F.R.

Im Zuge seiner PromoTour verschlug es F.R. in die Hauptstadt. Also trafen wir uns mit dem Braunschweiger Rapper im Backstageraum des Knaack Clubs. Zwischen Soundcheck und einem eher mager ausgefallenem Supportertreffen, diskutierten wir darüber, ob Rap nun Hauptschule oder Gymnasium besuchen sollte, wie es sich anfühlt der Sohn eines Pastors zu sein und was für einen 18-Jährigen “oldschool“ bedeutet.
Heraus kam ein interessantes, aber nicht immer eindeutiges Gespräch.


rap.de
: Also fangen wir gleich mit “Rap Braucht Abitur“ an. Ist ja schon, als Kampfansage, als Statement, zu verstehen. Bist du darauf gekommen wegen dem Originaltitel?

F.R.: Nein, damals bin ich ehrlich gesagt noch nicht drauf gekommen. Eine lustige Aktion war beispielsweise bei einer Rückfahrt von einem Auftritt, die Anekdote erzähle ich immer ganz gerne. Jedenfalls saß eine ältere Dame neben mir und ich habe ziemlich laut Musik gepumpt auf meinen Kopfhörern. Irgendwann werde ich angetippt und sie bittet mich:" können Sie bitte die Musik leiser drehen?" Meinte ich, "ja überhaupt kein Problem, mach ich". Zwei Minuten später tippt sie mich wieder an und sagt „Ja, so eine freundliche Antwort hätte ich von Ihnen ja jetzt nicht erwartet. Sind sie immer so?“ und da habe ich mir gedacht ok, dass ich jetzt nur aufgrund meines Hobbys oder meiner Klamotten mit irgendwelchem Stumpfsinn assoziiert werde, das ist nicht so cool. Und da dachte ich mir ok, Rap braucht Abitur. Vor allem weil das dann auch noch in der Grundsatzdiskussion endete über die deutsche Jugend, über Hip Hop, über das Bildungssystem und all so `ne lustige Geschichten. Und das war beispielsweise ein Anreizpunkt, wie ich darauf gekommen bin.

rap.de: Aber du sagst dann schon, dass kein Abitur haben auch gleich Stumpfsinn bedeutet und gleichzeitig auch schlechte Manieren. Also das sind sehr viele verschiedene Ebenen, die du da ansprichst.

F.R.: Das ist auf jeden Fall sinnbildlich und ich weiß auch, dass es polarisiert und im ersten Moment vielleicht auch Leute ausschließt. Aber ich denke mal, wenn diejenigen sich näher mit dem Album befassen, dann ist das auch wieder wettgemacht.

rap.de: Aber glaubst du, dass irgendjemand, der kein Abitur hat, das dann hören möchte?

F.R.: Ich denke schon, also ich hoffe mal. Es gibt viele Leute, die jetzt erst auf mich aufmerksam geworden sind, also durch diesen provokanten Titel. Das sind ja die so genannten Hater so, weißt du? Es wurde auch schon viel diskutiert in den Foren, wo nur dieses Zitat bekannt war, „Rap braucht Abitur“. Ohne, dass auch nur eine einzige Zeile bekannt war. Und ich denke mal, dass 80 Prozent der Leute, die da in die Threads geschrieben haben, noch nie irgendwas in `nen F.R.-Thread geschrieben haben, so dass ich die ohnehin wahrscheinlich gar nicht erreicht hätte und meine bisherige Hörerschaft würde sich auf jeden Fall damit befassen.

     

rap.de: Möchtest du dich absichtlich als Ikone eines Bildungsbürgerraps stilisieren?

F.R.: Also ich denke mal wenn man mein Album hört, ist es eher nicht so, dass man darauf kommen würde, dass ich in dieses typische, abwertend gesagte Studentenrapper-Bild passen würde. Also ich finde eigentlich eher, dass ich da ziemlich zwiespältig bin und die Leute mich nicht in diese oft so verhasste Blumentopf-Ecke schieben können, weil ich auf jeden Fall auch härtere Sachen mache. Und deswegen habe ich da nicht so wirklich die Angst vor.

rap.de: "Rap Braucht Abitur" ist ja eine zwingende Bedingung. Kennst du diese Wendung: „Um ein Mann zu sein, musst du ein Mensch sein, aber um ein Mensch zu sein, musst du kein Mann sein.“ Das sind so logische Regeln. Und Rap braucht kein Abitur heißt, es ist nicht zwingend notwendig, aber wenn du sagst „es braucht“, dann ist es eine zwingende Notwendigkeit und schließt tatsächlich Leute aus…

F.R.: Nur, wenn ich sage „Rap braucht Abitur“, dann schließe ich damit nicht aus, dass es noch andere Dinge braucht. Und ich denke, das ist auf jeden Fall eine gute Antwort auf diese Frage…

rap.de: Aber es braucht zumindest Abitur. Das ist ja eine Bedingung.

      

F.R.: Ja, es braucht zumindest Abitur.

rap.de: Welche Art von Abitur?

F.R.: Ich bin mir bewusst, dass dieser Satz erstmal mit der Brechstange ist, also dass es auf jeden Fall polarisiert. Aber ich denke nicht, dass es andere Dinge, die Rap braucht, ausschließt.

rap.de: Was braucht Rap noch?

F.R.: Rap braucht auf jeden Fall genauso viele Hauptschüler und Realschüler, die rappen. Also ich will mit „Rap braucht Abitur“ nicht sagen, dass nur Abiturienten rappen dürfen, zumal ich ja selber kein Abitur habe, sondern erst in der 12. Klasse bin und nächstes Jahr mein Abitur mache.

rap.de: Also das wirst du machen?

F.R.: Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Wer weiß, was passiert, aber nach dem jetzigen Stand sieht das gar nicht so schlecht aus.

rap.de: Hast du das andere Album gehört?

F.R.: Das “Rap Braucht Kein Abitur“? Ja, ich habe mich ehrlich gesagt nicht so intensiv damit beschäftigt, aber ich habe mir auf jeden Fall da mal einige Dinger im Laufe der Zeit angehört.

rap.de: Hat’s dir gefallen?

F.R.: Es geht. Ich habe auf keinen Fall irgendeine Art von Disrespekt gegenüber Bass Sultan Hengzt, ich sehe ihn eher als Jemanden, der für diesen Street-Rap die Fahne hochhält.

rap.de: Hast du Street-Rap-Alben gefeiert?

F.R.: Ja, schon. Zum Beispiel Azad. “Game Over“ finde ich sehr geil. Da rappt er sehr viel von Beton und der Straße und ich finde dieses Album gut.

rap.de: Amerikanische?

F.R.: Amerikanischen auch, auf jeden Fall. Kommt drauf an, wo bei dir da die Grenze bei Street-Rap ist. Ich höre mir beispielsweise gerne Nas-Alben an. Auch alte Nas-Alben.

     

rap.de: Was hörst du sonst noch gerne?

F.R.: Ich höre viele deutsche Sachen. Ich bin einer der wenigen deutschen Rapper, die irgendwie nicht direkt sagen müssen, ok ich höre keinen anderen deutschen Rapper. Ich höre auch viel Deutschrap auf jeden Fall.

rap.de: Findest du da Sachen gut?

F.R.: Ich finde da auch Sachen gut. (lacht) Sogar viele Sachen.

rap.de: Welche Sachen findest du gut?

F.R.: Ja, K.I.Z. natürlich (lacht). Nee, also wirklich: das Album fand ich gut. Ansonsten bin ich ein großer Fan von "Von Innen nach Außen“ von Curse. Sein zweites Album und auch sein erstes Album find ich sehr geil. Und ja, was jetzt natürlich viele antworten würden… Savas-Sachen finde ich super, Olli Banjo bin ich großer Fan von, da bin ich auch froh, dass er auf meinem Album ist.

rap.de: Bist du mit Savas aufgewachsen?

F.R.: Nicht wirklich. Wenn man jetzt von aufwachsen spricht, ist mein aller erster Kontakt zu Rap eigentlich durch Fanta 4 gekommen. Ok, wenn man das als Rap definiert, ich tue es jedenfalls. Dann habe ich die Sachen gehört und mir auch die Alben gekauft, das war im Grundschulalter. Und später erst mit 11 oder 12, habe ich Internetzugang bekommen und eine viel größere Plattform von Rappern entdeckt, die mir dann auch wirklich zugesagt haben. Ich glaube mein erster Rap, und das ist ziemlich krass, dass kommt dir wahrscheinlich wie gestern vor, war  Weck Mich Auf“ von Samy. Das war mein erster Rap, ich habe “Weck Mich Auf“ nachgerappt, auf Kassettenrecorder, richtig oldschool. Das ist denke ich mal ziemlich interessant für die Leute, ich habe dass auch noch in keinem Interview gesagt. Ich schäme mich dafür auch nicht. Ich zähle mich einfach zu dieser neuen Generation und mir ist wirklich wichtig, der älteren Generation Respekt zu zollen. Jemand wie Samy, oder Curse, oder die Beginner würden niemals einen Typen wie Torch verachten.

rap.de: Torch verachtet kein Mensch. Torch ist mittlerweile Gott.

F.R.: Ja genau, aber an meiner Generation regt mich das manchmal ein bisschen auf , dass viele sagen „Ich scheiß auf Rap, vor mir gab es nichts!“, aber im Endeffekt machen sie Rap und ohne die ganzen “Veteranen“ könnten sie das eben gar nicht machen.

rap.de: Da habe ich aber den Eindruck, dass sich das gerade doch wieder mehr in Richtung Rap bewegt.

F.R.: O.K…Ja was mir momentan an der Rapentwicklung gefällt, dass viele paradoxe Charaktere in die Raplandschaft kommen. Sei es zum Beispiel ein Casper, den viele im ersten Moment mit dem Emo-Rapper assoziieren, wo auch kein Mensch denken würde, dass der rappt. Oder K.I.Z., die auf den ersten Blick erstmal wie Assis wirken, ein bisschen punkig angehaucht, harte Musik, aber letzten Endes ist das einfach nur intelligent. Das gefällt mir auf jeden Fall sehr gut. Ich würde mich auch einreihen, in Leute die man jetzt nicht sofort mit einem Rapper assoziieren würde. Ich mache Abitur und drücke mich vielleicht ein bisschen anders aus, als andere Leute die in diesem Metier von der Gesellschaft so komisch betrachtet werden. Deswegen freue ich mich, dass da im Rap gerade so eine Strömung kommt.

      

rap.de: Es geht ja auch viel um Images und du beklagst das so ein bisschen, dass jeder Gangster sein möchte. Jetzt hat aber auch der Gangster zumindest in der westlichen Unterhaltungsindustrie einen ganz eigenen Stellwert. Es gibt wahrscheinlich mehr Gangstergeschichten besonders im Filmbereich als über den Anwalt, oder den Arzt.

F.R.:… oder über Abitur.

rap.de: Es gibt natürlich noch die Kategorie des Studentenfilms, oder des Schülerpartyfilms.

F.R.(lacht): Oh ja…

rap.de: Aber ich glaube der Gangster nimmt kulturhistorisch schon eine wichtige Rolle ein. Der schillert… das ist faszinierend. Was setzt du dem entgegen?

F.R.: Ich freue mich wenn ich durch meinen Rap Leute überzeugen kann. Leute in meinem Alter, oder jüngere Leute, sind sich vielleicht grade am entscheiden, wo setzten sie ihre Prioritäten? Ist Schule wirklich wichtig? Im Moment wird einem schon über die Medien vermittelt, dass man keine Perspektiven hat. Ich mache grade Abitur und dann lese ich in irgendwelchen Bildungszeitschriften, was grade auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist, man braucht Ingenieure, Informatiker… Was soll ich da mit meinen Leistungskursen, Deutsch, Englisch, Geschichte. Was soll ich später mal  werden? Vielleicht ist die Lage gar nicht so eng, wie ich sie jetzt sehe, aber dass ist das was einem grade vermittelt wird. Und deswegen freue mich, wenn ich jüngeren Leuten eventuell durch meinen Rap vermitteln kann, dass Abitur was cooles sein kann, bzw. wichtig ist.

rap.de: Das kommt mir ein bisschen so vor wie ein KJG-Rapper.

F.R.:  KJG?

rap.de: Katholische junge Gemeinde.

F.R.: Oh ne Alter. (lacht)

rap.de: (lacht): Was tust du dagegen, dass du nicht in so eine Ecke gestellt wirst?

F.R.: Ja gerne Alter, mein Vater ist Pastor, perfektes Image. Könnte ich direkt annehmen, ich zieh mir die Kutte über und schon wäre ich der Nummer eins, nicht Katholiken-, aber  Evangelienrapper. Wär doch super! (lacht)

rap.de (lacht): “I`m the son of a Preacherman. “

F.R.: Ja auf jeden Fall, mein Vater gibt ja auch Konfirmandenunterricht und da wollen ja auch welche Autogramme…Nein also ich sehe das alles einfach nicht so verklemmt. Ich sage die Sachen einfach so wie ich sie sehe, und mache mir da keine Gedanken drüber, ob ich für die Leute der Saubermann bin, aber wenn die sich mit meinem Album befassen, dann werden sie auch merken, dass ich nicht der Typ bin, der auf jedem Track den Zeigefinger hebt. Oder der großartig religiös angehaucht ist.

rap.de: Aber würdest du auf dem Evangelischen Kirchentag rappen?

F.R.: Nein, also nur unter sehr guten, lukrativen Umständen. Vielleicht wenn ich von meinem Vater noch ein bisschen Kollekte einsacken kann. (lacht)

rap.de (lacht): Machst du dir Gedanken über Images? Darüber wird ja auch beim Label geredet.

F.R.: Ja ich bin mir auf jeden Fall bewusst darüber, dass ich jetzt bei einem größeren Label bin, bzw. bei einem Label was mehr Möglichkeiten hätte als rec.on. Da macht man sich natürlich mehr Gedanken drüber, oder wird in mehr Gespräche involviert, die sich dann um irgendwelche Marketingstrategien drehen. Ich weiß auch, dass der Satz „Rap Braucht Abitur“ eine Ansage ist. Der polarisiert sehr krass und spaltet die Szene vielleicht auch. Aber ich finde es gut, dass dieses Thema mal aufgeworfen wird und in dem Sinne macht man sich natürlich schon Gedanken über Images.

      

rap.de: Wärst du ohne Internet dasselbe wie mit?

F.R.: Auf keinen Fall. Ohne Internet hätte ich ja überhaupt keinen Zugang zu irgendwelchen Medien bekommen. Dann wäre ich vielleicht auf Fanta 4 hängen geblieben. (lacht) Nee, aber ich hätte auch keinen Zugang zu anderen Rappern gehabt, oder zu Leuten die mich supporten. Ich hatte in Braunschweig keinen einzigen der mich supportet hat. Bis ich dann Internet hatte und mich einer aus Braunschweig über Internet durch ein Missverständnis conectet hat. Der dachte ich wäre irgend so ein kleiner Rapper gewesen, der auf seiner Freestylejam aufgetreten ist. War ich aber gar nicht. Und so ist das ganze ins Rollen gekommen. Deswegen Internet auf jeden Fall. Ich schäme mich auch nicht, zu dieser Generation zugehören, die durchs Internet zu Rap gekommen sind und nicht real durch einen Plattenladen oder irgendeine Jam.

rap.de: Das ist ja schon eine interessante Entwicklung, ich habe neulich mit Franky Kubrick ein Interview geführt, und der bedauert es natürlich, dass die Internetszene die reale Szene ersetzt hat.

F.R.: Ich würde da schon noch mal differenzieren, zwischen Leuten, die wirklich aktiv in Foren schreiben. Weil wenn man sich die Threads anguckt, wenn 300 Kommentare sind aber dann 20.000 Views, dann denke ich mir schon, dass das einige Leute lesen, aber nicht ihren Senf dazu abgegeben. Aber an sich gebe ich der Aussage recht, dass das fast deckungsgleich ist. Also die Internetszene und die auf Konzerte gehende Szene.

rap.de: Achso meinst du, die Leute die aktiv in den Foren sind, gehen dann auch raus?

F.R.: Ich denke schon, dass da auch ein Großteil raus geht. Deswegen wird ja die Promo ja auch krass über das Internet gestreut, was Konzerte und so angeht.

rap.de: Verfolgst du die RBA noch?

F.R.: Ich verfolge die RBA noch in dem Sinne, dass meine Single “Rap Braucht Abitur“ heißt und das die Initialen der RBA sind. (lacht) Also total back to the roots. Nein Quatsch, ehrlich gesagt nicht mehr so wirklich. Ich habe nur mitbekommen, dass es da jetzt eine neue Unterteilung gibt. Aber ansonsten verfolge ich das eher weniger. Das lustige an der RBA ist aber, dass das so ein riesiges Netzwerk ist und das man immer wieder auf irgendwelchen Jams oder Konzerten Leute aus der RBA trifft, was ja auch ein Indiz dafür ist, dass die Leute auch auf Konzerte gehen.

rap.de: Aber trotzdem setzen sich ja auch immer nur ein paar Leute durch. Egal wie groß der Pool am Anfang ist, am Schluss sind es trotzdem nur zwei, drei…

F.R.: Ja stimmt, wer fällt einem ein? Ich glaube Kollegah war in der RBA, ich war in der RBA, Pillath war da. K.I.Z. war doch auch in der RBA?

rap.de (lacht): Als "warmer Bruder".

F.R.(lacht): Ich hatte schon damals meinen unkreativen Namen. Ja aber das ist einfach ein super lustiges Netzwerk. Ich treffe immer wieder Leute, die mich fragen, "wann ist denn das nächste Battle wann machste denn mal wieder was? Und ich so, „ne ich mach lieber eigene Tracks, ist ja schon cool aber…“ ne, aber ist schon witzig.

rap.de: Aber würdest du so Battles machen?

F.R.: Eher nicht. Also wenn mich jemand in einem Track angreifen würden, wegen irgendwas, wenn er mich persönlich kennt und ein Problem mit mir hat, dann würde ich schon kontern, weil ich in gewisser Weise ja auch ein Battle MC bin, und auch Battle-Sachen und Punchlines auf meinem Album habe, aber auf RBA-Ebene würde ich das nicht machen.

       

rap.de: Was ist mit Feuer über Deutschland?

F.R.: Wurde ich schon öfters angefragt, aber das wird jetzt ein zeitliches Problem, aber ich hätte schon Bock da mal mit zu machen. Aber ich hätte dann schon gerne einen gleichwertigen und auch einen gleichrangigen Gegner.

rap.de: Wen siehst du als gleichrangigen Gegner?

F.R.: Ich weiß es nicht… Wer bringt denn grade so seine Alben raus? Casper würde ich gleichrangig sehen. Kommt aber auch drauf an was mein Album fürn Wirbel erregt. Tja, aber sonst keine Ahnung.

rap.de: Ok…Die Plattenverkäufe und der Internetfame, wie stehen die in Relation zueinander? Das ist ja heutzutage echt schwierig, wo würdest du dich da einschätzen?

F.R.: Das ist wirklich schwer zu sagen, weil es Leute gibt, die auf MySpace 7 Milliarden Clicks haben, aber letzten Endes nichts verkaufen würden. Die hätten dann vielleicht gute Downloadzahlen, aber würden nichts verkaufen. Deswegen finde ich es wichtig, immer noch den Weg zu gehen, viele Auftritte zu haben, dass man den Leuten einfach auch Live sein Repertoire zeigen kann. Das ist immer noch näher, als wenn man wie tausend andere Klone eine MySpace-Seite hat, und dann nicht richtig differenzieren kann. Qualität zeigt sich letztlich immer noch auf der Bühne, vielleicht auch Interviews, oder auf Alben. Aber wenn man sich etablieren möchte, muss man schon diese Jam-Zeit durchleben. Ich hatte 100 Auftritte vor dieser Promotour. In verschiedenen Clubs, in super kleinen Jugendzentren, aber auch zwischendurch mal was großes, wie beim splash!, das ist schon sehr wichtig um zu reifen.

      

rap.de: Meine Theorie ist ja, wenn man heutzutage ein Label gründet, einfach eine Homepage macht…

F.R.: Das finde ich aber wirklich affig. Diese Entwicklung ist schlimm, dass jeder ein Label gründet. Klar, ich habe mir natürlich auch Gedanken gemacht, als ich von rec.on weg war. Ok., wäre das jetzt möglich? Ich habe fähige Leute um mich rum, also könnte man doch eigentlich ein Label machen. Da steckt aber viel mehr dahinter, als man sich im ersten Moment vorstellt, deswegen bin ich einfach realistisch geblieben. Dann dachte ich mir, ne Alter, ich finde jetzt entweder einen vernünftigen Partner, oder ich warte.

rap.de: Kann man sich Musikerkarrieren nicht in Zukunft so vorstellen, dass man seine Werke im Netz anbietet und dann live gebucht wird?

F.R.: Ich fand diese Strategie von Radiohead sehr interessant, die ihr Album so angeboten haben, dass die Leute einfach selber den Preis eingeben konnten. Also das fand ich schon sehr lustig, zu Downloadzeiten.

rap.de: Ich glaube, ein dreiviertel der Leute haben nicht bezahlt.

F.R.: Ja, das kann sein. Also, die Strategie ist da irgendwie nicht aufgegangen. Aber letzten Endes fand ich es lustig, die Leute mal vor die Wahl zu stellen. Dass sie sich zumindest eine Minute mal fragen, was ihnen die Musik wert ist. Das ist natürlich ein trauriges Ergebnis, dass Dreiviertel überhaupt nichts dafür zahlen. Aber das fand ich schon interessant und ich denke, dass solche Marketingstrategien definitiv in Zukunft eine Rolle spielen werden. Wie gesagt, man sollte auch nicht immer so das reale Leben vernachlässigen. Wenn man schon von Fanbindung redet und auch von Internet-Fanbindung, dann muss man auch mal davon reden, dass man vielleicht mal irgendwelche Supporter-Treffen macht, damit man die Leute auch live überzeugen kann.

rap.de: Live überzeugen, Supporter-Treffen…das ist ja nicht gleich CDs kaufen. Kaufst du dir noch CDs?

F.R.: Ich kaufe mir schon noch CDs. Ich muss ganz ehrlich sein, dass ich mir früher schon mehr CDs gekauft habe. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass ich mir jetzt viel mehr runterlade, sondern die Bandbreite, die ich mir an Musik zulege und anhöre geringer geworden ist. Ich finde es auch immer blöd, wenn Leute aussagen „Ja, ich lad mir das Album erstmal runter und wenn’s mir gefällt, dann kauf ich’s“. Weil ich habe mich auch schon dabei ertappt. Ich sag das so, lad mir die Scheiße runter, hab’s dann `ne Woche auf dem MP3-Player und dann verdränge ich das so lange im Unterbewusst sein, bis ich mir denke, ja, habe ich ja jetzt schon so lange gehört… Und dann kauft man das auch nicht mehr. Da sollen die Leute einfach ihren Arsch bewegen. Es gibt tausende Snippet-Möglichkeiten im Internet. Oder man geht einfach mal oldschool in den Media Markt, nimmt die CD; packt die in diesen Scheißplayer und hört sich die mal kurz über Kopfhörer an. Da gibt’s verdammt viele Möglichkeiten.

rap.de: Das ist also oldschool, in den Media Markt zu gehen?(lacht)

F.R.: Ja, das ist oldschool.

rap.de: Für mich ist es oldschool, in den Plattenladen zu gehen, ehrlich gesagt.

F.R.: Man muss aufstehen und gibt nichts in so ein Scheißformular ein. (lacht)

 

rap.de: Ok, der zweite Track oder dritte Track gleich heißt "Prison“.

F.R.: Richtig.

rap.de: Der ist ja schon sehr gesellschaftskritisch. Du sagst dann im nächsten Track „Der Staat ist ein Presswerk“, da geht’s ja auch schon gegen den Staat. Ist das so eine Punk-Attitüde?

F.R.: Das ist lustig, das wurde ich schon mal gefragt, von einem Backspin-Redakteur. Ich habe ehrlich gesagt noch gar keine Punk-Assoziationen zu meiner politischen Einstellung. Kann durchaus möglich sein, dass es da Tendenzen gibt, aber letzten Endes kritisiere ich da ja mehr Dinge, die mich umgeben. Wie zum Beispiel auch das Schulsystem. Da gebe ich auch konkrete Beispiele, dass mir der Unterricht ehrlich gesagt so ein bisschen zu lebensfern ist. Man kriegt eben chemische Formeln und irgendwelche Dinge beigebracht, aber man weiß nicht, was man versteuern muss und ich komme langsam so in eine Lage, wo ich mir bewusst werden will, was ich versteuern muss und habe keinen Plan von Versicherungen oder sonst was. Klar, das können meine Eltern mir irgendwie erzählen, wie man das macht und so weiter. Aber ich denke mal, dass es gerade auch Aufgabe der Schule ist, einen mal so ein bisschen auf das Leben vorzubereiten und nicht nur diese blasse Theorie. Und ich denke mal in der 12. Klasse weiß man schon, dass man sich einfach mal einen Scheiß für Naturwissenschaften interessiert und trotzdem wird dieser Strang noch in irgendeiner Weise verfolgt und zählt krass ins Abitur. Und das sind eben so Sachen, die ich kritisiere. Ich würde nicht sagen, dass ich da so extrem krasse politische Statements raushaue.

rap.de: Es hört sich aber sehr danach an. Nach einer Unzufriedenheit, einem sich unwohl fühlen, einem eingeengt sein. "Prison“ ist ein starkes Wort. Es kann ja nicht sein, das Gefängnis-Bild zu bemühen und dann geht es am Schluss darum, dass man Naturwissenschaften nicht so gerne magst.

F.R.: Das ist auf jeden Fall ein Aspekt. Was andereswo ich mich einfach so ein bisschen eingeengt von der Gesellschaft fühle, ist das Medienbild, beziehungsweise das Bild, das in den Medien vermittelt wird. Sei es irgendwie, dass man schon um 13 Uhr irgendwelche Werbungen sieht, dass die Kinder das geile Handyluder irgendwie ziehen müssen… Weißt du, das sind alles so Sachen, wo ich mir denke, ok meine Generation ist schon gut abgestumpft. Ich weiß nicht, ob’s mir geschadet hat, aber da war das auch nicht so extrem, wie es im Moment in den Medien ist und ich denke mal, wenn ich jetzt irgendwelche 11-Jährigen von Gangbang reden höre und dass es irgendwie nach einem Ranglistensystem geht, wer die meisten Jungs fickt, dann denke ich mir da läuft irgendwas schief.

     

rap.de: Ist das real? Also, konkretes Beispiel?

F.R.: Das kriegt man einfach so mit, auf jeden Fall. Also gut, ich bin 18 Jahre, ich habe nicht so viel mit 11-, 12-Jährigen zu tun, aber man kriegt’s schon so mit. Allein diese ganze MySpace-Entwicklung, dass sich da teilweise irgendwelche weiblichen Gestalten anbieten… Die Entwicklung ist halt schon mies und das gefällt mir nicht und das versuch ich in dem Track eben auch zu sagen. Und da fühle ich mich schon ein bisschen eingeengt, was einem eben auch durch die Medien vermittelt wird.

rap.de: Du sagst „Unser Horizont reicht von Party zu Party“. Was wären die Alternativen?

F.R.: Die Alternativen wären einfach, dass man seine Talente entdeckt und sich einfach auf gute Sachen fokussiert und seine Prioritäten auch sinnvoller setzt. Das ist ja auch das Glück, wo ich gemerkt hatte, dass Rap mein Ding ist. Sei es jetzt der ominöse Internetanschluss oder Leute, die mich da weitergebracht haben. Das halte ich schon für einen wichtigen Schritt, denn das ist eigentlich das einzige Hobby in meinem Leben, das mich neben dem Abitur und neben der Schule, was einen schon teilweise sehr abfucken kann, wenn man keinen Erfolg hat, irgendwie motiviert, weiterzumachen. Und ich denke einfach mal, dass vielen Leuten so etwas fehlt und dass sie einfach zur Schule gehen und sich dann am Wochenende auf Parties sinnlos besaufen. Ich finde, das kann’s nicht sein. Und ich finde, man muss sich noch einen Strang aufbauen, der einen motiviert. Gerade weil das auch so ist, dass einem vermittelt wird, dass man nicht so viele Perspektiven hat. Man muss sich selber eine Perspektive aufbauen.

rap.de: Welche Rolle spielen bei diesen Überlegungen deine Eltern beziehungsweise dein Elternhaus? Oder meinst du, dass deine Eltern Einfluss darauf haben, dass du dich so entwickeln konntest?

F.R.: Ich denke schon, auf jeden Fall. Alleine die Toleranz, ich denke, das ist der allerwichtigste…

rap.de: Haben sie dich auch gefördert?

F.R.: Ganz ehrlich gesagt? Was jetzt mein Hobby angeht, haben sie mich einfach nur gefördert, in dem sie gesagt haben „Mach was du willst.“. Sie haben mir nie irgendwelche Grenzen gesetzt, sie haben mir auch nie gesagt „Pass auf dich auf!“…

rap.de: Haben sie dir Sachen angeboten? Hobbys angeboten?

F.R.: Nein, ehrlich gesagt gar nicht. Ich kam da schon relativ früh drauf.

rap.de: Also sie haben dich vernachlässigt?

F.R.: Nein, sie haben mich auch nicht vernachlässigt! Aber sie haben einfach gesehen, dass ich aus Eigeninitiative heraus Dinge finde, die mir gefallen, und dann können sie das eben einfach nur verstärken, in dem sie mir auch Dinge erlauben, um das weiter zu machen. Ich habe das schon auf eigene Faust gemacht. Meine Eltern sind auch nie so gewesen, dass sie mir großartig gesagt haben, ja, du darfst nicht rauchen, das ist schlecht. Und du darfst keinen Alkohol konsumieren. Aber letzten Endes bin ich trotzdem ein komplett drogenfreier Junge. Und das liegt auf jeden Fall nicht daran, dass meine Eltern mir jeden Abend `ne Standpauke gehalten haben.

rap.de: Im Endeffekt, wenn wir über all die Sachen sprechen, nämlich Medienlandschaft, Bilder, die in diesen Medien vermittelt werden, sprichst du auch davon, dass mit den Medien Geld verdient wird. Da sprechen wir im Endeffekt über Kapitalismus.

F.R.: Ja, das ist richtig. Dann habe ich eventuell ein Problem mit dem Kapitalismus. Eventuell schon, wenn du mich so darauf ansprichst. Ich finde es auch interessant, weil man sich da ja mit wenigen Leuten drüber unterhält. Aber ich kann in meinen Songs eben auch nur widerspiegeln, was meine eigene Meinung, mein eigener Horizont ist. Wenn ich politische Songs mache, dann würde ich den Leuten ja keine parteiliche Meinung aufzwingen oder so. Sondern ich mach einfach nur meine Musik und platzier da meine Aussagen und die Aussagen, die ich wirklich forcieren will, die sage ich auch in diesem Interview, weißt du? Und darum spinnt sich auch der Track und damit bin ich auf jeden Fall ganz gut gefahren bisher und kann deshalb in Interviews keine staatsrevolutionären Ansagen machen. Was ich auch gar nicht will, weil das nicht meine Aufgabe ist. Aber ich möchte einfach den Leuten, die vielleicht auch in meinem Alter sind, gewisse Denkanstöße geben, dass sie sich über mehr Sachen Gedanken machen. Und das ist mir bisher auch ganz gut gelungen.

rap.de: Also bist du ein bisschen unzufrieden, aber eigentlich ist das schon ok oder sehr unzufrieden und würdest doch gerne ein paar Sachen ändern?

F.R.: Also, ich bin kein suizidgefährdeter Mensch.

rap.de: Du bist auch kein Revolutionsgefährdeter?

F.R.: Ich bin kein revolutionsgefährdeter Mensch, ich bin kein Che Guevara, ich bin einfach nur F.R.

    

rap.de: Du bist auch keine Angela Merkel?

F.R.: Ich bin 18 Jahre alt und will nicht Bundeskanzler werden, sondern einfach den Leuten in meinem Alter was mit auf den Weg geben.

rap.de: Aber du bist unzufrieden mit deiner Generation?

F.R.: Schon, auf jeden Fall.

rap.de: Und wenn du dir die Jüngere anguckst, dann findest du’s noch schlimmer?

F.R.: Ja, noch schlimmer.

rap.de: Und dann hörst du dich an wie so ein alter Mann, der sagt „Früher war alles besser“.

F.R.: Aber früher war ja nicht alles besser.

rap.de: Früher war alles anders, das ist das Problem.

F.R.: Das kann sein, also, ich hab in der Zeit ja nicht gelebt. Ich habe noch nicht mal den Mauerfall miterlebt, was soll ich über deutsche Politik reden? Wie gesagt, ich kann nur darüber aussagen, was mir in meinem Umfeld auffällt und das tue ich auch.

rap.de: Ok. Bist du unzufrieden mit deiner Generation?

F.R.: Ich bin unzufrieden mit meiner Generation.

rap.de: Weil sie ist „faul, unselbstständig und beschränkt“.

F.R.: Ja, also ich mein, dieses erwachsen werden nehme ich alles sarkastisch auf den Arm. Und da sind auch bestimmte Bestandteile drin, die einfach zu mir passen. Und durch diesen Sarkasmus, der sich ein Stück auch durch mein Album zieht, sei es auf "Rap Braucht Abitur“ oder "Rap Ist Mein Fetisch“, wird der Zeigefinger auch ein bisschen überspielt. Und das ist mir auch auf jeden Fall wichtig. Ich find’s auch immer affig, dass wenn man versucht, irgendwelche Werte zu vermitteln, das gleich irgendwie uncool ist. Oder das es gleich negativ konnotiert ist und man abwertend gesagt bekommt, „deine Generation ist faul und dies und das“. So ist es ja nicht gemeint. Das finde ich immer so ein bisschen blöd. Ich möchte einfach mit meiner Musik bestimmte Dinge in Gang setzen, sehe mich aber trotzdem nicht als Revolutionär. Und warum sollte es schlimm sein, wenn man das in seiner Musik machen will?

rap.de: Siehst du dich als Entertainer?

F.R.: Ich sehe mich auf jeden Fall auch als Entertainer. Ich habe Tracks auf meinem Album, da würde ich einen Teufel tun und von einer Aussage sprechen. Jetzt der Song mit Olli Banjo oder… Na gut, mein Intro hat schon Aussagen. Der Banjo-Song ist schon ein gutes Beispiel oder "Gerne So Wie Ich“.

rap.de: Man kann ja unterhalten und Werte vermitteln.

F.R.: Auf jeden Fall, das versuche ich ja auch. Da hast du das beste Beispiel mit "Erwachsen Werden“. Das ist keine düstere Atmosphäre, wo ich irgendwie von meinen zerstörten Straßen oder so rede, das ist einfach ein total lustiger Song, wo man sich beim zweiten Hören aber vielleicht schon ein paar Gedanken macht. Und ich sehe mich natürlich auch als Entertainer, weil ich auf der Bühne stehe und versuche, die Leute zum Ausrasten zu bewegen.

rap.de: Du bist ein Musiker vom Herzen, oder? Jetzt möchte ich noch mal auf diese Talent-Geschichte eingehen. Nicht jeder hat Talent, das ist halt auch ungleich verteilt. Du kannst ja mal deinen Vater fragen, wie das ist, als Gott das Talent verteilt hat.

F.R.: „Ich denke, jeder einzelne Mensch hat ein Talent, das er erst finden muss, und ich glaube zu wissen, dass ich meins kenne“.

rap.de: Du kennst deins? Das ist ja eine sehr schöne, eine privilegierte Situation …

F.R.: Das war eine Line aus meinem Album "Mundwerk“ von 2004. Ich glaube auf jeden Fall, dass jeder Mensch ein Talent oder mehrere Talente hat, man muss sie eben nur entdecken.

rap.de: Wenn ich so verschiedene Menschen angucke, bezweifle ich das.

F.R.: Dann haben die das noch nicht gefunden, aber auf jeden Fall hat jeder Mensch irgendwie ein Talent. Guck mal, ich bin doch nicht so pessimistisch. Jeder Mensch hat ein Talent.

rap.de: Ich finde das ja großartig, aber glaubst du nun, dass du da in einer privilegierten Position bist?

F.R.: Also ich war immer schon relativ zielstrebig, schon als Kind. Und in dem Sinne war ich vielleicht vom Charakter her privilegiert. Aber was jetzt die äußeren Einflüsse angeht nicht so. Also ganz normale Mittelstandsfamilie, mein Vater ist jetzt auch nicht der Papst, sondern ein ganz normaler Pastor. Von daher würde ich nicht sagen, dass ich jetzt ein krasses Privileg habe.

rap.de: Es gibt bei den Lutheranern auch keinen Papst.

F.R.: Ja, ok, ist ja gut! (brüllt) Er ist halt kein Ober…was weiß ich… Ich kenn mich nicht aus mit Kirche, tut mir leid.

    

rap.de: Du sprichst bei “Kopf Gegen Herz“, dass dich das Business so abturnt. Wie viel Erfahrung hast du mit dem Business bis jetzt gemacht?

F.R.: Also “Kopf Gegen Herz“ war eigentlich so in dieser Zeit, wo ich mich von rec.on getrennt habe und wo ich erstmal nicht so viele Wege gesehen habe, über die ich mein Album releasen konnte. Ich hatte auch schon richtig viele Tracks und sage ja auch „Stillstand ist das Einzige, was richtig scheiße ist“. Das wollte ich auf jeden Fall so nicht, aber kam mir ne Zeit lang so vor. Ich habe halt immer weiter Musik gemacht und hatte irgendwann wieder so ein riesen Repertoire und dachte mir ok, es kam auf jeden Fall schon gut Interesse von vielen Seiten so, weißt du? Aber der Einzige, der wirklich so ein konkretes Angebot gemacht hat und mit dem sich auch meine Vorstellungen gedeckt haben, war eben die DEAG. "Kopf Gegen Herz“ ist eben in der Zeit davor entstanden, in der ich dachte, ja, was soll ich machen? Alle sagen mir, dass ich überkrasse Skills habe und dass ich in meinen jungen Jahren technisch auf jeden Fall zu der Elite gehöre, aber ey, was geht? Trotzdem sitze ich hier und habe nichts. Und aus dieser Situation ist eigentlich dieser Song entstanden.

rap.de: Du hast keine Möglichkeit, das rauszubringen oder was? Also nicht materiell.

F.R.: Nein, nein, ich saß nicht auf der Straße nachdem ich meinen lukrativen rec.on Deal verloren habe.

rap.de: Wie war das mit rec.on, das sind doch auch solche Enthusiasten, oder?

F.R. : Ja schon, ich will mich auch nicht beschweren, bis “Mittelweg“ lief alles prächtig, wenn ich mir einen Plan zurechtgelegt hätte mit 13 Jahren, dann hätte ich mir den genauso zurechtgelegt. Ich habe mit 14 mein erstes Album rausgebracht, das lief cool und kam nur übers Internet raus, das hat viel aufsehen erregt aber auch nicht zuviel um dann irgendwie festgenagelt auf die hohe Stimme zu werden. Mit meinem Alter habe ich ja eh schon ein vorprogrammiertes Image, dann kam "Mittelweg", das stand dann in den Läden, war wieder ein Schritt weiter, auch Promotion technisch gesehen. Bis dahin hat rec.on alles richtig gemacht, klar gab es ab und zu mal Differenzen, aber nichts Gravierendes. Dann gab es Labelintern Probleme und ich habe da einfach keine Möglichkeit mehr gesehen mich zu steigern.

rap.de: Die haben sich doch inzwischen auch aufgelöst?

F.R.: Ja, dann ist Freaky Flave auch noch gegangen, das wars dann.

rap.de: Wo siehst du sich in fünf Jahren?

F.R.: Doch noch ne Standartfrage. Der Rest war ja relativ innovativ.(lacht)

rap.de: Warte, die wird noch. Die ist drauf bezogen wo du dich in fünf Jahren als Musiker siehst, oder deine künstlerische Entwicklung in fünf Jahren.

F.R.: Ok. Ich habe ja gerade schon als wir bei Staat und Medien und Gesellschaft und so weiter waren diese Orientierungslosigkeit angesprochen und die ist bei mir auch vorhanden. Also ich weiß auf jeden Fall, dass ich Musik weiter machen werde und weiß aber auch, dass ich mich nicht krampfhaft auf das Musikding versteifen will. Ich mache jetzt Abitur und setze mir immer eher kurze Ziele, deswegen fällt es mir schwer dir jetzt zu beantworten wo ich in fünf Jahren stehe. Ich hoffe das ich anfange etwas zu studieren was mir Spaß macht und nicht einfach irgendwas mache. Es sei denn mein Album geht jetzt dermaßen durch die Decke, dass ich mir Gedanken darüber machen müsste, dass die nächsten Jahre sehr lukrativ werden.

rap.de: Das ist eine unbefriedigende Antwort. Heißt das nur dabei bleiben wenn es wirtschaftlich funktioniert?

F.R.: Nein, nein, aufhören habe ich nicht gesagt.

   

rap.de: Kannst du dir vorstellen Geschichte zu studieren und nebenbei zu rappen?

F.R.: Auf jeden Fall. Ich mache das doch im Moment auch nur Hobbymäßig. Ich habe super krassen Klausur Stress und gehe trotzdem auf Promo Tour. Ich weiß nicht wie mein Leben sich entwickelt, sicher gibt es auch Phasen die noch stressiger werden, aber ich werde das schon auch unter einen Hut kriegen und dann trotzdem machen. Ich will mir da jetzt gar keine Grenze setzen oder mich auf einen Weg versteifen. Ich werde weiterhin meinem Mittelweg treu bleiben (lacht).

rap.de: Ich sehe dich ja als Künstler und Musiker, ich finde aber interessant, dass du dich als Geschichtslehrer mit extravagantem Hobby sehen kannst. Gut. Das war’s dann auch.

F.R.: Gut. Super Interview auf jeden Fall. Schlag ein!

 

 

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