Afrob

Da saßen die Technikgläubigen nun in einer Suite des "Maritim Pro Arte", Berlin Friedrichstraße, und harrten voller Tatendrang der Dinge, die da kommen sollten. Und während die Uhrzeit unerbittlich voranschritt, das Chaos wuchs und es auch Netzfuchs Dorian nicht gelingen wollte, einen Internetzugang zu bekommen, wurde allen Beteiligten immer klarer, daß das gute alte Interview mit dem guten alten Diktiergerät wohl noch lange nicht ausgedient hat. Und so unterhielten sich am Couchtisch, zwischen klingelnden Handys ("wann seid´n ihr endlich online?"), umherwuselnden Starkstromtechnikern vom Hotel ("da sind wohl die Kontakte korrodiert, da muß ick halt mal die Dosen austauschen"), und den unvermeidlichen Marihuanaschwaden ein entspannter Afrob mit den beinahe auch entspannten rap.de- Redakteuren Gunnar und steve.de. Mit dabei: Der ebenso unvermeidliche Harris von den Spezializtz, sowie später auch der dritte Afro im Bunde – Dean. Das Gespräch begann mit dem üblichen philosophieren über die Vergangenheit…
Afrob: "Das erste was ich damals von Berlin gehört hab´, waren Cheeba Garden… Legendär, Mann!" Ja, aber wenn sie doch bloß nur deutsch gerappt hätten, oder? "Ja, aber die (zeigt auf einen grinsenden Harris) rappen ja auch nicht deutsch, die rappen Berlinerisch. Im Westen versteht die auch kein Schwein."
Und wie kommst Du dann mit den Spezializtz zusammen?

"Naja, da is´ so´ne grundsätzliche Übereinstimmung, was die Musik betrifft… Wir sind zwar in manchen Sachen unterschiedlicher Meinung, auch textlich, aber das Grundfeeling stimmt überein. Ich bin down mit den Spezializtz. Berlin is´ eh cool, Alter. Ich hab´ da jetzt Sachen gehört, KMC und Desue und so, was da jetzt so kommt, da muß was passieren. Weil am Ende geht’s eh darum, wer der beste Rapper ist, wer den geilsten Sound hat und wer einfach komplett der ganzen Komplexität des Rapbiz am besten gewachsen ist. Und zwar angefangen vom Styles kicken, bis hin zum Vertreiben von dem Zeug, weil die machen das alles selbst, da ist keine große Company hinter, die zahlen alles selber, Studiokosten und so…und am Ende zählt eben eh nur, wer der beste Rapper ist. Wir hatten einen Soundclash mit denen zusammen in München, puhhhh , die ham ´n DAT reingehauen, hatten drei Mics, standen zu acht da oben, Junge, Junge, Junge…" Es folgten weitere Betrachtungen über diesen und jenen Rapper, über Phrasendrescher und Chartpositionen, bis wir irgendwann zu dem Thema fanden, das uns an jenen Couchtisch geführt hatte: Afrob. Geboren in Italien, aufgewachsen in Braunschweig (eine Straße neben Rene, "dem MC-MG"), umgezogen nach Karlsruhe und schließlich in Stuttgart gelandet. Und hier arbeitete er nach klassischem Muster am großen Plan: The Coming –oder: wie mach ich das Business klar?"Eigentlich hatte ich gar keinen Plan – ich hab´ halt angefangen ein paar Features zu machen, hab´ erst meinen Schulabschluß gemacht und hatte ein Jahr später einen Recorddeal, wo ich wirklich meine Sachen releasen konnte. Das war halt ein cooler Nebeneffekt, während ich in der Schule war, hatte ich die Features und als ich dann aus der Schule raus war, konnte ich diese Vorlage sozusagen als Voraussetzung benutzen. Das ist halt klassisch- so haben es in Amerika Tausende gemacht, erstmal ´n paar Features und dann…"

Wobei die meisten Features in Deutschland ja eher innerhalb einer Posse stattfinden und in den USA viel häufiger quergefeatured wird. Woran liegt´s?

"Naja irgendwie vor allem an Zeitgründen. Aber wenn Du mal auf das neue Freundeskreis-Album wartest, da wird auch echt fett gefeatured, bei mir ja eigentlich auch schon, also die Spezializtz, Ferris…"
…Ferris paßt natürlich auch sehr geil zu Dir, diese beiden rauhen Stimmen klingen irgendwie verwandt.

"Ja Ferris, Mann, wir ergänzen uns spitzenmäßig" Hier werden sowohl Afrob als auch Harris von einer gewissen Heiterkeit ergriffen.
"Nee, Mann Studio war echt nice, Harris war auch da …"
Harris: "Koma-day…"
Afrob: "Ja, Harris wollte auch gerne auf den Track rappen" (Die Rede ist von der Single "Reimemonster" Anm. der Red.)

Aber?

"Naja, war halt beschlossene Sache, mit Ferris. Aber da hatten wir auch kein Problem mit, weil die Spezializtz und ich, wir werden in unserem Leben eh noch so viele Stücke zusammen machen, wahrscheinlich mehr als wir können!" (?) Auffällig an Afrobs Album "Rolle mit HipHop" (Four Music) ist – außer dem fetten Sound – die "amerikanische" Arbeitsweise, d.h. viele verschiedene Produzenten für die jeweiligen Titel, anstatt alles von einem Team machen zu lassen. Mitgearbeitet haben: DJ Thomilla, Wasi"licious" (Massive Töne), Tommy W. (DJ und Live-Drummer vom Freundeskreis), "Don" Philippe Kayser, DJ Friction (beide ebenfalls FK) und noch einige andere- also die ganze Benztown-Connection.
"Das liegt halt daran, daß ich keine Band bin, sondern Solokünstler. Ich hab´ keinen DJ und keinen festen Produzenten, und außerdem waren da so viele Produzenten um mich herum, da war klar, daß ich das mit denen machen würde. Ich hatte mal ´n Team früher, das ist aber nicht so gelaufen. Ich hab´ dann angefangen mit dem Wasi ´n paar Sachen zu machen und so ist dann irgendwann das Album entstanden. Ich mußte so halt kaum Kompromisse eingehen, weil die Beats auf mich zurechtgeschnitten sind. Obwohl die Arbeitsweise meistens so war, daß ich ins Studio kam und die hatten schon zwei, drei Tracks fertig. Ich hab´ dann gesagt, ich will diesen, die haben dann gesagt, cool. Aber da gibt’s natürlich auch viele Fights, weil der Wasi ja auch für die Massiven Beats macht, der Philippe für seine Geschichten und so und dann geht’s halt: ‚ ich will den Beat, aber die wollen den auch…‘ Das ist dann immer lustig. Viele Stücke sind aber auch steinalt, so echt zwei, drei Jahre alt."
Musik oder Text?

"So textmäßig. Manchmal kam ich auch ins Studio, die hatten über Nacht den Song gemacht und ich wußte überhaupt nicht was mich erwartet. Ich wußte nur, daß ich an dem Tag rappen muß. Und dann kam ich an und die hatten den ‚Rolle mit HipHop‘-Beat gemacht- ich bin ausgeflippt. So was gab’s auch. Wenn mir irgendwas nicht so gefällt, versuche ich, es weitestgehend zu changen. Mit viel, viel Diplomatie. Vor allem wenn man mit so gestandenen Leuten arbeitet, die grundsätzlich älter sind als du."
Kennt Ihr den Skit auf dem ersten FK-Album mit dem Menelik-Flyer? Afrob hat tatsächlich noch so’n Ding. Aber letzten Endes ist ja Afrob der Boss. Oder die Plattenfirma?

"Nee, nee, ich entscheide, ob ich den Beat will oder nicht. Ich renn ja nicht zum Fitz (Fitz Braum, Labelchef Four Music, Anm. d. Red.) und sag: Fitz hör mal den Beat an."

Was für ein Gefühl ist es, eine Platte abzuliefern, und definitiv nichts mehr daran machen zu können?

"(Gelächter) Darüber haben wir vorhin noch geredet. Ich hab das Ding fertiggemacht, und ich war gar nicht mal fertig, und… (zuckt resigniert mit den Schultern) Ich hab’s ja bei den Massiven und beim Freundeskreis gesehen: Die ham sich ja erst mal gechillt, nachdem sie die Platte fertig hatten. Und dann hast du echt Anlaufschwierigkeiten. Solange du noch in diesem Schreibfilm drin bist, ist es echt gut, wenn du weitermachst. Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit der Platte, aber erst viel später, als alles fertig war.  War mir nicht so sicher, wie die Stücke aneinander klingen. Und ich hatte die Stücke auch nicht zu Hause. Aber mir war klar, daß die Platte mich repräsentiert, weil ich nur Sachen schreibe die ich selbst erlebe. Aber vielleicht schreibe ich auch mal `ne Story." 
Hoffentlich nicht so Fettes Brot-mäßig.

" Naja, wenn die so Stories erleben, es gibt alles mögliche, weißt du? Du lebst halt so 20 Jahre, und hast Eindrücke gesammelt, und all das ganze Zeug, was du schon immer sagen wolltest, kannst du auf die Platte packen. Alles. (Is´ doch Ladde! Anm. d. Red.)" An diesem Punkt kam Rob dann zu der Einsicht, dass eigentlich alles, was er sagen will, in seinen Texten zu hören ist. Und da rap.de die Künstler ernst nimmt, geht an dieser Stelle das Dokument eines technisch verpfuschten, aber menschlich sehr anregenden Abends zu Ende. Um mit seinen Worten zu schließen: Der Kolchmob ist zurück! Und: rap.de is… (RealAudio G2) Checkt seine wirklich feine Platte aus, die ab 29.3. auch im rap.de store zu haben ist. Ein Review dazu gibt’s jetzt schon hier. Auf Tour geht die ganze Schwabengang (FK mit Afrob, Fanta 4 und Massive Töne) natürlich auch – die Daten entnehmt Ihr unserer Events-Seite. Und der Livechat… wird nachgeholt!

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