Rapkilla Records

Freiburg im Breisgau hat viele Gesichter. Eines der vielen Gesichter ist die Musik. Seit 2003 gibt es nun das Independent-Label Rapkilla Records. Ihr aktuelles Release „Gang Member Vol.1“ ist der bisherige größte Erfolg der Freiburger Jungs. Wir wollten mehr über die Künstler, das Label und das Umfeld von Rapkilla erfahren. Ihr könnt euch nun ein eigenes Bild davon machen.

rap.de: Zuallererst, könnt ihr euch bitte einzeln vorstellen und etwas über eure Person erzählen?

Ren da Gemini: Ich bin Mitbegründer von Rapkilla Records und habe 2004 mein erstes Soloalbum „Anschlag“ veröffentlicht. Des Weiteren war ich auf allen Rapkilla-Releases vertreten und werde im Sommer 2007 mein zweites Solo-Album rausbringen.
Agent i: Ich habe 2005 mein erstes Solo Album „Blut auf Beton“ veröffentlicht und bin ein weiterer Mitbegründer von Rapkilla Records, sowie Gründer der Sarajevo Kids. Genauso wie Ren da Gemini bin ich auf allen Rapkilla Releases vertreten. Derzeit ist ein Sarajevo Kids-Album in Planung.
Menace: Ich kam 2005 zu Rapkilla Records, war aber schon früher down mit Agent i, der erste Track mit mir ist auf seinem Album „Blut auf Beton“ zu hören. Danach folgte das „Ghetto Report“-Mixtape von Sarajevo Kids, auf dem hauptsächlich Agent i und ich zu hören sind. Auf allen weiteren Rapkilla-Releases war ich auch vertreten.



rap.de: Was könnt ihr uns über die Entstehungsgeschichte von Rapkilla erzählen?

Ren Da Gemini: Agent i und ich haben schon seit 1997 zusammen gerappt. Auf einer Party bekamen wir dann zufällig mal Stress mit ein paar Jungs von DJ iLL. Wir haben die Sache geklärt und uns im Anschluss dann erst richtig kennen gelernt. Ab 2000 haben wir dann zusammen Tracks gemacht, hierbei sind wir schon von Beginn an diese Hardcore-Rap-Schiene gefahren. Zu dem Zeitpunkt wollten die Majors und die Medien aber noch nichts davon wissen, also haben wir Ende 2003 beschlossen, ein Indie-Label zu gründen.
rap.de: Freiburg ist eine Studentenstadt, wirkt sehr idyllisch und verträumt, die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zu Restdeutschland sehr niedrig, die Region Baden zählt wirtschaftlich gesehen zu den stärksten Regionen und darüber hinaus wird die Stadt von den Grünen regiert. Im Juice-Interview habt ihr davon gesprochen, dass manche Leute aus eurem näheren Umkreis nie eine wirkliche Chance erhalten, um irgendwann ein ganz normales Leben führen zu können. Was meint ihr damit?

Agent i: Wenn du meinst, hier unten im Süden wäre das Paradies, dann ziehe doch hierhin! Es interessiert uns einen Scheiß, was Leute aus Berlin oder Restdeutschland über Freiburg denken! Wir haben hier unten genug Probleme. Gehe doch einfach mal in den Stühlinger Park und sag dem Dealer, dass der Fuchs, den du gerade gekauft hast, stier ist und hohl dir deine Schlitzer ab. Geh an den Zigeuner Platz und frage die Schleims, die an der Ecke stehen, ob einer dumm guckt.
Ren Da Gemini: Oder geh nach Landwasser und frage die Russen, ob einer ein Problem hat, und schau dann, was passiert! Für euch sind diese Orte alle keine Begriffe, aber die Leute, die im gleichen Umfeld wie wir aufgewachsen sind ,wissen alle, was abgeht, und wie man sich auf der Straße verhält. Alle anderen interessieren uns überhaupt nicht. Die sollen denken, was sie wollen!


rap.de
: Freiburg ist bekanntlich eine sehr alternative Stadt. Wie werdet ihr als Rapkünstler wahrgenommen?

Menace: Die Straßenleute, die Gangster, die Fixer und die Missgeburten kennen uns alle und finden den Scheiß geil! Es wurde auch Zeit, dass jemand aus unserem Umfeld aufsteht und Freiburg angemessen repräsentiert.
Ren Da Gemini: Klar, es gibt natürlich auch viele Leute, die uns bei jeder Gelegenheit Steine in den Weg legen: irgendwelche Antifa-Leute, Sozi-Pädagogen, Leute von der Stadtverwaltung und natürlich die Bullen. Die versuchen immer alles schön unter den Teppich zu kehren, was auf der Straße so passiert, und das einzig und allein damit sie ihr Saubermann-Image bewahren können.



rap.de: Wünscht ihr euch, dass auch diese Leute euch ein Ohr schenken, eure Musik respektieren und sich von ihren Vorurteilen lösen?

Ren Da Gemini: Eigentlich ist es uns mittlerweile völlig egal, was diese Sozi-Typen von uns denken. Es wär natürlich schon cool, wenn diese Personen verstehen würden, um was es hier geht, und eine offenere Haltung gegenüber Leuten wie uns kriegen würden. Aber wir haben echt schon viele schlechte Erfahrungen damit gemacht. Da ist es schwer noch daran zu glauben, dass sich da in geraumer Zeit was ändern wird. Weißt du, wir waren z.B. schon öfter mit Journalisten aufgrund eines Interviews unterwegs. Wir haben denen alles Mögliche gezeigt und erklärt. Die Typen sind einen Abend mit uns unterwegs und machen sich fast in die Hose bei der ganzen Sache. Kriegen die Zähne kaum auseinander, wenn mal ein paar echte Hustler aufkreuzen oder sie mal um 23 Uhr in der Krozinger Straße aussteigen müssen. Dann schreiben die am nächsten Tag in ihren Bericht irgendwas von „übertrieben“ und „es gibt keine Gangster in Deutschland…“. Alles in dieser fragwürdigen Art, obwohl sie am Abend vorher ganz genau gesehen haben, dass es bei uns um ernste und vor allem echte Sachen geht! Was willst du dazu noch sagen? Da kannst du machen, was du willst, diese Leute werden immer an ihrer Meinung festhalten. Außerdem müssen wir denen gar nichts beweisen und uns vor denen auch nicht rechtfertigen. Also, was soll’s.
rap.de: Seit Jahren verschwindet der Süden, im Bezug zu Rap, immer mehr von der Bildschirmfläche. Es gibt keinen wirklich bekannten Künstler und allgemein ist die Szene nicht gerade groß. Wo seht ihr die Probleme?

Agent i: Das größte Problem ist, dass es hier wirklich keine Szene gibt. Wir sind momentan die einzigen, die Wirbel machen. Und wir sind auch die einzigen, die versuchen andere Rapper von der Straße, die auch hoch kommen wollen, zu pushen und zu unterstützen. Freiburgs Problem ist einfach, dass es zu isoliert von Restdeutschland ist. Außerdem ist es hier sehr schwer, die gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen. Alles andere, was aus dem Süden kommt, z. B. Freundeskreis aus Stuttgart und so, ist halt Schnee von gestern und einfach zu pussy.
rap.de: Gibt es Künstler aus eurer Region oder Künstler aus Deutschland, die ihr für ihre Musik respektiert?

Ren Da Gemini: Also in der Region ist es, wie gesagt, schwierig. Rapkilla plant allerdings im Laufe des Jahres weitere Künstler an den Start zu bringen. Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden: es muss nur einer kommen, der etwas daraus macht.
Agent i: Klar respektieren wir auch andere Künstler für ihre Musik. All die Leute, die auf Gang Member Vol. 1 mit drauf sind, werden von uns für ihre Arbeit respektiert. Natürlich gibt es noch weitere Künstler, mit denen bis jetzt einfach noch keine Features entstanden sind. Aber die Anzahl der guten Leute wächst. Gerade unter den Leuten, die auch bei Distributionz im Vertrieb sind, gibt es einige, die wir gut finden.


rap.de
: Zwei weitere überregional bekannte Künstler, DJ Doc und Al Kaporn, kommen ebenfalls aus Freiburg. Wie lässt sich euer Verhältnis beschreiben?

Agent i: Die nehmen wir genauso wenig ernst, wie der Rest in Deutschland, der diese Vögel nicht ernst nimmt. Die sind einfach nur wack und pussy. Und wenn einer von denen sein Maul aufreißt, dann wird es am selben Tag noch gestopft.
rap.de: Vor einigen Wochen ist euer Labelsampler „Gang Member Vol.1“ erschienen. Wie seid ihr mit der Resonanz zufrieden?

Menace: Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz, denn das Album verkauft sich sehr gut. In Freiburg z.B. war es schon nach ein paar Tagen in den meisten Läden ausverkauft. Wir haben mit dem Ding auf jeden Fall einen riesigen Schritt nach vorne gemacht, und in Freiburg mit Sicherheit einen neuen Verkaufsrekord aufgestellt.



rap.de: Auf dem Cover sind auch Mitglieder der Hells Angels abgelichtet. Was verbindet Rapkilla mit den Hells Angels?

Menace: Die sind Freunde von uns, „real recognize real“, da versteht man sich halt gut. Wir haben in vielen Beziehungen sehr ähnliche Vorstellungen und Ansichten. Bei Rapkilla kommst du auch nicht einfach so rein, nur weil du Doubletime rappen kannst oder weil du schon mal jemand abgestochen hast. Wir sortieren bei unseren Membern und unserem Umfeld schon sehr stark aus. Wer unseren Maßstäben nicht entspricht, der hat auch keine Chance bei Rapkilla einen Deal zu kriegen. In dieser Hinsicht haben wir viel von den Angels gelernt.
rap.de: Was sollte demnach ein Rapper mitbringen, der mit euch ins Geschäft kommen will?

Ren Da Gemini: Na ja, also als erstes muss der Typ halt „echt“ sein. Großmäuler und Wannabes haben bei uns keine Chance. Dann muss derjenige auf jeden Fall eine Art Ausstrahlung haben und ins Team passen.
Menace: Bei Rapkilla darfst du auf jeden Fall kein Napf sein. Wenn es ans Eingemachte geht, darf der Typ sich auf keinen Fall als Pussy entpuppen.
Ren Da Gemini: Man muss auf jeden Fall einen ganzen Haufen mentale Stärke mit in dieses Game bringen. Weicheier sehen keinen Stich! Ein bisschen Rap-Talent ist sicher auch wichtig.
rap.de: Wie ist eigentlich der Kontakt zu den Jungs von Amstaff entstanden?

Ren Da Gemini: Also irgendwie hat jemand von Amstaff uns über irgend jemand anderen grüßen lassen. iLL hat dann anschließend mit Mr.Long telefoniert. Die hatten dann wiederum die Idee mit dem Automatikk-Feature. Im Prinzip laufen solche Connections aber meistens über Jayo von Distributionz. Der Typ hat uns schon mit sehr vielen Untergrund-Leuten in Verbindung gebracht. Soweit ich weiß, vernetzt er in dieser Hinsicht die meisten Sachen.


rap.de
: Was könnt ihr über die Entstehung der weiteren Features sagen?

Agent i: Also die Jungs von VS-Mafia haben sich bei uns gemeldet, also haben wir das Feature für “Kaliba 36” gemacht. Das KesKin-Feature kam über Automatikk, Frauenarzt hatte sich schon früher mal gemeldet, noch zu „Nicht In Deinem Club“ Zeiten. Aci Krank & Boxxxstar hat iLL irgendwie klar gemacht. Im April sind die Jungs auch bei einem Konzert von uns aufgetreten. Folglich haben wir den Song „Krieger, Hustler, Pimps“ aufgenommen.
rap.de: Welcher Song auf dem Sampler ist euch besonders wichtig?

Ren Da Gemini: Alle Features auf dem Album waren uns sehr wichtig. Es war das erste Album mit Features mehrerer Artists aus anderen Städten. Abgesehen davon wollten wir unterstreichen, dass Rapkilla Records deutschlandweit über Kontakte verfügt und auch dementsprechend respektiert wird.
rap.de: Frauenarzt, Automatikk, VS Mafia und viele weitere Feature-Partner zählen zur Untergrund-Szene. Gibt es auch bekanntere Künstler, die inzwischen auf euch aufmerksam geworden sind, und mit Rapkilla in Verbindung stehen?


Ren Da Gemini: Meinst du die Leute, die man täglich im TV sieht? Da haben wir eigentlich mit keinem was zu tun. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir die alle scheiße finden. Es hat sich in der Hinsicht einfach noch nichts ergeben. Man kann Leute auch immer erst beurteilen, wenn man etwas mit denen zu tun hatte.
rap.de: Einige Releases aus der Vergangenheit habt ihr bereits erwähnt, „Gang Member Vol.1“ ist euer größter Erfolg bislang. Was kann man in Zukunft von euch erwarten?

Menace: Im März oder April wird Rapkilla das erste Ren Da Gemini-Album „Anschlag“ neu auf den Markt bringen. Die erste Auflage ist bereits ausverkauft, deshalb machen wir eine limitierte Neuauflage. Dazu machen wir ein Remake von dem Track „Nicht In Deinem Club“. Dazu gibt’s einen Remix mit Features, das wird ganz ganz dick.
Ren Da Gemini: Ja, und im Sommer irgendwann wird mein neues Soloalbum kommen! Da gibt’s dann richtig auf die Backen! Alles weitere in Kürze….
rap.de: Noch Worte an die Leser?

Geht raus und holt euch Gang Member Vol. 1! Geht auf www.rapkilla.de und auf www.myspace.com/rapkillarecords und zieht euch die Videos und die Tracks rein! Hört auf irgendwelche Pussy-Scheiße zu kaufen, es gibt jetzt echten Rap in Deutschland!

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