Princess Superstar

Vor zwei Jahren hat einer meiner Freunde ihren Künstlernamen gedroppt, und ich war allein davon schon begeistert – wer sich so nennt, der muss ´ne Menge Selbstbewusstsein haben und wissen, was er will", erzählt Matthias Kind , der A&R von Rapster/!K7 [vgl. unser Feature] über seine erste "Begegnung" mit Concetta Kirschner a.k.a. Princess Superstar , die er als ersten Künstler für sein Label unter Vertrag nahm. Als wir den Namen das erste Mal hörten und die "Gästeliste" ihres neuen Albums "Princess Superstar Is" lasen (u.a. feat. High & Mighty , Kool Keith , Bahamadia ), dachten wir eher: "Wieder mal jemand, der ein paar Leute kauft, um bekannt zu werden, weil er es alleine nicht schafft". Da noch niemand etwas von ihr gehört hatte, gingen wir auch davon aus, hier ein Debüt-Album in den Händen zu halten. Doch weit gefehlt – auch, wenn die Informationen es bisher offensichtlich nicht über den großen Teich geschafft hatten, hat Miss Superstar in der HipHop-Branche schon einiges hinter sich. Seit 1995 veröffentlichte sie bereits drei Alben mit den Titeln "Strictly Platinum", "CEO" und "Last Of The Great 20th Century Composers", wovon die beiden letzten in völliger Eigenregie entstanden, nachdem sie ihr eigenes Label namens "A Big Rich Major Label" gegründet hatte, welches sie anschließend in "The Corrupt Conglomerate" umbenannte. Auf der "Last Of The Great…" baute ihr kein geringerer als Prince Paul den Beat für "I Hope I Sell a lot of Records at Christmastime". Auf "Year Two Thousand" featurete sie den Ex-Fugee John Forte und auf "Kool Keith´s Ass" ließ sie sich über das Hinterteil des Ultramagnetic MCs aus. Dieser antwortet nun im Track "Keith ´n Me" auf dem aktuellen Album mit "I heard you were talkin about my ass".  Da sie von HipHop bisher nicht leben konnte, war Concetta darauf angewiesen, nebenher ganz normale Dayjobs zu machen. So war sie u.a. Sekretärin und beschäftigte sich später mit dem Updaten von Websites, während sie nebenher ihr eigenes Label führte und Songs schrieb. Mit der Lizenzierung ihrer neuen Platte an Rapster soll das nun anders werden – sie wird endlich Zeit haben, sich auf die Basics zu konzentrieren. Wenn man Concettas Album hört, kommt man an ihrem Humor nicht vorbei – "Bad Babysitter" (feat. High & Mighty) beispielsweise lässt einen unentwegt grinsen. Dass sie aber nicht nur "geplant" witzig ist, sondern auch extrem spontan für Lacher sorgt, konnten wir in unserem Interview pausenlos feststellen. Auf die Standardfrage, was sie an ihrem Job am meisten schätze, antwortet sie eben nicht "es ist so toll, die ganze Welt sehen zu können", sondern "das Tolle am Musikerdasein ist es, die ganzen Hotels auf der ganzen Welt zu besichtigen", was die Lebensrealität der meisten Künstler auf Tour wohl auch eher trifft. Irgendwann kommen wir unvermeidlich auf Rawkus, und Concetta erzählt, wie sie gebeten wurde, für ein englisches Musikmagazin eine Gast-Kritik über eine Rawkus-Veröffentlichung zu schreiben. Ihre komplette Rezension fiel ziemlich kurz aus: "Ihr kennt doch die Labels auf dem Rawkus-Vinyl – mit der Musik ist es genauso: Immer das gleiche." Was ihre eigene Musik anbelangt, so passt kein Adjektiv besser als "vielfältig". Früher waren vereinzelt sogar einige Anflüge von Punk auf ihren Platten zu finden, gelegentlich rappt sie über Beats, die in Richtung Drum & Bass gehen. Bemerkenswert ist schließlich, dass sie auch im Bereich Beats auf weiten Strecken Selfmade-Woman ist: Fünf der Tracks auf ihrem neuen Album stammen aus der eigenen Feder.

rap.de: Wie kam es zu der Verbindung mit Rapster? 

Princess: Matthias, der Main-A&R, hörte meine dritte Platte, und er wurde mein Manager. Dann haben sie ihn die Rapster-Sache bei !K7 machen lassen, und er meinte "du bist die erste, die ich signen will, weil ich an dich glaube, und du kannst tun und lassen, was du willst. Wir bringen dich raus". Für mich hörte sich das gut an, und ich war es auch leid, den ganzen Kram alleine zu machen. Für mich ist das perfekt – es ist kein Major-Label, das Millionen von Dollar mit mir machen will und von mir erwartet, dieses Püppchen zu sein und alles jiggy zu machen.
rap.de: Ist es für dich nicht seltsam, mit einer deutschen Plattenfirma zusammenzuarbeiten und eben nicht auf einem Ami-Label gesignt zu sein?

Princess: Nun – !K7 hat ein riesiges Büro in NY. Am Anfang war es schon seltsam, aber ich finde es dope. Ich denke, die Europäer waren immer offener darin, innovative Künstler zu akzeptieren. Das zieht sich durch die ganze Geschichte – sogar fucking Kraftwerk ist von hier. Zuerst war es sehr verrückt, aber dann dachte ich mir "Fuck it! Ich gehe nach Berlin".


rap.de: Wenn ich mit amerikanischen Künstlern rede und sie frage, woran es ihrer Meinung nach liegt, dass sie hier teilweise stärker respektiert werden als in den Staaten, meinen sie häufig, es sei unglaublich, was für Die-Hard-Fans sie hier hätten, die jede Line mitrappen könnten. Das ist schon sehr interessant – wie siehst du das?

Princess: Ich denke, dass die Leute hier leidenschaftlicher sind, als in den Staaten. In den Staaten ist es einfach sehr leicht, mit allem möglichen übersättigt zu werden. Letzte Nacht sprach ich gerade mit jemandem in Hamburg darüber, wie schlimm es hier alle finden, dass Bush unser neuer Präsident ist. In den Staaten gibt es da keinen richtigen Widerstand, noch nicht mal unter den Künstlern. Ich denke, so ähnlich ist es auch mit der Musik – die Leute hören sich die bekannten Singles an, aber keiner will mehr ein ganzes Album hören. Oder nimm unser Fernsehen – die Leute wollen sehen, wie ein Mann von einem Hai angegriffen wird, aber sie wollen nicht sehen, dass es Krieg in Israel gibt. Die Leute sind ziemlich apathisch und leidenschaftslos, höchstens oberflächlich an neuen Dingen interessiert. Hier ist das noch anders, obwohl ich merke, wie die amerikanische Kultur auch langsam einsickert. Vor sieben Jahren habe ich eine Zeit lang in Paris gelebt, und es war strange für mich, McDonalds in diesen alten schönen Gebäuden zu sehen, McDonalds und Gap. Ich hoffe, dass das hier keinen allzu großen Einfluss gewinnt. Vielleicht sollten sie diese Mauer wieder aufbauen und um Europa ziehen (lacht).   

rap.de: Du rappst in vielen deiner Tracks ja auf eine sehr "offensive" Art über Sex – z.B. auch in "Bad Baby Sitter", und man hört, dass da eine Menge Spaß und Humor dahinter steht. Denkst du aber nicht trotzdem manchmal, dass jüngere Mädels das möglicherweise auch missverstehen könnten? Gerade in "Bad Baby Sitter" erweckst du ja – natürlich absichtlich – den Eindruck des dümmlichen Mädels, das leicht zu haben ist.

Princess: Das ist schon eine berechtigte Frage, und ich hoffe, dass meine Texte nicht falsch verstanden werden. Ich weiß nicht, wie es heute ist – als ich 15 war, wurde ich so langsam "busy" (grinst), und das ist heute sicher nicht anders. Man würde sich etwas vormachen, wenn man denkt, dass Mädchen in dem Alter heute nicht rummachen. Ich hoffe, dass die Mädels verstehen, dass es ein lustiger Witz sein soll, und sie sich nicht in Probleme bringen. Ich denke aber auch, dass Frauen heute schneller reif und erwachsen werden. Ich meine, ich mache auch keine Musik für 8, 9 oder 10 Jahre alte Kinder. Sie ist schon für ältere Teenager und noch ältere Leute.
rap.de: Beim Track "You Get Mad at Napster" gehst du ja z.B. richtig ab – deine Stimme überschlägt sich fast ein bisschen. Was musst du tun, um für so einen Track in die richtige Stimmung zu kommen?

Princess: Beim diesem Song dachte ich definitiv an jemanden, der mich ankotzt, was man dann am Mic noch irgendwie kanalisieren muss. Wenn es dann nach dem zehnten Take immer noch nicht so klingt, wie du es haben willst, und du anfängst rumzuschreien: "I ´m fucking mad. I can´t get this fucking song out. Jesus fucking Christ!", dann hast du es plötzlich. Ich versuche immer, mir selbst zu erlauben, gegenüber den Dingen, die ich fühle, offen zu sein. 
rap.de: Mit wem war es am schwierigsten, für das neue Album zusammenzuarbeiten?

Princess: Die Wahrheit ist, dass es mit allen großartig war. Es mag cheesy klingen, aber es war mitjedem ein absoluter Traum, zusammenzuarbeiten…. Einige Leute waren etwas anspruchsvoller, was Geld angeht, als andere, was aber o.k. ist (lacht). Ich möchte keine Namen nennen – ihr könnt es euch wahrscheinlich vorstellen.
rap.de: Ja – ich habe schon so eine Idee…

Princess: Keith! Ha ha.
rap.de: Ich dachte, er will nur Sex…

Princess lacht nur.

rap.de: Bist du mit den X-Ecutioners in Kontakt – du hast ja Sinista auf einem Track?

Princess: Ja – Sinista und ich sind gute Freunde. Er ist großartig – er arbeitet gerade an einem Soloalbum und ruft mich immer an, wenn ich gerade auf dem Weg zu Arbeit bin, und spielt mir seine neuen Tracks vor. "Das ist cool, Sin, mach es lauter, turn it up", muss ich dann immer sagen. Er hat mich stark beeinflusst – er hat immer unterstützt, was ich tue, und mir gesagt, ich soll weitermachen.
rap.de: Danke für das Gespräch

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