PDNTDR

PutDaNeedleToDaRecords – eine Aufforderung, der man grundsätzlich gerne Nachkommt… Seit einigen Jahren verbirgt sich hinter PDNTDR jedoch mehr, als lediglich der Befehl an den DJ, einen Beat anzuwerfen – nämlich ein kleines, aber stetig wachsendes HipHop- Plattenlabel, welches inzwischen zur musikalischen Heimat verschiedenster Acts geworden ist. Dazu zählen z.B. Kool Savas oder Creutzfeld & Jakob, die letztes Jahr mit ihrem LP- Debut „Gottes Werk und Creutzfelds Beitrag“ auch bereits einen beachtlichen Charterfolg einfahren konnten und von Fans und Fachpresse gleichermaßen äußerst positiv aufgenommen wurden. Außerdem releasen dort z.B. der Klan oder die Jungs von der Ruhrpott AG / RAG, die bald auch für den nächsten Longplayer von PDN verantwortlich gemacht werden dürfen. Geistiger Vater und Labelchef von PDN ist Peter Sreckovic, der vielen vielleicht auch als Fast Forward oder FaFo und Mitglied der STF-Crew bekannt sein könnte.
Der gebürtige Kölner ist einer der Veteranen des deutschen HipHop. Seine Aktivitäten in der Kultur reichen bis in die späten 80er zurück, als er gemeinsam mit ein paar Freunden ein DJ-Team hatte und regelmäßig auf Schulparties auflegte. Irgendwann stolperte er dabei über „Paid in Full“ von Erik B & Rakim und begann anschließend, immer tiefer in die Materie einzudringen. Sein Werdegang als MC begann dann Anfang der 90er, als ihn persönliche Erlebnisse zum Rap führten: „Ich hab` damals ein paar persönliche Erfahrungen gemacht, die ich irgendwie nicht anders verarbeiten konnte, als durch Texten. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich mich mit der Musik ja nur als DJ auseinander gesetzt, aber natürlich auch die Texte mitverfolgt und schon verstanden, wie die Leute die Musik einsetzen, um sich auszudrücken. Da hab´ ich dann selber angefangen, Texte zu schreiben und das als Kanal zu benutzen.“ Anfang der 90er führte ihn sein Studium dann an die RWTH in Aachen und damit an einen der westlichsten Punkte Deutschlands, direkt an die Grenze zu Belgien und Holland. Ein paar Jahre später löste er seinen Deal bei MZEE auf, weil er sich dort zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr richtig aufgehoben fühlte und seine geplante LP „Ich und MC Bibabutz“ lieber in Heimarbeit rausbringen wollte. Und so entstand dann auch PDNTDR, welches Peter anfangs noch von seinem Wohnzimmer aus in einer der größeren Hauptstraßen Aachens führte. Weil es in den jeweiligen Büros nach kurzer Zeit immer zu eng wurde und man sich „vor Computern und Papier weder vor- noch rückwärts bewegen konnte“ ist PDN zwischenzeitlich zum zweiten Mal umgezogen und nun in der Nähe des Aachener Hauptbahnhofs in der Bergischen Gasse gelandet. Als ich zu unserem Treffen ankam, war man am Ende der Einfahrt hinter dem fetten Eisentor gerade damit beschäftigt, einen ziemlich coolen Empfangstresen für die ehemalige Werkstattetage mit ca. 220 m² Fläche zu bauen. Anschließend kam es in der neuen Küche des Labels mit Peter und seiner Freundin Nicole zu einem angenehmen Gespräch über MC Bibabutz, PDN und ein paar Gerüchte… . Hier einige Auszüge:

rap.de: Als Du 90/91 angefangen hast, kamen ja gerade diese inzwischen schon klassischen Querelen zischen Advanced Chemistry und den Fantastischen Vier auf. Wie hast du das so erlebt und welchen Standpunkt hast du damals eingenommen?

Peter: Also ich fand das ganze eigentlich nie so ultra-diskussionswürdig. Im Grunde war es ja so, dass gerade die Leute, die damit wirklich nichts zu tun hatten, am lautesten gebrüllt haben. An sich hat ja jede der beiden Gruppen nur ihr Ding durchgezogen und gesagt: Ich mach das Richtige für mich, das ist meine Art von HipHop und dafür steh´ ich ein. Die einen haben es halt lustig gemacht und Advanced Chemistry eben sehr ernsthaft. Im Grunde hat aber niemand geschrien: Das ist der einzig selig machende HipHop.

 
rap.de: Na ja – es gab ja schon diesen Sellout- Vorwurf an die Fantastischen Vier und bei deinem Label sind die Texte ja tendenziell doch etwas ernster und rauer – respektiertest du die Fantastischen 4 trotzdem als Künstler oder hast du damals diesen Sellout-Vorwurf geteilt?

Peter: Also ehrlich gesagt, empfand ich die erste Platte, die sie rausgebracht haben – die „Jetzt geht´s ab“ – sogar tatsächlich als was Erfrischendes, weil ich das in der Art vorher auch noch nie gehört hatte. Die hatte ich mir damals sofort gekauft und ich hatte mir da auch ein, zwei Konzerte in der Nähe angesehen. Wenn man es sich einfach mal unvorbelastet von dieser ganzen Ideologie und diesem Sellout-Gedöns ansieht, muss man eigentlich sagen, das ist auch ´ne Art, wie man diese Musik machen kann. Aber auf lange Sicht ist es jetzt für mich aber einfach nicht so mein Ding, hat sich dann auch nicht so weiterentwickelt. Das nächste wirklich Gute von denen war für mich dann eigentlich „Sie ist weg“ – das fand ich ´nen richtig coolen Track. Ich hab´ diesen Track einfach wahrgenommen und mir gesagt – ok, das ist halt was, was dieser Typ auch gefühlt hat und deswegen ist es ´n guter Song geworden. Das merkt man einfach – denke ich.
rap.de: Wo wir gerade so ein bisschen bei anderen MCs und Geschmack sind: Habt ihr bei PDN ´ne bestimmte Philosophie für die Veröffentlichungen – sozusagen einen „Labelgeschmack“? Wie gesagt sind bei Euch ja eher ernstere Leute mit etwas raueren Texten. Nehmen wir mal an, es gäbe einen zweiten Dende und der würde sagen, wie sieht es aus mit uns? Wäre so etwas für Euch überhaupt denkbar?

Peter: Also wenn ich die Sport-EP auf ´n Tisch gekriegt hätte, ich glaube, ich hätte die auch rausgebracht. Von der Philosophie und der Auswahl her ist es bei mir eigentlich so, dass ich anerkenne, dass es verschiedene Arten gibt, HipHop zu machen – aber ganz egal wie Du es machst: Mach es eben gut. Ich erzähle den Leuten deshalb auch nicht, es gibt nur diesen einen Weg, es richtig zu machen. Wir versuchen eigentlich, von allem, was es an Fächerungen so gibt, möglichst gute Sachen anzubieten und Qualität zu liefern. Ich denke auch, dass das irgendwie die Maxime sein sollte und nicht, immer den gleichen Sound abzunudeln oder immer einen Sound zu klonen. Wir haben halt Leute, die rough sind und ´ne extrem klare Sprache sprechen, aber auch Leute, die mehr was für den Kopf machen und eher ´nen smoothen Sound haben – eben mehrere Ansätze.
rap.de: Es gibt da ja noch diese Homerecording- Geschichte. Was verbirgt sich denn dahinter?

Peter: Das ist ein Sublabel von uns, das eigentlich nur ´nen anderen Namen hat – im Grunde genommen so was wie unser Sandkasten. Die Philosophie ist da so, dass Leute aufgebaut werden und wir ihnen ´ne Möglichkeit geben, mal was zu veröffentlichen. Homrecording halt auch, weil da nicht so extrem gemastertes Zeug veröffentlicht wird und kopienmäßig bleibt das auch so im Tausenderbereich – das ist eigentlich so das Plansoll. Wenn sich mehr verkaufen lassen, ist das natürlich immer wunderbar. 
rap.de: Zum Schluss mal noch zu diesen Def Jam- Gerüchten. Da wurde ja so alles mögliche erzählt. Von relativ harmlos: Def Jam macht den CD-Vertrieb – bis zu sehr heftig: Def Jam hat PDN gekauft. Wie sieht es denn da aus?

Nicole: Also das ging mit so ´nem kleinen Zwischenfall los, als Roberto Blanco auf einmal bei „Augen auf beim Plattenkauf“ erzählte, Def Jam Germany hätte PDN komplett aufgekauft. Wir sind Freitag Abend erst mal vom Sofa gefallen und haben dann auf unserer Seite bekannt gegeben, dass das ´n Fehler ist.
Peter: Also ich fand die Sache, so wie sie in der Öffentlichkeit gehandhabt wurde, schon ein bisschen ärgerlich. Vielleicht hätte man das von unserer Seite auch etwas großflächiger handhaben sollen, aber das wollte ich eigentlich nicht zwingender weise. Die Sache ist die, dass wir halt ´nen Labeldeal mit Def Jam Germany geschlossen haben, der beinhaltet, dass wir die CDs zusammen auswerten, was konkret bedeutet, dass Def Jam die herstellt und auch vertreibt. Vinyl kommt dagegen wie bisher auch von uns. Wie man sieht, sitzt man hier auch bei PDNTDR und hier gibt ´s auch kein Def Jam-Telefon, auf dem mich jemand anruft, der mir sagt, du hast jetzt dies und das zu sagen oder sonst was. Wenn man unsere Philosophie bisher halbwegs aufmerksam verfolgt hat, dann sollte eigentlich auch klar sein, dass ich mich bestimmt nicht zu irgendeinem Schritt entschieden hätte, der PDNTDR in irgendeiner Art und Weise in der bisherigen Freiheit einschränkt und Nachteile bringt.
rap.de: Danke euch beiden für das Gespräch.

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