Marsimoto

Marsimoto ist ein sehr spannendes Phänomen. Der erste Höreindruck vermittelt uns einen Hardcore-Kiffer, der sich und seine Musik auch über das Kiffen definiert. Doch sobald man das Konzept vom aktuellen Album "Halloziehnation" abschüttelt, kommt ein sehr besonnener Künstler darunter hervor, der mit vielerlei Talenten aufwarten kann. Der mit zweitem Rapnamen Marteria gerufene Rapper ist gleichzeitig noch Schauspieler und Synchronsprecher, und weiß wie man dem Publikum ein gute Show liefert.

rap.de: Ich habe im Internet auf ganz verschiedenen Seiten ganz viele Beschreibungen deines Albums gelesen. Selbst auf deiner eigenen Homepage hast du zitiert, was andere Leute über dein Album sagen. Und jetzt, für alle Leute, die dich noch nicht kennen, wie würdest du dein Album selber beschreiben?

Marsimoto: Also, ich denke es ist schon ein Album, an dem sich die Geister scheiden werden. Aber es ist auf jeden Fall ein Classic. Das ist der Classic-Shit aus Deutschland. Es ist eines von wenigen Classic-Alben, weil es ein thematisches Album ist und trotzdem die Themen aus sehr, sehr vielen verschiedenen Sichten angesprochen werden. Es ist eigentlich ein reines Kiffer-Album, aber ich denke trotzdem, dass es viel, viel mehr ist.

rap.de: Identifizierst du dich und deine Musik übers Kiffen?

Marsimoto: Nein, würde ich nicht sagen. Eigentlich gar nicht. Es ist halt der Flash für das Album gewesen, dass wir gekifft haben und, dass wir das so produzieren konnten. Wir haben das halt so angefangen, aber es hätte auch ganz anders laufen können. Wir hätten im Endeffekt vorher auch etwas anderes nehmen können oder so und dann ein ganz anderes Album machen können.

rap.de: Womit erklärst du dir diesen Rezensionserfolg? Alles, was ich gelesen habe zu deinem Album, ist eigentlich positiv. Warum flasht Deutschland gerade jetzt, auf gerade dein Album?

Marsimoto: Ich denke es ist deswegen, weil es etwas Neues und etwas Ehrliches ist und weil es halt nichts ist, wovon es 20-30 Alben jedes Jahr gibt. Wenn du es rallst, wenn du reinkommst in das Album, und wenn du Bock hast, es zu verstehen und es annimmst, dann frisst es dich auf. Und deswegen denke ich mal, sind die Reaktionen so positiv. Obwohl ich damit natürlich nicht gerechnet hätte. Es ist schon weitaus positiver, als wir gedacht haben. Wir haben schon gedacht, dass es so Battle of the Year mässig wird, dass die eine Hälfte sagt: Geiler Scheiß, die andere Hälfte sagt: Es ist Bullshit. Und da sind wir schon überrascht, dass die Kritik durchgängig so positiv ausfällt.

rap.de: Ich muss auch sagen, ich – als Nichtkiffer, und jemand der auch sagt, man sollte wohl besser die Finger davon lassen, mir hat das Album sehr gut gefallen. Also, allein musikalisch und raptechnisch ist es sehr anspruchsvoll und alles ist mit viel Humor gewürzt. Ich habe mich dabei gefragt, ob es für dich unbedingt notwendig ist zu kiffen, bevor du auf die Bühne gehst oder bevor du irgendwie im Studio irgendwas machst, oder einen Song schreibst oder aufnimmst?

Marsimoto: Nee, also überhaupt nicht. Das war halt schon eine kleine Ausnahme für das Album. Wir haben halt gesagt, wir machen das so, dass wir drei Joints vorher rauchen und wir drei, vier Becks trinken und dann eben erst anfangen die Beats zu produzieren, irgendeinen Text zu schreiben und das Ding aufzunehmen. Wir haben es halt durchgezogen, weil wir gemerkt haben, dass es einen gewissen Erfolg bringt für die Songs, dass die Songs eine gewisse Seele haben. Aber jetzt, wo das Projekt im Endeffekt fertig ist und ich mich um mein Marteria-Zeug kümmern muss, sieht das natürlich ganz anders aus. Ich bin schon clean und bin halt kein Klischeekiffer-Typ. Ich bin schon clean im Kopf und weiß was ich da tue.

rap.de: Man kann dann also demnächst auch noch ein Marteria-Album erwarten oder eine EP?

Marsimoto: Also, das ist demnächst auf jeden Fall die große Frage. Es wird zwar ein Marteria-Album kommen, das ist das nächste was ansteht, aber wie lange wir brauchen, das wissen wir nicht. Denn es muss halt die absolute Bombe werden. Ich muss das Marsimoto-Album toppen können und muss das beste Album, das es je gab, machen können. Und das ist, wie man weiß, als Rapper schwierig. Dafür brauche ich halt erst einmal die Beats. Aber ich bin grad am picken und am Songs schreiben.

rap.de: Auf wen greifst du da beattechnisch zurück?

Marsimoto: Also, ich mache das nach wie vor mit Dead Rabbit. Es wird, denke ich mal, zwei drei exklusive Sachen geben, von Leuten, wo ich den Namen noch nicht sagen möchte, aber es wird auf jeden Fall noch ein paar geile Features und ein paar geile Produzenten geben.

rap.de: An Features ist dann auch wieder so stark die Szene aus Rostock präsent, so wie jetzt auf dem Album? Oder orientierst du dich eher deutschlandweit?

Marsimoto: Nee, also Rostock, das ist dann irgendwie…, also ich werde auf jeden Fall mit GabReal nach wie vor mein Ding machen, das ist ein Deal. Wir haben zusammen angefangen zu rappen, wir haben das irgendwie zusammen gemacht. Und sonst halt, ich werde vielleicht einen Posse-Song machen mit mehreren guten Rappern. Mal schauen, was so Geiles kommt.  Leute, die geil rappen können, können mit aufs Album kommen. Ich denke aber nicht, dass rostockmäßig nichts am Start sein wird. Ich werde schon in paar geile Jungs drauf kriegen auf die Scheibe.

rap.de: Du bist zwar jetzt aus Rostock weggegangen, hast ein Label in Darmstadt und wohnst in Berlin, du bist aber noch häufig in Rostock und für mich sieht das irgendwie so aus, als würdest du von der Stadt nicht wirklich loskommen. Du hast jetzt deine Release-Party dort gemacht usw. Wie sieht das aus, kommst du von der Stadt nicht los?
 
Marsimoto: Also eigentlich habe ich sie schon verlassen. In den letzten Jahren habe ich ja immer gearbeitet, selbst in meiner eigentlich freien Zeit, im Sommer. Und es war zum ersten Mal seit drei, vier Jahren der Fall, dass ich den Sommer frei hatte und da konnte ich absolut nicht hier rumhängen. Im Sommer ist es halt geil am Strand zu liegen und da rumzuhängen, so Beachboy-mäßig. Das ist aber nur der Sommer. Ich weiß genau, dass es im Winter wieder anders aussieht. Aber natürlich ist das meine Heimat. Da ist mein Fußballverein! Und deswegen habe ich natürlich eine enge Bindung zu der Stadt.

rap.de: Was kannst du zu der Rap- bzw. HipHop-Szene in Rostock sagen. Als jemand der gerade sein Album fertig gemacht hat, der deutschlandweit Promotion kriegt und CDs verkauft und so weiter, turnt dich die Szene dort, oder passiert die für dich nur so nebenbei?

Marsimoto: Doch, da passiert schon was. Das Problem ist bloß, dass man, wenn man ein bisßchen länger nichts damit zu tun hatte und nicht dort wohnt, dann kennt man viele Sachen nicht mehr. Früher gab es die eine Crew, früher gab es Pussy, dann kamen Gab und ich und ein paar andere und Leute aus der Vorstadt. Das war überschaubar. Man wusste, wer wer ist. Jetzt bin ich seit drei, vier Jahren weg und kenne viele Leute auch gar nicht mehr. Da hat man höchstens mal einen Sampler (Anm. d. Red.: Repraesenz – Wettkampf-Samler), wo dann was rauskommt und wo du dann hörst, was es so Neues gibt. Es gibt geile Leute, auf jeden Fall. Echt heißen Nachwuchs finde ich, wenn man das so sagen darf. Und es gibt Leute, die überschätzt sind, so wie in jeder anderen Szene auch. Aber ich denke, dass es im Vergleich zu sehr, sehr vielen anderen Städten, auch größeren Städten, eine sehr gute Szene in Rostock gibt.

rap.de: Erzähl mal wie du zu Magnum12 nach Darmstadt gekommen bist. Wie hat das funktioniert?
 
Marsimoto: Das war über GabReal. Wie gesagt, mit dem habe ich angefangen zu rappen. Der wohnt in Darmstadt und er hat über das Label sein Album „Trashtalk“ rausgebracht – ein geiles Ding – und dann ist halt der Kontakt entstanden. Die haben halt gesagt: Ok, wir haben Bock auf das Marsimoto-Album. Es gab noch andere Möglichkeiten und wir haben überlegt, doch mit Magnum12 war es irgendwie am coolsten. Wir haben uns geil verstanden und hatten Bock auf das Ding. Wir haben es jetzt durchgezogen und der Erfolg gibt uns auf jeden Fall Recht.

rap.de: Du hast ja auch eine Schauspielausbildung abgeschlossen. Was steht für dich im Vordergrund? Die Schauspielerei, oder vielleicht auch größeren kommerziellen Erfolg mit deiner Musik zu haben?
 
Marsimoto: Im Endeffekt musst du halt gucken, wie du deine Miete bezahlst, am Ende des Monats – und wenn das mit Musik nicht gehen sollte… Also im Moment geht es, weil ich mich vollkommen auf die Musik konzentriere und viel live spiele. Ich kann ich im Moment von der Musik leben, aber es wird auch wieder andere Zeiten geben, in denen es nicht so läuft, wenn die Welle um das Release ein bißchen abgeebbt ist und so. Ich bin im Endeffekt Schauspieler, ich muss meine Jobs kriegen und den Durchbruch auch da irgendwie schaffen. Ich gebe natürlich alles dafür, um das zu schaffen.

rap.de: Wirst du denn in Zukunft, also die nächsten Monate, für das Marsimoto-Album viel live unterwegs sein. Wirst du irgendwen supporten oder eine eigene kleine Tour machen? Oder spielst du so vereinzelt ein paar Dates?

Marsimoto: Also, es ist schon geplant, eine Tour zu machen. Das ist lediglich ein finanzieller Aspekt. Was natürlich geil wäre, wäre mit einem bekannteren Rapper auf Tour zu gehen. Da sind wir aber dran. Wir machen viele Einzel-Gigs und ein bißchen Festival-Zeug, also so kleine Sachen in ganz Deutschland und versuchen dann eben eine zweiwöchigen Tour klar zu kriegen. Wir hoffen natürlich, weil wir eine geile Liveshow haben, dass wir da irgendwie ein Support sein könnten oder auf irgendeiner Reihe mitfahren könnten. Ist auf jeden Fall geiler Scheiß Marsimoto live, sollte man sich reinziehen.

rap.de: Was ist eigentlich für dich der Grund, Musik zu machen? Sich dem Stress auszusetzen, ein Album zu droppen und Werbung zu machen und so weiter. Das ist ja schon sehr anstrengend. Und du könntest ja auch etwas anderes machen. Warum hast du dich jetzt dafür entschieden, dich auf die Musik zu konzentrieren?
 
Marsimoto: Es steckt halt in mir drin. Wenn du mit der Scheiße anfängst irgendwann und mit anderen Crews was zusammen machst und immer ein Teil bist von dem Ganzen und auch schon auf Tour warst, aber immer nur ein  kleiner Teil gewesen bist, dann ist das schon sehr prägend, aber es ist nicht dein eigenes Baby. Wenn du ein eigenes Baby machen willst, dann musst du echt gut im Bett sein. Und deswegen muss man sich halt überlegen, wie man an so eine Sache rangeht. Es ist ein Herzenswunsch gewesen ein eigenes Album zu machen und ich wusste genau, was für ein Stress das wird. Aber im Endeffekt freust du dich ja auch auf den Stress, freust dich auf die Interviews, die Reviews und auf Liveauftritte und so. Man muss bei der Arbeit im Großen und Ganzen auch clean bleiben. Du darfst dir da nicht die Rübe wegkiffen. Man sollte es schon alles ganz clean erleben. Es ist eben dein Baby, und wenn du ein Baby haben willst, dann musst du es machen.

rap.de: Also, das mit dem nicht-kiffen sagst du als Marteria.

Marsimoto: Ja, das sage ich als Marteria. Ich will da auf jeden Fall größtenteils clean sein.

rap.de: Du sagst auf deinem Album, dass du nicht weißt, was musikalisch als nächstes bei dir passiert. Jetzt sind die Aufnahmen auch alle schon ein bißchen länger vorbei und es hat sich ein kleiner Promoerfolg eingestellt, das kann man ja ruhig so sagen. Hat sich bei dir jetzt karrieretechnisch schon etwas herauskristallisiert? Das spielt jetzt noch mal auf die Frage an: Schauspielern oder Musik machen.

Marsimoto: Dass optimale, karrieremäßig – guck dir Ice Cube an -, wäre, geile Alben zu droppen, dabei geile Filmrollen kriegen und nebenbei noch ein paar Sprecherrollen zu ergattern. Also den Scheiß, den ich jetzt schon so mache. Irgendwie wäre es cool diese ganzen Richtungen abzudecken. Wenn das nicht funktioniert, mache ich hier was und wenn es hier nicht funktioniert, dann mache ich halt da was.

rap.de: Also versuchst du da schon so nach amerikanischem Vorbild auf beiden Sektoren präsent zu sein?

Marsimoto: Auf jeden Fall. Das muss sein. Ich studiere den Scheiß ja nicht umsonst. Du kannst ja ohne Abi nicht wirklich viel studieren, da kann man nur so was wie Schauspiel oder Kunst oder so studieren. Und du musst dich da halt irgendwie durchsetzen, weil du weißt, dass dir das später dein Haus und deinen Garten hinstellt, der Scheiß.

rap.de: Was machst du denn gerade als Schauspieler? Hast du irgendwelche Rollen, in denen man dich im Fernsehen sehen kann oder drehst du eher Werbung?

Marsimoto: Also, ich drehe ziemlich viel Werbung und mache Kurzfilme. Den großen Superfilm habe ich jetzt natürlich noch nicht gemacht, aber ich bin ja auch erst ganz frisch draußen. Wie gesagt, man macht halt ein paar Werbespots, ein bißchen Synchronsprecherrollen, für irgendwelche Fernsehsender oder so. Und so kommt man halt ganz gut durch.

rap.de: Also, jetzt noch mal zu deinem Album zurück. Das ist ja der Hauptgrund, warum wir das Interview hier machen. Die Songs sind fast alle relativ kurz, meistens so um die zwei Minuten. Da habe ich mich natürlich gefragt: Warum ist das so? Ist das, weil dir da die Ideen oder die Fähigkeiten abgehen einen kompletten Song zu schreiben mit drei Strophen und einem kompletten Spannungsbogen, oder ist das gewollt? Es ist einfach unheimlich abwechslungsreich. Man hört ständig nach zwei Minuten einen neuen Tune mit einem neuen Rap drauf. Was genau war da jetzt deine Intention?
 
Marsimoto: Es ist ja so, wenn ich ein reines Marteria-Album mache, sieht das natürlich ganz anders aus. Da mache ich meine Strophen, meine Parts, da gibt es eine gewisse Länge. Bei dem Marsimoto-Album war es halt irgendwie so, dass das ganze Album an sich ein zusammenhängendes Ding ist. Da gehen ja alle Songs ineinander über. Wenn du abends irgendwie dasitzt, deinen Scheiß Joint anzündest oder auch nicht, ist scheißegal, dann kannst du es so durchhören. Es soll halt ein Flash, ein kleiner Trip sein. Das ist der Unterschied. Wir wollten in das Album ganz viel reinpacken, ganz viel sampeln, viele verschiedene Eindrücke für die Ohren schaffen. Es gibt bestimmt ein paar Stellen, an denen der eine oder andere sagt: Alter, da komme ich jetzt gar nicht drauf klar. Das ist aber vollkommen ok. Im Endeffekt soll es ja ein Album sein, das du in ein paar Jahren noch hören kannst, auf dem du immer noch deinen Lieblingssong hören kannst. Das ist natürlich bei einem normalen klassischem HipHop-Album anders. Ich bin von den längeren Songs auch schon irgendwie ein bißchen weg. Früher waren es natürlich drei Strophen (kaukaukau würg). Aber es ist oft so, dass, wenn man darauf achtet, wenn man so Songs hört von anderen, so längere Sachen, dann wird es einem auch über. Da ist eine Strophe gut und die zweite wieder nicht. Für das Marteria-Album knall ich natürlich wieder zwei, drei hintereinander, voll auf die Fresse, aber bei dem Marsimoto-Album war es eine andere Geschichte.

rap.de: Also ist es nicht so, dass du der Herrausforderung eines 3-Strophlers aus dem Weg gehst?

Marsimoto: Nee, Quatsch. Im Endeffekt habe ich es ja nur so gemacht, mein Leben lang. Das war ja jetzt nur einmalig, dass wir das auf ein bis zwei Strophen reduziert haben. Wie du schon sagtest, zwei Minuten im Schnitt. Das ist schon okay. Es ist ja auch als Hommage-Album an Quasimoto gedacht, und man weiß, was Madlib macht. Der macht gottverdammte 40-Sekunden-Songs, bei denen du denkst: Scheiße, das ist der geilste Beat, den ich je gehört habe, warum geht der Song nur 40 Sekunden?

rap.de: Was willst du den Leuten da draußen noch sagen? Wie würdest du dein Album bewerben, so dass die Leute sich das Teil holen?

Marsimoto: Ich würde sagen: Wenn die Leute Bock haben auf einen richtig krassen Flash, was vollkommen Neues, was es so noch nicht gab in Deutschland und Bock haben ein Album extrem zu feiern, den Stock aus dem Arsch zu ziehen und extrem entspannt an die Sache ranzugehen, dann sollen sie sich mein Album zulegen, die ganze Internetpräsenz auf Magnum12.de checken und sich demnächst meinen Exclusivtrack auf rap.de reinziehen.

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