Jurassic 5

Jurassic 5 sind mit einem neuen Album zurück. Nach drei Jahren Tour war es für die Band an der Zeit wieder neuen Stuff unters Volk zu bringen. Wir haben mit DJ Nu-Mark, seines Zeichens Produzent und DJ der Band, über das Zustandekommen des neuen Albums und die Wichtigkeit der Bandkonstellation gesprochen:

rap.de: Willst du ein Feedback zur Platte haben?

Nu-Mark: Ob ich ein Feedback haben will? Nein, ich habe seit sechs Jahren kein Interview und keine Review mehr gelesen.

rap.de: Ich wollte euch Probs geben…

Nu-Mark: Mein Motto als Künstler ist, mir kein Feedback anzuhören, denn ich glaube den Leuten nicht, wenn sie mir sagen ich sei dope oder auch wenn sie mir sagen ich sei wack. Ich mache die Dinge so, wie ich sie mache und ich denke, es ist sehr einfach Künstler durch Rezensionen und Reviews zu Veränderungen in ihrer Musik zu bringen, und ich möchte meine Musik nicht verändern.

rap.de: Und was machst du, wenn du ein schlechtes Feedback bekommst?

Nu-Mark: Weißt du, ich nehme auch Kritik entgegen. Ich denke 10 Minuten darüber nach und versuche etwas Positives daraus zu ziehen, denn diese Erfahrungen bringen mich weiter, und oft bringt es mich auch dazu das zu verändern was ich tue. Ich will ja nicht immer die gleiche Platte machen. Ich will mit der Zeit wachsen. Was ich respektiere ist konstruktive Kritik.

rap.de: War es eine bewusste Entscheidung, beeinflusst durch all eure Bühnenerfahrung, dass das Album wie ein Mix aus alten, organischen und neuen, elektronischen Sounds klingt?

Nu-Mark: Feedback ist unsere am wenigsten konventionelle Platte. Wir wollten keinen bestimmten Sound. Was wir den Leuten zeigen wollen ist, das wir eine breite Palette an Songs haben und dass wir dynamisch sind. Wir wollten nicht, dass die Drums auf dem ersten Song so klingen wie auf einem der anderen, oder das die Vocals auf Track eins so klingen wie auf Track zwei. Wir wollten ebenso wenig, dass die Produzenten gleich klingen, oder die Gaststars. Wir wollten nicht das Mos Def so klingt wie Dave Matthews. Wir wollten für jeden  Song andere Strukturen und andere Emotionen.

rap.de: War es wichtig für die Band neue Songs auf Platte zu veröffentlichen nachdem ihr nun drei Jahre immer und immer wieder die alten Songs gespielt habt?

Nu-Mark: (lacht) Weißt du, du musst einfach ab und zu aufnehmen, auch wenn du auf Tour bist. Das gehört zum kreativen Prozess. Wir wollten so viele Songs wie möglich aufnehmen und daraus die Besten mit aufs Album nehmen. Wir haben 35 Songs aufgenommen und davon haben es 15 auf die Platte geschafft. Es war wirklich wichtig für uns jetzt neue Songs auf Platte zu präsentieren.

rap.de: Jeder Song hat seine eigene Geschichte. Welches ist deine Lieblingsgeschichte?

Nu-Mark: Also ich habe zwei Favoriten. Einer davon ist Future Sound. Es steht keine große Story dahinter, aber mir gefällt einfach mit wieviel Style der Song gerappt ist und dass es dabei um Jurassic5 als Band geht, denn J5 ist aus zwei Gruppen entstanden und zu Beginn gab es noch keine Veröffentlichungen unter dem neuen Namen und ich wartete darauf. Ich war echt heiß darauf. Und einen der ersten Reime, die Akil in dieser Zeit überhaupt schrieb, wollte ich unbedingt auf einem Song haben, und er hat mir den Gefallen getan. Deshalb mag ich den Song so sehr.
Der zweite Song ist der letzte Song auf dem Album, der DJ-Song. Für mich war es der schwerste nach dem Weggang von Cut Chemist. Ich wollte keinen Song machen, der so klingt wie die anderen, aber er sollte trotzdem in der Tradition von Jurassic5 stehen.

rap.de: Die letzten drei Jahre wart ihr fast durchgehend auf Tour. Gab es da Zeiten, in denen der Spass einfach fehlte und ihr das Ganze nur als Job gesehen habt?

Nu-Mark: Es gab auf jeden Fall Zeiten, in denen es war wie ein Job. Aber die Erfahrungen, die du auf Tour sammelst sind unbezahlbar. Und wenn die Crowd feiert gibt es nichts Besseres. Was das Touren wirklich zu einem Job macht, sind die Soundchecks, und das Business und das Management drumherum. Das sind Dinge, die du vielleicht beeinflussen kannst, aber du kannst sie nicht kontrollieren, wie zum Beispiel das Scratchen oder das Auflegen. Man kann sagen: auf Tour zu gehen ist ein Job, aber auf die Bühne zu gehen ist Leidenschaft.

rap.de: Die meisten aktuellen HipHop-Releases weisen eine große Menge an Features auf, teilweise für jeden Song eins. Nun sind auf Feedback und den alten J5-Alben kaum Features zu finden. Liegt es daran, dass vier MC’s in der Band für Features einfach wenig Raum lassen, oder wollt ihr euch als Band auf euch selbst konzentrieren?

Nu-Mark: Ja, wir haben tatsächlich nicht so viele Gesangs-Features, dafür aber viele Produzenten-Features. Es ist wirklich schwer bei vier MC’s jemand zu finden, der da noch rein passt. Und außerdem ist es immer wichtig, dass die Features mit dir auch wirklich zusammenarbeiten wollen, dass sie down sind mit der Band und auch ein Teil von ihr sein wollen. Die J5-Musik kommt von Herzen und wird von fünf verschiedenen Leuten gemacht. Wer dabei sein will, muss der Zusammenarbeit an dem Song den gleichen Respekt erweisen wie wir.

rap.de: Wenn ihr euch einen Künstler oder eine Gruppe aussuchen könntet, den oder die ihr featuren könntet, egal wen, wer wäre das?

Nu-Mark: Also ich und wahrscheinlich auch die Band würde gerne mit Nas arbeiten. Er ist einer der Besten. Die Frage, die sich bei uns immer stellt ist, ob wir noch Underground sind oder nicht. Wir selbst sind Fans vieler Bands, die nicht Underground sind, und ich denke, dass Nas ähnlich wie wir durch die Live-Shows und die Themen, über die er rappt, zwischen den Polen Underground und Mainstream pendelt, aber doch auf eine andere Art und Weise als wir. Durch seine ganze Radio- und Recording-Erfahrung würde er aber wohl gut auf ein J5-Album passen.


rap.de: Seid ihr immer noch Fans von anderen Künstlern?

Nu-Mark: Ja, das ist der Grund, das J5 noch als Band existiert. Man sollte nicht vergessen wo man her kommt und wir sind als Fans verschiedenster Künstler aufgewachsen. Wenn man anfängt sich für den Größten zu halten, bekommt man Probleme. Ich bin einer großer Musikfan, von alter und neuer Musik. Das ist auch der Grund, warum ich in der Band bin. Die Jungs waren die ersten MC’s, die ich traf, die genauso gut wie ich über alte Musik Bescheid wussten. DJ’s reden normalerweise immer über alte Musik, aber diese Jungs wussten darüber genauso gut Bescheid wie ich. Und sie kannten viele Sachen, die ich noch nicht kannte, und ich kannte viele Sachen die sie noch nicht kannten. Wir haben uns einfach gegenseitig ergänzt.

rap.de: Eure eigene Arbeit als Musiker, euer Erfolg und euer Background-Wissen hat euch die Magie also noch nicht genommen, die man als Fan spürt, wenn man die Künstler auf der Bühne oder im Fernsehen sieht?

Nu-Mark: Es ist doch so, je mehr Bücher du liest, desto größer wird dein Vokabular. Und ich denke, je mehr Musik man hört, je mehr wertvolle Musiker man sich anschaut, je mehr wertvolle Gemälde du dir anschaust, desto besser wirst du selbst auch als Künstler.

rap.de: Hatte es eher einen positiven oder einen negativen Effekt auf das neue Album, dass Cut Chemist die Band verlassen hat?

Nu-Mark: Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Wahrscheinlich hat es viele gute Seiten und auch viele weniger gute. Einerseits ist es vielleicht gut, dass die Leute jetzt sehen, dass wir unseren Sound erweitert haben. Andererseits kann es auch sein, dass die Leute das jetzt bedauern und uns nicht mehr für die originalen Jurassic5 halten, aber das ist mir eigentlich auch irgendwie egal. (lacht) Weißt du, ich respektiere unsere Fans wirklich sehr, aber ich würde mir niemals von ihnen aufdiktieren lassen, wie wir zu klingen haben, welches Video wir veröffentlichen sollten, oder bei welchem Label wir unterschreiben sollten.

rap.de: Es schien bisher der richtige Weg zu sein.

Nu-Mark: Ja genau. Ich kann wirklich nicht beeinflussen was die Leute sagen. Ich kann nur der beste Nu-Mark sein, der ich sein kann. Das ist das Einzige, das ich beeinflussen, das ich kontrollieren kann. Wenn ich nicht mein ganzes Herz in die Songs stecken würde, wäre das mit den Meinungen der Leute etwas völlig anderes, aber das werde ich nie zulassen.


rap.de: Was ist deiner Meinung nach der Beitrag von J5 zum HipHop von heute und zur Musik im Allgemeinen?

Nu-Mark: Also da sollten wir über die Produktion reden und über die Einheit der vier MC’s. Außerdem machen wir Sachen auf der Bühne, die es so zuvor noch nie gegeben hat. Wir haben allen Zuhörern und den Leuten aus der Musikindustrie gezeigt, wie wichtig es ist live zu performen. Ohne die Live-Shows würde es uns selbst so auch gar nicht geben, denn wir wären finanziell schon längst am Ende. Wir lieben das, was wir auf der Bühne machen und es sichert uns finanziell ab, aber wir machen es nicht für das Geld. Die Message ist: wenn du das machst, was du als Künstler von ganzem Herzen liebst, dann ist das das beste Fundament für einen eventuellen finanziellen Verdienst.

rap.de: Also euer Beitrag zu HipHop ist die Liebe?

Nu-Mark: Ja definitiv, aber dazu kommt auf jeden Fall eine Menge Verständnis. Du musst wissen, was du mit dieser Liebe anfangen willst. Die Leute waren richtig enttäuscht als wir einen Major Label-Deal unterschrieben haben, aber wir haben zu jedem Zeitpunkt verstanden, was der nächste richtige Schritt für uns ist.

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