Forum und ein Guestbook drauf. Da konnte jeder reinschreiben, was er wollte. Böse, böse Geschichten, aber man weiß ja, dass im Internet auf einmal die Gesichtslosen ganz mutig werden. Das war schon diskriminierend. Es war richtig böse. Ich habe halt auch den Fehler gemacht, dass ich mir das jeden Morgen gegeben habe. Das muss irgend so eine masochistische Ader gewesen sein. Es gibt ja auch die Leute, die sich ritzen, um zu spüren, ob sie noch da sind, und ich habe da eine gewisse Parallele gesehen.

Zu dem Zeitpunkt sollte ich auch mein Debütalbum raus bringen. Dieses "Kimnotyze"-Ding war erschienen und dann kam diese Geschichte mit Vanessa von DSDS. Wobei ich auch sagen muss, das ist bis heute eine tolle Rapballade, egal was für einen Kontext die Sängerin hat.

Mir geht es eigentlich darum, dass wen man sich eine Person aus der Sendung nimmt, sie aber aus dem Format entfernt und sie völlig anders platziert, dann ist das doch legitim, dann ist das doch ok. In so einem Fall kann man doch auch mal den Kontext außen vor lassen, aber nee, es hieß dann: “Trooper Da Don macht was mit der DSDS Tussi und das Lied ist von vorneherein scheiße.“ Es gab in den 80ern ein Album von George Michael, das hieß “Listen Without Prejudice“ und ganz ehrlich, das ist das, was Hip Hop-Deutschland fehlt. Man hat eine vorgefertigte Meinung, woher auch immer und deswegen kann man auch nicht mehr neutral die Sachen bewerten. Das ist mein einziger Turn, deswegen mache ich auch dieses Interview, um die Offenheit, die Awareness ein bisschen nach Deutschland zurück zu bringen.

Ich war auf dem splash! und das hat mich auch ein bisschen überrascht, denn da waren auch Leute wie Boys Noize und ich war froh, weil das doch zeigt, dass es beginnt durchzusickern.

Ich muss gerade mal KAAS zitieren, “Wahre Liebe…“, weißt du, das ist so ein Album, dass ich gerne höre, um jetzt mal Werbung für den Typen zu machen. Man kann über Liebe rappen, über gute und positive Sachen, ohne peinlich zu sein. Ich glaube jetzt kann ich auch wieder einsteigen ins Game, denn ich hatte echt die Schnauze voll und jetzt ist es raus, so! 

 

 

rap.de: Warum ist es dir deiner Meinung nach nicht gelungen, deine Hip Hop Geschichte in den Vordergrund zu stellen?

Trooper Da Don: (lacht) Nicht, dass es mir nicht wichtig war, aber der Mensch ist bequem und ich bin es auch. Teilweise sogar sehr bequem. Teilweise kamen ganz ehrlich gesagt aber auch widrige Umstände dazwischen. Ich sitze zum Beispiel seit längerer Zeit auf einem fertigen Album, was von den Herrschaften beim Major Label torpediert wurde und ich kann das jetzt auch einfach mal so sagen: Die bei der Sony BMG sind Wichser! Da ist einfach zu viel Scheiße passiert, sodass ich irgendwann auch echt demotiviert war und die Liebe zur Leidenschaft verloren habe. To put my face out there, weißt du? Ich war einfach sauer, dass das niemand verstanden hat. Ich habe mein Leben für Musik gegeben und als Dank kam nur Hass und sehr viel Häme zurück. Das schmerzt. Die wenigsten sind so hart, wie sie sich geben, und das hat mir echt zugesetzt. Ich habe Kontakt zu anderen gesucht und mit Leuten wie Westbam und Paul van Dyk zusammen gearbeitet. Leuten aus einer ganz anderen Szene, die dich dementsprechend auch nicht so vorurteilsbehaftet angucken, wie in der Hip Hop Szene.

 

rap.de: Als denkender Mensch kann man aber sehen, dass es eben so ist und es gewisse Grundregeln gibt, die da beachtet werden müssen. So wie ich Dich sehe, hast Du Dich aber genau auf die andere Seite gestellt und trotzdem deinen Respekt eingefordert.

Trooper Da Don: Natürlich. Ich bin ja auch nicht so naiv, dass ich nicht wusste, was DJ Tomekk damals für einen Status in der so genanten Hip Hop Szene hatte.

rap.de: Was ja eigentlich ungerechtfertigt ist, weil er auch eine lange, lange Hip Hop Geschichte hat.

Trooper Da Don: Richtig und das war auch der Punkt, warum ich mir gedacht habe "Jetzt erst Recht!“. Ich bin auch eine kontroverse Person und Minus mal Minus ergibt Plus. Wenn man sich den Erfolg anguckt, den wir zusammen hatten, dann stimmt diese Rechung sogar. (lacht zufrieden) Ich habe nie etwas gemacht, was nicht echt war! Selbst wenn ich neben Lil Kim gestanden bin und das gesagt habe, was ich gesagt habe, war das echt. (Wird lauter) Als ich am Ende von dem Lied mit Vanessa Eins-zu-Eins den Dialog aus LL Cool J‘s "I Need Love“ übersetzt habe, habe ich das nicht gemacht, weil mir nichts Eigenes eingefallen ist, sondern weil ich eine Hommage an den, meiner Meinung nach, größten Rapper aller Zeiten schaffen wollte. (Stimme überschlägt sich) Er war für mich die Inspiration, überhaupt mit dem Rappen anzufangen. LL Cool J war für mich damals einfach der coolste Rapper und jeder wollte so sein wie er. Das war meine persönliche Hommage an ihn und wenn man das falsch gedeutet hat, dann kann ich auch nichts dafür. 

rap.de: Man kann jetzt natürlich sagen, dass das alles falsch verstanden wurde, aber wenn die Reaktionen die ganze Zeit so sind, muss man sich auch fragen, ob man die richtigen Signale aussendet.

Trooper Da Don: Jetzt kommt wiederum das Album ins Spiel, welches nie erschien. Das werde ich jetzt wahrscheinlich selbst irgendwie raus bringen müssen, independent. Irgendwie das Geld zusammen kratzen. 

rap.de: Nun gut, um noch mal kurz auf die Selbstwahrnehmung einzugehen: Wenn man mit Popstars oder gecasteten Leuten wie Vanessa Tracks macht, dann kann man auf der anderen Seite nicht Respekt von Underground MCs erwarten, oder?

Trooper Da Don: Wenn Snoop Dogg so etwas macht oder Timbaland mit Christina Milian zusammen arbeitet, finden es doch auch alle cool.

rap.de: Aber wir reden ja über eine Zeit, in der diese Lager extrem verfeindet waren.

Trooper Da Don: Diese Ideologie habe ich aber nie so wahrgenommen. Ich wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass es da eine solche Diskrepanz gibt. Was stört, ist einfach, dass ich das so heftig zu spüren bekomme und so falsch wahrgenommen werde. Das hätte ich auch auf dem Album alles klargestellt, aber es ist ja wegen diesen Wichsern da oben nie erschienen. Jetzt könntest du natürlich sagen, dass ich zu einem anderen Label hätte gehen können und bin ich ja auch, aber das ist Dreck. Die stigmatisieren dich und wenn du stigmatisiert bist, dann hast du einen Stempel und wenn du einen Stempel hast, dann bist du der, für den sie dich halten und dann wollen sie dich auch gar nicht mehr anders haben.

rap.de: Image-Entscheidungen sind natürlich am Krassesten. Stichwort Eko. Wer sich einmal für das falsche Image entschieden hat, hat es echt schwer, wieder zurück zu kommen.

Trooper Da Don: Ja, das ist wohl wahr. Ich werde aber auch wieder von mir hören lassen, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und der letzte Tonträger noch nicht erschienen. Da ist auch noch nicht das letzte Video oder der letzte Film gedreht worden, da kommt noch einiges. Ich kann nur noch nicht sagen wann, ich bin ja auch nicht Nostradamus.

rap.de: Du siehst deine Zukunft also auf jeden Fall in der Musikindustrie?

Trooper Da Don: In der Musik- und in der Filmindustrie. Das treibt mich auch an. Das Interview hier ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber natürlich geht es mir auch um den Respekt anderer Rapper. Auf das Fußvolk, dass sich eh nur das Maul zereisst, kannst du sowieso nichts geben. Die Rapper, die ich gut finde, wissen auch, dass ich ein guter Rapper bin.

rap.de: Das Fußvolk ist aber auch nicht ganz unwichtig, weil es im Endeffekt die Tonträger kauft.

Trooper Da Don: Mittlerweile kaufen die das ja auch nicht mehr. 

rap.de: Was hast Du eigentlich in der Zwischenzeit gemacht?

Trooper Da Don: Ich habe viele Sachen gemacht. Ich bin wieder zum Schauspielunterricht gegangen, ich habe ein paar Sachen mit Elektrofritzen gemacht, solche Housegeschichten, die released worden sind. Ich habe einen Film gedreht. Ich habe halt andere Sachen gemacht. Ich habe eine neue Freundin, um die ich mich kümmern muss. Das heißt keine neue, sondern ich habe seit Jahren eine Freundin, um die ich mich kümmern muss. Man weiß ja, Frauen brauchen viel Zuwendung und Aufmerksamkeit. Ich habe natürlich auch immer ein Ohr auf Hip Hop gehabt und wusste immer was los ist. Aber ich wollte da auch nicht wirklich mitmischen, weil mir die Grundstimmung einfach zu aggressiv war. Ich denke so langsam wandelt sich da was und so langsam kann ich da auch wieder ein bisschen mitmischen. Wenn es wieder ein bisschen lustig wird, wenn es ein bisschen sexy wird, dann bin ich wieder auf dem Plan. Ich bin ja der Meinung, dass das, was du in die Welt raushaust, wieder auf dich zurück kommt. Karma und so. Deswegen habe ich mich die letzten Jahre im Hip Hop auch nicht so wohl gefühlt. Aber langsam wird es wieder schön. Die Sonne lichtet sich am Horizont, der Himmel wird blau, die Wolken verziehen sich, die Vögel fangen an zu zwitschern und Hip Hop wird wieder schön. 

rap.de: Gibt es einen Plan B, falls es mit der Karriere nicht so läuft, wie du dir das vorstellst? 

Trooper Da Don: Ich habe ja auch normale Sachen gelernt. Das ist ja auch der Vorteil, wenn man nicht nur mono-talentiert ist. Außerdem habe ich auch noch einen normalen Job. Nach der Fachhochschulreife habe ich Werbekaufmann gelernt.  Das ist ja auch kein schlechter Beruf.

rap.de: Aber arbeitest du darin?

Trooper Da Don: Nicht wirklich. ich habe auch nicht vor, in dem Beruf zu arbeiten. 

rap.de: Also du hast die letzte Jahre auch von deiner Musik leben können. 

Trooper Da Don: Ja klar. Ich kann durchaus meine Miete zahlen von meiner Musik, ich kann durchaus Essen zahlen von meiner Musik, kann durchaus meine Freundin verwöhnen, zwar nicht so, wie ich sie gerne verwöhnen würde, mit meiner Musik, aber ich kann es. Letzten Endes, wenn man ehrlich ist, wird es ein bisschen weniger über die Jahre, denn die Gema Abrechnungen bleiben ja auch nicht konstant. Man muss dann schon gucken, dass man wieder irgendwelche Zeichen setzt, die dann aber auch signifikant sind. Will heißen, keine Releases, mal hier und mal da, sondern Sachen, über die man spricht.

Ich habe ja gemerkt, wie es ist, wenn man Sachen macht, die polarisierend sind, allerdings werde ich nicht versuchen, mich irgendwie anzubiedern, sondern ich werde weiter meine Linie fahren. Trotzdem werde ich gucken, dass man in Zukunft eindeutigere Signale setzt, denn man wird halt doch sehr leicht missverstanden.

rap.de: Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, zum eigenen Seelenfrieden zu gelangen, entweder du machst jetzt Sachen, die alle cool finden…

Trooper Da Don: (energisch) Nein, Nein, Nein. Ich mache Dinge, die ich cool finde. ich bin ja auch der Meinung, dass ich einen guten Geschmack habe. Und wenn ich einfach nur auf meinen Bauch höre und meinem Gefühl folge, dann wird schon alles werden und das meine ich damit. Bei all meinen Entscheidungen habe ich kalkuliert und bei manchen habe ich mich verkalkuliert.

rap.de. Das heißt, bei manchen Entscheidungen bist du nicht deinem Herzen, deinem Bauch gefolgt.

Trooper Da Don: Doch, doch, aber ich habe billigend in Kauf genommen, missverstanden werden zu können. Das nehme ich jetzt nicht mehr so billigend in Kauf. Jetzt geht es tatsächlich darum, sich den Leuten selbst zu präsentieren, damit man auch mal weiß, worum es mir selbst geht. Das ist auch das, was ich versäumt habe.

Ich mag das Wort Fans nicht. Ich finde es manchmal bei Leuten lächerlich, die über Fans reden, aber das bin ich schon manchen Leuten schuldig, dass ich mindestens ein Album heraus bringe. Mindestens ein Hip Hop Album, denn ich habe ja noch andere Sachen vor, aber das bin ich den Leuten schuldig und vor allem mir selbst. 

rap.de: Vielen Dank für das Gespräch.

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