Nneka

Nneka kommt ursprünglich aus Nigeria, lebt jedoch inzwischen in Hamburg, wo sie als Lyricist und Sängerin fester Bestandteil der „Chosen Few Crew“ ist, in deren Umfeld auch die Titel – zumeist in Zusammenarbeit mit ihrem (sowohl in menschlicher als auch musikalischer Hinsicht) Partner DJ Farhot – ihres kürzlich erschienenem Debüt-Albums „Victim Of Truth“ entstanden sind, welches durch seinen thematischen Output mindestens ebenso überzeugt, wie durch den kreativen Umgang mit Musik. Was da von Hamburg aus auf uns zukommt, ist reif, ist nachdenklich, ist reichhaltig, ist Soul, ist Respekt, ist Nneka. Und genauso stellt sich die Frau auch im Interview dar, und ist dabei auf entzückend zurückhaltende und bedachte Art doch beeindruckend bestimmt. Nneka verdient künftig in jedem Fall Aufmerksamkeit! Unsere hat sie sich bereits verdient – soviel steht fest…

rap.de: Wie geht es dir?

Nneka: Oh, mir geht es gut, danke! Und euch?
rap.de: Uns geht es auch gut. Wir waren sehr interessiert daran, dich kennen zu lernen. Fangen wir also direkt an: Wie kam es dazu, dass du nach Deutschland gekommen bist? Was war der Grund für dich, Nigeria zu verlassen und hier zu leben?

Nneka: Das ist eine sehr persönliche Frage. (zögert) Ich würde sagen, es war eine Form von höherer Gewalt.
rap.de: Okay, wir wenden uns vielleicht besser deiner Musik zu: Du gibst Bob Marley, Mos Def, Mobb Deep und Lauryn Hill als deine größten musikalischen Einflüsse an, gleichzeitig repräsentieren diese Künstler teilweise verschiedene Arten von Musik und Kulturen. Wie denkst du also über den Einfluss, den eben diese verschiedenen Kulturen und Stilrichtungen auf deine Musik haben, auch im Bezug auf deren Vielseitigkeit?

Nneka: Ich denke, der Einfluss auf meine eigene Musik und auf meinen Sound ergibt sich aus der Art und Weise, wie ich die Musik anhöre und was ich dabei fühle. Nicht notwendigerweise daraus, wie ich Musik mache. Bei Bob Marley sind es zum Beispiel die Lyrics. Sie sind sehr direkt und ehrlich…

 

rap.de: …von Herzen…

Nneka: Ja, er trifft den Nagel auf den Kopf. Einfach nur Boom. Ohne zu lügen, ohne etwas vorzutäuschen. Er geht einfach nur direkt auf den Punkt zu, den er vermitteln will. Ich schätze ihn sehr dafür. Mos Def: ich mag seinen Style, die Art wie er rappt und singt. Seine Lyrics sind auch durchdacht. Ich sehe ihn als jemanden, der er selbst geblieben ist. Er hat sich nicht zu sehr beeinflussen lassen, von der Musikindustrie und der ganzen kommerziellen Seite. Ich glaube, dass er es einfach nur so macht, wie er es für richtig hält. Ehrlich und aus dem Herzen. Das ist natürlich nur der Eindruck, den ich von ihm und seiner Musik habe. Ich weiß nicht, ob es der Realität entspricht. Ich kenne ihn ja nicht persönlich.
rap.de: Das heißt, für dich ist es wichtig, den Leuten eine bestimmte, wichtige Botschaft zu vermitteln. Ist das demnach auch die Art, in der dich andere Künstler beeinflusst haben? Durch ihre Lyrics?

Nneka: Ja genau!
rap.de: Unabhängig von den eben genannten Einflüssen, habe ich beim Durchhören deines Albums auch Parallelen zu Frauen wie Jill Scott und Neneh Cherry festgestellt, und außerdem teilweise doch recht oldschool-lastige Einflüsse…

Nneka: Ja? Hm… das könnte schon sein. Ich bin aber nicht darauf fokussiert, eine bestimmte Form von Musik zu machen. Wenn ich mir einen Beat anhöre, dann fühle ich es einfach in diesem Augenblick und mache es dann einfach spontan, nach Gefühl. Wenn etwas Positives dabei herauskommt, ist das cool. Wenn ich es mir dann das zweite Mal anhöre, denke ich oft: Na ja, ist vielleicht doch nicht so cool. Wir sollten noch etwas verändern.
 

rap.de: Weil du im ersten Durchgang so emotional gehandelt hast?

Nneka: Genau. Es ist nicht so, dass ich darauf fokussiert bin, wie rüberkomme. Ich plane nichts, bevor ich es mache. Ich höre einfach nur auf den Beat, auf die Musik und fühle es in eben diesem Moment.

rap.de: Das heißt, du jamst die meiste Zeit? Oder wie entstehen denn deine Songs? Wer macht die Arrangements? Du, dein Produzent, oder alle zusammen?

Nneka: Ja, wir machen das immer alle zusammen.