Texta

Auch im Falle Texta ist es einer dieser Backstageräume, in dem wir zusammentreffen, und zwischen Kaffee aus Plastikbechern und belegten Brötchen fläzt man in uralten Sesseln und läßt den Dingen seinen Lauf. Die Skepsis gegenüber Sprechgesang aus dem Alpenstaat dürfte sich spätestens mit der letzten Texta-LP verflüchtigt haben, denn wer gewillt war, seinen Horizont jenseits des Suppentellers zu verlagern, dem dürfte es nicht schwer gefallen sein, sich begeistern zu lassen. Huckey, Flip, Skero, Laima und DJ Dan machen es den Zuhörern aber auch leicht. Auf der Bühne rocken sie bis das Publikum dampft, und auf ihren Veröffentlichungen überzeugen sie durch nichts anderes als Qualität. Die Anfänge von Texta liegen inzwischen schon 7 Jahre zurück. Eine Hauptrolle bei der Zusammenkunft spielt die Kapu, ein Linzer Hardcore-Punk Club, in dem Huckey und Laima schon immer mit verschiedenen Bands auftraten. Dort trafen die Jungs aufeinander, man kannte sich, die gemeinsame Liebe zum HipHop war schnell entdeckt, und so schloß man sich zusammen, um einmal eine Nummerfür die Kapu zu machen.
Laima: "Die Nummer ist zwar nix geworden, aber daraus entstand dann Texta"

 

Anfängliche Schwierigkeiten wurden aus dem Weg geschafft, und auch der Entschluß, die Texte auf deutsch zu machen, war relativ schnell gefaßt.
Laima: "Wir haben Advanced Chemistry auf zwei Shows gesehen, und da haben wir gesehen, daß das funktioniert, daß deutsche Texte leiwand sein können. Wir wollten nur einmal mit einem Freund von mir zusammen ein Stück machen mit dem Titel ‚I´ll never wash my hair again’… mit englischen Texten (Gelächter)."
Huckey: "..aber das war eher ein Joke"
Die Tatsache, daß nun auch Österreicher anfingen HipHop zu machen, wurde von der breiten Öffentlichkeit nicht wirklich akzeptiert. Hatten ja selbst deutsche Acts zu der Zeit noch Probleme ernst genommen zu werden, so schmorte die hiesige Szene erstmal im eigenen Saft, ohne sich allerdings entmutigen zu lassen.
Huckey: "Wir wollten einmal Advanced Chemistry veranstalten, aber das ging nicht in einem HipHop-Rahmen, denn das hat keiner wirklich geschnallt. Und es war ja bis vor kurzem immer noch so, daß – wenn überhaupt! – Texta, Total Chaos und Schönheitsfehler die Aushängeschilder waren. Erst jetzt werden mehr Gruppen aktiv und bekannt, und langsam werden auch immer mehr Sachen akzeptiert, aber eben erst seit kurzem. Die Szene in Österreich ist auch immer noch so klein, daß man irgendwann gezwungenermaßen aufeinander trifft."
 
So wurde die erste Texta EP "Geschmeidig" auf DuckSquad, dem legendären Label von Milo – damals noch Marimba – und Schönheitsfehlermann Burstup veröffentlicht, und es dauerte auch nicht lange, bis die Scheibe ausverkauft war. Nach diversen Appearances auf Samplern und dem sprichwörtlich abgespielten Arsch erschien dann 97/98 auch der erste Longplayer auf dem österreichischen Label Geco Tonträger. Während Texta damit schon – relativ unerwartet aber um so erfreulicher – bei einem breiteren Publikum großen Anklang fanden, kam schließlich das Signing bei dem deutschen Label Plattenmeister, das ja auch schon ein Zuhause für u.a. Fishmob bot.

Warum gerade Plattenmeister, und wie kam´s dazu?
Laima: "Plattenmeister ist die Firma die geographisch in Deutschland am weitesten von uns entfernt ist (Gelächter) …nein, aber es funktioniert."
Nun ist Plattenmeister allerdings kein HipHop-Label (zumindest noch nicht)…
Huckey: "Ein früherer Mitarbeiter von Plattenmeister war auf Tour mit einer befreundeten Punkband, und da haben wir ihn getroffen. Und er meinte irgendwann, daß er mal schauen würde, ob er vielleicht für uns ein Label findet, hat dann bei Plattenmeister ein Tape von uns vorgespielt, und irgendwie haben wir uns dann geeinigt."

Inzwischen findet ein Labelsharing statt, und so scheinen alle zufrieden. Texta gründeten auch ein eigenes Label, TonträgerRecords, auf dem vor kurzem eine Maxi von Weiszbrohd erschien, österreichischer HipHop in Bestform. Allerdings sind die Zustände nicht immer rosig, auch wenn Erfolg und Respekt in der Szene genügend vorhanden sind. Die Miete bezahlt sich dadurch nicht, und vom HipHop zu leben ist immer noch eine olympische Leistung, in Österreich genau wie in Deutschland. Wer sich nicht in den Ausverkauf begibt oder zum Topact wird, der hat immer wieder das Problem des Zweitjobs.
Laima:"Wir haben alle nebenbei Jobs.."
Huckey: "..und Skero ist freischaffender Künstler, und ausgerechnet der verdient am meisten!"

  Skero, der zusammen mit einem Freund auch Grafiken und Graffitiaufträge macht, ist mit diesem gleichzeitig auch Herausgeber eines Graffitimagazins, das in kleiner Auflage in Österreich erscheint. Allerdings leidet die Arbeit von Texta nicht unter der Doppelbelastung. Jedenfalls nicht so, daß der Hörer es merken würde, weder früher, noch heute. Im Gegenteil: Die Aufnahmebedingungen haben sich verbessert.
Huckey: "Früher war das Aufnehmen anstrengender, da wir immer in die Kapu alles aufgebaut hatten, und dann mußten wir eben fertig werden. Immer wieder aufbauen und abbauen, mit wenig Zeit, das war sehr anstrengend."
DJ Dan: "Aber diese Album ist so über ca. 1 ½ Jahre dahingediehen, und es war gut, daß wir quasi jederzeit ins Studio konnten."
Laima: "Also diesmal war’s eigentlich genau die gegenteilige Aktion beim Aufnehmen, als letztes Mal. Wir sind früher rein in die Kapu, aufbauen, am Abend ist Konzert, abbauen, und so ist das stressig dahingegangen. Jetzt haben wir im Keller unser Zeug stehen, das Equipment zum Aufnehmen und man kann immer rein, wenn man Lust hat."
DJ Dan: "Jetzt ist es auch schon so, daß man mal alleine hingehen kann, weil früher war’s so, daß sich immer nur Flip mit dem Equipment ausgekannt hat, und jetzt kennt sich eigentlich schon jeder selber aus."
Und wie funktioniert die Zusammenarbeit, wenn man zu fünft ist?
Laima: "Eigentlich machen wir das meistens so, daß wir uns irgendein Thema suchen, und dann überlegt sich jeder was dazu." Huckey: "Oder man sucht sich erst einen Beat, überlegt sich dann was, und jeder schreibt was dazu. Oder wir setzen uns zusammen, und man schreibt miteinander (überlegt kurz) …das sind dann die Texte, wo’s mit den Lyrics so ziemlich Ratze-Ratze abgeht (Gelächter)."

Daß es auch noch viel mehr so "Ratze-Ratze" mit Texta selbst abgeht, bleibt nur zu wünschen. Zumindest deutet alles darauf hin, denn die letzte LP "Gegenüber" spielte sich sofort ins HipHop- Nirvana, ob nun Instrumental oder Vocal auf jeden Fall ein Volltreffer. DJ Dan produziert eifrig seine Mixtapes, die auch zu den musikalischen Kleinoden im Walkman avancieren könnten, und das Texta-Label Tonträger dürfte sich in den nächsten Jahren zu einer großartigen Brutstätte für neue Acts entwickeln. Und dann können sich Texta vielleicht endlich auch komplett dem HipHop widmen…Vollzeit quasi.

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