Flying Steps

Wenn man in Deutschland über Breakdance spricht, gelangt man zwangsläufig zur Berliner Formation Flying Steps. Nachdem sie in diesem Jahr zum zweiten Mal die Red Bull Beat Battle  gewonnen hatten, wollten wir mehr wissen. Wir trafen die Flying Steps in unserem Kreuzberger Büro, um mit ihnen über den diesjährigen Wettbewerb und ihre Zukunft zu sprechen.


Rap.de: Erstmal im Namen von rap.de herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz bei der Red Bull Beat Battle. War die Konkurrenz in diesem Jahr härter als im Jahr zuvor?

Flying Steps: Die Konkurrenz war auf jeden Fall härter. Die Leute wussten ja vom ersten Jahr, was auf sie zukommt. Im ersten Jahr war es noch so, dass keiner wusste, was das für ein Event werden würde, auf was achtet die Jury und die Zuschauer. Wir waren die ersten, die angefangen haben, mit Gegenständen zu arbeiten und einfach eine ganz andere Show gemacht haben, als alle anderen Crews. Die meisten haben ganz normale VIVA-Shows gemacht und wir kamen dann gleich mit einer Story an. Wir haben unsere Story „Living Room“ genannt und haben einfach mal andere Sachen als gewöhnlich eingebaut. In diesem Jahr war es dann so, dass alle Gruppen, die dazu eingeladen wurden, wussten, auf was sie achten müssen, um zu punkten. Für uns war natürlich das Problem, was machen wir, wo wir jetzt noch einen drauf setzen müssen. Das haben wir zwar geschafft, dabei aber auch gemerkt, dass die Konkurrenz ziemlich stark war. Da waren drei bis vier Gruppen, die in der engeren Auswahl waren, die ganz oben mitgespielt haben.

          

Rap.de: Woran habt ihr mehr Spass? Macht ihr lieber Shows oder Battles? Vielleicht beides?

Flying Steps: Am Anfang, wenn man als B-Boy anfängt, will man natürlich nur battlen, hauptsache zeigen, wer der Bessere ist. Mittlerweile ist es so, dass es neue Events gibt, bei denen es darum geht, nicht nur zu battlen, sondern auch Shows und Kreativität zu zeigen. Das liegt uns gerade mehr. Wir haben eine Zeit lang viele Battles gemacht und jetzt ist unsere neue Ära gekommen, in der wir sagen, dass wir nicht nur battlen, sondern den Leuten auch etwas geben wollen. Wir wollen aus B-Boying und Breakdance mehr machen als nur diesen Urban Dance. Das man diese Sache entwickelt und auf eine andere Ebene bringt, vielleicht ins Theater. Und da liegt für uns zur Zeit showtechnisch der Fokus, in diesem Bereich einer der besten zu sein.

 
Rap.de: In den letzten Jahren habt ihr als Gruppe schon eine Menge geschafft. Gibt es Sachen, die ihr unbedingt noch erreichen wollt?

Flying Steps: Unser größtes Ziel ist, mit der Musik wieder an den Start zu kommen. Unsere Tanzschule gehört auf jeden Fall zu den nächsten Dingen, die wir angehen werden. Richtige Ziele haben wir nicht. Das einzige, was wir wirklich wollen, ist, vielleicht mal mit mehreren Tänzern so eine Art Musical auf die Beine zu stellen. So was ganz großes aufbauen. Ich denke mir, das ist der nächste Schritt, den wir irgendwann gehen werden.

Rap.de: Am 1.06. erscheint eure Single „Operator“. Wie kam es dazu, dass ihr als Tänzer eine Single aufnehmt?

Flying Steps: Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir da einen gewissen Background haben. Wir haben 1998 das erste Mal Musik rausgebracht, da wurden wir noch gefeatured mit dem Song „Supersonic“. Das war ein super Erfolg. Das Ding war in den Charts, auf Top 10, wir haben dafür Platin bekommen. Auf diesem Weg sind wir in das ganze Musikbusiness reingerutscht, aber es macht ja auch Spaß, weil für uns geht es nicht nur darum, die Musik zu transportieren, sondern diesen Tanz, den wir machen, das B-Boying, nach außen hin kommerziell zu präsentieren und den Leuten zu zeigen, worum es dabei eigentlich geht. Andererseits wollen wir natürlich auch davon leben, man muss ja ganz ehrlich sein, dass man es nicht immer nur aus Spaß macht, sondern es auch ein hartes Business ist.

        

Rap.de: Welche Musikrichtung wird das sein, gibt es ein bestimmtes Thema und worum geht es in dem Video?

Flying Steps: Die Musikrichtung ist eher poppig, elektronisch, ein bisschen von Hip Hop angehaucht. In dem Song geht es darum, das eine Frau bei dem Operator anruft und um Hilfe bittet. Es ist auf jeden Fall ein cooles Video geworden. Wir werden jeder einzeln bei der Arbeit angerufen und eilen ihr dann zur Hilfe, während sie in einem Club bei einem Tanzwettbewerb ist. Wir schreiten dann ein, machen unser Ding und am Schluss wird es eine coole Party.

Rap.de: Wann wird das Video zu sehen sein? Oder ist es schon irgendwo zu sehen?

Flying Steps: Wir warten jetzt nur noch auf die Reaktionen von VIVA und MTV. Sobald die es annehmen, geht es los. Wenn nicht, wird es auf jeden Fall auf unsere Seite  www.flying-steps.de zu sehen sein. Wir haben viele Tänzer eingeladen, haben viele Locations gehabt, an denen wir gedreht haben und wir hoffen, dass es jetzt bald bei VIVA und MTV zu sehen sein wird.

Rap.de: Wer hat die Single produziert? Ihr selbst, oder jemand anderes?

Flying Steps: Jürgen Wind ist ein Produzent von uns, dann Roc-Fam, die uns unterstützen und helfen. Es wird ein richtig fettes Album werden, auf dem es viele Features geben wird, wie zum Beispiel die Sängerin Martay aus dem Video. Dann Lil Steph, die ist auch eine sehr bekannte Tänzerin im Urban Dance, sie hat dieses Jahr die Weltmeisterschaft gewonnen als Hip Hop Tänzerin und dann haben wir noch  Master Blaster. Wir wollten, dass das Album mit vielen Künstlern gefeatured wird, damit es nicht so eintönig wird. Es werden auch krasse Breakbeats für unsere Leute mit rein kommen, also ein richtig fettes Album, das dann auch Ende Juni rauskommen wird.

Rap.de: Du nimmst mir meine Fragen vorweg.  Wird es ein Album geben, wenn ja, wann?

Flying Steps: Unser Album wird gerade produziert, es ist auch schon zur Hälfte fertig und wird, wenn die Single am 01.06. erscheint, wie gesagt Ende Juni rauskommen

Rap.de: Abhängig vom Erfolg?

Flying Steps: Sowieso, egal was kommt.

 

Rap.de: Ihr habt ja jetzt auch eine eigene Tanzschule. Ihr könnt uns ja mal kurz erzählen, wo man die findet, was ihr unterrichtet und wer dort unterrichtet?

Flying Steps: Es war schon immer ein Traum von uns gewesen, eine eigene Tanzschule aufzumachen, wie wahrscheinlich für jeden Tänzer oder B-Boy. Wir haben es endlich geschafft, diesen Schritt zu wagen und die Tanzschule wird am 01.06. ihre Türen öffnen. Die Schule ist am Tempelhofer Ufer 10, das ist etwa zwischen den U-Bahnhaltestellen Möckernbrücke und Hallesches Tor. Wir unterrichten dort als erstes vor allem B-Boying, wo wir auch sehr viel Wert darauf legen, selbst vor Ort zu sein, aber auch Sachen wie House, Hip Hop, Popping, Locking. Das sind natürlich auch wichtige Elemente, die da unterrichtet werden sollen. Wir haben auch schon ein sehr gutes Trainerteam für diesen Bereich zusammengestellt.

        

Rap.de: Was sind die nächsten Projekte, wenn das mit der Tanzschule und dem Album erst mal fertig ist? Gibt es da noch neue Projekte? Oder reicht das erst mal für die nächsten zehn Jahre?

Flying Steps: Deswegen heißt es ja auch nicht die "Flying Steps Tanzschule“, sondern die „Flying Steps Academy“. Wir werden da viel mehr machen. Wir wollen die Leute nicht nur unterrichten, sondern uns wirklich einer breiten Masse anbieten und denen zeigen, welche Tanzform wir machen, wie das aussieht und was wir damit erreichen wollen. Den Leuten soll so einfach die ganze Kultur besser vorgestellt werden. Das werden einige weitere Projekte sein, zum Beispiel Theaterprojekte oder dass wir ein Musical aufbauen wollen. Es wird sich alles andere mit der Academy weiter aufbauen. Daran sind dann die nächsten Projekte gebunden.

Rap.de: Wer kann zu euch kommen? Muss man bestimmte körperliche Vorraussetzungen mitbringen oder ein bestimmtes Alter?

Flying Steps: Ich denke mir, dass jeder, der Spaß am Tanzen und ein bisschen Rhythmusgefühl hat, kommen kann, ob der jetzt fünf Jahre alt ist oder 80, spielt eigentlich keine große Rolle. Die Frage ist, wie man Leute  in den Unterricht einbindet. Wir werden dann schauen, wie groß die Nachfrage ist. Wenn viele Leute Tanzen lernen möchten, müssen wir die Schule vielleicht erweitern.

Flying Steps: Es ist wichtig zu betonen, dass die Tanzschule nicht nur für Profis ist, denn dann braucht man ja nicht mehr zu uns zu kommen.

Rap.de: Aber auch die können kommen?

Flying Steps: Sie können natürlich gerne, wenn sie sich weiter entwickeln möchten. Es kann wirklich jeder in jeder Altersgruppe hinkommen. Wir werden Anfängerkurse, Fortgeschrittenenkurse und Kurse für die professionellen, die sich weiterentwickeln wollen anbieten, weil wir in unseren Workshops festgestellt haben, dass die Kurse sehr gemixt waren und manche sich benachteiligt gefühlt haben. Die Kurse an der Akademie werden wir auf jeden Fall so gut aufteilen, dass für jeden etwas dabei ist.

Flying Steps: Was wir auch auf jeden Fall machen werden, ist, dass wir andere Tanzlehrer, die auf einen bestimmten Stil spezialisiert sind, einladen werden, von denen wir vielleicht selbst noch etwas lernen. So dass Profis andere Profis unterrichten und die Leute besser voneinander lernen können.

Rap.de Für die Leute, die es nicht zu eurer Tanzakademie schaffen: Was gebt ihr denen auf den Weg, was ratet ihr denen?

Flying Steps: Fangt einfach an, egal wie. Wir haben das auch so gemacht. Wir haben uns Videos angeguckt, haben uns das sonst irgendwo abgeschaut, sind dann nach Hause oder in Jugendclubs gegangen und haben es da trainiert. Am besten lernt man natürlich von Leuten, die einem zeigen, wie was geht. So lernt man es dann in der Regel auch richtig. Einfach den Mut aufbringen, den ersten Schritt zu gehen.

 

 

Rap.de: Habt ihr sonst noch etwas, dass ihr unbedingt los werden wollt?

Flying Steps: Auf jeden Fall noch mal zurück zu unserer Eröffnung am 01.06. Es wird bei freiem Eintritt ein großes Hoffest geben. Die Tanzschule hat etwa 300qm. Es wird  für jeden etwas dabei sein, so dass auch Eltern mit ihren Kindern kommen können. An diesem Tag ist auch die Record-Releaseparty von unserer Single.

Rap.de: Ihr werdet da auch performen?

Flying Steps: Das ist noch nicht wirklich klar, ob wir das machen werden, aber wir sind natürlich alle vor Ort und feiern unsere neue Single „Operator“. Grüße an alle Tänzer da draußen – kommt und schaut euch mal das ganze an.
Auf jeden Fall wollen wir allen noch mal danken, die uns dabei unterstützt haben oder weiterhin unterstützen. Das ist unser Management, Hauptstadt Management, weiterhin Leute wie Amok, die uns sehr unterstützen und die ganzen Jungs, die gerade bei uns in der Tanzschule arbeiten, damit wir dieses Ding am ersten nach vorne bringen können. Den Leuten müssen wir wirklich danken, denn ganz alleine hätten wir es niemals geschafft und wir sind stolz darauf dass wir es gemeinsam geschafft haben.

Rock On

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