Lyrics Born

Die volle Dröhnung in den Ohren aber die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben, so lassen sich die Besucher des Berliner Tacheles wohl am besten beschreiben, als sie sich nach der Show von Lyrics Born nach Hause aufmachten.
 

 

Es war ein gelugenes wenn nicht sogar sehr gelugenes Konzert, was der MC aus der Bay Area abgeliefert hat. Zusammen mit der Sängerin, und wohl auch Freundin, Joyo Velarde und dem DJ Mike Relm. Allerdings hätten auch ein paar Dezibel weniger das Konzert nicht minder impulsiv gemacht.

 

Tom Shimura aka Asia Born aka Lyrics Born, wurde zwar in Tokio geboren, wuchs aber in Berkely, nördlich von Oakland auf. Hier traf er Anfangs der 90er im College auf seine kongenialen Kollegen Lateef, DJ Shadow, Chief Xcel, Gift of Gab und DJ Zen. Für Musiker war die Bay Area zwar eine kreative und facettenreiche Sammelgrube an Stilen und Bands, aber große Plattenfirmen und sonstige Major-Strukturen gab es nicht. Also machte man aus der Not eine Tugend und steckte die Köpfe zusammen, um selbst etwas an den Start zu bringen. Angefangen mit dem eigenen Label Soulsides, das später in Quannum umbenannt wurde, startete das Kollektiv seine beeindruckende Karriere.

Lyrics Born war selbstverständlich mit von der Partie und hat mit seinem Kollegen Lateef the Truth Speaker unter dem Namen Latyrx eine EP sowie ein Album veröffentlicht. Außerdem war er auf diversen 12“es und auch auf den Alben seiner Kollegen zu hören. Lange hat er gewartet, aber jetzt ist er an der Reihe. Mit „Later That Day“ schickte Lyrics Born 2003 sein Solodebüt ins Rennen und lieferte 2005 dann mit „Same Shit Different Day“ ein grandioses Remixalbum ab.

Auch für seine Tour hat er sich Zeit gelassen. Dass die nun ausgerechnet im Winter stattfindet, ist nicht gerade optimal, sie hatten gerade noch den letzten Flieger von München nach Berlin erwischt, bevor wegen Schneesturm alle weiteren Flüge ausfielen. Aber die Power, die er auf der Bühne abliefert, sprengt alle Schneeketten weg.

 

Während The Tape feat. RQM ein hervorragendes Warm Up ablieferten und Mike Relm (checkt den Typen auf jeden Fall ab!) mit einer DJ Show das Publikum schon mal von den Socken riss, indem er mit DVDs scratchte, sprich in Bild und Ton, sowie seine Beatjuggling-Skills zeigte, übernahmen Lyrics Born und Joyo dann die finale, kontrollierte Offensive.

Vor der Show und bei einsetzendem Schneesturm, hatte er glücklicherweise noch Zeit, rap.de einiges über seine Alben, Projekte und weiteren Pläne zu verraten.

 

rap.de: Lyrics Born, bei deinem Solodebüt „Later That Day“, bist du Rapper, Songwriter und Produzent in einer Person und arrangierst eine Stücke auch selbst. Auf dem Remix-Album, “Some Shit Different Day”, hast du verschiedene Produzenten und MCs am Start gehabt und eher als Co-Produzent gewirkt. Was kommt als Drittes? Ghostwriting?

Lyrics Born: Nein. Zunächst konzentriere ich mich aufs Produzieren für andere Künstler. Momentan arbeite ich am Album von Joyo Velarde, das wir zu zwei Drittel fertig haben. Ghostwriting kommt erst mal nicht in Frage. Dafür ist das Produzieren alleine schon sehr zeitintensiv. Ich muss da echt aufpassen, dass ich mir nicht zu viel auflade, denn dann würde ich meine eigenen Sachen total vernachlässigen. Das ist der Balanceakt, den ich zu bewältigen habe.



rap.de: Das hört sich aber doch alles recht gut durchgeplant an. Du hast Dir Zeit gelassen für dein Solodebüt, mit einem sehr guten Ergebnis, wie ich finde,…

LB: Danke.

rap.de: …dann das Remixprojekt, jetzt die Produktion für Joyo. Im Grunde genommen alles Debüts für dich und doch wirkst du ziemlich souverän. In wie fern spielen da die Erfahrungen der Quannum Familie, wenn ich das mal so nennen darf, eine Rolle?

LB: Man kann da schon von einer Familie sprechen. Wir haben uns gegenseitig aufgezogen. Wir haben uns gegenseitig Dinge beigebracht und voneinander profitiert. Es war wie beim Sport, beim Mannschaftssport. Wir haben die ganze Zeit miteinander, aber auch oft gegeneinander gespielt. So entwickelt man einen ziemlich hohen Skill-Level, denke ich. Denn man wird pausenlos gefordert. Ich vergleiche das mal mit den Williams Schwestern, Venus und Serena. Ihr Vater hat sie immer gegeneinander antreten lassen, damit sie sich gegenseitig hochpushen. So ähnlich war das auch bei uns. Wir hatten zeitweise kaum Kontakt zur Außenwelt (lacht), es ging nur um uns. Aber das ist schon lange her.

 

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