Ja Rule

Wer Murder Inc. sagt, muss auch Ja Rule sagen: Nach sechs Solo Alben und einem Best-Of im Jahre 2005 hat das Warten nun ein Ende und Ja Rule schickt Album Nummer 7 in die Gehörgänge. Für ein paar Konzerte kam der 31jährige New Yorker nach Deutschland und wir hatten das Glück ihn erstaunlich entspannt und ausgesprochen gut gelaunt am Telefon zu haben. Trotz Tumult im Hintergrund nahm Ja Rule sich ein wenig Zeit, war charmant und plauderte mit seiner unverkennbaren Reibeisenstimme über "The Mirror", die L.I.F.E. Foundation und den Musikgeschmack seiner Kinder.

rap.de: Hi, ich freue mich dich am Telefon zu haben…wie geht’s dir, bist du heute erst in Deutschland angekommen?

JaRule: Danke, mir geht’s gut. Ja, ich bin heute angekommen, ich mache ein paar Shows, gebe ein paar Interviews und mache Promo für „The Mirror“, das Übliche, du weißt schon.

rap.de: Damit wären wir natürlich auch schon beim Thema, dein nächstes Album heißt „The Mirror“…wann kommt es in die Läden?

JaRule: Richtig, richtig…“The Mirror“ kommt am 13. November, ich glaube ihr hier drüben bekommt es eine Woche später am 20. November.

rap.de: Würdest du sagen dieses Album ist ein Comeback oder warst du nie weg?

JaRule: (lacht) Das ist eine gute Frage. Nenne es, wie du willst, Baby. Fakt ist, es wird ein Klassiker! (lacht) Nein, ich denke, ich war nie weg, aber irgendwie bin ich auch jetzt umso größer wieder da. Nenne es, wie du willst.

rap.de: Würdest du mir bitte kurz den Albumtitel erklären?

JaRule: Ja, klar, mein Album heißt "The Mirror", weil es persönlich ist; ich spiegel mich also selbst wieder, wie in einem Spiegel. Der Moment der Wahrheit sozusagen.

rap.de: Im Promotion Trailer für „The Mirror“ sagst du, es wird dein bestes Album werden. Was macht es denn anders oder besser als deine anderen Alben?

JaRule: (lacht) Sage ich das? Ich meine es auch so. (lacht) Im Ernst, dieses Album wird sehr persönlich, die Leute werden mich richtig kennen lernen. Ich erzähle viel aus meinem Leben, es ist ein Teil von mir, das unterscheidet es von meinen bisherigen Alben, auf jeden Fall.

rap.de: Wenn du sagst dieses Album wird mein Bestes, ist dann auch der Druck besonders hoch? Oder denkt man über so etwas als Rap-Superstar gar nicht nach, weil es sich vermutlich sowieso ganz gut verkaufen wird, egal was man abliefert?

JaRule: Nein, ich arbeite sogar am liebsten unter Druck. Nur so bekomme ich genug Spannung aufgebaut, genug Adrenalin. Ich brauche das um richtig gut arbeiten zu können und ich hatte diesmal viel Druck, also habe ich auch sehr gut gearbeitet. (lacht)

rap.de: Das ist schön zu hören, fassen wir zusammen: Es wird ein unglaublich persönlicher Klassiker.

JaRule: (lacht) Right.

rap.de: Ok, dann sind wir alle gespannt. Mal ein ganz anderes Thema: Du bist Teil und Gründer der L.I.F.E. Foundation. Erzähl mal…

JaRule: Ich habe die L.I.F.E. Foundation vor einer ganzen Weile gegründet und wir haben sehr viel getan. Wir haben seit der Gründung viele Leben verändert. Wir versuchen unseren Wirkungskreis in Zukunft auf jeden Fall auch noch zu vergrößern und noch mehr Jugendliche zu erreichen, es gibt sehr viele da draußen die dringend unsere Hilfe brauchen.

rap.de: Ich habe gelesen, dass du in diesen Projekten auch aktiv mitarbeitest, also nicht wie viele Künstler nur Geld spendest, sondern auch aktiv dabei bist, mitmachst. Ist das richtig?

JaRule: Ja, ich bin so oft wie möglich vor Ort, rede mit den Kids und versuche ihnen etwas mitzugeben. Ich tue etwas.

rap.de: Was sind die Werte, die du diesen Kindern und Jugendlichen zu vermitteln versuchst?

JaRule: In erster Linie sage ich ihnen: Bleibt weg von der Strasse, stay off the streets, haltet euch aus Gangs raus, fangt nicht an Drogen zu nehmen, keine Waffen. Ich versuche diese Kinder, die mit so viel schlechten Dingen konfrontiert werden und in Kontakt kommen, davon abzuhalten sich auf diese Dinge einzulassen. Wir versuchen ihnen aber auch praktische Dinge beizubringen, wie man Geld verdient, das man dieses Geld auf Konten anlegt, das man in Aktien oder Immobilien investieren kann…viele dieser Kinder bekommen so etwas zu Hause nicht beigebracht, also wie man mit Geld umgeht, vor allem viele schwarze Kinder. Das ist aber wichtig, weil man in seine eigene Zukunft investieren muss. Gleichzeitig versuchen wir aber auch einfach ihnen positive, schöne Dinge, Dinge die Spaß machen anzubieten.

rap.de: Du bringst ihnen also auch bei "Business" zu machen…

JaRule: Ja, aber wir bauen und gründen zum Beispiel auch gerade eine Schule, in der Kinder und Jugendliche Dinge über Musik und Musikproduktionen beigebracht werden, in denen ihnen praktische  Fähigkeiten vermittelt werden, vor allem auf Gebieten an denen ich auch Interesse habe. Dinge über Filme. Da bekommen sie auch einen Überblick darüber, was ich gerne so mache.

rap.de: Diese ehrenamtliche Arbeit hat ja in den USA einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland, was war der für dich emotional bewegendste Moment während dieser Arbeit?

JaRule: Da gab es sehr viele Momente, weißt du? Lass mich überlegen…Eine der Geschichten die mich sehr berührt haben war die, von einem Jungen, der die Schule geschmissen hatte, inzwischen bei Drogen angelangt war und wir haben ihn dazu bekommen an einem Gedichtwettbewerb teilzunehmen, an sich zu arbeiten und seine AP zu bestehen [Advanced Placemet Prüfungen, etwa gleichwertig mit dem Abitur, Anmerkung der Redaktion], diese Art von Geschichten sind es, die Momente in denen man das Leben der Leute zum positiven verändern kann, eigentlich alle diese Geschichten sind sehr wichtig und berühren mich auch.

rap.de: Willst du damit sagen, das du aus dieser gemeinnützigen Arbeit auch Kraft ziehst, sie dich inspiriert?

JaRule: Ich versuche einfach ein paar Leute etwas glücklicher zu machen, das ist alles.

rap.de: Ok. Du veränderst Leben durch deine Arbeit, was glaubst du veränderst du, oder versuchst du durch deine Musik zu verändern?

JaRule: Das kommt darauf an. Es kommt darauf an, wie man meine Musik sieht. Ich verstehe Musik als Entertainment. Vielleicht sind meine Platten nicht unbedingt tiefgründig, aber man kann damit Spaß haben. Und wenn jemand an einem Tag, an dem für ihn alles dunkel und negativ scheint, meine Musik anmacht und dann Lust hat mit dem Booty zu wackeln und seinen Arsch auf der Tanzfläche zu bewegen, dann habe ich das geschafft was ich wollte, ihm etwas Positives geben, dann ist das genauso wichtig wie Lieder mit Massage.

rap.de: (lacht) Da ist was Wahres dran.

JaRule: (lacht) Wir verstehen uns.

rap.de: Ok, anderes Thema: Ich habe gehört, du bist dabei einen autobiographischen Film zu machen, stimmt das?

JaRule: Ja, ich arbeite da im Moment dran.

rap.de: Ist das eine Dokumentation oder ein Spielfilm?

JaRule: Ich verfilme mein Leben, also ein Spielfilm.

rap.de: Wird es ein Film über dein ganzes Leben, also auch deine Kindheit oder nur deine Tage als Musiker.

JaRule: (lacht) Ich mache ja schon eine ganze Weile Musik, eigentlich sollte das für einen Film reichen. Es wird Flashbacks in meine Kindheit geben, aber eigentlich wird er vor allem während meiner Zeit als Rapper spielen.

rap.de: Also deine Karriere nachvollziehen oder wie? Erzähl uns mehr.

JaRule: Ja, zum einen das, zum anderen wird auch viel aus meinem Privatleben erzählt werden. Auch darüber wie ich die Brücke schlage zwischen dem Familienmenschen und dieser wahnsinnigen Karriere. Er ist wahrscheinlich nächstes Jahr fertig, dann werdet ihr es sehen.

rap.de: Du hast sie gerade selbst schon erwähnt, deine Familie. Du hast ja auch Kinder…zwei oder drei?

JaRule: Ich habe drei. Zwei Jungs und ein Mädchen. Sie sind 12, 7 und 4 Jahre alt.

rap.de: Im Moment ist Rap in den USA ja mal wieder wegen diskriminierenden und sexistischen Texten stark in der Diskussion, würdest du deinen Kindern „erlauben“ Rap zu hören?

JaRule: Ja, einiges davon. Sie hören auch einiges. Ich lasse sie Soulja Boy hören und so Sachen, aber sie dürfen sich natürlich nicht Daddys Sachen anhören (lacht).

rap.de: (lacht) Verständlich.

JaRule: (lacht) Na ja, einige Sachen natürlich schon, aber es sind ja auch eine Menge „erwachsenen“ Songs dabei, die dürfen sie nicht hören.

rap.de: Wenn du so zurückblickst auf deine Karriere und hinsichtlich deines Films hast du das ja sicherlich getan, würdest du dich in Situationen dann anders entscheiden?

JaRule: Nein, ich würde nichts anders machen. Alles ist mehr oder weniger so gelaufen wie ich das wollte und ich bereue definitiv nichts davon.

rap.de: Wow. Das ist schön. Für dich auf jeden Fall.

JaRule: (lacht) Ja, besonders für mich.

rap.de: Ok, ich bin fast fertig. Gibt es irgendetwas, was du Deutschland schon immer mal sagen wolltest? Oder zumindest den Fans, die das hier lesen?

JaRule: Haltet Ausschau nach meinem neuen Album und holt es euch! Ich danke für die Unterstützung und die Liebe die ich von euch bekomme. Ich komme nicht nur mit meinem Album sondern werde auch auf Welttournee gehen, haltet auch da nach mir Ausschau!

rap.de: Wirst du eigentlich bei deinen Auftritten in den nächsten Tagen auch schon Songs von „The Mirror“ performen?

JaRule: Ja, auf jeden Fall.

rap.de: Na gut. Dann war es das soweit von mir. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast und viel Spaß in Deutschland weiterhin.

JaRule: Aight! Ok, danke auch an dich, bye bye.

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