Buju Banton

Buju Banton war im Vergleich zu anderen Top-A-Top-Deejays nie einer, der jedes Jahr eine Zusammenstellung seiner Hit-Tunes als Album auf den Markt warf. Vielmehr gilt es jedes mal, wenn ein neues Werk des Gargamel im Regal steht, seinen musikalischen und spirituellen Schaffenspunkt neu zu entdecken. Nach dem Vorgänger "Unchained Spirit" ist "Friends For Life" das zweite Album auf Anti Records, einem Unterlabel von Epitaph, das von Mitgliedern der kalifornischen Punk-Veteranen Bad Religion betrieben wird. "Ich habe Brett Gurewitz vor Jahren über einen Freund kennengelernt, wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Als ich dann einen neuen Deal suchte, sagten sie einfach, lass es uns machen. Ich bin bis zum heutigen Tag glücklich mit dieser Entscheidung."

 

Musikalisch bewegt sich Buju zwischen Addis Abeba, New York, Miami und Kingston – einerseits bedient er das Hardcore-Dancehall Publikum mit Brechern wie "Look Good (Spectacular)" oder dem Titeltrack "Paid Not Played" auf Troy Ramis brandheißem Surprise-Riddim; dann widmet er sich seiner großen Leidenschaft, der holden Weiblichkeit, auf der überragenden Ballade "One To One", deren von Bobby Digital produzierter Riddim auch schon von Sizzla mit "Thank You Mama" veredelt wurde. Andererseits wieder richtet er den Blick ins Mutterland Afrika und fordert seine Brüder und Schwestern in "Up Ye Mighty Race" zu mehr Spiritualität und einem stärkeren schwarzen Bewusstsein auf.  Der wohl überraschendste Track des Albums dürfte “Good Time” sein, eine Kollaboration von Buju, Beres Hammond und Fat Joe. Als ich ihn auf seine Bekanntschaft mit der New Yorker HipHop Prominenz anspreche, erklärt er mir, dass er den Terror Squad Leader durch Big Pun (“may god bless his soul”) kennengelernt habe. Mit Beres wiederum ist der Banton natürlich schon lange tight, ihre zahlreichen Hit-Combinations auf Penthouse bezeugen das. “Mit Beres ist es ein ganz natürliches Ding. Sogar, wenn wir nicht zusammen im Studio sind, ist der Vibe da. Aber ich liebe es, im Harmony House zu sein und mit ihm zu arbeiten. Ein großartiger Mann.”


Wie “Mighty Dread” auf dem Vorgängeralbum schon erahnen ließ, ist Buju ein großer Ska-Fan. “Ich liebe die Stimmung von Ska, es ist so frisch und unverbraucht. Viele vergessen, das es Ska ist, aus dem Dancehall hervorgegangen ist.” Und so ist mit “Feeling Groovy” ein lupenreines Reworking des Don Drummond-Klassikers “Eastern Standard Time” vertreten, bei dem man einfach mitswingen muss.

Bei vielen der Tracks ist Buju selbst als Produzent in Kraft getreten; seit 1998 herrscht er über sein eigenes Gargamel Studio, wo sich auch Hitproduzent Lenky (ja, der “Diwali” gemacht hat) seine Sporen verdiente. Für Lenky hat Buju nur Lob parat: “Er hat ein unglaubliches Talent, wenn er ins Studio kommt, spielt er hier auf dem Keyboard, dann nimmt er sich einen Bass, er beherrscht die Konsole, vom Einspielen bis zum Endmix, er kann einfach alles.” Leider zu spät fürs Album, aber gerade rechtzeitig für den karibischen Karneval schloss sich Buju mit Bounty Killer zusammen, und die beiden Deejay-Dons voicten eine Bombe von einem Track für Steely & Clevies neusten Streich, den 44 flat, den ihr jetzt in den Dancehalls eures Vertrauens hören könnt.

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