Ali A$

An einem wunderschönen Frühlings-, Frühsommer-, Irgendwas-Tag, trafen wir uns mit Ali A$ zum Interview. Was tun? Außer ein bisschen sich über das gerad erschienene Mixtape "Der Countdown Läuft" unterhalten und in einer Bar mit Biergarten abhängen? Getränketest? Schließlich verfügt rap.de mit unserer Redakteurin Nora über eine trinkfeste Mitarbeiterin. Ali A$ ist dabei. Natürlich ist er dabei. Wenns was zu trinken gibt, ist Ali A$ immer dabei, denn schließlich gehört er der Generation des Neuen Südens an, die neben ernsthaftem Battle- und Angeber Rap eben auch gerne mal feiern. In diesem Sinne. Wir lassen’s krachen. Nachmittags um 14 Uhr. Auch wenn danach keiner mehr richtig stehen konnte. Das Interview ist trotzdem lustig. 

Whiskey mit Coca Cola vs. Whiskey mit Pepsi light

Ali A$: Ich kann mich noch nicht ganz entscheiden, aber ich schmeck gerade nur Whiskey.
Nora: Ich bin mir relativ sicher, dass das hier Pepsi ist.
Ali A$: Sehr schön im Abgang.
Nora: Wie war denn da das Mischverhältnis?
Staiger: 4cl zu … na ja dem Rest halt. Aber… welcher schmeckt besser? (Beide entscheiden sich für die Gläser zu ihrer Rechten. )
Staiger: Ihr habt euch stilsicher für Coca Cola entschieden. Pepsi Light hat verloren. Das haben wir ja extra genommen, wegen der Line auf deinem neuen Album: „Du bist geschmacklos wie Pepsi Light.“ Das heißt, du sagst die Wahrheit auf deiner CD.
Ali A$: Das heißt es. Ich sage immer die Wahrheit. Immer.  

rap.de: Die Mischung vom ersten Getränketest, war euch ja ein bisschen zu hart. Wie ist es aber in München, im P1 zum Beispiel? Wie wird da gemischt?

Ali A$: Barkeeper und 15 Euro für irgendeinen Schwachsinn. Die machen die Übermuschimischung, also ziemlich schwach.

rap.de: Wo gehst du aus in München?

Ali A$: P1 geht schon. Ich geh überall da hin, wo ich noch kein Hausverbot hab.

rap.de: Wie viele Clubs sind das noch?

Ali A$: Schwierig. Ein paar sind ja auch schon verjährt. Das Gute ist, ich kenn so ein paar Veranstalter, wo ich immer reinkomme und da können die Türsteher gar nichts machen, egal was sie gegen mich haben.

rap.de: Was könnten sie gegen dich haben?

Ali A$: Alles. Generell. Es ist halt dieses Ding, dass man macht worauf man Bock hat. Pöbeln. Gläser schmeißen. Aggressiv sein.

rap.de: Bist du unangenehm aggressiv, oder findest du dich selbst eher so angenehm aggressiv?

Ali A$: Also, das Problem ist, ich hab immer so ein bisschen die Homer-Vision. Das ist wenn Homer gefragt wird, na wie war denn dein gestriger Abend und er hat dann so ne Gedankenblase, wo er sich so im Jackett sieht, mit ner Zigarre paffend und ein Cognacglas schwenkend und dann sieht man die Realität: Er so oben ohne und grabscht irgendwelchen Leuten an die Titten und so ist das bei mir auch. Also für mich ist der Abend immer cool aber für die anderen… ich weiß nicht.

 

rap.de: Aber das ist dann schon vom Flava Club ins P1. Das ist schon ein großer Sprung. Der Flava Club war ja eher Jugendhaus.

Ali A$: Also das Ding hieß eigentlich Main Street Club und wir haben da immer diese Veranstaltung gemacht, immer Sonntags und es war so ein bisschen Coffeeshop mäßig. Eigentlich sind die meisten zum Kiffen gekommen. Es waren nur die kompletten Chaoten letztendlich und ich glaube die Veranstaltung, wo Savas damals dort war, war auch die erfolgreichste. Ich glaube da haben wir drei Tausend D-Mark Gewinn gemacht, nur am Ende des Abends hat halt komplett alles gefehlt, weil wir unsere Assi Homies an die Tür gestellt haben und die immer in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Am Anfang des Abends war das Geld ja noch da, und am Ende… ich glaube die Pusher sind am Schluss mit 3 plus rausgegangen.

rap.de: Du meinst in deiner Bio, dass du ein ekliger Backpacker gewesen wärst und durch Ami Musik therapiert worden wärst. Warum findest du Backpacker ekliger als Ami Biter?

Ali A$: Hab ich nicht gesagt. Ich finde die beide gleich eklig. Das einzig angenehme ist bei den Ami Bitern, dass sie aussehen als würden sie sich täglich duschen und auf Körperhygiene wert legen, was ich leider von den Leuten, die sich irgendwelche schimmligen Cordhosen anziehen, und so Pseudodreads machen, nicht behaupten kann.

rap.de: Du hältst nicht viel als Freestyler von dir? Zumindest steht das auch so in deiner Bio.

Ali A$: Ich hielt nicht viel von mir. Aber inzwischen habe ich dann schon ein paar Battles mitgemacht und einmal sogar gewonnen. Und einmal, bei diesem Mixery Raw Deluxe Battle, da bin ich sogar gegen Weh78 angetreten, das ist ja ein guter Kumpel und da konnte man richtig schön persönliche Sachen auspacken.

rap.de: Du bist auch so ein Typ: Lieber einen guten Freund verlieren als einen guten Witz auslassen.

Ali A$: Normal! Aber, wer ein guter Freund ist, der verträgt auch einen guten Witz. Aber was ich sagen wollte: Wenn dieses Freestyleding gut gemacht ist, dann feier ich das total.

rap.de: Also hast du Respekt vor David P?

Ali A$: Ich hatte schon immer Respekt vor David P. Das war der einzige aus dieser alten Garde, der sich auch normal mit einem unterhalten hat, auch wenn man der komplette Otto war und ihn vollgelabert hat. Blumentopf oder so, die waren alle arrogant. Ich hab die ja bei diesem Geburtstag von der JUICE in der Muffathalle anmoderiert und bin dann mit Skateboard und Rucksack auf die Bühne. Also ich wollte die jetzt nicht schlecht machen in der Anmoderation und hab dann so quasi nonverbal einen kleinen Seitenhieb gegen die losgelassen.

rap.de: Es gab also so einen kleinen Generationskonflikt in München.

Ali A$: Ja. Die Älteren haben halt schon gedacht, was machen die denn da für eine Scheiße?

rap.de: Dann kam Monaco Lightz.

Ali A$: Oh Gott.

rap.de: Warum „Oh Gott.“?

Ali A$: Also Monaco Lightz war schon eher wieder so ein Jugendhaus Ding. Die Beats, die wir damals benutzt haben, waren alle komplett Müll und die Texte… na ja gut, es ist vielleicht schon wichtig, dass man so eine Phase mal durchmacht, aber ich muss die CD nicht mehr unbedingt anhören.
 
rap.de: Aber ihr hattet schon ein paar Erwartungen?

Ali A$: Ne überhaupt nicht. Wir haben das lustigerweise einfach so gemacht, als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Klar hat man ein paar Träume, aber du schätzt das schon realistisch ein.


rap.de: Wirklich? Wie schätzt du deine Chancen jetzt ein?

Ali A$: Genau so! (lacht) Nein, es ist super schwierig. Da ist einmal realistischer Wunschgedanke und auf der anderen Seite pessimistischer Realitätssinn. Bei pessimistisch ist das so: Du denkst immer das schlechteste und kannst nur noch positiv überrascht werden.

rap.de: Gibt’s auch optimistische Wunschgedanken?

Ali A$: Ja, dass es dieses Jahr richtig abgeht.

rap.de: Es gibt ja auf deinem Mixtape eine Ansage, dass Deutschland Trümmerfrauen braucht nach deinem Album. Das ist ja etwas, was sehr viele MCs sagen. Deutschland abbrennen. Die Bombe explodiert.

Ali A$: Ja aber die nennen das ganze nicht Bombe. Da habe ich mir ja jetzt das Copyright dafür besorgt. Seit 2003. Das Bombenkonzept. Aber im Ernst. Ich weiß, was ich für ein Album gemacht habe, mit dem Bombe Album, das dann kommt und wenn das Promomäßig läuft und von den Medien akzeptiert wird, dann würde ich sagen: Die Grundvoraussetzungen sind da. Und dann kann es wirklich wie eine Bombe einschlagen – kann natürlich auch ne Fehlzündung werden, aber dann liegt’s nicht an mir. Ich will wirklich Pop machen. MTV. VIVA. Ich will alles. Deutschland Österreich Schweiz. Einfach alles.

Wodka Red Bull vs. Wodka Booster (von Plus)

Ali A$: Ich habe gehört Rhinos und Red Bull sind ein und dieselbe Firma.
Staiger: Spürt ihr einen Unterschied?
Ali A$: Schmeckt beides Scheiße, weil ich generell Wodka Bull verachte.
Nora: Richtig!
Ali A$: Wodka Soda ist der neue Shit. Am besten mit San Pellegrino und einem Hauch Zitrone. Aber Bull schmeckt schon besser. Also ich hoffe, dass es Bull ist, ansonsten kauf ich nur noch Booster. Wodka Booster.
Nora: Ich denke auch, dass das hier Red Bull ist.
Staiger: Und auch hier habt ihr, geschmackssicher wie ihr seid, richtig getippt.
Ali A$: Wir können uns gleich ein Antragsformular für die Anonymen Alkoholiker abholen.   
Staiger: Du trinkst relativ langsam. Nora ist dir auf jeden Fall voraus. Ich würde sagen: Advance Nora!

rap.de: Bist du zufrieden mit deinem Label?

Ali A$: Ja bisher kann man sich nicht beklagen. Es gibt natürlich immer Sachen, die noch besser laufen könnten, aber man muss ja auch immer bedenken, wie alt ist das Label, welche Möglichkeiten gibt es, welche Kapazitäten etc. Es ist ein sehr, sehr kleines Label und dafür ist es aber sehr cool.

rap.de: Das Verhältnis zwischen dir und Samy. Ist das so ein Eminem Dre Verhältnis, dass du ihn in den Keller sperren möchtest?

Ali A$: Mache ich, mache ich. Da muss ich immer aufpassen was ich sage, weil ich habe bei meinem aller ersten Backspin Interview ein was gesagt, wo er auf jeden Fall nicht begeistert war. Da haben die mich gefragt, wie bin ich zu Deluxe gekommen? Und das war zum 8.000sten mal, dass ich diese Frage gestellt bekommen habe und da habe ich gesagt, ich hätte ihm angeboten: Ich habe hier 2 Cheesburger oder ich kann dir einen blasen und da ich das Letztere anscheinend nicht schlecht gemacht habe, bin ich dann letztendlich bei Deluxe gelandet. Da hat er dann gemeint: Ganz ehrlich, lass mich aus deinen Homowitzen raus. Wobei ich ja sagen muss, in Brasilien ist das so: Ein Mann gilt nicht als schwul, wenn er sich ein blasen lässt, oder einen anderen in den Arsch fickt. Das heißt man ist noch auf der aktiven Seite und deshalb ist man NICHT schwul.

rap.de: Das habe ich über Argentinien auch gehört und die sagen sogar, man muss es einmal ausprobiert haben.

Ali A$: Na gut, so weit gehe ich jetzt nicht. Aber wer weiß. Im Alter. Da werden die normalen Praktiken vielleicht langweilig und man geht auf Bukake Veranstaltungen. Man kann es ja nicht wissen. Aber um noch mal auf das Label zurück zu kommen. Ich hab da super viel künstlerische Freiheiten. Ich mache aus meinem Verständnis die Mucke, wo ich denke, das kann ich am besten und gebe dann immer mal so Updates rüber und Samy sagt dann halt so Sachen wie: Guck mal, ich hab in der letzten Zeit nur Songs gehört, die in eine bestimmte Richtung gehen, versuch doch noch mal was anderes zu machen und da hör ich natürlich drauf, gerade wenn jemand so lang im Geschäft ist, wie Sam. 

rap.de: Also er berät dich da?

Ali A$: Ja, aber das findet ja auf gegenseitiger Ebene statt. Er hat ja neulich auch mal in einem Interview erwähnt, dass er bei 3 Liedern vom Dynamite Deluxe Album irgendwie nicht weiter wusste was Reime anbetrifft und da hat er mich angerufen, die Reimpolizei und da musste ich das Ruder rumreißen.

rap.de: Auch dieses Thema hatten wir in letzter Zeit öfter, das Thema Co-Autorenschaft. In anderen Musikrichtungen ist das gang und gebe, nur im Hip Hop ist das so verpönt.

Ali A$: Hip Hop ist generell ganz, ganz komisch. Neulich habe ich mich mit Tua darüber unterhalten, weil wir uns so hart aufgeregt haben darüber, dass immer irgendwelche Leute ankommen und sagen: hey tu mal was für deine Stadt, Junge. Und dann haben wir uns überlegt, wo zum Teufel gibt es das noch in der Musiklandschaft, dass du zu nem Popkünstler hingehst und sagst: Sarah Conner bitte tu jetzt endlich mal was für Delmenhorst! Das hast du da nicht. Aber das sind natürlich auch alle diese Eigenheiten, die dazu gehören, dass man sagt, dieses Hip Hop Ding dient dazu die eigenen sozialen Missstände irgendwie zu beschreiben und die Leute können sich einfach nicht vorstellen, dass wenn du mir den Text schreibst und ich den rappe, dass das immer noch Ich bin.

rap.de: Aber es ist doch von dir interpretiert und das ist ja bei Rap auch sehr wichtig. Aber hast du es als Solokünstler nicht manchmal so, dass du bei einem Text nicht weiterkommst?

Ali A$: Ne, dann schmeiß ich ihn gleich weg. Bei mir ist das so ne Momentaufnahme. Als ich angefangen habe, da war es ganz normal, dass wir 3 Wochen für einen Text gebraucht haben, aber das mag ich ehrlich gesagt nicht so. Das Höchste finde ich schon, ins Studio zu gehen, den Beat zu hören, mich zu fragen, was löst der gerade aus, was kann ich von mir preisgeben? Und das muss dann relativ schnell festgehalten werden.

rap.de: Wollen wir mal kurz den Kurzen dazwischen schieben. Ach nein, ihr trinkt noch. Wo waren wir stehen geblieben. Ich vergesse jetzt schon die Themen. Ach so ja. Ein Labelkollege von dir hat gerade Deluxe Records verlassen. Manuellsen, und er hat gesagt, es gäbe nur 2 Labels in Deutschland, die was reißen könnten und Deluxe gehört nicht dazu.

Ali A$: Na gut man, kann sich ja denken, welche die 2 Labels sind.

rap.de: Ja. German Dream und Optik!

(alle lachen)

rap.de: Na ja. Royalbunker ist ja raus. Zum Glück, ansonsten hätte ich wahrscheinlich am Montag das neue Manuellsen Demo auf dem Tisch.

Ali A$: Und das wollen wir ja alle nicht. (lacht – richtig) Aber was ich noch sagen wollte, was mir ganz, ganz am Herzen liegt.

Brennede Ölfelder (richtig: Kaffelikör, Irish Cream, Sambucca – falsch wie hier: Jägermeister und Eierlikör)

Eigentlich sind die Brenneden Ölfelder eine Abwandlung des B52. Alle Alkoholika werden in der oben beschriebenen Reihenfolge vorsichtigst übereinander geschichtet und der Sambucca am Ende angezündet. Dann zieht man alles mit einem Strohhalm weg und muss aufpassen, dass man sich nicht den Mund verbrennt. Da sich Herr Staiger aber falsch erinnerte und den Kaffeelikör fälschlicherweise für Jägermeister hielt und aus welchem Grund auch immer, den Baileys durch Eierlikör ersetzte, kam am Ende ein ganz anderer Drink heraus: Jäger-Ei!
Ali A$: Was macht den Staiger da drinne so lange?
Nora: Der mixt.
Ali A$: Also wenn der Bedienung wäre, dann wäre der schon längst gefeuert.
Nach längerer Wartezeit, in der alle fast eingeschlafen sind.
Ali A$: AAAH. Endlich. Wollen wir’s anzünden?
Staiger: Das geht leider nicht. Ich hab es falsch gemacht.
Ali A$: Sieht auch ein bisschen wie Latte Macciato aus.
Nora: Komm wir packens jetzt einfach. Auf Rap! Auf Rap an sich und das Rap Game!
Ali A$: Oh. Weisch! Weisch! Südhang. Viel Sonne.

rap.de: Neben der ganzen Scheiße, die du so machst, hast du auf deinem Mixtape aber auch ein paar Tracks, die sich mit dem Tod auseinandersetzen. Das scheint dich zu beschäftigen?

Ali A$: Ja auf jeden Fall. Ich mach mir schon hart viel Gedanken über den Tod. Ich glaub das kommt davon, dass ich früher zu viel gekifft habe, aber wenn du dir über das Leben Gedanken machst, dann musst du dir eigentlich auch über den Tod Gedanken machen. Ich bin zum Beispiel jetzt jemand, ich hab nicht krass Schiss vor meinem eigenen Tod, also wenn ich jetzt beim Schlafen sterbe, beim Ficken oder beim Heroin spritzen…

rap.de: Heroin? Ist das interessant für dich?

Ali A$: Also wenn ich wüsste, dass ich sterbe, also wenn ich 180-prozentig wüsste, dass ich sterben werde, dann würde ich es ausprobieren.

rap.de: Also ich glaube, dass kann ich dir versprechen. Du wirst sterben! 200-prozentig!

Ali A$: Nein. Ich meine, wenn ich wüsste, dass ich morgen um dieselbe Uhrzeit wir jetzt sterben würde, dann würde ich es vielleicht machen.

rap.de: Warum? Ich würde dann Liebe machen.

Ali A$: Ja. Das auch. Aber ich glaube auf Heroin kommt das dann noch mal krasser.

rap.de: Ich glaube auf Heroin kommt man gar nicht mehr. Aber egal. Zurück zum Tod…

Ali A$: Ja wie gesagt, vor meinem eigenen Tod habe ich nicht so Schiss, aber vor dem Tod meiner Eltern hab ich übertrieben Schiss. Ich sehe einfach, wie die krass reinackern und trotzdem irgendwie zu nichts gekommen sind.

rap.de: Was ist dein Vater von Beruf?

Ali A$: Der ist Doktor der Politischen Wissenschaften und hat Bücher geschrieben, mit mäßigem bis gar keinem Erfolg. Er hat dann viel als Übersetzer gearbeitet und macht viel fürs Deutsch-Pakistanische Forum. Meine Eltern kommen ja aus Pakistan, haben sich aber hier kennen gelernt, haben dann in Pakistan geheiratet, sind dann wieder hergekommen und ich bin dann direkt am Oktoberfest geboren worden.

rap.de: Auf dem Kotzhügel?

Ali A$: Nein. Aber du musst einfach mal gucken, wie viele Kinder jedes Jahr 9 Monate nach der Wiesn geboren werden. Da geht’s komplett nur um Sex.

rap.de: Das ist Katholizismus. Das ist wie beim Kölner Karneval. Einmal im Jahr kollektives ausrasten. Bist du muslimischen Glaubens?

Ali A$: Nein. Ich glaube nur an mich und an Gott.

rap.de: Diese Geschichte mit Gott, auch bezüglich des Tods, interessiert mich natürlich. Es gibt auf dem Mixtape eine Art Zwiegespräch mit Gott, was sich in einer Art Kinderglauben bewegt und aus Fragen wie "Warum lässt du das zu?“ und so weiter besteht.

Ali A$: Ich habe in den Trackkommentaren aber auch dazu geschrieben, dass das vielleicht kitschig, aber mein Bollywood Einfluss ist. Ich sehe viele Sachen sehr kindlich. Es gab mal ein 50 Cent Zitat, was mich zum denken gebracht hat. Armselig eigentlich. (lacht) Er hat irgendwie gesagt, Niggers believe in Jesus when they start bleeding. Ich habe mir das so interpretiert, dass die Leute erst anfangen zu glauben, wenn es ihnen schlecht geht. Ich kenne auch sehr sehr wenig Leute, die einen gefestigten Glauben haben wenn es ihnen gut geht und in die Kirche rennen und beten und so. Aber sobald irgendetwas passiert, fangen sie an zu beten. Ich war noch nie ein gläubiger Mensch, ich habe immer an das geglaubt was da ist und meines Erachtens nach kann Glauben entsprechend auch nur etwas kindliches sein. Ich bin der Auffassung wenn du stirbst, dann war es das. Mir kommt Glauben oft als etwas vor, womit die Leute hingehalten werden sollen.

rap.de: Aber es könnte doch sein, dass genauso wie sich der menschliche Körper wieder organisch in die Welt eingliedert, auch der menschliche Geist sich wieder in eine Art Ursuppe eingliedert.

Ali A$: Das kann natürlich auch sein, dann wäre der Gedanke der Reinkarnation bei den Hinduisten logisch. Es gibt da schräge Geschichten. Als ich bei Fliege gearbeitet habe, da gab es in einer Sendung Leute die Nahtod Erfahrungen gemacht haben, und die haben alle dasselbe erzählt und das waren keine Leute die unbedingt mit irgendwas ins Fernsehen wollten. Und seitdem bin ich auf jeden Fall auf dem Film, dass es da doch was geben könnte, was mächtiger ist als Punchline Rap (lacht).

rap.de: Ok. Aber du bist ja auch nicht fern davon böses zu tun. Ist das dann der Teufel der dich verführt?

Ali A$: Weiß man nicht. Ich denke schon.

rap.de: Na ja, du fragst in dem Track "Warum machen die Menschen sowas?“ und die Frage daraus ist ja, tun die es weil sie wollen oder verführt sie der Teufel?

Ali A$: Ja, glaube ich. Genauso wie Gott ist der Teufel auch in jedem von uns. Ich sehe Gott jetzt nicht als Weihnachtsmann mit langem weißen Bart sondern eher als eine Art Energie, genau wie den Teufel. Und entweder du entscheidest dich dafür oder dagegen. Der Film "Im Auftrag des Teufels“ spiegelt das ganz gut wieder. Keanu Reeves entscheidet sich dadrin für seine Karriere und dafür jeden Fall zu gewinnen und gibt einen Fick darauf was richtig ist und was nicht. Kitschig gesagt: Gut gegen Böse, wofür entscheide ich mich? Und das gibt es ja auch im Alltag. Sei es mit irgendwelchen Mädels und der Entscheidung ob man die jetzt ganz krass verarscht oder mit offenen Karten spielt. Das ist das gleiche im kleinen Rahmen.

rap.de: Machst du eigentlich noch andere Sachen außer Rap?

Ali A$: Ich habe ja lange in einer Redaktion gearbeitet, bei Fliege, dem Fernsehpfarrer. 3 Jahre lang. Aber zur Zeit? Nein. Es klingt zwar jetzt dumm, aber ich habe für Rap einfach mal alles hingeschmissen, weil ich wissen wollte, wie weit kann ich kommen. Und ich habe auch gute Voraussetzungen später noch was anderes zu machen. Durch das Rap Ding habe ich ja auch schon Angebote von einer Werbeagentur bekommen. Ich denke, dass ist auch gefährlich, wenn sich die Leute zu krass darauf versteifen, dass sie jetzt unbedingt Rapper werden müssen, um in ihrem Leben was zu schaffen. Natürlich ist es sehr verlockend. Es ist ja auch bei mir so, dass ich mit einer halben Stunde an einem Sonntag Nachmittag, mehr Geld verdiene als früher in einem ganzen Monat, wo ich in der Redaktion gearbeitet hab, Überstunden ohne Ende.

Long Island Ice Tea (2 cl Wodka, 2 cl Rum braun, 2 cl Tequila, 2 cl Gin, 2 cl Triple Sec, 2 cl Limettensaft, 3 cl Orangensaft, Mit Cola auffüllen)

Der Long Island Ice Tea ist auf Long Island entstanden, wo die Hausfrauen auf Familienfeiern sich hochkarätige Drinks mit vielen Sorten Alkohol gemixt haben, aber von jeder Sorte nur so wenig, dass es nicht auffällt, wenn sie aus der Hausbar fehlen. Und dann wird es mit Cola oder aufgefüllt, damit es so aussieht als sei es einfach Eistee.
Ali A$: Ahh. Klug. Na dann Prost. Auf die trinkfesten Mädels.
Nora: Ja. Zum Wohle.
Ali A$: Aber das hier sieht wirklich eher aus wie Latte Macciato.
Nora: Ist da Eierlikör drin?
Staiger: Nein, ich hab zu viel Orangensaft erwischt.
Ali A$: Das gute ist, dass sich alles neutralisiert da drin.
Nora: Bäh. Halleluja.
Staiger: Och komm, geht doch. Ein bisschen zuviel Tequila in der Mischung. So, ich bleibe bei Wasser, ich muss noch arbeiten.
Ali A$: Heute darf niemand mehr in der Lage sein, einen normalen Arbeitstag zu führen.  Vor allem ich muss nachher noch ins Studio und so nen überdeepen Song aufnehemen. Und vor allem in der ersten Zeile heißt es so: „Vielleicht sollt ich klarkommen und ein bisschen weniger trinken.“

rap.de: Na ja, wenn es so weiter geht.

Ali A$: Natürlich und es sieht auch verdammt schlecht aus, wenn man sich so umhört. Das ist Endzeitstimmung. Aber trotzdem. Zurzeit läuft’s gut.

rap.de: 2005 hattest du aber einen kompletten Abtörn auf das ganze Geschäft?

Ali A$: Komplett. Also da war echt alles aus.

rap.de: Ende 2005 war das. Anfang 2006 kam aber schon Samy. Das heißt also, dir gings nur 2 Monate schlecht.

Ali A$: Ja genau. Sonst geht’s mir immer gut. Immer knorke. Nein, aber ich sag mal so, ende 2005 war schon der mieseste Abtörn, weil da habe ich betriebsbedingt den Job bei Fliege verloren, ich meine ich habe da eh nur die ganze Zeit gekifft. Kurz vor der Konferenz raus. Hektisch einen durchgezogen. Schön dann noch Augentropfen reingeknallt, diese Berberil, für Kiffer ein Must Have. Na ja, vielleicht war ich eher redaktionelles Mitglied als jetzt richtiger Redakteur. Ok klar, ich musste schon auch richtige Gäste liefern und natürlich musste ich auch gute Sachen abliefern, aber eine große Karriere hätte ich da wahrscheinlich nicht gemacht, aber zumindest weiß ich was es heißt richtig zu arbeiten. Insofern weiß ich das zu schätzen, dass ich jetzt machen kann, worauf ich Bock habe, verdiene vielleicht nicht so konstant Geld, aber bin einfach ein zufriedenerer Mensch, als wenn ich immer in die Arbeit hetze und Dinge machen muss, die mich nicht interessieren.

rap.de: Bist du eigentlich extra fürs Interview nach Berlin gekommen? Deluxe hat Geld.

Ali A$: Nee, ich stand an der Autobahn. Scherz. Ich trampe natürlich nicht. Haben wir noch ein paar interessante Fragen?

rap.de: Natürlich.

Ali A$: Ich wette die Dramaturgie ist so: Nach den "Brennenden Ölfeldern“ ist er hart betrunken, dann kommen wir mit den richtigen Fragen.

Absinth Tampon

Der Absinth Tampon ist etwas für den finalen Absturz. Einfach Tampon in den Schnaps tauchen. Einwirken lassen und dann rektal einführen. Wirkung kommt etwas zeitverzögert. Aber sie kommt.   
Fairerweise müssen wir zugeben, dass der Absinth Tampon an diesem Tag nicht ausprobiert wurde. Ehrlich gesagt kennen wir auch niemand, der das gemacht hat. Deshalb raten wir an dieser Stelle ab, das überhaupt auszuprobieren. Erfahrungsberichte können trotzdem im Forum gepostet werden.

rap.de: Gut erkannt. Du sagst zum Beispiel, dass du Glück hattest nicht bei German Dream gelandet zu sein.

Ali A$: Das stimmt ja auch, ich habe ja trotzdem den Song mit Eko auf meinem Mixtape drauf, aber das Problem ist halt, dass nachdem Ekos Hype sich verlaufen hat, auch das Label nicht mehr großartig Power gehabt hat. Von dir wurde ich ja auch abgelehnt. Tai hat dir ja mal mein Demo… (Gelächter)

rap.de: Ähm, ja. Es gab aber nie eine offizielle Anfrage oder Absage. (Gelächter)

Ali A$: Wie macht man das als ignoranter Mensch? Man antwortet einfach nicht. Zu Recht. Absolut, das war zu einer Zeit wäre ich gar nicht reif gewesen irgendwas raus zu bringen, weil ich gar nicht wusste wohin ich will. Mit Eko habe ich 2004 Songs gemacht, er war gerade frisch von Optik gesplittet, und er wollte gerne mehr von mir hören weil er mich talentiert fand. Dann habe ich ihm das Album gezeigt und er fands gut, aber halt auch, dass es nicht dazu passt was er vorhatte mit German Dream. Er wollte das ja von vornherein auf diese Kanaken Schiene bringen. Da hätte ich einfach nicht gepasst und deswegen ist es gut, dass ich da nicht gelandet bin, weil ich das einfach nicht hätte erfüllen können und auch nicht erfüllen wollte. Das heißt ich hatte vom künstlerischen Aspekt her Glück und wenn man sieht wo GD heute ist, dann habe ich auch noch mal Glück gehabt. Damit will ich nicht sagen, dass Deluxe jetzt mit riesigen Verkaufszahlen kommt, ganz klar, aber vom Standing her, ist Deluxe halt eines der drei, vier Label die einem sofort einfallen wenn man an deutsche Rap Labels denkt.

rap.de: Du denkst also mit Eko zusammen zu arbeiten hätte dir negative Publicity gebracht?

Ali A$: Ja, normal. Guck doch mal was die Leute über Eko denken.

rap.de: Ich finde Eko nach wie vor einen der begabtesten Textschreiber.

Ali A$: Ich auch.

rap.de: Und eigentlich auch einen der begabtesten Rapper, obwohl er auf dem Track mit dir nicht gut rappt.

Ali A$: Könnte ich so auch unterschreiben. Ich habe ihn jetzt nicht zu seinen Glanzzeiten auf meinem Mixtape. Als wir 2004 zusammen den Track gemacht haben, da war bei seinem Part alles aus. Klar, ich als alter Eko Fan hätte mir auch gewünscht er packt den Style noch mal aus, aber wenn ein Künstler gerade auf einem bestimmten Film ist, dann kann man nicht zu ihm sagen, du, mach doch mal so und so. Das ist auch eine Respekt Sache.

rap.de: Wenn man sich seine Stimme wegdenkt, dann ist der Text auch wieder Bombe.

Ali A$: Und auch der Humor: „Deutscher Rap hat mehr Homos als die Navy und so.“
Das schlimme an dieser Szene ist ja auch und da schwöre ich auf was du willst, dass jeder, der heute auf dem Punchline Trip ist, früher Eko gehört und gefeiert hat. Und jetzt reite ich mich wirklich in die Scheiße, aber ich bin der Meinung, dass Savas mindestens soviel von Eko gelernt hat wie Eko von Savas. Ich fand auch "Abrechnung“ im Vergleich zu "Urteil“ besser. Da bin ich vielleicht alleine auf weiter Flur, ist aber so.

rap.de: Nicht ganz alleine.

Ali A$: Ich finde "Abrechnung“ war ein rundes, abgeschlossenes Ding in sich, "Urteil“ waren irgendwelche Line aneinander gereiht mit krassem Flow. Bei nem Diss Song geht’s aber nicht um krasse Flows. Abgesehen davon ist Eko einfach ein überkorrekter Typ, das wissen die wenigsten, die kennen halt nur die Geschichten.

rap.de: Ja. So es reicht. Wir haben ausgetrunken. Jetzt geht nichts mehr. Lichter aus. Danke, es war schön.