Non Phixion

“Brooklyn Builds Character” hieß mal ein Leitspruch der legendären Rapcrew Gangstarr. Wenn dieser Spruch dahingehend zu interpretieren ist, dass die eigene Nachbarschaft, also Brooklyn, einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der dort aufgewachsenen Personen nimmt, trifft das sicherlich auch auf die Mitglieder von Non Phixion zu. Natürlich kann jeder eine solche Geschichte aus seiner Nachbarschaft erzählen, aber hier geht es eben um die von Ill Bill, Sabac Red, Goretex, DJ Eclipse und Uncle Howie. Deshalb spielt sie in Brooklyn, New York, denn dort sind sie aufgewachsen und dort leben sie auch heute noch.

Bekannt, bisweilen auch berüchtigt, wurden Non Phixion durch ihren roughen Sound, der auch Einflüsse von Metal nicht scheut und durch Texte von politischer Brutalität oder ungeschönten Geschichten über sexuelle Phantasien sowie verschwörerische Theorien. Dafür haben sie mit Uncle Howie Records nicht nur ihr eigenes Label im Rücken, sondern mit der Person Uncle Howie auch gleich eine Identifikationsfigur geschaffen, wie sie in der Musikbranche ihres Gleichen sucht, wie sie im folgenden Interview beschreiben. Neben der geballten MC-Kraft von Bill, Sabac und Goretex, steht ein Mann hinter den Decks, der bereits selbst auf eine lange Karriere zurückblicken kann und als Mitglied der „worlds famous“ Rock Steady Crew, seinen Eintrag im HipHop-Geschichtsbuch bereits sicher hat, DJ Eclipse. Wie er die Entwicklung von HipHop betrachtet, und dass die Mitgliedschaft bei Rock Steady nicht nur eine Ehre ist, sondern auch Pflichten beinhaltet, wird in der zweiten Hälfte des Interviews geschildert.

rap.de: Non Phixion existiert als Band seit 1995. Gibt es ein Geheimnis für euren Zusammenhalt als Gruppe, über einen doch recht langen Zeitraum? Vielleicht hat ja Brooklyn, der Stadtteil in dem ihr lebt, etwas damit zu tun?

Sabac: Ein Geheimnis gibt es da nicht, es gibt nur Geheimgesellschaften…  
Im Ernst, ich glaube, dass der eigentliche Grund, warum wir immer noch zusammen abhängen und als Gruppe funktionieren, der ist, weil wir uns als Künstler gleichermaßen weiterentwickelt haben. Seite an Seite sozusagen. Wir sind sowohl als Einzelpersonen, wie auch als Gruppe gewachsen. Auch wenn es sich abgedroschen anhört, aber wir haben auch denselben Geschmack, wenn es um Beats, Reime und andere Konzepte geht. Wir sind wirklich wie Brüder, da ist ein ganz starker Zusammenhalt da. Logisch, dass es auch mal Streit gibt, wir uns gegenseitig eine reinhauen, diskutieren und so. But at the end of the day it’s all love. Das gegenseitige Vertrauen ist ungemein wichtig für den Zusammenhalt. Das gibt uns die Sicherheit zu wissen, dass keiner dem anderen in den Rücken fällt. Dafür sind die Soloprojekte ein gutes Beispiel. Wir unterstützen uns gegenseitig zu 100% bei unseren Karrieren. Nur dadurch können wir das tun, was wir lieben und es so tun, wie wir es wollen.   
 
rap.de: In euren Texten geht es auch gerne mal verschwörerisch zu. Fast könnte man glauben, dass es sich bei Non Phixion selbst um eine Art Sekte handelt. Ich habe mal in eurer Biographie nachgelesen, die auf www.matadorrecords.com zu finden ist. Da steht: „Non Phixion has gained a dedicated cult following”. Ist das wirklich so? Gibt es eine Art Kult, der um euch entstanden ist? Das hört sich interessant an.

 
Bill: Also der einzige Kult um uns herum, wenn man das mal so nennen will, sind unserer Fans aus aller Welt. Und dieser Kult wächst zum Glück stetig an. Da gibt es zum Beispiel Kids in Südafrika, der Tschechischen Republik und Australien, die uns schreiben und immer wieder fragen, wann wir den endlich mal in ihre Nähe kommen und spielen. Da arbeiten wir hart dran. Letztes Jahr waren wir in Griechenland, dort ist es bisher quasi unmöglich unser Zeug in den Läden zu finden. Aber auf dem Konzert standen da junge Mädels in der ersten Reihe, hatten selbst gemachte Uncle Howie T-Shirts an und sangen die Texte unserer Songs mit. Also wenn das kein Kult ist, dann weiß ich auch nicht!
Jetzt mal zu den verschwörerischen Texten. Wir bezeichnen sie gar nicht als „verschwörerisch“. Wir stellen einfach nur eine Menge Fragen in unseren Texten, die unserer Meinung nach absolut berechtigt sind. Wenn man sich mal die Nachrichten anschaut oder andere öffentliche, meinungsmachende Medien, sollte man nicht so schnell sein und sofort alles glauben, was einem dort gezeigt wird. Zu viele Leute glauben einfach alles, was sie lesen oder im Fernsehen sehen, die hinterfragen gar nichts. Wir sind einfach etwas skeptischer, wenn es um solche Informationen geht, sei es in den Medien oder auch in der Musik. Das sehe ich nicht als verschwörerisch an, sondern als kritisch hinterfragend.  

rap.de: Ihr nehmt ja auch in Sachen Sex kein Blatt vor den Mund. Kommt das von einer sexuell eher frustrierten Kindheit oder hat Brooklyn euern Charakter derartig geprägt? Möglichweise ist auch einfach nur Necros schlechter, nekrophiler Einfluss Schuld?

Sabac: Yeah definitely! Auf jeden Fall gibt es einige Stellen in unseren Texten, wo es nur um Sex und so’n Zeug geht. Aber ob es jetzt Kindheitserinnerungen sind oder nicht, hängt, glaube ich, davon ab, wie tief du in deiner Vergangenheit gräbst. Du solltest Psychologe werden, dann können wir uns gerne vertieft über dieses Thema unterhalten.
Ich bin mir allerdings sicher, dass es etwas damit zu tun hat, wie wir aufgewachsen sind. In Brooklyn natürlich! Das Viertel hat sicherlich seinen Anteil an unserer Entwicklung. Aber Sex ist ja nun eine absolut universelle Sache. Ich sage mal, dass jeder auf der Welt Sex liebt, und wir haben einfach Bock darauf, ab und zu mal darüber zu sprechen. Punkt.


rap.de: Habt ihr eigentlich irgendwelche Angewohnheiten oder bestimmte Rituale, vor oder nach einer Show? Und ich meine jetzt nicht etwa Hühnern den Kopf abhacken oder so ein Zeug. Obwohl es bestimmt Leute gibt, die euch das zutrauen würden.

Sabac: Oh nein, da ist nichts Besonderes. Alk, Weed, Kräutertee und wir machen das sog. “Power Fist Big Up” kurz bevor wir auf die Bühne gehen. Das ist so ähnlich wie es die “Wonder Twins” tun, diese Cartoon Helden, falls du die kennst?

rap.de: Ähh, nicht wirklich, aber ich kann es mir schon ungefähr vorstellen, wie das aussieht.
Ill Bill, du bist der Eigentümer von Uncle Howie Records, eurem Label. Das ist so gesehen ja schon eine Form von Family Business, was eure Situation angeht. Was sind die positiven und was die negativen Dinge an solch einer Konstellation?

Bill: Ich muss sagen, dass da erst mal nichts Schlechtes dran ist, sein eigenes Unternehmen zu besitzen. Außer natürlich die viele Arbeit, die man hat. Haha!
Aber es ist doch so, dass du viel härter arbeiten musst, wenn du die Dinge selbst in die Hand nimmst. Doch es lohnt sich, weil der Lohn für diese Arbeit einfach größer ist, als wenn du für andere schuftest. Für uns, und ich denke, dass ich für alle sprecheh kann, ist wirklich nichts negatives an dieser Situation dran.   

rap.de: Kommen wir mal auf Uncle Howie zu sprechen. Ein Mann,  ein Mythos, eine öffentliche Person, ein Maskottchen. Dieser Mann scheint viele Rollen auszufüllen. Ist er inzwischen schon wichtiger als ihr und eure Musik?

Bill: Howie ist sehr lebendig, er atmet und existiert, genau wie du und ich. Der einzige Unterschied ist, dass er auf den Straßen Brooklyns Heroin spritzt seit er 14(!) ist. Das hat ihn auf eine seltsame, gefährliche aber manchmal auch witzige, ausgelassene Reise geführt, die er glücklicherweise mit uns teilt, wenn er in Skits auf einigen unserer Projekte spricht. Es ist auch cool, sein Image ab und zu auch mal auf einem T-Shirt auftauchen zu lassen. Die Leute fahren voll darauf ab, also wenn nicht auf ihn, auf wen sonst? Er ist das perfekte Gesicht für das Label: Ein Typ, der von ein Unglück nach dem anderen überlebt hat, um endlich, nach einem langen Weg, etwas erreicht zu haben, nämlich mit seinen Freunden, mit seiner Family, groß rauszukommen.  Was gibt es besseres?



rap.de: Er scheint, es mit eurer Hilfe tatsächlich geschafft zu haben. Ich habe gelesen, dass er inzwischen mehr Autogramme schreiben muss als ihr. Sieht so aus, als läuft er euch den Rang ab. Was tut ihr dagegen?

Bill: Wenn jemand es schafft, vom Leben in der Gosse, drogenabhängig und ohne Perspektive, zu einer Situation zu kommen, wo er wieder ein einigermaßen geregeltes Leben führen kann und oben drauf sogar noch Autogramme schreiben darf und das alles innerhalb von nur einem Jahr, und diese Person ist kein Traum sondern aus Fleisch und Blut, was würdest du tun? Genau, einfach nur über das ganze Gesicht grinsen und sich für ihn freuen. It’s a fuckin‘ blessing!

rap.de: Ihr hattet einen recht großen Erfolg mit der 12“ „I Shot Reagan“. Glaubt ihr, dass politische Inhalte in der Musik noch wichtig sind? Wohin geht die Entwicklung speziell im Rap, verglichen mit den 90ern? Immerhin ist bei euch ein sehr politisch engagierter Act wie Immortal Technique unter Vertrag. Also muss es für euch ja noch eine Bedeutung haben.  

Sabac:  Yeah, “I Shot Reagan” war ein großer Schritt für uns. Zu dieser Zeit (1998) gab es kaum noch Platten mit politischen Belangen. Die politische Ära klang langsam ab. Aber unsere Einstellung ist die, dass wir immer das machen, woran wir glauben und dann machen wir es auch gleich richtig. Keine halben Sachen, kein „mit dem Finger zeigen“, keine Predigten, aber ehrlich und auch ruhig mal militant. Wir sehen HipHop als Stimme des Volkes, und als Künstler haben wir uns diese Plattform geschaffen, um uns und unsere Überzeugungen und Sichtweisen expressiv zu vertreten, ohne Einschränkungen. Wir wissen, was in der Welt und auch in unserer Nachbarschaft passiert, also sprechen wir auch darüber. We bring that balance to hiphop. We are the message and the music. 



rap.de:
Was bedeutet Musik für euch? Leidenschaft? Emotion? Provokation? Nur ein Job?

Bill: Music is my life. Period. Ohne Musik, würde ich nicht der Mensch sein, der ich bin, und ich würde vor allem nicht glücklich sein.

rap.de: Wie sieht es mit euren Ansichten in Bezug auf Musik und Religion aus? Hat das den selben Stellenwert wie Politik?

Bill: Religion oder, wie ich es lieber beschreiben möchte, der Streit zwischen Menschen, die verschiedenen Religionen angehören, ist der Hauptgrund für Kriege und Vernichtung in dieser Welt, seit über 2000 Jahren. Religion trägt die Hauptschuld, viel mehr als andere Ideologien oder Drogen, Krankheiten oder andere Formen von technologischen Entwicklungen. Wir sprechen immer nur diese dunkle Seite von Religion in unseren Songs an und das ist für uns auch sehr wichtig.   

rap.de: Bill, ich habe gelesen, dass du auch auf Metal stehst. Wie sieht es mit der Metal-Szene in den USA aus? In Deutschland gibt es eine recht interessante Szene, die sich aber eher am Rande des großen Medieninteresses hält, weg vom Mainstream – was die Szene nicht weniger kreativ macht.  

Bill: Ich denke, dass es hier ganz ähnlich ist. Es gibt natürlich auch Mainstream-Bands, genauso wie es seine große Underground-Szene gibt. Alles im Allem ist die Metal-Szene aber in Europa größer als in den USA, denke ich. Die Fans in Europa lassen sich einfach auf extremere Musikformen ein, als die Amerikaner. Ich habe viele Freunde, die in Metal-Bands spielen und immer, wenn wir mit denen zusammen auftreten, gehen die Leute so richtig ab. Das ist der Hammer! Ich höre genauso viel Metal, wie ich HipHop höre.

rap.de: Einige der HipHop-Stars aus den 90ern sind heute Independent Artists, spielen also nicht mehr in der ersten Liga der Megaseller mit. Was können diese Veteranen noch von jüngeren Künstlern, wie z.B. euch, lernen, die ihre ganze Karriere in die eigenen Hände genommen haben. Und was könnt ihr von ihnen lernen?

Eclipse: Also ich glaube, dass allein die Tatsache, dass die „Veterans“ nun Platten auf Independent Labels rausbringen, zeigt, dass sie bereits von jüngeren Künstlern gelernt haben.  
Die „alten Herren“ waren alle auf Majors, während die young cats so drauf waren wie: "fuck this, I’m doing it myself". In erster Linie natürlich, weil es für sie leichter war, einen Deal zu bekommen, als bei einem Major. Aber es kann sich auch finanziell lohnen, wenn man es richtig macht. Ich glaube, dafür sind wir ein gutes Beispiel.

rap.de: Das Internet spielt eine immer größere Rolle, auch im Musikbiz. Vor allem auch im Vertrieb. Die Entwicklung scheint in die Richtung zu gehen, dass digitale Formate wesentlich interessanter werden, als eine Vinylplatte rauszubringen. Gerade für DJs eine Horrorvorstellung, oder?

Eclipse: Klar, das wird so kommen, weil sich Vinyl einfach nicht mehr gut verkauft. Die großen Unternehmen müssen andere Wege finden, ihre Produkte zu promoten und einer dieser neuen Wege ist das Versenden von MP3s zu DJs oder anderen Medienleuten. Und wenn das geschehen ist, kannst du wetten, dass der Track automatisch von irgendwem ins Netz gestellt wird und jeder ihn bekommen kann. Aber es spart eben Kosten ein und ist konkurrenzlos schneller als andere Vertriebswege. Ich bevorzuge natürlich auch Vinyl. Aber ich hab mir „Serato Scratch LIVE“ besorgt (eine Software wie „Final Scratch“, Anm. des Autors), so dass ich MP3s importieren und wie auf Platte abspielen kann.   

rap.de: Wie seht ihr der Zukunft entgegen, bei all den neuen Technologien, die aufkommen. Wir sprachen gerade über das Internet, über eine Software, mit der man MP3s mit Platten kontrollieren kann, was immer größeren Anklang findet. Aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel der Einsatz neuer Techniken zur Überwachung, um etwas Negatives zu nennen. Wie ist eure Sichtweise?

Bill: Mann, die ganze Technologie ist so weit weg davon, dass wir sie noch kontrollieren könnten. Es sieht so aus, als müssten wir es so akzeptieren und hoffen, dass es nicht irgendwann in unserem Gesicht explodiert. Ich möchte auf jeden Fall nicht im Wald leben müssen, wie der Unabomber, aber manchmal fühle ich mich schon so, als ob es schon so weit wäre. HaHa.
Das Problem dabei ist, dass ich zu viele Dinge kenne, die ich selber zu schätzen weiß, dass es einem schon fast Angst macht, wenn man mal darüber nachdenkt, wie schnell sich die Technik in den letzen 100 Jahren entwickelt hat. In einige Dingen ist einfach grandios und man nimmt sie schon als die normalste Sache von der Welt hin. Aber wenn du dich mal hinsetzt und dir auch die dunkle Seite dieser Entwicklungen durch den Kopf gehen lässt, dann bekommst du echt Angst!

rap.de: DJ Eclipse, du bist Mitglied der weltbekannten Rock Steady Crew. Was bedeutet diese Mitgliedschaft für dich?

Eclipse: Als erstes Mal, dass ich ein Teil von etwas bin, was als ein Teil der Gründung von HipHop gilt. Außerdem heißt es, dass alle Mitglieder sich ihrer Rolle immer sehr bewusst sein müssen, weil das Ansehen dieser Gruppe sehr hoch ist und wir dieses Level zu halten haben.
Für mich ist es eine große Ehre, Mitglied der Rock Steady Crew zu sein.

rap.de: Wie wichtig sind dir Begriffe wie Old School, die 4 Elemente von HipHop, Biting oder Sell-Out? Alles Begriffe, die inzwischen eine ältere Attitüde beschreiben, mit denen die Charthopper nicht mehr ganz so eng verbunden zu sein scheinen, die aber z.B. für MCs wie KRS One immer noch zum festen Repertoire gehören, wenn es um die Definition von „Real HipHop“ geht.  

Eclipse: Es ist sehr wichtig, dass man sich bewusst ist, was HipHop eigentlich ausmacht. Dazu gehören nun mal die 4 Elemente MCing, DJing, B-Boying und Graffiti. Ich sehe es aber nicht so, dass darüber in jedem Track gerappt werden muss oder man diese Elemente auf Teufel komm raus, 24 Stunden am Tag repräsentieren muss. Ich meine, viele von uns sind mit HipHop aufgewachsen. Alter, wir sind sogar von HipHop erzogen worden! Es ist in uns, wir sind HipHop. Aber deshalb fühle ich mich noch lange nicht so, dass ich die ganze Zeit mit ner Dose in der Tasche herumlaufen muss, um zu taggen oder Handspings während der Frühstückspause aufs Parkett lege, nur um pausenlos zu beweisen, dass ich HipHop bin.
Musikalisch gesehen ist die Old School immer noch meine bevorzugte Zeitepoche. Wenn ich also mit meinem MP3-Player durch die Gegend laufe, dann höre ich meistens Joints aus der Mitte bis Ende der 80er Jahre.
Der Begriff „Biting“, scheint heute keine besonders große Rolle mehr zu spielen. Es gibt heute schon ne Menge MCs, die sich der einen oder anderen Line von anderen MCs bedienen, aber meistens, um demjenigen Props dafür zu geben. Früher haben die MCs sich die Lines geklaut und dann behauptet, sie hätten sie zuerst geschrieben.
Ein „Sell-Out“ ist ein meinen Augen jemand, der wirklich nur des Geldes wegen im Game ist und sich einen Scheiß um die Kunstform an sich kümmert. Ich erinnere mich, dass viele Leute MC Hammer früher als Sell-Out bezeichnet haben. War er aber nicht. Er machte die gleiche Art HipHop, wie sie heute in den Charts zu finden ist. Sie war eben einfach nur schlecht.
Es sind die Leute, die dir heute eine Sache erzählen und dann mit dem nächsten Album rauskommen, mit einem ganz anderen Sound – meistens ein total verwässerter und austauschbarer Style -, die ich als Sell-Out bezeichne.

rap.de: Du hast ja bereits mit vielen Leuten zusammengearbeitet. Als ein langjähriger Fan von MC Serch (Third Base), den ich bis heute leider noch nicht getroffen habe, interessiert mich die Frage, was er für ein Typ ist und was er heute eigentlich so macht? Vielleich plant ihr ja bereits ein gemeinsames Projekt?

Eclipse: Wenn Serch nicht wäre, hätten eine ganze Menge Leute nie die Chance gehabt, Musik rauszubringen. Er hat eine ganze Menge für die HipHop-Szene getan. Als ich ihn das erste Mal getroffen habe, lebte ich gerade im tiefsten Süden der USA. Er war es, der mich nach NY brachte, wo wir direkt im Studio landeten, um an seinem zweiten Soloalbum zu arbeiten, dass auf Def Jam rauskommen sollte – leider hat das nicht geklappt. Das Album ist nie erschienen. Heute macht Serch eine Radiosendung in Detroit. Soweit ich weiß, rappt er nicht mehr sehr oft, deshalb wird es wohl auch nichts mit einer zukünftigen Zusammenarbeit.  

rap.de: Du bist als DJ schon einige Jahre dabei. Was ist der entscheidende Faktor, der dich bis heute dazu treibt weiterzumachen?

Eclipse: Originalität und Bescheidenheit. Es gibt so viele DJs im Business, die ein dickes Ego mit sich herumschleppen. Es ist einfach nicht mein Stil, ein Arschloch zu sein. Es gibt auch sehr viele DJs, die immer die gleichen Künstler und gleichen Platten spielen. Das ist so lahm. Unerträglich. Ich bin DJ geworden, weil ich es mochte, Leute mit Musik zu begeistern, die sie noch nicht kannten. Ich will nicht einfach nur wie jeder andere klingen.   

rap.de: Gibt es eigentlich noch deine "Halftime Show" auf 89.1 WNYU? Und hat sich die Wichtigkeit von Radishows in der letzten Zeit geändert? Durch das Internet haben die Leute auf einmal die Chance, unter Hunderten von Kanälen zu wählen. Außerdem haben die öffentlichen Radiostationen sich so angeglichen, dass man immer nur die gleichen Tracks hört, von morgens bis abends.

Eclipse: Zuerst, ja, die Halftime Show ist immer noch auf Sendung und zwar seit siebeneinhalb Jahren! Die Alternative zum öffentlichen Radio heißt College Radio, das hat sich in den letzten Jahren auch weiter so gefestigt. Früher war es absolute Pflicht für Künstler, erst mal im College Radio zu laufen, um dann vielleicht den Durchbruch schaffen zu können. Heute, in Zeiten des Big Business und der Tatsache, dass sich die meisten der großen Radiostationen wesentlich stärker um HipHop drehen, als noch vor Jahren, werden bekanntere Acts weniger auf College Radio Shows gespielt, da sie eh schon eine große Aufmerksamkeit bei den kommerziellen Sender bekommen.
Ich finde die Situation großartig, dass du heutzutage durch das Internet die Chance hast, dir alles anzuhören, was du willst, wann du willst und wo immer du es tun willst.
Ich sehe das Radio immer noch als eine Institution, die ein Community-Feeling erzeugt. Am nächsten Tag wird darüber geredet, was du in deiner Show gespielt hast und wenn du nicht mitgehörst hast, kannst du auch nicht mitreden. Aber bei all der Internet-Technologie galube ich immer noch, dass der regionale Faktor eine sehr wichtige Rolle beim Radio spielt. Die Identifikation der Zuhörer ist größer und viel greifbarer, wenn die Sendung Themen aus deiner Stadt oder gar deiner Nachbarschaft aufgreift. Nicht, dass das die einzige Möglichkeit ist, ein Community-Feeling zu schaffen, das geht ja auch per Internet. Aber gerade diese regionalen Schwerpunkte machen meiner Meinung nach das Radio immer noch zu einem sehr wichtigen Medium.     

rap.de: Du hast lange für Fat Beats gearbeitet. Eine Zeitlang war der Name Synonym für gute Qualität. Platten, die von Fat Beats kamen, konnte man ungehört kaufen. Wie ist die Situation heute, sofern du das beurteilen kannst? Haben sie Fehler gemacht oder war das einfach der Lauf der Zeit, der nun mal Veränderungen mit sich bringt?

Eclipse: Time’s changed und die Musik mit ihr, und auch Fat Beats musste sich verändern. Sie haben immer noch Läden in NY, LA und Amsterdam. Ihr Vertrieb verkauft immer noch an Läden in aller Welt, aber es ist nun mal Fakt, dass sich Vinyl nicht mehr so gut verkauft, wie noch vor einigen Jahren. Und unglücklicherweise gibt es auch viele Gruppen, die wir mögen, die nicht mehr so viele Scheiben absetzen, wie früher Mal. Es gibt eine ganze Menge an neuen Künstlern, die dabei sind, sich einen Namen zu machen und Fat Beats ist immer auf der Suche, nach diesen Talenten. Ich denke, da machen sie ihren Job auch ziemlich gut. Dazu kommt natürlich, dass es durch die neuen technischen Möglichkeiten viel einfacher geworden ist, eine Platte in Eigenregie zuhause aufzunehmen und sofort ins Netz zu stellen. Der Markt ist total übersättigt. Music isn’t as special as it once was.

rap.de: Vielen Dank für das Interview.

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