Questlove

Es sind seltsame Umstände unter denen wir Amir ?uestlove Thompson zum Interview trafen. Questo war halbkrank und so wurde aus einem geplanten 30 Minuten Interview eine Pressekonferenz. So trafen wir auf einen trotz angeschlagener Gesundheit bestens gelaunten Rootsdrummer, der es sich dann doch nicht nehmen lies, sich mit uns über 45 Minuten zu unterhalten. Im Gespräch bewies er wiedereinmal, dass er nicht nur mit den Händen – wahlweise als DJ oder Drummer – sondern auch durchaus mit dem Mundwerk sprechen kann und das in allen drei Gebieten sehr eloquent. Öffnet die Augen, macht den Geist frei: Questlove.
 
rap.de: Euer neuestes Album unterscheidet sich vom Klang her doch etwas von den Vorgängern. Waren die Umstände, unter denen ihr aufgenommen habt, andere als vormals?

Questo: Wir haben 3 Monate auf Jay-Z gewartet bis er denn DefJam-Vertrag unter Dach und Fach gebracht hat, so dass wir mit den Aufnahmen anfangen konnten. Schlußendlich dachten wir: "Scheiß drauf", haben den Computer angeschmissen und angefangen zu recorden. Nun war es so, dass wir erst die Demos fertigstellen wollten und dann in ein größeres, professionelleres Studio gehen wollten um dann das Ganze nochmal aufzunehmen. Das Album ist nun aber so dunkel und roh geworden und uns hat das sehr gefallen, so dass wir es so ließen. Das Einzige, was wir nochmal überarbeitet haben, waren die Vocals. Die haben wir nochmal in einem besseren Studio aufgenommen. Somit ist eine Hälfte des Albums vom Sound her wie eine Garage-Band und die Andere klingt nach ProTools. Es war das erste Album, für das wir nicht in ein professionelles Studio gegangen sind um zu recorden. Eine lehrreiche Erfahrung war es jedenfalls.

rap.de: Auf "Clock With No Hands" wird gesagt: "HipHop was Black America’s CNN / and now turned into Black America’s UPN". Kannst Du dieses Statement, das sich auf das momentane Rapgeschehen bezieht, etwas genauer erläutern?  
  Questo: CNN ist ein informativer Sender, der den Zuschauern mit Informationen aus der ganzen Welt versorgt, sei es nun der Finanzmarkt oder Außenpolitik. HipHop war mal so. UPN gibt es heutzutage nicht mehr, aber dabei drehte es sich ausschließlich um lokale Nachrichten. Wenn man nun sagt, etwas sei UPN, dann meint man damit, dass etwas ziemlich eindimensional ist und genau den Glauben schürt, den Amerika der schwazen Bevölkerung gegenüber darbietet. Es wird nur ein Aspekt der afroamerikanischen Bevölkerung gezeigt und die Anderen werden außer Acht gelassen. Am Einfachsten lässt sich das an folgendem Beispiel erläutern: Die Leute dachten oder manche denken immernoch, dass Afrikaner sich im Jungel von einer Liane zur Nächsten bewegen. Das ist nicht wahr! Man stellt eine bestimmte Seite besonders zur Schau.
rap.de: Was würdest Du jemandem entgegnen, der HipHop nur von MTV kennt, es als frauenfeindlich, brutal und gewaltverherrlichend beschreibt und nichts von den ganzen Underground-Sachen weiß, die damit meist nichts zu tun haben?

Questo: Jeder, der gewisse Zweifel gegenüber HipHop hat, wird dieses Argument vorbringen. Die meisten Kritiker, die über ein bestimmtes Genre schreiben – sagen wir 9 von 10 – haben sich nicht tiefergründig mit dem Thema befasst. Alles, was mit Kunst zu tun hat, ist nur zu einem sehr geringen Teil repräsentativ. 10 Prozent davon sind meistens repräsentativ dafür, was wirklich draußen passiert. Für mich ist Michael Jordan einer der besten Spieler in der NBA. Nun liegt aber ein großer Unterschied zwischen dem besten Spieler aller Zeiten und dem besten Spieler der NBA. Auf jeden Michael Jordan oder Allen Iverson kommen 20 Spieler, die nur auf irgendeinem Court spielen, ihnen aber in den Arsch treten würden. Das habe ich auch schon zu einem Jazzfreund gesagt: "Du schaltest 3 Minuten BET an und danach erlaubst Du Dir eine Verallgemeinerung, worum es sich nun bei HipHop dreht." Jedesmal wenn jemand mir solche Kritik gegenüber äußerst, frage ich denjenigen, ob er eigentlich weiß, wie gewalttätig Country-Musik teilweise ist: Johnny Cash erschießt in seinen Songs andauernd irgendjemanden. Das ist auch gewalttätig in meinen Augen. Der Grund, warum sowas einfach durchgeht, ist, dass es in den USA kein Bemühen darum gibt, verschiedene Kulturen kennenzulernen. Die Staaten sind ein Schmelztiegel. Trotzdem ist die Mentalität, die vorherrscht: "Don’t come in my backyard!" Jeder für sich. Es soll immer eine gewisse Distanz gewahrt bleiben. Da man sich nicht mit den anderen Kulturen auseinandersetzt, heißt es dann ziemlich schnell: "Oh, alle Schwarzen tragen Uzis und verkaufen Drogen". Alles ist rein oberflächlich.

rap.de: Wenn man sich typische Live-Crews anschaut, wird einem ziemlich schnell klar, dass es keine andere Gruppe wie "The Roots" gibt. Eigentlich ist es doch recht ungewöhnlich, dass ein Drummer ein Interview gibt. Wieso ist es bei "The Roots" so? Warum bist Du die Stimme und nich Black Thought?

Questo: Weil ich die Gruppe gegründet habe (lacht). Die meisten Leute glauben ja, dass der Lead-Sänger – bei uns der Lead-Rapper – die Gruppe gegründet hat. Das ist ja auch nicht falsch. Black Thought und ich haben die Gruppe gemeinsam gegründet. Am Ende werde ich jedoch als Gründer genannt. Zumal habe ich wahrscheinlich die größte Geduld um der Presse Rede und Antwort zu stehen. Ich sitze in der Woche zwischen 10 und 15 Stunden mit der Presse zusammen. Black Thought muss auch ein bisschen seine Stimme schonen. Unsere Meinungen überschneiden sich ja – also zählt meine Stimme für die gesamte Gruppe.

rap.de: Als Drummer wurdest du berühmt. Warum hast du dir ein zweites Standbein zugelegt und bist mittlerweile auch als DJ unterwegs?

Questo: Anfangs waren diese DJ-Gigs nur ein Hobby, mittlerweile sehe ich das Ganze als eine wichtige Mission. Dank meines Namens kann ich es mir leisten, Sachen aufzulegen, die man nicht erwarten würde. Als ich zum ersten Mal das Theme von „Prince Of Bel-Air“ aufgelegt habe, hörten alle auf zu tanzen und sahen mich an, als sei ich wahnsinnig. Aber das macht das DJing für mich aus, ich will das Publikum erziehen. Gewöhnlich lege ich nach jeder Roots-Show etwa 300 Tracks auf. Das dauert dann bis zu 5 Stunden. Ich nutze die Zeit, um den Leuten die Grundlagen und die Vielfalt von HipHop näher zu bringen. Deshalb spiele ich Stücke von Benny Goodman und Banger der Three 6 Mafia oder mixe Fela Kuti mit Jonny Cash und Miles Davis mit Led Zeppelin. Damit auch jeder versteht, wie diese Stücke zusammen hängen, habe ich sie so angeordnet, dass ein gewisser Fluss und Zusammenhang deutlich wird. Ich spiele Beispielsweise das Original und dann den Track, in dem das Sample verwendet wurde. Einflüsse und Elemente aus den verschiedensten Musikrichtungen in einer Musik verbinden, das ist für mich die wahre Definition von HipHop.

rap.de: Auf dem neuen Album gibt es auch den Song "False Media", bei welchem Public Enemy’s "Don’t Believe The Hype" als Vorbild galt. P.E. hielten es eher ironisch und sarkastisch aber bei eurem Song klingt alles sehr pessimistisch. Sind es die Medien oder was sonst noch?
Questo: Nicht zwangsläufig hier (in Deutschland). Man muss sich darüber informieren, was die eigene Regierung tut und somit benutzte ich auch oftmals europäische Medien um herauszufinden, was George Bush machen will. In den Staaten sind die Medien oftmals (fast ausschließlich) in den Händen von Unterstützern der Republikaner. Ruppert Fox gehört Fox (der Sender) und ironischerweise auch MySpace (lacht sarkastisch). Er bekommt unglaubliche Steuervergünstigungen seitens der Regierung. Dadurch wird die Berichterstattung über die republikanische Politik auch in ein ganz anderes Licht getaucht (ein Positiveres). Das Problem daran ist, das wir (die USA) eine riesige Pop-Nation sind. Wenn man etwas oft hört, dann fängt man an, es zu glauben. Darum hinterfragen die meisten Amerikaner auch nicht besonders viel. Als "Fahrenheit 9/11" rauskam gab es einen großen Aufschrei. "Really? We never knew that!" hieß es da. Manchmal muss man andere Quellen, darunter Europäische, nutzen, um herauszufinden, was im eigenen Land abgeht. Katrina war noch so ein expliziter Fall. Die Wahrheit über die Ausmaße von Katrina haben wir hier in Europa mitbekommen. BBC oder SkyNews haben die Regierung der Vereinigten Staaten wirklich hart kritisiert. In den Staaten haben Sender wie Fox hauptsächlich darüber berichtet, dass Leute geplündert haben, ohne hierbei jedoch zu bedenken, dass die Leute plündern mussten um am Leben zu bleiben. Wie es Kanye West gesagt hat. Das hat uns zu diesem Song bewogen.

rap.de: Du bist bekennender Borat-Fan. Kannst du einem ungläubigen Europäer erklären, wie viel an dem Film wahr ist und was du so an Borat magst?

Questo: Viele meiner Freunde wollten den Borat-Film nicht sehen und waren der Meinung, dass sei alles nicht lustig. Aber dieser Film ist weitaus mehr als eine Komödie. Was Sacha Baron Cohen da gelungen ist, wollte schon Andy Kaufmann in den 80ern mit „Saturday Night Live“ schaffen. Beide führen ihre Gäste auf’s Glatteis. Nur war Kaufmann eine Berühmtheit und Borat kannte vor dem Film keiner. Er hat Leute dazu gebracht, sich von ihrer wahren Seite zu zeigen, weil sie wohl dachten, das ist ja nur für’s kasachische Fernsehen. Versteh mich nicht falsch: Amerika ist ein wundervolles Land, aber es hat auch seine hässlichen Seiten, die nicht gerne gezeigt werden. Borat hat da einige Sachen offen gelegt, die die Amerikaner sonst immer am liebsten unter den Teppich kehren.

rap.de: Was versteckt sich hinter dem Albumtitel "Game Theory"? Beinhaltet das was Soziologisches, da das Wort "Theorie" drin steckt?

Questo: Erinnert ihr euch an den Film "A Beautiful Mind"? John Nash, der von Russell Crowe gespielt wurde, stellte eine Formel auf, die ihm den Nobelpreis sicherte. Jene Formel war eine Strategie zum Sieg oder zur Niederlage. All unsere Albumtitel waren immer auf drei Sachen gestützt: den Wurzeln, den momentanen Stand von HipHop und der momentanen Weltlage. Wir befanden, dass 2006 der Tropfen sein würde, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das Roulette wird dir entweder alles bringen oder du wirst alles verlieren. Ich denke mal, dass wir bis dato richtig mit dieser Vermutung gelegen haben. In Hinsicht auf die Okönomie, Soziologie, die Politik und HipHop. Aber letztes Jahr war für mich das Major-Label-HipHop-Jahr. Die Alben von The Game, The Clipse und Snoop Dogg – diese drei Alben waren so gut wie als hätte man 12 Orgasmen hintereinander. Seit 2000 kam majormässig nicht viel rüber und ich dachte schon, es wäre vorbei. Ich bin wohl einer der wenigen Leute, die Jay-Z nicht kritisieren. Ich finde, er hat ein sehr solides Album abgeliefert. Die Leute hatten einfach viel zu hohe Erwartungen. Jetzt geben sich alle Kritiker viel Mühe, Jay-Z bestmöglichst in die Tonne zu kloppen. 2006 war ein gutes Jahr für HipHop. Aber 2006 war auch ein Jahr, wo wir nicht wussten, ob The Roots noch einen Platz im HipHop einnehmen konnten. Es geht ja heute hauptsächlich um Image. Und wir verkaufen halt kein Crack oder Crunk.

rap.de: In den USA gibt es ja nur die zwei großen Parteien – die Demokraten und die Republikaner. Jemand wie 50 Cent, der viel Geld macht – würde der eher als Republikaner eingestuft werden oder als Demokrat?

Questo: an kann wirklich keinen sonderlichen Unterschied zwischen Republikanern und Demokraten feststellen. Die Demokraten sollten eigentlich die Stimme des Volkes sein aber die meisten Leute würden sagen, dass die Demokraten keine Eier haben und keine bestimmte Meinung vertreten können. Heutzutage gibt es drei Parteien – die Republikaner, die Demokraten und die sogenannten "Moderts" (die Bequemen bzw. die Gemässigten). Jene Moderts sind eine Art Demokraten, die jedoch auch konservative Meinungen vertreten, zum Beispiel in Hinsicht auf die Steuerkürzungen. Aber bei anderen Fragen, wie zum Beispiel der Homo-Ehe oder dem Krieg, zeigen sie sich liberal. Gegen Krieg und Pro-Homo-Ehe. Eine Art "Nice Guy"-Republikaner. Ein Wechsel könnte nur durch eine Revolution hervorgebracht werden. Jeder, der einen Wechsel gebracht hat, sei es nun Che (Guevara), Malcolm (X) oder Martin (Luther King Jr), hat gezeigt, dass eine kleine Idee in etwas Großem münden kann. Martin (Luther King Jr) ist ja nicht eines Tages aufgewacht und hat 7 Millionen Menschen aus allen Teilen Amerikas gesagt: "Let’s fight for our rights!" Es hat in seiner Kirche angefangen, wurde dann in weitere Kirchen getragen und von dort aus kam es in die Staatskirchen. Dann schloßen sich fünf Staaten, darauf eine ganze Region zusammen und dann erst hat das ganze Land darauf reagiert. Politik ist eine schöne Sache aber Revolution und Wechsel gehen meist von einer Person aus.

 


rap.de
: Wenn man dich so bei Interviews hört und deine Ansichten analysiert, stellt man sich oftmals die Frage: "Warum tritt so eine intelligente Person nicht mal ans Mic?" Wieso ist es bis dato noch nicht dazu gekommen?

Questo: Früher habe ich das wirklich mal gemacht, da es Spaß mit sich brachte. Ich jedoch glaube daran, dass jemand, der besser für einen solchen Job geeignet ist als ich, jenen auch machen sollte. Man sollte nicht allzuviel Wert auf sein eigenes Ego legen. Nur weil es einem sagt, dass man dazu in der Lage ist, entspricht das nicht zwangsläufig der Wahrheit. Außerdem mag ich es, als eine Art "Verkehrspolizist" zu agieren. Das werdet ihr auf der Bühne gleich feststellen. Ich kontrolliere alles aus dem Hintergrund. In dem Job bin ich sehr gut.
rap.de: Wie ist eigentlich die Beziehung zur Band und speziell zu Black Thought nach sovielen Jahren, die ihr zusammen auf Tour, in Hotels und sonstwo miteinander verbracht habt?
Questo: Wir verbringen ungefähr 200 Tage im Jahr zusammen. Manchmal ist es cool und manchmal halt nicht. Wir haben das Problem gelöst indem wir nun mit 2 verschiedenen Bussen reisen (allgemeines Gelächter). Die gut miteinander harmonierenden Persönlichkeiten finden sich da zusammen. Man braucht nicht viel um gut miteinander auszukommen – ein bisschen Weed, zwei Busse und – wichtig – nicht die Sojamilch trinken! Dann wird alles gut (lacht). Es ist eigentlich komisch, dass du das erwähnst. Vor zwei Nächten in Amsterdam haben sich Kamal & Tariq in einer Bäckerei gefetzt. Die Zwei gegen Neun. Danach mussten sie mit Stichen genäht werden. Jedenfalls hat diese Schlägerei die Beiden wie Brüder miteinander verbunden. Gestern morgen wurden wir sogar bestohlen. Aber ich denke, dass hat uns als Gruppe noch enger zusammen geschweißt. Das soll jedoch keine Verrückten dazu bewegen, uns weiterhin verprügeln zu wollen oder uns zu bestehlen! (lacht)

rap.de: Ihr habt ja bei Dave Chapelle’s "Block Party" die komplette Zeit über als Hintergrund-Band agiert. Wie fühlt man sich nach so einem 12 Stunden-Marathon?

Questo: Es war eine riesen Ehre für uns. Wir kennen Dave ja auch schon seit einer Ewigkeit. Viele Leute fragen natürlich, ob es hart war, 12 Stunden am Stück zu spielen. Nein, war es nicht. Was ihr da auf der Bühne gesehen habt – so ging es in meinem Wohnzimmer 10 Jahre lang ab! Als The Roots zum ersten Mal rauskamen, war es sehr schwer für uns, da es niemanden gab, der uns auch nur ähnelte. Nach drei Jahren der Versuche und keiner wirklichen Erfolge, kamen wir zu dem Entschluß, dass wir, um gehört zu werden, den Vogel anlocken müssen, so dass er die Körner aufnimmt. Also habe ich ab 97/98 Jams in meinem Wohnzimmer geschmissen. Daraus resultierte, dass eine Dame, die damals noch bei einer normalen Ladenkette gearbeitet hatte und irgendwann auch mal Background-Sängerin war, jetzt als Jill Scott bekannt ist. Der Pizzamann, der immer der Gleiche war, wollte irgendwann mal ans Mic. "Get Outta Here!" bekam er zurück. Er gab nicht auf. Heute kennt man ihn als Musiq Soulchild. Mos (Def), der ab und an Bass gespielt hat, brachte seinen Homie Kweli (Talib) vorbei und hat uns vorgestellt. Erykah (Badu) und Common kamen jede Woche vorbei als wir an "Water For Chocolate" gearbeitet haben. D’Angelo kam oft, Q-Tip ebenso. Dead Prez, India Arie – auf einmal bekam die ganze Sache eine Form und ein System. Dadurch, dass wir die ganze Zeit hindurch konstant am musizieren waren, sind wir auf den ganzen Platten zusammen gekommen. Dave hat am Ende einfach gesagt, dass wir diese Momente, dieses Feeling, einfach mal für den Bildschirm kreieren sollen. Eine geupdatete Version von "Wattstax" einfach. Ich kannte also das ganze Material schon. Der Einzige, der etwas später hinzugestoßen kam, war Kanye. Sonst kannte eigentlich jeder jeden von irgendeiner Zusammenarbeit. Es war also wirklich wie eine Party und nicht ansatzweise Arbeit.

rap.de: In deiner Kindheit bist du mit deinen Eltern ja oftmals auf Tournee gewesen. Sie haben auch eine eigene Band gehabt, die "Lee Andrews & The Hearts" hieß. Demnach war deine Kindheit auch eher untypisch. Inwieweit hat dich dieser Umstand beeinflusst und wie beurteilst du das, wenn du jetzt zurück schaust?

Questo: Als ich zum ersten Mal Vater wurde, habe ich mich auch gefragt, ob ich meinen Kinder alte Sachen vorspielen würde. Meine Eltern hatten eine 50er-Jahre-Cover-Band. Ich dachte immer, dass die Songs, die sie spielten, gerade neu und angesagt waren. In der Grundschule in der 1. Klasse habe ich dann über Frankie Whalley, Rob Randon, The Brooklyn Bridge und Harvey & The Maestros geredet. Über 50er Bands halt. Aber nur mit dem Unterschied, dass es 1976 war. Da bin ich schon etwas seltsam angeschaut worden. (lacht)
rap.de: Entstanden dadurch irgendwelche Probleme?


Questo: Nein, und ich erkläre dir auch warum: Ich habe ja mein ganzes Leben nicht nur geprobt und gearbeitet – ich war ja schon ab und an mal draußen. Viele meiner Freunde von Damals leben heut nicht mehr oder sind im Gefängnis. Es gab einen Zeitpunkt, da hat man sich von den netten, süßen Kindern, die ihre Hausarbeiten immer machen und einfach nur nett sind, zu etwas Anderem entwickelt. Glücklicherweise hatte ich Eltern, die mich mit sovielen Sachen auf den richtigen Weg gelenkt haben – einer riesen Plattensammlung beispielsweise – so dass ich nicht so oft raus wollte und somit keinen Blödsinn anstellen konnte. Vielleicht scheint es nicht normal. Es hat mich jedoch Bestens für das Hier und Jetzt gerüstet.
rap.de: Bei Youtube hast du während der Roots-Tour ein Internet-Tagebuch geführt. Scheint so, als hättest du im Gegensatz zu einigen Kollegen ein gutes Verhältnis zum Netz der Netze und vor allem zum bloggen.

Questo: Ich nutze das Internet, um mich den Leuten auch von meiner persönlichen Seite zu zeigen. Sie sollen sehen, dass ich trotz eines Grammy-Gewinnes ein ganz normaler Typ bin. Bis vor Kurzem dachte ich auch noch, ich sei die einzige Berühmtheit, die so viele persönliche Sachen ins Netz stellt. Wie gesagt, bis vor Kurzem. Dann war ich auf Puffy’s Internet Seite. Er betreibt auch einen Blog und ist in einen totalen Wahn verfallen. Für seinen Blog hat er sich sogar schon mal morgens beim Zähneputzen gefilmt. Das ging zu weit. Ich meine Puff Daddy kann mehr Alben verkaufen und von mir aus auch Klamotten. Aber das Internet ist mein Territorium. Ich werde jetzt also noch weiter gehen müssen und, wenn’s sein muss, filme ich meine Frau, während sie ein Kind bekommt. "Drück, Baby! Komm schon!" (Gelächter im Raum)

rap.de: 2004 hieß es, dass du eine Organisation gemeinsam mit Pionear ins Leben rufen willst. Was ist daraus geworden?
Questo: Ich wollte so eine Art McCarthy-Organisation auf die Beine stellen. Die Sache ist, dass man dafür Geld braucht. Wir versuchen Geld zu bekommen, ohne das wir dafür unsere Seele verkaufen müssen. Momentan sind wir daran, etwas Ähnliches zu entwickeln aber darüber möchte ich jetzt noch nicht sprechen. Wenn jemand 4 Millionen US-Dollar spenden will, dann soll er sich bei mir melden! (lacht)

rap.de: Du warst ja auch als Tutor bei der Red Bull Academy tätig. Warum hast du das gemacht und was hast du den Newcomern mit auf den Weg gegeben?

Questo: Ich war schon anfangs ziemlich geschockt. Ich wusste nicht, dass Red Bull so einen Akademie unterhält. Sie versuchten schon seit zwei Jahren mich dafür zu gewinnnen. Ich hab mir nur gedacht, dass sie mich verarschen wollen. Das ist ja ein Energy-Drink. Aber – die Red Bull Music Academy ist eines der wenigen, sehr gut informierten sowie ausgestatteten Musikprogramme, bei denen ich bis dato mitgemacht habe. Das Ganze läuft sehr persönlich ab. Die nehmen nur die Besten der Besten. Richtige Liebhaber halt. Jeder einzelne Bewerber wird unter die Lupe genommen und aus denen wird dann ausgewählt. Bob Powers hat mich überzeugt, dass auch zu machen. Er war Engineer für die ersten 3-4 The Roots-Alben. Zumal hat er "Brown Sugar" für D’Angelo produziert oder Erykah Badu’s erstes Album. Zumal alle De La Soul– & A Tribe Called Quest-Alben. Als ich herausfand, dass er es getan hat, dachte ich mir, dass es nur etwas Gutes sein konnte. Das war aber mehr ein Frage und Antwort-Spiel und ging etwa 3 Stunden lang.
rap.de: Was ist dein Lieblingstrack vom neuen Allbum und warum?

Questo: Ich glaube, es ist der J-Dilla-Track "Can’t Stop This". Er hat uns die erste Hälfte dieses Tracks gegeben, als er noch am Leben war. Selbst damals hatten wir uns schon entschlossen, den Track als Tribute an ihn zu richten. Er hat das Ding im Krankenhaus-Bett zusammengestellt. Tariq war so krass entsetzt davon: "Yo, der Typ kann nicht mal mehr richtig sprechen aber er kann immernoch ganz einfach und schnell eine Drummachine mainpulieren." Noch am selben Tag der Beerdigung bin ich wieder von LA nach Philly geflogen. Während ich auf dem Weg nach Hause war bekam ich diese Eingebung und bin direkt wieder ins Studio gefahren: Dort blieb ich dann fünf Tage und habe das Ganze nochmal instrumentalisiert. Bei einer Beerdigung bekommt man ja normalerweise so ein kleines Booklet vom Leben des Verstorbenen. Common hat ein Mixtape erstellt, auf welchem alle Künstler, die jemals mit J-Dilla gearbeitet haben, etwas sagten. Diese Worte habe ich dann genommen und daraus das Tribute geschaffen.
 
rap.de: Woran arbeitest du gerade und was kann man noch erwarten?
Questo: Das neue Album wird "Let Them Eat Cake" heißen. Dann mache ich noch die Re-Produktion von Pharell’s-Album. Das ist gerade fertig geworden. Diesmal alles mit Live-Instrumentalisierung. Außerdem mache ich noch Al Green’s Album, sein Drittes für Blue Note. Zumal touren wir noch 8 Monate. Wir werden wohl mehr Länder bereisen, als wir es jemals zuvor getan haben. Im September, so hoffen wir, kommt unser nächstes Album in die Läden.

rap.de: Ich habe da von einer Geschichte gehört, dass Dilla und du euch mal gebattlet habt in Detroit…

Questo: Ja, das ist eine lustige Geschichte. Wir waren in Detroit. Proof und Frank (von Frank’n Dank) waren auch dabei. Der Schnee hatte uns im Studio eingeschlossen. Deshalb veranstalteten wir einen kleinen Contest. Proof wählte 6 Songs aus, die ich benutzt hatte und gab sie Dilla. Der musste daraus in 5 Minuten einen Beat machen. Das Selbe machte Frank mit Dilla’s Zeug und gab es mir zum basteln. Daraufhin dachte ich mir, dass es vielleicht zu unfair sei, gab Dilla Rick James‚ "Streetsongs" und bat ihn, in 3 Minuten einen Beat zu bauen. Ich war mir sicher, dass er nichts darauf finden würde. Was sollte er machen? Mit "Superfreak" MC Hammer Part II? Das würde er nicht. Blöde Idee – Just Blaze hat es gerade für Jay-Z benutzt. Jedenfalls zieht er die Kopfhörer auf, macht irgendwelche komischen Bewegungen und nach 2 Minuten meint er: "I’m Done!" Ich konnte es nicht glauben. Ich meinte nur: "Unmöglich! In nur 2 Minuten…" worauf er entgegnete: "Yeah… it’s dope! I Like it". Es wurde dann später Common’s "Doin It". Dilla hat "Give It To Me Baby" einfach soweit verlangsamt, dass es nicht mehr ging. Common rastete aus und sagte, dass er den Beat unbedingt haben möchte. "Yeah… He’s The King! (Dilla)"

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